{"id":14886,"date":"2026-05-07T21:29:58","date_gmt":"2026-05-07T21:29:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14886\/"},"modified":"2026-05-07T21:29:58","modified_gmt":"2026-05-07T21:29:58","slug":"in-den-minen-der-rsf-schuerfen-fuer-die-kriegskasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14886\/","title":{"rendered":"In den Minen der RSF: Sch\u00fcrfen f\u00fcr die Kriegskasse"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-header__date\">\n<a class=\"article-header-date\" href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2550\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nr.\u00a050 \u2013 11. Dezember 2025<br \/>\n<\/a>      <\/p>\n<p class=\"article-header__lead\">Der Krieg im Sudan ist nicht zuletzt ein Krieg ums Gold. Gefl\u00fcchtete Minenarbeiter berichten im Nachbarland Tschad von den unmenschlichen Zust\u00e4nden in den Abbaugebieten in Darfur.<\/p>\n<p class=\"article-header__byline\">        Von <a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/p\/bettina-ruehl\" rel=\"author nofollow noopener\" hreflang=\"de\" target=\"_blank\">Bettina R\u00fchl<\/a> (Text und Portr\u00e4tfotos), Adr\u00e9 (Tschad)\n      <\/p>\n<p>  Teilen<\/p>\n<p>Abubaker Aldum Adam befand sich etliche Meter unter der Erde, als er am Morgen des 15.\u00a0April\u00a02023 von oben das ged\u00e4mpfte Knallen von Sch\u00fcssen h\u00f6rte. Grunds\u00e4tzlich war das nichts Neues f\u00fcr den Sch\u00fcrfer. Denn zwischen den Sch\u00e4chten von Dschebel Amir, einem riesigen Abbaugebiet mit einem der \u00fcppigsten Goldvorkommen des Sudan, ist der Einsatz von Feuerwaffen eine fast schon allt\u00e4gliche Sache. Seit Kleinsch\u00fcrfer dort 2011 die ersten bescheidenen Goldfunde machten, haben unterschiedliche bewaffnete Gruppen immer wieder um die Kontrolle \u00fcber das Gebiet gek\u00e4mpft\u00a0\u2013 am erfolgreichsten die paramilit\u00e4rischen Rapid Support Forces\u00a0(RSF) unter Generalleutnant Mohammed Hamdan Daglo, bekannt als Hemeti. In jenem Fr\u00fchling, als Aldum die Sch\u00fcsse h\u00f6rte, befand sich Dschebel Amir schon seit Jahren unter der Kontrolle der RSF, auch wenn die Mine auf dem Papier zu dem Zeitpunkt der sudanesischen Armee unterstellt war.<\/p>\n<p>Triebfeder des Krieges<\/p>\n<p>Aldum brach seine Arbeit ab, um zu sehen, was \u00fcber Tage los war. Eilig kletterte er im engen Schacht, den er zusammen mit seinen Kollegen in Handarbeit mit Spitzhacken in die Erde getrieben hatte, zur\u00fcck in Richtung Tageslicht. \u00abAls ich oben ankam, sah ich Menschen panisch in alle Richtungen davonlaufen, und schloss mich an\u00bb, erinnert sich Aldum. Warum an jenem Morgen in Dschebel Amir geschossen wurde, weiss er nicht. Er habe nicht gefragt, erz\u00e4hlt er, sondern sei einfach gerannt, barfuss und ziellos wie alle anderen.<\/p>\n<p>        Komplexe Besitzverh\u00e4ltnisse<\/p>\n<p>Im Sudan geh\u00f6rt ungenutztes Land formal dem Staat. Das gilt auch f\u00fcr rohstoffreiche Gebiete etwa mit Goldvorkommen, in denen der Staat die Lizenzvergabe offiziell reguliert. Tats\u00e4chlich aber werden weite Landstriche seit Generationen von lokalen Gruppen oder Gemeinden genutzt, die darauf als traditionelle Eigent\u00fcmer Anspruch erheben.<\/p>\n<p>Wird irgendwo Gold gefunden, verpachten die traditionellen Besitzer das Land \u00fcblicherweise an private Investor:innen, die daf\u00fcr bezahlen, einen Schacht zum Sch\u00fcrfen anlegen zu d\u00fcrfen. Anschliessend heuern sie Arbeitskr\u00e4fte an, die sie mit Geld oder einem Anteil am gef\u00f6rderten Gold bezahlen. Die Minenbetreiber m\u00fcssen an lokale Machthaber, Sicherheitskr\u00e4fte oder Zwischenh\u00e4ndler Schutzgeld, Lizenzgeb\u00fchren oder \u00abTribut\u00bb bezahlen. Grosse Teile der Minenregion Darfurs werden heute von den RSF kontrolliert, die vor Ort auch als Sicherheitskr\u00e4fte auftreten und Abgaben kassieren.<\/p>\n<p>        ausklappen<\/p>\n<p>        einklappen<\/p>\n<p>Der 15.\u00a0April\u00a02023 war der Tag, an dem der Machtkampf an der Spitze der sudanesischen Milit\u00e4rregierung eskalierte. Mit den ersten Gefechten zwischen Hemetis RSF und der Armee unter General Abdel Fattah al-Burhan begann jener Krieg, der im Sudan bis heute tobt. F\u00fcr beide Kriegsparteien hat das Edelmetall seither eine noch gr\u00f6ssere Bedeutung als bereits zuvor. \u00abBeide Seiten finanzieren den Krieg zu einem Grossteil durch den Verkauf des Goldes\u00bb, sagt Marc Ummel von der NGO Swissaid. In einer Studie kam die Organisation im Mai\u00a02024 zum Schluss, dass der Sudan trotz Krieg jedes Jahr zwischen siebzig und neunzig\u00a0Tonnen Gold f\u00f6rdert. Der Grossteil davon gelangt \u00fcber Dubai, die Wirtschaftsmetropole in den Vereinigten Arabischen Emiraten\u00a0(VAE), auf den Weltmarkt (vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2550\/der-weg-des-goldes\/von-darfur-nach-dubai-und-weiter-in-die-schweiz\/!8M901547G2D6\" data-entity-type=\"node\" data-entity-uuid=\"6142d1d7-e616-4e48-bd2e-548f30e57a54\" data-entity-substitution=\"canonical\" title=\"Der Weg des Goldes: Von Darfur nach Dubai\u00a0\u2013 und weiter in die Schweiz?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00abVon Darfur nach Dubai\u00a0\u2013 und weiter in die Schweiz?\u00bb<\/a>). Die Emirate wiederum werden beschuldigt, die RSF, denen schwerste Kriegsverbrechen zur Last gelegt werden (siehe <a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2545\/krieg-im-sudan\/schutzlos-ausgeliefert\/!D040T61GAC1K\" data-entity-type=\"node\" data-entity-uuid=\"4d92e512-580d-4531-aec9-e8851d512641\" data-entity-substitution=\"canonical\" title=\"Krieg im Sudan: Schutzlos ausgeliefert\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">WOZ\u00a0Nr.\u00a045\/25<\/a>), mit der Lieferung von Waffen, Munition und Fahrzeugen zu unterst\u00fctzen. Der seit Jahren steigende Goldpreis macht den Krieg um den Zugang zu den Vorkommen immer lukrativer.<\/p>\n<p>Aldum ist in der westdarfurischen Stadt Kreinik aufgewachsen. Seine Erfahrungen im Goldbergbau hat er in f\u00fcnf verschiedenen Goldminen in Darfur gesammelt, die allesamt von den RSF kontrolliert wurden. Zuvor waren manche davon bereits in der Hand der Dschandschawid-Milizen gewesen, aus denen 2013 die RSF hervorgingen. Im selben Jahr fing Aldum an, sich den Lebensunterhalt als handwerklicher Goldsch\u00fcrfer zu verdienen. W\u00e4hrend der heute Dreissigj\u00e4hrige vom brutalen RSF-Regime erz\u00e4hlt, dem er \u00fcberall ausgesetzt war, sitzt er im Schneidersitz auf einer Bastmatte in einer H\u00fctte aus \u00c4sten und Stroh. Nach Kriegsausbruch ist er vor der Gewalt der Paramilit\u00e4rs geflohen, seit August\u00a02023 lebt er in der tschadischen Stadt Adr\u00e9, nur zwei Kilometer von der sudanesischen Grenze entfernt. 40\u2009000\u00a0Einwohner:innen hatte Adr\u00e9, bevor der Krieg im Sudan begann. Seither haben 230\u2009000\u00a0Menschen hier Zuflucht gesucht. Aldum lernte unter ihnen andere Sch\u00fcrfer kennen, die wie er urspr\u00fcnglich aus Kreinik kommen: Mustafa Noredin Ibrahim und Adil Dschagub Mohammed.<\/p>\n<p>        Das Gold von Darfur<\/p>\n<p>      <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" loading=\"eager\"   width=\"480\" height=\"611\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2550_12_Landkarte_Sudan-Grenze_tk.png\" alt=\"Karte des Sudan und umliegenden L\u00e4ndern\"\/><\/p>\n<p>              Karte: WOZ<\/p>\n<p>Im Quecksilberdampf<\/p>\n<p>Dass gerade ein Krieg begann, der noch viel mehr Gewalt, Vertreibung und Tod nach Darfur bringen w\u00fcrde, ahnte Aldum am 15.\u00a0April\u00a02023 noch nicht. F\u00fcr ihn war es zun\u00e4chst nur ein weiterer von vielen lebensgef\u00e4hrlichen Tagen. Kaum war er aus dem Schacht gestiegen, griff die rundum herrschende Panik auf ihn \u00fcber. Er habe sich nicht einmal die Zeit genommen, seine wenigen Besitzt\u00fcmer einzusammeln. Monatelang hatte er daf\u00fcr geschuftet: In einem engen Stollen schlug er Gestein aus dem Berg, das seine Kollegen \u00fcber Tage anschliessend immer weiter zerkleinerten und wuschen, bis sich der feine Goldstaub, gebunden durch beigef\u00fcgtes hochgiftiges Quecksilber, zu kleinen Brocken verfestigte. Diese wurden anschliessend \u00fcber dem Feuer erhitzt, bis das Quecksilber verdampfte und einigermassen reines Gold zur\u00fcckblieb.<\/p>\n<p>In den Jahren des Goldrauschs haben die Sch\u00fcrfer von Dschebel Amir auf einer Fl\u00e4che von mittlerweile etwa 26\u00a0Quadratkilometern die sandige, trockene Erde im kargen Buschland aufgew\u00fchlt, Sch\u00e4chte und Tunnel in die Erde getrieben, den Boden wie einen K\u00e4se durchl\u00f6chert. Neben den Eing\u00e4ngen liegen Haufen aus Sand und Kies, der Aushub aus den Stollen. Zwischen den L\u00f6chern Zelte und Lehmh\u00fctten, in denen die Goldsucher schlafen, sowie Gark\u00fcchen und Marktst\u00e4nde. Um eine zus\u00e4tzliche Einnahmequelle zu haben, hatte Aldum seine ersten Eink\u00fcnfte einst in ein kleines, einfaches Restaurant investiert. Eine Wellblechh\u00fctte mit ein paar Tischen und St\u00fchlen, die er bei der \u00fcberst\u00fcrzten Flucht ebenfalls zur\u00fcckliess.<\/p>\n<p>Auch sein Erspartes, das er einem lokalen H\u00e4ndler anvertraut hatte, holte er nicht mehr ab. In Dschebel Amir wollte Aldum nie viel Geld oder Gold auf sich tragen, weil ihn die RSF-Paramilit\u00e4rs als Angeh\u00f6rigen der Masalit, einer in Darfur seit Jahrzehnten marginalisierten und verfolgten Bev\u00f6lkerungsgruppe, als eine Art Vogelfreien behandelten. \u00abWer nur ausgeraubt wird, hat noch Gl\u00fcck gehabt\u00bb, sagt Aldum mit ruhiger Stimme. \u00abWer Pech hat, wird get\u00f6tet.\u00bb Bei arabischen Zwischenh\u00e4ndlern w\u00e4hnte er seinen wertvollsten Besitz deshalb in besseren H\u00e4nden als bei sich selbst, auch wenn er seine Gesch\u00e4ftspartner sehr sorgf\u00e4ltig aussuchen musste. Etliche pflegten enge Kontakte zu den RSF. Was deren Mitglieder den Sch\u00fcrfern wegnahmen oder liessen, sei keiner Regel gefolgt.<\/p>\n<p>Milit\u00e4rische Willk\u00fcr<\/p>\n<p>\u00c4hnlich schildert es Mustafa Noredin Ibrahim, der ebenfalls in mehreren Minen unter RSF-Kontrolle Gold gesch\u00fcrft hat, 2021 w\u00e4hrend einiger Monate auch in Dschebel Amir. \u00abSie nehmen dir ab, was ihnen gerade passt\u00bb, sagt Noredin. \u00abWenn ihnen danach ist, lassen sie dir etwas, sonst nehmen sie alles.\u00bb Wie viele Sch\u00fcrfer genau auf dem riesigen Feld arbeiten, l\u00e4sst sich nicht sagen. Gem\u00e4ss \u00e4lteren Sch\u00e4tzungen von Beh\u00f6rden waren es zeitweilig bis zu\u00a0100\u2009000. Und nicht nur im Abbaugebiet selbst sind die Arbeiter der milit\u00e4rischen Willk\u00fcr ausgesetzt. An den Kontrollpunkten am Rand des Minengebiets st\u00fcnden Bewaffnete, sagt Noredin. \u00abWenn du ihnen etwas gibst, womit sie zufrieden sind, lassen sie dich gehen. Wenn du versuchst, mit ihnen zu argumentieren, kann es passieren, dass sie dich t\u00f6ten\u00bb, so der 28-J\u00e4hrige. \u00abAlso stellst du keine Fragen und versuchst, sie zufriedenzustellen.\u00bb<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Noredin spricht, wechselt sein Gesichtsausdruck zwischen Freude, Bitterkeit, Trauer und Angst. In Dschebel Amir habe es noch mehr Gold gegeben, als er selbst erwartet habe, erz\u00e4hlt er. Die Arbeit im Stollen teilte Noredin mit dreizehn weiteren jungen M\u00e4nnern; einen Teil ihres Gewinns mussten sie an einen Kleinunternehmer abgeben, der den Schacht bei den arabischen Beni Hussein, den traditionellen Besitzern des Landes, gegen eine Geb\u00fchr gepachtet hatte. Die Beni Hussein sind gut vernetzt und bewaffnet. Von den RSF werden sie oft als lokale Manager, Sicherheitskr\u00e4fte und Mittelsm\u00e4nner eingesetzt, die ihnen Teile der Einnahmen weiterleiten. Schlussendlich habe sich die Plackerei trotz der Abgaben gelohnt, erz\u00e4hlt Noredin: Nach zwei Monaten in Dschebel Amir habe jeder in seiner Gruppe 150\u00a0Gramm Gold f\u00fcr sich behalten k\u00f6nnen. Vor Ort entsprach das zu jenem Zeitpunkt einem Wert von sch\u00e4tzungsweise 4450\u00a0US-Dollar.<\/p>\n<p>Die Freude \u00fcber den Gewinn wich aber sofort der Angst. \u00abWir f\u00fchlten uns nicht mehr sicher, weil wir so viel Gold hatten\u00bb, sagt Noredin. Nachdem sie das Gold unter sich aufgeteilt h\u00e4tten, sei er mit seinen Freunden durch die Mine gegangen. Und wie so oft seien ihnen dabei Bewaffnete in den Weg getreten und h\u00e4tten Geld oder Gold verlangt. Sie seien sofort losgerannt\u00a0\u2013 wobei einer seiner Freunde in einen der kaum gesicherten Sch\u00e4chte gefallen und ums Leben gekommen sei. Er selbst habe mehr Gl\u00fcck gehabt: \u00abIch bin mit einem Fuss in einen Schacht getreten, aber ich konnte mich wieder nach oben ziehen\u00bb, sagt Noredin.<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" loading=\"eager\"   width=\"480\" height=\"720\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2550_12_Abubaker-Aldoum-Adam_tk.jpg\" alt=\"Portraitfoto von Abubaker Aldum Adam\"\/><\/p>\n<p>          Abubaker Aldum Adam, Sch\u00fcrfer<\/p>\n<p>Dschebel Amir sei \u00abein sehr gef\u00e4hrlicher Ort\u00bb, fasst Abubaker Aldum Adam seine Erinnerungen zusammen. Er habe dort mindestens zehn\u00a0Menschen, die ihm nahestanden, durch die Gewalt der RSF oder deren lokale Helfer verloren. Auch er erz\u00e4hlt von einer n\u00e4chtlichen Hetzjagd durchs unwegsame Abbaugebiet. Sein Cousin sei dabei get\u00f6tet worden\u00a0\u2013 wobei die Paramilit\u00e4rs in jener Nacht eigentlich nach ihm, Aldum, gesucht h\u00e4tten: Nachdem er am Vortag den Geldforderungen der RSF-M\u00e4nner nicht sofort habe nachkommen k\u00f6nnen, h\u00e4tten sie ihn bestrafen wollen. Weil er sich aber versteckt habe, seien die Milizion\u00e4re auf seinen Cousin losgegangen. Beim Versuch, zu entkommen, sei er ebenfalls in einen Schacht gefallen und t\u00f6dlich verungl\u00fcckt.<\/p>\n<p>Teilen, was da ist<\/p>\n<p>Von den Jahren als Goldsch\u00fcrfer regelrecht gezeichnet ist Adil Dschagub Mohammed. Erst 25\u00a0Jahre alt, ist er k\u00f6rperlich ein gebrochener Mann: aufgrund von Verletzungen, die ihm Bewaffnete in Dschebel Amir zugef\u00fcgt haben, und weil er einmal unter den Tr\u00fcmmern eines einst\u00fcrzenden Grubenschachts begraben wurde. Nun kann er k\u00f6rperlich nicht mehr hart arbeiten, vertr\u00e4gt keine Sonne mehr. Immer wieder hat er grosse Erinnerungsl\u00fccken. Dschagub strahlt eine tiefe Traurigkeit aus.<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" loading=\"eager\"   width=\"480\" height=\"720\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2550_12-Adil-Jagoub-Mohammed_tk.jpg\" alt=\"Portraitfoto von Adil Dschagub Mohammed\"\/><\/p>\n<p>          Adil Dschagub Mohammed, Sch\u00fcrfer<\/p>\n<p>Elf Jahre alt war er, als er sich 2011 erstmals von Kreinik auf den Weg nach Dschebel Amir machte. Zusammen mit zwei Freunden, erz\u00e4hlt Dschagub; der \u00c4lteste sei dreizehn gewesen. \u00abMeine Eltern wollten das nicht\u00bb, sagt er. \u00abAber ich war der \u00e4lteste Sohn und f\u00fchlte mich f\u00fcr die Familie verantwortlich.\u00bb Seine Eltern h\u00e4tten Landwirtschaft betrieben, aber immer seltener ernten k\u00f6nnen, weil es in der Region zu Landnutzungskonflikten mit Viehhirten gekommen sei. F\u00fcr Schulgeld reichte das Familieneinkommen nicht\u00a0\u2013 auch dieses wollte er sich in den Goldgruben von Dschebel Amir verdienen.<\/p>\n<p>Dort angekommen, wurden ihm und den anderen Kindern zun\u00e4chst leichtere Arbeiten aufgetragen, etwa das Kleiderwaschen. Erst nach einiger Zeit durfte Dschagub in den Stollen. Er verdiente bald genug, um etwas Geld nach Hause schicken zu k\u00f6nnen. Aber auch er f\u00fchrte ein Leben in st\u00e4ndiger Unsicherheit und Angst. Als er einmal nach einer Nachtschicht aus dem Schacht gestiegen sei, habe ihn ein Paramilit\u00e4r mit einem Messer attackiert, erz\u00e4hlt Dschagub. Wom\u00f6glich habe der Angreifer auf seine Halsschlagader gezielt, gl\u00fccklicherweise habe er aber nur das Schl\u00fcsselbein getroffen. Sein bloss zwei\u00a0Jahre \u00e4lterer Freund sei beim Versuch, ihn zu besch\u00fctzen, selber niedergestochen worden. Als sie davongerannt seien, sei sein Freund nach wenigen Metern zusammengebrochen und verblutet. Und 2018, erz\u00e4hlt Dschagub, sei er in Dschebel Amir noch ein weiteres Mal von Paramilit\u00e4rs angegriffen worden: Wie aus dem Nichts seien diese aufgetaucht und mit St\u00f6cken und Messern auf ihn losgegangen. Er zieht sein weisses Gewand leicht zur Seite und legt eine Narbe an der Schulter frei, f\u00e4hrt mit der Hand weiter dar\u00fcber: Auch hier h\u00e4tten sie ihn verletzt, wohl weil er Masalit sei. In Todesangst sei er damals losgerannt, schneller, als er sich das selbst je zugetraut h\u00e4tte. Und sei noch einmal davongekommen.<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" loading=\"eager\"   width=\"480\" height=\"720\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2550_12_Moustafa-Noredeen-Ibrahim_tk.jpg\" alt=\"Portraitfoto von Mustafa Noredin Ibrahim\"\/><\/p>\n<p>          Mustafa Noredin Ibrahim, Sch\u00fcrfer<\/p>\n<p>Nun sitzt Dschagub in Adr\u00e9 vor einer H\u00fctte, die er mit seiner Familie teilt, und wartet. Darauf, dass im Sudan endlich der Krieg aufh\u00f6rt. Und darauf, dass er wieder kr\u00e4ftig genug wird, um arbeiten zu k\u00f6nnen. Sein Telefon klingelt: Dschagubs Bruder hat beim Fussballspielen versehentlich jemanden leicht verletzt, und die Behandlung kostet Geld. Dschagub verspricht, sich darum zu k\u00fcmmern. Wie er das machen soll, weiss er noch nicht\u00a0\u2013 ohne eigenes Einkommen und auch ohne Unterst\u00fctzung durch die Uno oder internationale Hilfsorganisationen. Wenn er Gl\u00fcck habe, w\u00fcrden Noredin, Aldum oder andere Gefl\u00fcchtete ihm bei den Behandlungskosten unter die Arme greifen. Denn manchen hier gelingt es, gelegentlich etwas Einkommen zu erzielen, als Tr\u00e4ger auf dem Markt zum Beispiel oder in \u00e4hnlichen Hilfsjobs.<\/p>\n<p>Wer k\u00f6nne, unterst\u00fctze jene, die es noch dringender br\u00e4uchten, erkl\u00e4rt Dschagub. Was immer sie aber untereinander teilen, m\u00fcssen sie hier und jetzt in Adr\u00e9 verdienen\u00a0\u2013 denn von der Arbeit in den Goldminen Darfurs ist niemandem von ihnen etwas geblieben.<\/p>\n<p>Diese Recherche wurde mit einem Stipendium von\u00a0\u00abreal21\u00a0\u2013 die Welt verstehen\u00bb unterst\u00fctzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nr.\u00a050 \u2013 11. Dezember 2025 Der Krieg im Sudan ist nicht zuletzt ein Krieg ums Gold. 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