{"id":14812,"date":"2026-05-07T17:18:57","date_gmt":"2026-05-07T17:18:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14812\/"},"modified":"2026-05-07T17:18:57","modified_gmt":"2026-05-07T17:18:57","slug":"bundesregierung-lehnt-wiedergutmachung-fuer-ehemalige-kolonien-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14812\/","title":{"rendered":"Bundesregierung lehnt Wiedergutmachung f\u00fcr ehemalige Kolonien ab"},"content":{"rendered":"<p> <img width=\"400\" height=\"225\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/herero_nama_sklaven_deutschland_kolonialismus_rassismus_geschichte_namibia-400x225.jpg\" class=\"attachment-400x225 size-400x225 wp-post-image\" alt=\"Herero, Nama, Sklaven, Sklaverei, Namibia, Kolonialismus, Deutschland, Soldat, V\u00f6lkermord\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p> Herero und Nama neben einem deutschen Soldaten im heutigen Namibia \u00a9 AFP Photo \/ National Archives of Namibia<\/p>\n<p>Aufarbeitung, aber keine Wiedergutmachung: Das ist die Haltung der Bundesregierung zu Unrecht im Kolonialismus. Ein Experte wertet das als Desinteresse am kolonialen Erbe und die Gr\u00fcnen kritisieren \u201eformalistische Argumente\u201c der Regierung.<\/p>\n<p>  Sonntag, 17.08.2025, 13:31 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 17.08.2025, 14:11 Uhr  Lesedauer: 3 Minuten\u00a0 | \u00a0   <\/p>\n<p>Die Bundesregierung will zwar die Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit vorantreiben, <a href=\"https:\/\/www.migazin.de\/2016\/10\/17\/umgang-voelkermord-regierung-entschaedigung-herero\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">lehnt Wiedergutmachungszahlungen an ehemalige deutsche Kolonien aber weiter ab<\/a>. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der Gr\u00fcnen hervor, \u00fcber die zuerst der \u201eTagesspiegel\u201c berichtet hatte.<\/p>\n<p>Zwar wolle die schwarz-rote Koalition \u201edas unter deutscher Kolonialherrschaft begangene Unrecht\u201c in den betroffenen L\u00e4ndern aufarbeiten, hei\u00dft es darin. Aber: \u201eDer Begriff der Wiedergutmachung im V\u00f6lkerrecht ergibt sich aus der Verletzung einer internationalen Verpflichtung.\u201c Und die habe zur Zeit des begangenen Unrechts nicht existiert. \u201eDas Konzept der Wiedergutmachung ist daher im Zusammenhang mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands nicht anwendbar\u201c, fasst die Regierung zusammen.<\/p>\n<p>Claudia Roth fordert Empathie<\/p>\n<p>Kritik daran kommt von der Gr\u00fcnen-Politikerin Claudia Roth, die die Anfrage gemeinsam mit ihren Parteifreundinnen Awet Tesfaiesus und Jamila Sch\u00e4fer gestellt hatte. Das Erinnern an das von Deutschland begangene Unrecht sei die Voraussetzung f\u00fcr eine zukunftsf\u00e4hige Partnerschaft mit den vom Kolonialismus betroffenen L\u00e4ndern. \u201eDaf\u00fcr braucht es Empathie und keine formaljuristische Verweigerung\u201c, sagte Roth der Deutschen Presse-Agentur.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen-Politikerin Tesfaiesus erkl\u00e4rte, die Bundesregierung verschlie\u00dfe die Augen vor einer Wahrheit, die die ganze Welt kenne: \u201eDie Axt vergisst ihr Werk. Der Baum erinnert sich.\u201c Damit verhindere die Bundesregierung, dass man Deutschland in allen Fragen der Verantwortung international als ehrlichen Verhandlungspartner wahrnehme, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst.<\/p>\n<p>Eine Milliarde f\u00fcr Namibia<\/p>\n<p>Die Bundesregierung befasst sich in ihrer Antwort auch mit dem Angebot, 1,1 Milliarden Euro an Namibia zu zahlen. 2021 hatte sie sich nach jahrelangen Verhandlungen darauf verst\u00e4ndigt, mit dieser Summe das Land in den n\u00e4chsten 30 Jahren zu unterst\u00fctzen. \u201eDavon sollen 1,05 Milliarden Euro f\u00fcr ein Programm f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung und 50 Millionen Euro f\u00fcr ein Programm f\u00fcr Vers\u00f6hnung bereitgestellt werden\u201c, hei\u00dft es jetzt. Bisher ist aber noch kein Geld geflossen. Die Gespr\u00e4che \u00fcber die Umsetzung der beiden Programme einschlie\u00dflich des zeitlichen Rahmens seien nicht abgeschlossen, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Weitere Gelder w\u00fcrden aber auch in Projekte zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit flie\u00dfen. Zudem stehe die Bundesregierung mit einer Vielzahl von L\u00e4ndern zur Frage der R\u00fcckgabe von Kulturg\u00fctern und menschlichen \u00dcberresten aus kolonialen Kontexten im Kontakt.<\/p>\n<p>Die Eigentums\u00fcbertragung von mehr als <a href=\"https:\/\/www.migazin.de\/2022\/12\/18\/geraubt-baerbock-benin-bronzen-nigeria\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">1.000 Benin-Bronzen aus deutschen Sammlungen an Nigeria<\/a> 2022 sei \u201eein positives Kapitel in der deutsch-nigerianischen Zusammenarbeit\u201c, erkl\u00e4rte die Bundesregierung weiter. Sie sehe sich \u201ein der Verantwortung, das unter deutscher Kolonialherrschaft begangene Unrecht aufzuarbeiten\u201c. Das sei unbestrittener Teil der Erinnerungskultur in Deutschland. Das \u201eKonzept der Wiedergutmachung\u201c sei aber aus den rechtlichen Gr\u00fcnden \u201eim Zusammenhang mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands nicht anwendbar\u201c.<\/p>\n<p>Deutschland erkennt V\u00f6lkermord an<\/p>\n<p>Deutschland hatte sich ab 1884 Kolonien in Afrika, Ozeanien und Ostasien angeeignet. Die gewaltvolle Herrschaft f\u00fchrte zu Aufst\u00e4nden und Kriegen, im heutigen Namibia kam es zu einem Massenmord. Von 1904 bis 1908 wurden in Namibia etwa 80 Prozent des Herero-Volkes und die H\u00e4lfte der Nama von deutschen Streitkr\u00e4ften get\u00f6tet. Sch\u00e4tzungen gehen von 100.000 Opfern aus. Die Bundesregierung erkannte die Gr\u00e4ueltaten 2021 als V\u00f6lkermord an.<\/p>\n<p>Anfang des 20. Jahrhunderts gab es diesen juristischen Begriff noch nicht. Erst 1948 wurde V\u00f6lkermord durch eine Konvention der UN-Generalversammlung zum Straftatbestand. Die Konvention gilt aber nicht r\u00fcckwirkend. Deswegen ergaben sich f\u00fcr Deutschland keine rechtlichen Konsequenzen. Die Bundesregierung hatte bereits in der Vergangenheit betont, dass es aus ihrer Sicht keinen Rechtsanspruch auf Entsch\u00e4digung gebe.<\/p>\n<p>Der Historiker J\u00fcrgen Zimmerer von Universit\u00e4t Hamburg widerspricht: \u201eW\u00fcrde man das konsequent zu Ende denken, g\u00e4be es ja auch keine Wiedergutmachungsleistungen f\u00fcr den Holocaust. Da wird aus meiner Sicht mit zweierlei Ma\u00df gemessen.\u201c In Deutschland habe es beim Thema Kolonialismus lange eine \u201ev\u00f6llige Amnesie\u201c gegeben. Seit etwa 2015 habe sich das Interesse verst\u00e4rkt, H\u00f6hepunkt seien die \u201eBlack Lives Matter\u201c-Proteste 2021 gewesen. \u201eDoch seitdem erleben wir einen konservativen Rollback\u201c, erkl\u00e4rte der Wissenschaftler und f\u00fcgte hinzu: \u201eDiese Regierung interessiert sich nicht f\u00fcr das koloniale Erbe.\u201c (dpa\/epd\/mig)  Aktuell Politik <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herero und Nama neben einem deutschen Soldaten im heutigen Namibia \u00a9 AFP Photo \/ National Archives of Namibia&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14813,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[414],"class_list":{"0":"post-14812","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-namibia","8":"tag-namibia"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116534441579640490","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14812","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14812"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14812\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14813"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14812"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14812"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14812"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}