{"id":14926,"date":"2026-05-08T01:36:16","date_gmt":"2026-05-08T01:36:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14926\/"},"modified":"2026-05-08T01:36:16","modified_gmt":"2026-05-08T01:36:16","slug":"17-01-1961-patrice-lumumba-wird-ermordet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14926\/","title":{"rendered":"17.01.1961: Patrice Lumumba wird ermordet"},"content":{"rendered":"<p>Erschossen und in S\u00e4ure aufgel\u00f6st<\/p>\n<p>\u201eJetzt werden wir get\u00f6tet, nicht wahr?\u201c Das sind die letzten \u00fcberlieferten Worte von Patrice Lumumba. In der Nacht des 17. Januar 1961 werden er und zwei seiner Weggef\u00e4hrten in den W\u00e4ldern der kongolesischen Provinz Katanga an einen Baum gebunden und erschossen. <\/p>\n<p>\nDie Diskussion um das Getr\u00e4nk \u201eLumumba\u201c\n<\/p>\n<p>Unter dem Namen \u201eLumumba\u201c ist auch ein Getr\u00e4nk bekannt, das aus hei\u00dfer Schokolade mit Rum (\u201eSchuss\u201c) besteht. Die Kritik an dieser Bezeichnung nimmt zu, da der Name als eine rassistische Verh\u00f6hnung des kongolesischen Freiheitsk\u00e4mpfers Lumumba gesehen werden kann. Woher das Getr\u00e4nk diesen Namen bekam, ist jedoch unklar.<\/p>\n<p>Nachdem im November 2024 die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/regional\/hessen\/hr-frankfurt-empfiehlt-umbenennung-des-getraenks-lumumba-auf-weihnachtsmarkt-100.html\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Frankfurt empfiehlt Umbenennung des Getr\u00e4nks Lumumba - Tagesschau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" data-pjax=\"0\">st\u00e4dtische Tourismusabteilung den Weihnachtsmarktbetreibern in Frankfurt empfohlen hat, das Getr\u00e4nk umzubenennen<\/a> (zum Beispiel in \u201eHei\u00dfe Schokolade mit Rum\u201c oder \u201eKakao mit Schuss\u201c), <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/lumumba-rassismus-diskussion-um-getraenkename-auf-weihnachtsmarkt-100.html\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Verbindung zu politischer Ermordung und Kolonialzeit - &quot;Lumumba&quot; auf Weihnachtsm\u00e4rkten in BW: Darum ist der Begriff problematisch\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">reagierten auch Weihnachtsm\u00e4rkte in Baden-W\u00fcrttemberg<\/a>.<\/p>\n<p>Belgische Polizisten verscharren die Leichen, graben sie wieder aus, zerteilen sie mit S\u00e4gen und werfen sie in F\u00e4sser mit S\u00e4ure. Nichts soll \u00fcbrigbleiben, vor allem nicht von Lumumba, dem Aufr\u00fchrer, dem kompromisslosen Vork\u00e4mpfer einer neuen Nation. Von dem Mann, der nur wenige Monate zuvor dem belgischen K\u00f6nig Baudouin die Stirn geboten hatte \u2013 bei der Unabh\u00e4ngigkeitsfeier am 30. Juni 1960 in L\u00e9opoldville, dem heutigen Kinshasa. <\/p>\n<p>Wer wird je die Massaker vergessen, die Massenerschie\u00dfungen, bei denen so viele unserer Geschwister umgekommen sind? Die Zellen, in die jene gesteckt wurden, die sich weigerten, sich einem Regime der Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung zu unterwerfen? <\/p>\n<p>Belgien entl\u00e4sst den Kongo unvorbereitet in eine chaotische Unabh\u00e4ngigkeit<\/p>\n<p>F\u00fcr den belgischen Monarchen ist diese Abrechnung mit der brutalen Kolonialzeit ein Affront, f\u00fcr Lumumba ist sie ein nur kurzer Triumph. Denn zum einen entl\u00e4sst Belgien den Kongo unvorbereitet in eine chaotische Unabh\u00e4ngigkeit, zum anderen spaltet sich die rohstoffreiche und weiterhin von Belgien unterst\u00fctzte S\u00fcdostprovinz Katanga nach wenigen Tagen ab. <\/p>\n<p>Lumumba wird vom Westen und von den Vereinten Nationen im Stich gelassen \u2013 und macht einen entscheidenden Fehler: Er l\u00e4sst sich von der Sowjetunion helfen, um die Sezession Katangas niederzuschlagen. <\/p>\n<p>Der CIA und US-Pr\u00e4sident Eisenhower gaben gr\u00fcnes Licht f\u00fcr Lumumbas Exekution<\/p>\n<p>Bald darauf wird Lumumba festgenommen, von den Truppen seines fr\u00fcheren Armeechefs, des sp\u00e4teren Diktators Mobutu, und belgischen Einheiten. Sp\u00e4ter stellt sich heraus: Der US-Geheimdienst CIA und auch Pr\u00e4sident Eisenhower geben gr\u00fcnes Licht f\u00fcr Lumumbas Exekution. <\/p>\n<p>Lumumba sei Kommunist gewesen und habe das falsche Lager gew\u00e4hlt, das der Russen \u2013 erz\u00e4hlt der inzwischen verstorbene belgische Geheimdienst-Offizier Louis Marli\u00e8re in einem Dokumentarfilm aus dem Jahr 2000. <\/p>\n<p>Ein belgischer Historiker recherchierte zuerst \u00fcber den Fall Lumumba<\/p>\n<p>Wie sehr Marli\u00e8re und mehr als ein Dutzend andere zum Teil hohe belgische Beamte in den Mord an Lumumba verwickelt waren und wie systematisch der belgische Staat versuchte, dies zu vertuschen, all das hat der belgische Soziologe und Historiker Ludo de Witte Ende der 1990er-Jahre als Erster recherchiert \u2013 und sich damit in Belgien keine Freunde gemacht. <\/p>\n<p>Aufgeschreckt durch seine Enth\u00fcllungen richtet das belgische Parlament 2001 eine Untersuchungskommission ein. Sie kommt zu dem Schluss: Die Ex-Kolonialmacht trage eine \u201emoralische Verantwortung\u201c f\u00fcr das Verbrechen. <\/p>\n<p>\u201eDas ist nat\u00fcrlich absurd\u201c, sagt Ludo de Witte dazu, \u201edenn eine moralische Verantwortung bedeutet gar nichts und bleibt als solche folgenlos. Es gibt aber viele, die sicher sind: Belgien hat einen politischen Mord auf dem Gewissen!\u201c<\/p>\n<p>Die juristische Aufkl\u00e4rung kam zu sp\u00e4t<\/p>\n<p>2011 verlangt Lumumbas Familie in Br\u00fcssel juristische Aufkl\u00e4rung \u2013 doch lange passiert nichts. Erst im Herbst 2020 nimmt die belgische Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen wieder auf, sieht sogar den Tatbestand eines Kriegsverbrechens gegeben. Doch Historiker Ludo de Witte f\u00fcrchtet, dass ein Verfahren vor einem belgischen Schwurgericht &#8211; wenn \u00fcberhaupt \u2013 zu sp\u00e4t k\u00e4me: Die zwei letzten lebenden Mitverantwortlichen sind heute \u00fcber 90. <\/p>\n<p>2019 sollten Lumumbas sterbliche \u00dcberreste eigentlich von Br\u00fcssel nach Kinshasa \u00fcberf\u00fchrt werden. Dass es dazu und zu entsprechenden Feierlichkeiten zun\u00e4chst nicht kam, lag an der Corona-Pandemie, aber auch an politischen und juristischen Streitigkeiten. <\/p>\n<p>\n\u00dcbergabe von Lumumbas sterblichen \u00dcberreste im Jahr 2022\n<\/p>\n<p>Im Juni 2022 <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/zahn-lumumba-101.html\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Belgien gibt Lumumbas Zahn an Kongo zur\u00fcck - Tagesschau Meldung 20.6.2022\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" data-pjax=\"0\">gab Belgien einen Zahn des get\u00f6teten kongolesischen Unabh\u00e4ngigkeitsk\u00e4mpfers Patrice Lumumba an die Demokratische Republik Kongo zur\u00fcck.<\/a><\/p>\n<p>Die \u00dcbergabe an die Angeh\u00f6rigen Lumumbas fand bei einer Zeremonie in Br\u00fcssel in Gegenwart des belgischen K\u00f6nigs Philippe und des Regierungschefs Alexander De Croo statt. De Croo sprach dabei weiterhin von einer \u201emoralischen Verantwortung\u201c seines Landes und betonte, es gebe bis heute \u201ekeinen Beweis\u201c f\u00fcr eine aktive Verwicklung der belgischen Regierung oder der Armee in die Ermordung Lumumbas Anfang der 1960er-Jahre.<\/p>\n<p>\u00dcbrig von Lumumba sind offenbar nur noch zwei Z\u00e4hne, sichergestellt nach Recherchen und nach einer Klage von Ludo de Witte &#8211; aus dem privaten Besitz der Familie von G\u00e9rard Soete. Soete, Kommissar der belgischen Kolonialpolizei, war in der Mordnacht nach eigener Aussage f\u00fcr das Zerhacken und Aufl\u00f6sen der Leiche in S\u00e4ure verantwortlich. Zuvor hatte er Lumumba die Z\u00e4hne herausgebrochen &#8211; und als Troph\u00e4e eingesteckt.<\/p>\n<p class=\"block-link block-link-linkbox\">\n<a href=\"https:\/\/www.swr.de\/kultur\/geschichte\/zeitwort-2026-01-17-100.pdf\" title=\"Zeitwort vom 17.1.2026\" class=\"link link-download\" data-pjax=\"0\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\nManuskript zur Sendung<br \/>\n<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Erschossen und in S\u00e4ure aufgel\u00f6st \u201eJetzt werden wir get\u00f6tet, nicht wahr?\u201c Das sind die letzten \u00fcberlieferten Worte von&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14927,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[192,194,190,188,193,191,462,461,189],"class_list":{"0":"post-14926","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-demokratische-republik-kongo","8":"tag-dem-rep-kongo","9":"tag-democratic-republic-of-the-congo","10":"tag-demokratische-republik","11":"tag-demokratische-republik-kongo","12":"tag-dr-congo","13":"tag-dr-kongo","14":"tag-drc","15":"tag-drk","16":"tag-kongo"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116536395849981053","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14926","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14926"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14926\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14927"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14926"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14926"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14926"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}