{"id":14882,"date":"2026-05-07T21:24:23","date_gmt":"2026-05-07T21:24:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14882\/"},"modified":"2026-05-07T21:24:23","modified_gmt":"2026-05-07T21:24:23","slug":"wer-ermordete-die-virunga-gorillas-national-geographic","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14882\/","title":{"rendered":"Wer ermordete die Virunga-Gorillas? &#8211; National Geographic"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-\" src=\"\"\/><\/p>\n<p>Die Killer warteten. Bald w\u00fcrde es dunkel sein. Es war der 22. Juli 2007. Die M\u00e4nner kauerten im Wald und machten sich bereit, mit ihren automatischen Gewehren eine Gorillafamilie zu erschie\u00dfen. Am Hang des Mikenovulkans im Osten der Demokratischen Republik Kongo hatten sie die zw\u00f6lfk\u00f6pfige \u201eRugendo\u201c-Gruppe aufgesp\u00fcrt. Sie war eine Attraktion f\u00fcr Touristen und geliebt von den Rangern des <a href=\"http:\/\/whc.unesco.org\/en\/list\/63\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Virunga-Nationalparks<\/a>. Der Patriarch der Gorillafamilie, ein 225 Kilo schwerer Silberr\u00fccken mit dem Namen \u201eSenkwekwe\u201c, muss gesp\u00fcrt haben, dass die Angreifer in der N\u00e4he waren. Vielleicht hat er \u00fcber ihren unangenehmen Geruch seine breite schwarze Nase ger\u00fcmpft. Doch er war sicher nicht beunruhigt. Er hatte schon Tausende von Menschen gesehen und ihre N\u00e4he wohl als irritierend, aber unvermeidlich akzeptiert. Die \u201eRugendo\u201c-Familie war so sehr an Menschen gew\u00f6hnt, dass die Gorillas manchmal aus dem Wald herauskamen, um zum Verdruss der \u00f6rtlichen Bauern in einem Maisfeld ein improvisiertes Picknick zu machen.<\/p>\n<p>Parkranger vom nahe gelegenen Posten gaben sp\u00e4ter zu Protokoll, sie h\u00e4tten an jenem Abend um acht Uhr Sch\u00fcsse geh\u00f6rt. Am n\u00e4chsten Morgen fanden sie bei einem Streifengang drei erschossene Gorillaweibchen: \u201eMburanumwe\u201c, \u201eNeza\u201c und \u201eSafari\u201c. Daneben kauerte das Junge von \u201eSafari\u201c. Am folgenden Tag wurde \u201eSenkwekwe\u201c tot aufgefunden. Drei Wochen sp\u00e4ter entdeckte man die Leiche von \u201eMacibiri\u201c, einem weiteren Weibchen der Familie. Sein Junges ist vermutlich auch tot.<\/p>\n<p>Einen Monat zuvor waren zwei Weibchen und ein Jungtier aus einer anderen Gorillagruppe \u00fcberfallen, eines der Weibchen durch einen Genickschuss regelrecht hingerichtet worden. Sein Junges lebte noch, an die Brust der Mutter geklammert. Binnen zwei Monaten wurden also sieben Virunga-Gorillas get\u00f6tet. Die Fotos, auf denen weinende Dorfbewohner tote Menschenaffen aus dem Wald tragen, gingen um die Welt.<\/p>\n<p>Die Ermordung der Tiere l\u00f6ste eine Welle der Emp\u00f6rung aus. Tatverd\u00e4chtig waren viele. Es gibt im Nationalpark Tausende schwer bewaffnete M\u00e4nner \u2013 Soldaten zweier rivalisierender Milizen und der kongolesischen Armee, die dort einen Dreiparteienkrieg austragen. Hinzu kommen Wilderer und Horden illegaler Holzkohlebrenner. Am Rand des Parks leben Kleinbauern, in Fl\u00fcchtlingscamps suchen zahllose Familien aus der Demokratischen Republik (DR) Kongo, aus Ruanda und Uganda Zuflucht vor den Gr\u00e4ueln des B\u00fcrgerkriegs. Aber wer w\u00fcrde kaltbl\u00fctig die Gorillas t\u00f6ten? Und vor allem: Warum?<\/p>\n<p>\u201eVirunga ist der gro\u00dfartigste Nationalpark auf unserem Planeten\u201c, so Emmanuel de Merode, Direktor der Naturschutzorganisation <a href=\"http:\/\/wildlifedirect.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">WildlifeDirect<\/a>. Nicht zuletzt wegen seiner Gorillas. Auf der Erde leben insgesamt noch ungef\u00e4hr 720 Berggorillas. Davon 200 im Virunga-Nationalpark auf dem Gebiet des Kongo, sie sind eine der wichtigsten Touristenattraktionen des Parks. Der Park wird vom Institut Congolais pour la Conservation de la Nature (ICCN) verwaltet und steht auf der UN-Liste der am meisten bedrohten Landschaften der Welt. Als man im Juli 2007 die Leichen der Gorillas fand, war eines klar: Sie waren nicht von Wilderern get\u00f6tet worden. Diese h\u00e4tten auf jeden Fall die Jungtiere mitgenommen und den erwachsenen Tieren K\u00f6pfe und H\u00e4nde abgehackt. Waren es die Soldaten, von denen es im Virunga-Park nur so wimmelt?<\/p>\n<p>\u201eEs ist eine Ehre, sie im Land zu haben. Es ist meine Pflicht, sie zu besch\u00fctzen\u201c, ist die Antwort des Tutsi-F\u00fchrers Nkunda auf die Frage nach den Gorillas. Seine Rebellen kontrollierten den Sektor, in dem die Gorillas leben. Zumindest dem Anschein nach kennen sich Nkundas Soldaten mit den Tieren aus und respektieren sie. Auf einer Exkursion in Nkundas Territorium werden wir von Pierre Kanamahalagi \u2013 kurz Kana \u2013 in Empfang genommen, einem ehemaligen ICCN-Ranger. \u201eDas ICCN ist korrupt. Die haben das Geld der Gorilla-Touristen in die eigene Tasche gesteckt\u201c, erz\u00e4hlt uns Kana, der nicht glaubt, dass die Soldaten Nkundas die Gorillas get\u00f6tet haben.<\/p>\n<p>\u201eDie Holzkohle ist die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr den Nationalpark\u201c, hatte schon de Merode gesagt. Sie ist die wichtigste Energiequelle, die in 98 Prozent aller Haushalte benutzt wird. Die Holzkohle stammt von B\u00e4umen hier im Park. Das illegale Holzkohlegesch\u00e4ft bl\u00fcht. Der Handel mit Holzkohle aus Virunga brachte im Jahr 2006 mehr als 20 Millionen Euro ein \u2013 der Gorilla-Tourismus gerade mal 200 000 Euro.<\/p>\n<p>Die rivalisierenden Parteien werden den Nationalpark nicht verlassen, solange sich mit der Holzkohle viel Geld verdienen l\u00e4sst. \u201eDer Kampf um die Holzkohle war der Grund daf\u00fcr, dass im vorigen Jahr die Gorillas sterben mussten. Es ging um Paulin Ngobobo, einen unbestechlichen Ranger\u201c, best\u00e4tigt uns Robert Muir, Projektmanager des <a href=\"http:\/\/zgf.de\/?id=65&amp;projectId=7&amp;language=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Schutzprogramms<\/a> der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt f\u00fcr den Virunga-Park: \u201eSie m\u00fcssen mit Paulin reden. Er ist der Held. Er hat sein Leben aufs Spiel gesetzt, um den Nationalpark zu retten.\u201c<\/p>\n<p>Welche Ideen haben Sie, um die bedrohten Affen vor der Ausrottung durch die Menschen sch\u00fctzen? Schreiben Sie Ihre Meinung an <a href=\"https:\/\/nationalgeographic.de\/tiere\/2017\/11\/wer-ermordete-die-virunga-gorillas\/mailto:leserbriefe@nationalgeographic.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">leserbriefe@nationalgeographic.de<\/a> und vergessen Sie bitte nicht, Ihre Anschrift anzugeben.<\/p>\n<p>(NG, Heft 8 \/ 2008, Seite(n) 26)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Killer warteten. Bald w\u00fcrde es dunkel sein. Es war der 22. Juli 2007. 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