{"id":15111,"date":"2026-05-08T16:11:09","date_gmt":"2026-05-08T16:11:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15111\/"},"modified":"2026-05-08T16:11:09","modified_gmt":"2026-05-08T16:11:09","slug":"herero-voelkermord-namibias-parlament-fordert-mitsprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15111\/","title":{"rendered":"Herero-V\u00f6lkermord: Namibias Parlament fordert Mitsprache"},"content":{"rendered":"<p>Windhoek\/Berlin \u2013 Eine namibische Parlamentsdelegation hat bei einem offiziellen Besuch in Berlin ernsthafte Bedenken \u00fcber den festgefahrenen Stand der Verhandlungen zwischen Namibia und Deutschland \u00fcber Wiedergutmachung f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/informante.web.na\/?p=394163\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">V\u00f6lkermord an den Herero und Nama<\/a> ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Der Parlamentarische St\u00e4ndige Ausschuss f\u00fcr Internationale Beziehungen, Verteidigung und Sicherheit, geleitet von der amtierenden Vorsitzenden Utaara Mootu, traf am 6. Mai 2026 mit Mitgliedern des Deutschen Bundestages zusammen.<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen keinen Prozess akzeptieren, der \u00fcber unser Volk spricht, ohne seine gew\u00e4hlten Vertreter vollst\u00e4ndig einzubeziehen. Das Parlament darf kein Beobachter sein \u2014 es muss ein zentraler Teilnehmer dieser Verhandlungen sein\u201c, sagte Mootu.<\/p>\n<p>\u20ac1,1 Milliarden \u2014 aber keine echten Reparationen<\/p>\n<p>Der Ausschuss nahm zur Kenntnis, dass Deutschland den V\u00f6lkermord 2021 offiziell anerkannt und eine Entwicklungshilfe von 1,1 Milliarden Euro \u00fcber 30 Jahre zugesagt hat. Dennoch stellte er sich ausdr\u00fccklich auf die Seite der betroffenen Gemeinschaften, die dieses Angebot als unzureichend und nicht als echte Reparationen betrachten.<\/p>\n<p>Deutschland betont, dass aus der Anerkennung keine rechtlichen Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcche erw\u00fcchsen.<\/p>\n<p>Mootu kritisierte, dass der aktuelle Verhandlungsrahmen auf Regierung-zu-Regierung-Gespr\u00e4che beschr\u00e4nkt sei.<\/p>\n<p>\u201eDer aktuelle Ansatz entspricht nicht den demokratischen Standards, die sowohl Namibia als auch Deutschland vertreten. Ein Parlament-zu-Parlament-Prozess ist keine Option \u2014 er ist notwendig.\u201c<\/p>\n<p>Die Abgeordnete appellierte auch ans historische Gewissen: \u201eUnser Volk stellt berechtigte Fragen. Es sieht, wie andere historische Ungerechtigkeiten weltweit behandelt wurden, und fragt, warum sein Schmerz anders behandelt wird.\u201c Und weiter: \u201eEs geht nicht nur um finanzielle Verpflichtungen \u2014 es geht um Gerechtigkeit, W\u00fcrde und Anerkennung. Jedes Ergebnis, das diese Prinzipien nicht widerspiegelt, wird nicht nachhaltig sein.\u201c<\/p>\n<p>Der erste V\u00f6lkermord des 20. Jahrhunderts<\/p>\n<p>Von 1884 bis 1915 war das Deutsche Kaiserreich Kolonialmacht im heutigen Namibia \u2014 der damaligen Kolonie \u201eDeutsch-S\u00fcdwestafrika\u201c. Die einheimische Bev\u00f6lkerung wurde durch Rassentrennung, Landenteignungen und Unterdr\u00fcckung systematisch entrechtet.<\/p>\n<p>Als die Herero im Januar 1904 begannen, sich gegen die Kolonialherrschaft zu wehren, entsandte Berlin Verst\u00e4rkung unter Generalleutnant Lothar von Trotha. Am 2. Oktober 1904 erlie\u00df von Trotha einen f\u00f6rmlichen Vernichtungsbefehl gegen die Herero: \u201eIch glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muss.\u201c<\/p>\n<p>Sechs Monate sp\u00e4ter, am 22. April 1905, folgte ein zweiter Vernichtungsbefehl \u2014 diesmal gegen die Nama. Von Trotha wurde dabei vom Chef des Generalstabs Alfred Graf von Schlieffen und Kaiser Wilhelm II. unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Die Herero wurden in die wasserlose Omaheke-W\u00fcste gedr\u00e4ngt, von Wasserstellen verjagt und zum Verdursten gebracht. \u00dcberlebende wurden in Konzentrationslager gesperrt \u2014 die ersten ihrer Art in der Geschichte des 20. Jahrhunderts, errichtet nach dem Vorbild britischer Buren-Lager.<\/p>\n<p>Von den urspr\u00fcnglich 60.000 bis 80.000 Herero \u00fcberlebten sch\u00e4tzungsweise nur 16.000 bis 20.000. Rund die H\u00e4lfte der etwa 20.000 Nama fiel ebenfalls der Vernichtungspolitik zum Opfer. Insgesamt kamen zwischen 65.000 und 100.000 Menschen ums Leben \u2014 Historiker bezeichnen diese Verbrechen heute als den ersten V\u00f6lkermord des 20. Jahrhunderts.\u00a0<\/p>\n<p>Jahrelanger Kampf \u2014 auch vor US-Gerichten<\/p>\n<p>Deutschland bezeichnete die Verbrechen erstmals 2006 offiziell als V\u00f6lkermord, lehnte Reparationszahlungen jedoch ab. 2017 reichten Nachfahren beider Volksgruppen eine Sammelklage gegen Deutschland vor einem New Yorker Gericht ein. 2019 fochten regierungsunabh\u00e4ngige Herero- und Nama-Verb\u00e4nde vor einem US-Berufungsgericht eine Nichtzust\u00e4ndigkeitserkl\u00e4rung an.<\/p>\n<p>Ihr Anwalt Kenneth McCallion argumentierte: \u201eDer V\u00f6lkermord hat eine direkte Verbindung nach New York\u201c \u2014 unter anderem wegen des Verkaufs von Sch\u00e4deln get\u00f6teter Afrikaner an das American Museum of Natural History.<\/p>\n<p>Israel Kaunatjike, ein in Berlin lebender Herero-Aktivist, sprach gegen\u00fcber NEX24 von \u201eGeheimverhandlungen, zu denen die Opferverb\u00e4nde nicht eingeladen sind\u201c. Die namibische Regierung verfolge nur finanzielles Interesse an Entwicklungshilfe. \u201eDas ist ein \u201aTeile und herrsche\u2018, und das st\u00f6rt uns einfach. Unsere Anliegen werden ignoriert. Sie werden uns aber nicht bremsen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Kambanda Nokokure Veii von der Ovaherero Genozid Stiftung brachte bereits in der Vergangenheit den Vergleich auf den Punkt: \u201eWir wollen keine Entwicklungshilfe, wir wollen Reparationen und Heilung, so wie bei den Juden. Behandelt man uns anders, weil wir Afrikaner sind?\u201c Ein Genozid sei ein Genozid, ganz gleich, ob an Juden oder Afrikanern ver\u00fcbt.<\/p>\n<p>Parlament fordert Neustart<\/p>\n<p>Der Ausschuss rief die namibische Regierung auf, das Parlament formell in alle laufenden und k\u00fcnftigen Verhandlungen mit Deutschland einzubeziehen. Eine bedeutungsvolle L\u00f6sung erfordere Transparenz, Inklusivit\u00e4t und ein gemeinsames Bekenntnis zur Wiedergutmachung \u2014 und m\u00fcsse den Willen der betroffenen Ovaherero- und Nama-Gemeinschaften widerspiegeln.<\/p>\n<p>Das Land, das einst von deutschen Siedlern enteignet wurde, geh\u00f6rt bis heute \u00fcberwiegend wei\u00dfen Gro\u00dfgrundbesitzern und dem namibischen Staat. Restitution oder Entsch\u00e4digung f\u00fcr dieses Land bleibt eine der zentralen offenen Forderungen der Nachfahren.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nex24.news\/2016\/06\/herero-sprecherin-deutschland-verhaelt-sich-wie-ein-vergewaltiger-der-gleichzeitig-richter-ist\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ZUM THEMA<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nex24.news\/2016\/06\/herero-sprecherin-deutschland-verhaelt-sich-wie-ein-vergewaltiger-der-gleichzeitig-richter-ist\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Herero-Sprecherin: \u201eDeutschland verh\u00e4lt sich wie ein Vergewaltiger, der gleichzeitig Richter ist\u201c<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Windhoek\/Berlin \u2013 Eine namibische Parlamentsdelegation hat bei einem offiziellen Besuch in Berlin ernsthafte Bedenken \u00fcber den festgefahrenen Stand&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15112,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[414],"class_list":{"0":"post-15111","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-namibia","8":"tag-namibia"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116539836461961820","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15111","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15111"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15111\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15112"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15111"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15111"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15111"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}