{"id":15008,"date":"2026-05-08T10:17:33","date_gmt":"2026-05-08T10:17:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15008\/"},"modified":"2026-05-08T10:17:33","modified_gmt":"2026-05-08T10:17:33","slug":"orangefarbene-hoehlenkrokodile-koennten-sich-zu-neuer-art-entwickeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15008\/","title":{"rendered":"Orangefarbene H\u00f6hlenkrokodile k\u00f6nnten sich zu neuer Art entwickeln"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-\" src=\"\"\/><\/p>\n<p>Das Abanda-H\u00f6hlensystem in Gabun ist kein Ort, an dem man gern sein m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Im Inneren der H\u00f6hlen ist es stockdunkel und warm. Die D\u00e4mpfe, die dort zirkulieren, sind \u00dcbelkeit erregend. Und die H\u00f6hlenforscher m\u00fcssen durch Schlick waten.<\/p>\n<p>\u201eDas sieht aus wie fl\u00fcssiger Schlamm\u201c, sagt der H\u00f6hlenwissenschaftler Olivier Testa. \u201eAber es ist kein Schlamm.\u201c<\/p>\n<p>Es ist Fledermausguano. In rauen Mengen.<\/p>\n<p>Er vermischt sich mit dem Wasser und bildet am Boden der H\u00f6hlen Becken voller z\u00e4hfl\u00fcssiger Fledermausf\u00e4kalien.<\/p>\n<p>\u201eEs ist eine ziemlich raue Umgebung\u201c, erz\u00e4hlt der Herpetologe Matthew Shirley. \u201eWenn wir aus den H\u00f6hlen kommen, sind wir fertig.\u201c<\/p>\n<p>Testa und Shirley geh\u00f6ren zu einem <a href=\"http:\/\/www.abanda-expedition.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Forschungsteam<\/a>, das ein ganz besonderes Tier untersucht \u2013 n\u00e4mlich eines, das sich ihrer Vermutung nach zu einer neuen Art entwickelt, die an das Leben in den H\u00f6hlen angepasst ist: ein Krokodil.<\/p>\n<p>Ein <a href=\"http:\/\/www.iucnredlist.org\/details\/15635\/0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Stumpfkrokodil<\/a>, um genau zu sein. Die Tiere finden sich \u00fcberirdisch in ganz Gabun und dar\u00fcber hinaus. Aber die Tiere, die in den H\u00f6hlen wohnen, haben eine einzigartige genetische Signatur entwickelt, die sich von der ihrer oberirdischen Artgenossen unterscheidet, sagt Shirley.<\/p>\n<p>Zu Testzwecken hat das Team daher Blutproben von Krokodilen aus dem H\u00f6hlensystem entnommen. In den zehn bis zw\u00f6lf verschiedenen H\u00f6hlen des Systems leben Shirley zufolge wahrscheinlich 100 bis 200 der Tiere.<\/p>\n<p>In der Dunkelheit war nur schwer zu erkennen, welche der Tiere zu dieser eigent\u00fcmlichen Population geh\u00f6rten. Schlie\u00dflich konnten sie aber Blutproben von 30 bis 40 solcher Exemplare nehmen. Im Anschluss sammelten sie zum Vergleich Blutproben von 200 oberirdisch lebenden Krokodilen aus der Region.<\/p>\n<p>Sie sequenzierten die DNA der beiden Populationen und fanden heraus, dass die H\u00f6hlenkrokodile einen einzigartigen Haplotyp vererbten \u2013 eine Variante einer Nukleotidsequenz.<\/p>\n<p>Das Team will seine <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/radical-conservation\/2018\/jan\/29\/orange-cave-crocodiles-gabon-bushmeat-africa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Erkenntnisse<\/a> in einer wissenschaftlichen Studie ver\u00f6ffentlichen, die derzeit allerdings noch nicht abgeschlossen ist. Shirley zufolge wird es noch ein paar Wochen dauern, bevor die \u00d6ffentlichkeit mit weiteren Details rechnen kann.<\/p>\n<p>\u201eInfolge ihrer Isolation und der Tatsache, dass nur wenige Individuen die H\u00f6hlen verlassen oder betreten, sind sie gerade dabei, eine neue Art zu werden\u201c, erz\u00e4hlt er. \u201eOb das nun in K\u00fcrze passiert oder nicht, ist reine Spekulation.\u201c<\/p>\n<p>VIELSEITIGE UNTERSCHIEDE<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler haben bereits Unterschiede der H\u00f6hlenpopulation in Aussehen und Verhalten festgestellt und 2016 in einer <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/308725912_Diet_and_body_condition_of_cave-dwelling_dwarf_crocodiles_Osteolaemus_tetraspis_Cope_1861_in_Gabon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Studie<\/a> im \u201eAfrican Journal of Ecology\u201c beschrieben.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu ihren Artgenossen im Wald, die sich von Fischen und Krebstieren ern\u00e4hren, fressen die H\u00f6hlenkrokodile haupts\u00e4chlich Flederm\u00e4use.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte auch einer der Gr\u00fcnde daf\u00fcr sein, warum es die Krokodile urspr\u00fcnglich in die H\u00f6hlen gezogen hat, so Testa.<\/p>\n<p>\u201eDort gibt es Zehntausende Flederm\u00e4use.\u201c Als die Forscher den Mageninhalt der H\u00f6hlenkrokodile untersuchten, fanden sie dort Fell und Skelette von Flederm\u00e4usen sowie ein paar Grillen.<\/p>\n<p>Einige der gro\u00dfen M\u00e4nnchen sind zudem orangefarben. Das liegt aber vermutlich nicht an einer genetischen Mutation, sondern an dem Guano.<\/p>\n<p>\u201eFledermausguano besteht haupts\u00e4chlich aus Harnstoff\u201c, einer stickstoffhaltigen, organischen Verbindung, die sich auch in Urin findet, wie Shirley erkl\u00e4rt. \u201eWenn sie in diesem Slushie aus Fledermausguano ausharren, verf\u00e4rbt der hohe basische pH-Wert des Wassers vermutlich ihre Haut.\u201c<\/p>\n<p>FR\u00dcHE SIEDLER<\/p>\n<p>Die H\u00f6hlenkrokodile wurden 2008 erstmals von dem Arch\u00e4ologen Richard Oslisly dokumentiert.<\/p>\n<p>Wie lang sie schon dort leben, wei\u00df man nicht so genau. Shirley sch\u00e4tzt, dass die ersten Exemplare dort mindestens vor mehreren Tausend Jahren Nahrung und Unterschlupf suchten. F\u00fcr die Entwicklung einer einzigartigen genetischen Signatur w\u00e4ren mehrere Hundert Generationen n\u00f6tig, und Stumpfkrokodile k\u00f6nnen 50 bis 100 Jahre alt werden.<\/p>\n<p>Bei so kleinen Populationen wie dieser ist auch die genetische Vielfalt ein wichtiger Faktor. Durch Inzucht steigt das Risiko f\u00fcr Krankheiten und Geburtsfehler.<\/p>\n<p>Shirley vermutet, dass in jeder Generation ein paar Individuen von au\u00dferhalb ihren Weg in die H\u00f6hlen finden. Wie genau sie dort herein- oder herauskommen, wei\u00df man nicht. Manche Eing\u00e4nge sind breit genug f\u00fcr einen Menschen, andere H\u00f6hlenabschnitte sind nur \u00fcber sehr enge Passagen erreichbar.<\/p>\n<p>Neben der Untersuchung einer m\u00f6glicherweise genetisch einzigartigen Population k\u00f6nnen die Wissenschaftler von den H\u00f6hlenkrokodilen aber auch etwas dar\u00fcber lernen, wie sich die Tiere an so eine unwirtliche Umgebung anpassen.<\/p>\n<p>Im Normalfall sind Krokodile tagaktiv und steuern ihren Stoffwechsel mit Hilfe des Sonnenlichts. Die meisten Exemplare in den H\u00f6hlen verbringen aber Jahrzehnte im tr\u00fcben Dunkel.<\/p>\n<p>Sarah Gibbens auf <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Sarah_Gibbens\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Twitter<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/sarahgibbens\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Instagram<\/a> folgen. <\/p>\n<p>\t\t\t\t<script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Abanda-H\u00f6hlensystem in Gabun ist kein Ort, an dem man gern sein m\u00f6chte. 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