{"id":15163,"date":"2026-05-08T22:50:08","date_gmt":"2026-05-08T22:50:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15163\/"},"modified":"2026-05-08T22:50:08","modified_gmt":"2026-05-08T22:50:08","slug":"somalia-am-rand-des-kipppunkts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15163\/","title":{"rendered":"Somalia am Rand des Kipppunkts"},"content":{"rendered":"<p>Wie ein zerfallender Staat und ein lernf\u00e4higer Dschihadismus sich gegenseitig beschleunigen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Im <a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">April 2025 startete Al-Shabaab<\/a>, die ber\u00fcchtigte <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Al-Shabaab_(militant_group)\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sunnitisch-dschihadistische Miliz<\/a> Somalias, eine Gro\u00dfoffensive, die bis heute nachwirkt. Die Gruppe versucht seither, verlorenes Gebiet zur\u00fcckzuerobern und Mogadischu einzukesseln. Ihr Ziel ist die Einnahme der somalischen Hauptstadt und die Errichtung einer islamistischen Herrschaft im B\u00fcndnis mit al-Qaida. Bislang hat die Offensive erhebliche Fortschritte erzielt; die somalische Armee befindet sich in der Defensive.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Nach der R\u00fcckkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan und dem Sieg von Hayat Tahrir al-Sham \u00fcber das Assad-Regime in Syrien sind die Entwicklungen in Somalia mehr als eine lokale Krise. Sie beunruhigen nicht nur die somalische Regierung, sondern auch regionale und internationale Akteure mit Interessen am Horn von Afrika: \u00c4thiopien, Kenia, die Vereinigten Arabischen Emirate, die T\u00fcrkei und die Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die somalische Bundesregierung h\u00e4lt Teile ihrer Hauptstadt, aber kaum das Land, das sie zu regieren beansprucht. Al-Shabaab kontrolliert nach mehreren Analysen rund 30 Prozent Somalias und steht milit\u00e4risch n\u00e4her an Mogadischu, als der diplomatische Betrieb gern zugibt. Seit der Offensive im Fr\u00fchjahr 2025 r\u00fcckten ihre Einheiten bis auf etwa 50 Kilometer an die Hauptstadt heran; am Stadtrand entstanden Checkpoints, die nicht der Regierung geh\u00f6ren. Der Grund ist nicht nur die St\u00e4rke der Miliz. Es ist vor allem die Schw\u00e4che eines Staates, der f\u00f6deral verfasst sein soll, aber zentralistisch regiert werden will \u2014 und dessen Armee eher als Budgetposten denn als nationale Kraft erscheint. Wie das endet, ist offen. Dass es bereits begonnen hat, weniger.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die Hauptstadt als Behauptung<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Das Africa Center for Strategic Studies warnt in Matt Brydens Analyse <a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eLa Somalie risque de devenir un \u00c9tat djihadiste<\/a>\u201c vor einem Szenario, das in Mogadischu niemand offiziell erwartet und doch jeder einkalkuliert: den Zusammenbruch der Bundesregierung und die \u00dcbernahme der Hauptstadt durch Al-Shabaab. Bryden schreibt, ohne einen \u201e<a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">radikalen Kurswechsel<\/a>\u201c seien solche kurzfristigen Szenarien wahrscheinlich; die Einnahme Mogadischus sei, milit\u00e4risch oder durch Verhandlung, wom\u00f6glich \u201e<a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nur noch eine Frage der Zeit<\/a>\u201c.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Ali Ragab fasst dieselbe Diagnose in \u201e<a href=\"https:\/\/www.voiceofemirates.com\/en\/politics\/2025\/11\/24\/is-somalia-facing-a-kabul-like-scenario-a-us-report-identifies-signs-of-imminent-collapse\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Is Somalia facing a Kabul-like scenario?<\/a>\u201c noch einmal zu einer politischen Warnung zusammen: <a href=\"https:\/\/www.voiceofemirates.com\/en\/politics\/2025\/11\/24\/is-somalia-facing-a-kabul-like-scenario-a-us-report-identifies-signs-of-imminent-collapse\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Somalia trete in eine Phase extremer Instabilit\u00e4t ein, weil das f\u00f6derale System zerfalle und regionale Rivalit\u00e4ten<\/a> eskalierten. Der Vergleich mit Kabul liegt nahe, aber er erkl\u00e4rt nicht alles. Afghanistan fiel nicht, weil eine Stadt eingenommen wurde. Es fiel, weil die Stadt l\u00e4ngst weniger Staat war als Kulisse.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Auch in Somalia sieht man diese Kulisse. Im <a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Oktober 2025 griff Al-Shabaab<\/a> nach ADF-Angaben eine NISA-Niederlassung nahe dem Pr\u00e4sidentenpalast an, zerst\u00f6rte Informationen und befreite Gefangene. Wer so operiert, steht nicht vor der T\u00fcr. Er kennt den Grundriss.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die somalische Armee wirkt dabei wie ein Widerspruch in Uniform. General Odowaa Yusuf Raage erkl\u00e4rte laut ADF, zwischen <a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">10.000 und 15.000 Soldaten<\/a> seien in drei Jahren gefallen oder verwundet worden. Eine Armee, die solche Verluste tr\u00e4gt, ohne ihre Gegner zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, k\u00e4mpft nicht nur gegen Milizen. Sie k\u00e4mpft gegen ihre eigene Konstruktion<a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">: Korruption, Clanabh\u00e4ngigkeit, schlechte F\u00fchrung, ungleiche Ausbildung und politische Instrumentalisierung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Ein Staat, der Al-Shabaab Arbeit abnimmt<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die Bundesregierung verliert nicht einfach gegen Al-Shabaab. Sie erledigt Vorarbeiten.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Der Kern des Problems liegt im f\u00f6deralen System. Somalia besitzt seit 2012 eine provisorische Verfassung, die Machtteilung vorsieht. Doch die entscheidenden Fragen \u2013 Sicherheit, Ressourcen, Fiskalordnung \u2013 blieben Verhandlungssache. Verhandelt wurde wenig. Zentralisiert wurde viel. Bryden beschreibt, wie aufeinanderfolgende Pr\u00e4sidenten die Macht in Mogadischu konzentrierten, statt Kompetenzen zwischen Bund und Bundesstaaten zu kl\u00e4ren. Unter <a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hassan Sheikh Mohamud habe dieser Prozess<\/a> einen H\u00f6hepunkt erreicht.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\"><a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Puntland und Jubaland<\/a> reagierten mit Distanzierung von Mogadischu. Damit zerfiel genau jene politische Front, ohne die Al-Shabaab nicht zu schlagen ist. Die Bundesregierung nennt regionale Autonomieforderungen st\u00f6rend. Die Regionen sehen in Mogadischu eine Zentrale, die Hilfe, Souver\u00e4nit\u00e4t und internationale Anerkennung nutzt, um innenpolitische Gegner zu disziplinieren. Beide Seiten haben Gr\u00fcnde. Al-Shabaab hat Zeit.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Ragab verweist auf eine drohende Wahl- und Verfassungskrise vor dem Ende der Amtszeit Mohamuds im Mai 2026. Die Regierung stehe zwischen unausgewogenen Wahlen und gar keinen Wahlen. <a href=\"https:\/\/www.voiceofemirates.com\/en\/politics\/2025\/11\/24\/is-somalia-facing-a-kabul-like-scenario-a-us-report-identifies-signs-of-imminent-collapse\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Beides k\u00f6nne den br\u00fcchigen Konsens zerst\u00f6ren und das Vertrauen internationaler Geber weiter untergraben<\/a>. Das klingt technisch. Es ist es nicht. In schwachen Staaten ist Wahltechnik oft der h\u00f6fliche Name f\u00fcr Machtfrage.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die Mission der Afrikanischen Union, AUSSOM, soll die L\u00fccke schlie\u00dfen. Doch auch sie steht unter Druck. Bryden nennt <a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Unterfinanzierung, fehlende einheitliche Befehlsketten und politische Einmischung<\/a> als zentrale Probleme. ADF berichtet, politische Interventionen aus Mogadischu h\u00e4tten die Mission \u201e<a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">unterbesetz<\/a>t\u201c und anf\u00e4llig f\u00fcr den Verlust von Gebermitteln gemacht. Der Staat braucht die Mission, misstraut ihr aber zugleich, sobald sie nicht in seine innenpolitische Logik passt.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Das ist die somalische Trag\u00f6die in Verwaltungsprosa: Die Regierung ist zu schwach, um allein zu herrschen, und zu machtbewusst, um Macht zu teilen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die Miliz als Verwaltung<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Al-Shabaab ist nicht stark, weil sie nur schie\u00dft. Sie ist stark, weil sie mehr tut.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Roland Marchal hat bereits 2018 darauf hingewiesen, dass Al-Shabaab nicht als blo\u00dfer Import des globalen Dschihadismus zu verstehen ist. <a href=\"https:\/\/shs.cairn.info\/revue-politique-africaine-2018-1-page-89?lang=fr\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die Bewegung sei ein Produkt des B\u00fcrgerkriegs, der Gewaltsozialisation, sozialer Marginalisierung und politischer Ausschl\u00fcsse<\/a>. Das ist kein Freispruch. Es ist eine Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Marchal beschreibt eine Organisation, die Gewalt mit Ordnung verbindet. Al-Shabaab erhebt Abgaben, betreibt Gerichte, stellt Regeln auf und sorgt f\u00fcr deren Durchsetzung. Ihre Gerichte genie\u00dfen in Teilen der Bev\u00f6lkerung Ansehen, weil sie Entscheidungen nach bekannten Regeln treffen und Urteile tats\u00e4chlich vollstrecken. Marchal kontrastiert dies mit staatlichen Institutionen, in denen nach <a href=\"https:\/\/shs.cairn.info\/revue-politique-africaine-2018-1-page-89?lang=fr\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dem Urteil oft noch einmal bezahlt werden m\u00fcsse, damit es umgesetzt wird<\/a>.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Darin liegt die bittere Pointe. Die Miliz ist brutal, theokratisch und repressiv. Aber sie ist f\u00fcr viele berechenbar. Der Staat ist anerkannt, finanziert und diplomatisch hofiert. Aber er ist f\u00fcr viele unberechenbar. Wer nur fragt, warum Menschen unter Al-Shabaab leben, fragt zu sp\u00e4t. Man m\u00fcsste fragen, warum der Staat ihnen so wenig Grund gibt, ihn f\u00fcr die bessere Gefahr zu halten.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die Bewegung \u00fcberlebte R\u00fcckschl\u00e4ge, weil sie lernte. 2012 verlor sie Mogadischu. Danach verlor sie weitere St\u00e4dte. Sie verschwand nicht. Sie verlagerte sich, rekrutierte, besteuerte, verhandelte lokal, t\u00f6tete selektiv und kehrte zur\u00fcck. Marchal nennt diese F\u00e4higkeit nicht M\u00e4\u00dfigung, sondern Pragmatismus. Das ist wichtig. Eine flexible totalit\u00e4re Bewegung bleibt totalit\u00e4r. Aber sie ist schwerer zu besiegen als eine, die nur Dogma kennt.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Bryden warnt entsprechend vor Illusionen. Die Hoffnung, Al-Shabaab k\u00f6nne als vern\u00fcnftiger politischer Akteur und Partner bei der Regierung Somalias betrachtet werden, sei unbegr\u00fcndet. Ein Video vom September 2025, so Bryden, verurteile Verfassungsordnung, Frauenrechte, Musik und Tanz als Ketzerei. <a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Das Ziel sei eine totalit\u00e4re Theokratie, eher Taliban als konstitutionelles Experiment<\/a>.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Wer also mit Al-Shabaab verhandeln will, m\u00fcsste wissen, wor\u00fcber. \u00dcber Kapitulation in Raten? \u00dcber Machtteilung mit einer Bewegung, die Pluralit\u00e4t als Gottesl\u00e4sterung versteht? \u00dcber Sicherheit mit einer Organisation, deren politisches Programm die Abschaffung des Politischen ist?<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Der Dschihadismus lernt \u00fcber das Meer<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Zur inneren Krise kommt eine \u00e4u\u00dfere Beschleunigung. Somalia ist nicht mehr nur Schauplatz. Es wird Knoten.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Karen Allen beschreibt in ISS Today die wachsenden Verbindungen zwischen Al-Shabaab, dem Islamischen Staat in Somalia und den Huthis im Jemen. Die UN-Beobachter bewerteten die Beziehungen zwischen Al-Shabaab und Ansar Allah als \u201e<a href=\"https:\/\/issafrica.org\/iss-today\/houthis-in-somalia-friends-with-technological-benefits\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">transaktional oder opportunistisch<\/a>\u201c. Das Wort klingt beruhigend, ist es aber nicht. Opportunismus ist in Kriegen oft stabiler als Ideologie, weil er weniger \u00dcberzeugung braucht.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Al-Shabaab nutzte Drohnen bislang vor allem f\u00fcr Propaganda, Abschreckung und \u00dcberwachung, nicht systematisch f\u00fcr Angriffe. Doch laut Allen baten <a href=\"https:\/\/issafrica.org\/iss-today\/houthis-in-somalia-friends-with-technological-benefits\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Al-Shabaab-F\u00fchrer 2024 bei Treffen mit den Huthis um \u201eWaffen und eine fortgeschrittene Ausbildung<\/a>\u201c. Zugleich testete der Islamische Staat in Somalia Drohnenangriffe gegen Sicherheitskr\u00e4fte in Puntland. Die Richtung ist erkennbar.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">\u201e<a href=\"https:\/\/jungle.world\/blog\/von-tunis-nach-teheran\/2026\/04\/das-zweckbuendnis-des-terrors-am-roten-meer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Das Zweckb\u00fcndnis des Terrors am Roten Meer<\/a>\u201c beschreibt diese Entwicklung als strategische Allianz am Roten Meer. Was mit Schmuggel begann, wachse zu einer Kooperation mit milit\u00e4rischer, logistischer und strategischer Dimension. Die Arbeitsteilung sei n\u00fcchtern: <a href=\"https:\/\/jungle.world\/blog\/von-tunis-nach-teheran\/2026\/04\/das-zweckbuendnis-des-terrors-am-roten-meer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Al-Shabaab erhalte bessere Ausr\u00fcstung, Drohnen, m\u00f6glicherweise komplexere Waffen und Ausbildung; die Huthis profitierten von Routen, Piraterie und Einnahmen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die ideologische Differenz \u2013 sunnitische al-Qaida-N\u00e4he hier, schiitisch gepr\u00e4gte Huthi-Bewegung dort \u2013 st\u00f6rt weniger, als manche Analysen gern glauben. \u201e<a href=\"https:\/\/jungle.world\/blog\/von-tunis-nach-teheran\/2026\/04\/das-zweckbuendnis-des-terrors-am-roten-meer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Das Zweckb\u00fcndnis des Terrors am Roten Meer<\/a>\u201c formuliert es zugespitzt: Ideologie trennt, Logistik verbindet. Man k\u00f6nnte erg\u00e4nzen: Theologie hat Grenzen, Schmuggelrouten haben H\u00e4fen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Allen zitiert <a href=\"https:\/\/issafrica.org\/iss-today\/houthis-in-somalia-friends-with-technological-benefits\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ISS-Analysten mit der Warnung, ein einziger Drohnenangriff von Aufst\u00e4ndischen k\u00f6nne die Orientierung des Konflikts<\/a> ver\u00e4ndern. In asymmetrischen Kriegen entscheidet nicht die Gr\u00f6\u00dfe des Arsenals, sondern der Moment, in dem eine Seite lernt, ein neues Mittel wirksam einzusetzen. Afghanistan, Irak, Ukraine: Die Lektion ist bekannt. Dass sie nun am Horn von Afrika ankommt, \u00fcberrascht nur jene, die Konflikte noch immer in Landkarten statt in Netzwerken lesen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Vom lokalen Zerfall zur regionalen Gefahr<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Sollte Mogadischu fallen, w\u00e4re das kein Endpunkt. Es w\u00e4re ein Anfang anderer Art.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Bryden weist darauf hin, dass Al-Shabaab mit der Kontrolle \u00fcber Mogadischu Zugriff auf die Einnahmen des Hafens erhielte. Das k\u00f6nnte ihre Mittel schlagartig vervielfachen. Zugleich fielen <a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Waffen, Fahrzeuge und Infrastruktur der Regierung in ihre H\u00e4nde<\/a>. Eine Miliz, die heute bereits Steuern eintreibt, Territorium kontrolliert und Verwaltung simuliert, w\u00fcrde dann nicht nur st\u00e4rker. Sie w\u00fcrde staatlicher.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Ragab greift genau diesen Punkt auf: Die Hauptstadt k\u00f6nnte zu einem Finanz- und Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt der Bewegung werden. <a href=\"https:\/\/www.voiceofemirates.com\/en\/politics\/2025\/11\/24\/is-somalia-facing-a-kabul-like-scenario-a-us-report-identifies-signs-of-imminent-collapse\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis im Konflikt w\u00fcrde sich erheblich ver\u00e4ndern<\/a>. Die Nachbarstaaten m\u00fcssten mit mehr Anschl\u00e4gen an ihren Grenzen rechnen. Kenia und \u00c4thiopien, ohnehin tief in somalische Sicherheitsfragen verstrickt, w\u00fcrden vor einer alten Frage in neuer Form stehen: Eind\u00e4mmen, intervenieren, verhandeln \u2013 oder alles zugleich.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Gleichzeitig w\u00e4re Somalia nicht automatisch vollst\u00e4ndig verloren. Puntland, Jubaland und Somaliland verf\u00fcgen \u00fcber eigene Sicherheitsstrukturen und haben Al-Shabaab oder islamistische Einflussnahme teils wirksamer widerstanden als die Bundesregierung. Bryden skizziert f\u00fcr den Fall eines <a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zusammenbruchs sogar eine provisorische Bundesregierung in einer alternativen Hauptstadt wie Baidoa<\/a>. Das w\u00e4re kein Staat im klassischen Sinn, eher ein Gegenstaat. Aber in Somalia ist das Klassische seit 1991 ohnehin meist eine Erinnerung.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die eigentliche Gefahr liegt in der Verbindung von Staatszerfall, Ideologie, Technologie und Seewegen. Das Rote Meer, der Golf von Aden und Bab al-Mandab als strategische R\u00e4ume. Die Huthis haben seit Ende 2023 Handelsschiffe angegriffen; Al-Shabaab k\u00f6nnte \u00fcber <a href=\"https:\/\/jungle.world\/blog\/von-tunis-nach-teheran\/2026\/04\/das-zweckbuendnis-des-terrors-am-roten-meer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Piraterie, Schmuggel und K\u00fcstenzug\u00e4nge Teil derselben St\u00f6r\u00f6konomie<\/a> werden. Instabilit\u00e4t w\u00e4re dann nicht nur Folge des Konflikts. Sie w\u00e4re Gesch\u00e4ftsmodell.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Was jetzt noch bliebe<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die von Bryden vorgeschlagene Antwort beginnt nicht milit\u00e4risch, sondern politisch: eine Regierung der nationalen Einheit, eine R\u00fcckkehr zu verl\u00e4sslichen Regeln, indirekte Wahlen bis Mai 2026, eine glaubw\u00fcrdige Wahlkommission und eine <a href=\"https:\/\/africacenter.org\/publication\/asb45en-somalia-risk-jihadist-state\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sicherheitsarchitektur, die Bundesstaaten einbindet statt sie zu bek\u00e4mpfen<\/a>. Das klingt unspektakul\u00e4r. In Somalia w\u00e4re es fast revolution\u00e4r.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Denn Al-Shabaab l\u00e4sst sich nicht allein durch Spezialkr\u00e4fte, Drohnen oder Geberkonferenzen besiegen. Marchals Analyse legt nahe, dass die Bewegung dort stark wird, wo der Staat nicht nur abwesend, sondern diskreditiert ist. Wer sie schw\u00e4chen will, muss mehr bieten als den Appell, nicht unter Dschihadisten leben zu wollen. Er muss Recht, Sicherheit, Einkommen und politische Zugeh\u00f6rigkeit organisieren. Nicht als Projektbrosch\u00fcre. Als Erfahrung.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die internationale Gemeinschaft hat Somalia lange als Sicherheitsproblem behandelt. Das war nicht falsch, aber zu wenig. Sie finanzierte Armeen, Missionen, Programme gegen Extremismus und Verfassungsprozesse. Doch die zentrale Frage blieb: Wem geh\u00f6rt der Staat? Mogadischu? Den Bundesstaaten? Den Clans? Den Gebern? Oder jenen, die Ordnung schaffen, auch wenn diese Ordnung Peitsche hei\u00dft?<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Somalia steht deshalb nicht einfach vor einem \u201eKabul-Moment\u201c. Der Vergleich hilft als Warnung, aber er verf\u00fchrt zur falschen Dramaturgie. Kabul war ein Bild: Hubschrauber, Flughafen, Abzug. Somalia ist eher ein Prozess ohne Schlussakkord. Checkpoint f\u00fcr Checkpoint, Dorf f\u00fcr Dorf, Einnahmequelle f\u00fcr Einnahmequelle.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Wenn Mogadischu f\u00e4llt, wird die Welt sagen, sie sei \u00fcberrascht. Das ist ihre h\u00f6flichste Form der Mitschuld.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Denn die Hinweise liegen offen: eine Miliz mit Gebiet, Geld und Geduld; eine Regierung ohne Einigkeit; eine Armee ohne nationales Fundament; eine AU-Mission ohne sichere Finanzierung; regionale M\u00e4chte mit eigenen Rechnungen; neue Allianzen \u00fcber das Meer; Drohnen als n\u00e4chstes Lernmittel des Aufstands.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Somalia verschwindet nicht, wenn der Staat scheitert. Es \u00e4ndert seine Form. Genau darin liegt die Gefahr. Ein zerfallender Staat hinterl\u00e4sst kein Vakuum. Er schafft Raum f\u00fcr jene, die Verwaltung als Zwang, Recht als Dogma und Politik als Unterwerfung verstehen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Und manchmal reicht ihnen daf\u00fcr nicht einmal mehr der Sturm auf die Hauptstadt. Manchmal gen\u00fcgt es, zu warten, bis die Hauptstadt nur noch so tut, als werde sie gehalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie ein zerfallender Staat und ein lernf\u00e4higer Dschihadismus sich gegenseitig beschleunigen. Im April 2025 startete Al-Shabaab, die ber\u00fcchtigte&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15164,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[248],"tags":[428],"class_list":{"0":"post-15163","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-somalia","8":"tag-somalia"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116541405498126425","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15163","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15163"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15163\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15164"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}