{"id":15165,"date":"2026-05-08T23:05:25","date_gmt":"2026-05-08T23:05:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15165\/"},"modified":"2026-05-08T23:05:25","modified_gmt":"2026-05-08T23:05:25","slug":"guinea-bissau-stoppt-von-den-usa-finanzierte-hepatitis-b-impfstudie-an-neugeborenen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15165\/","title":{"rendered":"Guinea-Bissau stoppt von den USA finanzierte Hepatitis-B-Impfstudie an Neugeborenen"},"content":{"rendered":"<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Guinea-Bissau hat eine von der US-Regierung finanzierte Impfstudie an Neugeborenen endg\u00fcltig gestoppt. Das westafrikanische Land reagierte damit auf massive internationale Kritik an dem Projekt, das die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unvereinbar mit ethischen und wissenschaftlichen Grunds\u00e4tzen einstufte. \u201eEs wird nicht passieren, Punkt\u201c, erkl\u00e4rte Au\u00dfenminister Jo\u00e3o Bernardo Vieira nun.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Bei dem Projekt sollten rund 14.000 Neugeborene in Guinea-Bissau nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt werden: Eine H\u00e4lfte h\u00e4tte die Hepatitis-B-Impfung direkt nach der Geburt erhalten, die andere \u2013 wie bisher im Land \u00fcblich \u2013 erst im Alter von sechs Wochen.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Untersucht werden sollten sogenannte \u201eunspezifische Effekte\u201c der Impfung auf die fr\u00fchkindliche Gesundheit und Entwicklung, darunter auch neurologische Auff\u00e4lligkeiten. Durchgef\u00fchrt werden sollte die Studie vom Bandim Health Project an der Universit\u00e4t S\u00fcdd\u00e4nemark, finanziert mit rund 1,6 Millionen US-Dollar von den US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC).\n            <\/p>\n<p>            WHO: Stopp einer lebensrettenden Impfung inakzeptabel<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die WHO ver\u00f6ffentlichte Mitte Februar eine ungew\u00f6hnlich scharfe Stellungnahme. Darin erkl\u00e4rte die Organisation, sie habe \u201esignifikante Bedenken\u201c hinsichtlich der wissenschaftlichen Begr\u00fcndung, der ethischen Schutzma\u00dfnahmen und der Vereinbarkeit der Studie mit etablierten Forschungsstandards. Die Hepatitis-B-Geburtsdosis sei seit \u00fcber drei Jahrzehnten in mehr als 115 L\u00e4ndern im Einsatz und verhindere 70 bis 95 Prozent der Mutter-Kind-\u00dcbertragungen.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              \u201eEine Studie, die eine nachweislich lebensrettende Ma\u00dfnahme einer Gruppe von Studienteilnehmern vorenth\u00e4lt, setzt Neugeborene ernsthaften und m\u00f6glicherweise irreversiblen Sch\u00e4den aus\u201c, schrieb die WHO. Dazu z\u00e4hlten chronische Infektionen, Leberzirrhose und Leberkrebs. Studien mit einer Nicht-Behandlungsgruppe seien nur dann zul\u00e4ssig, wenn keine bew\u00e4hrte Intervention existiere \u2013 was bei der Hepatitis-B-Impfung eindeutig nicht der Fall sei.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Besonders brisant ist die Lage in Guinea-Bissau selbst: Mehr als zw\u00f6lf Prozent der erwachsenen Bev\u00f6lkerung leben laut WHO mit einer chronischen Hepatitis-B-Infektion, kleinere Studien sch\u00e4tzen die Pr\u00e4valenz sogar auf rund 19 Prozent. Etwa 90 Prozent der bei der Geburt infizierten Kinder entwickeln eine chronische, lebenslange Infektion mit einem hohen Risiko f\u00fcr schwere Lebererkrankungen.\n            <\/p>\n<p>            Politischer Hintergrund: Kennedy und die US-Impfskepsis<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die Studie ist politisch eng mit der Trump-Regierung verkn\u00fcpft. US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., ein langj\u00e4hriger Impfskeptiker, ist politisch verantwortlich f\u00fcr die CDC. Kennedy hatte zuvor den beratenden Impfausschuss ACIP (Advisory Committee on Immunization Practices) aufgel\u00f6st und mit impfkritischen Mitgliedern neu besetzt. Erst vor zwei Monaten stimmte dieses neu zusammengesetzte Gremium daf\u00fcr, die generelle Empfehlung der Hepatitis-B-Geburtsdosis f\u00fcr US-Neugeborene aufzuheben.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Kennedy hat mehrfach bestritten, grunds\u00e4tzlich gegen Impfungen zu sein, gleichzeitig aber wiederholt wissenschaftlich widerlegte Behauptungen \u00fcber Impfsch\u00e4den verbreitet. Kritiker warfen der US-Regierung vor, mit der Studie in Guinea-Bissau Hypothesen an afrikanischen Babys testen zu wollen, die in der amerikanischen Impfdebatte \u2013 etwa eine m\u00f6gliche Verbindung zu Autismus \u2013 l\u00e4ngst als widerlegt gelten.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die fr\u00fchere Gesundheitsministerin von Guinea-Bissau, Magda Robalo, brachte den Unmut vieler auf den Punkt: \u201eEs ist nicht akzeptabel und darf nicht weitergehen. Guinea-Bissauer sind keine Versuchskaninchen\u201c, sagte sie dem Fachmagazin Nature.\n            <\/p>\n<p>            Widerspr\u00fcchliche Signale aus Washington<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Trotz der Entscheidung Guinea-Bissaus sendete das US-Gesundheitsministerium (HHS) zun\u00e4chst widerspr\u00fcchliche Signale. HHS-Sprecherin Emily Hilliard erkl\u00e4rte gegen\u00fcber Nature, die Studie laufe \u201ewie geplant\u201c weiter und man arbeite mit Partnern an der Fertigstellung des Studienprotokolls. Diese Aussage stand in direktem Widerspruch zur Ank\u00fcndigung der Regierung in Bissau.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Guinea-Bissaus Gesundheitsminister Quinhin Nantote begr\u00fcndete die Aussetzung mit mangelnder Koordination: \u201eEs gab keine ausreichende Abstimmung, um eine endg\u00fcltige Entscheidung \u00fcber die Studie zu treffen.\u201c Das nationale Public-Health-Institut, das f\u00fcr die Genehmigung solcher Studien zust\u00e4ndig ist, war anf\u00e4nglich nicht einmal informiert worden. Nach einem Treffen mit der Afrika-CDC am 22. Januar setzte die Regierung die Studie zun\u00e4chst aus und leitete eine technische und ethische \u00dcberpr\u00fcfung ein, bevor sie das Projekt Ende Februar endg\u00fcltig stoppte.\n            <\/p>\n<p>            D\u00e4nische Forscher verteidigen das Projekt<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die Wissenschaftler des Bandim Health Project verteidigten ihr Vorhaben. Sie argumentierten, Guinea-Bissau werde die Hepatitis-B-Geburtsdosis ohnehin erst 2027 oder 2028 regul\u00e4r einf\u00fchren. Die \u00dcbergangszeit h\u00e4tte genutzt werden k\u00f6nnen, um evidenzbasierte Daten \u00fcber positive wie m\u00f6gliche negative Effekte der Impfung zu gewinnen.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Der leitende Forscher Frederik Schaltz-Buchholzer kritisierte, die Debatte sei von einer fachlichen in eine politische Diskussion umgeschlagen. Er warnte vor einem Vertrauensverlust in Forschung und Impfungen, wenn das Projekt scheitere.\n            <\/p>\n<p>            Strukturelle Probleme bei Forschung in Afrika<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Afrikanische Wissenschaftler sehen in dem Fall ein Symptom tieferliegender Probleme. Wie Nature berichtete, kritisieren Forschende vom Kontinent, dass international finanzierte Studien in Afrika h\u00e4ufig unter politischem Druck, fragmentierter Aufsicht und einer Dominanz externer Geldgeber litten, die lokale Gesundheitspriorit\u00e4ten in den Hintergrund dr\u00e4ngten.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die WHO erkl\u00e4rte, sie stehe bereit, Guinea-Bissau bei der beschleunigten Einf\u00fchrung der Hepatitis-B-Geburtsdosis zu unterst\u00fctzen \u2013 einschlie\u00dflich Logistik, Schulung von Gesundheitspersonal und Aufbau eines \u00dcberwachungssystems. Das Land plant, die Impfung bis sp\u00e4testens 2028 fl\u00e4chendeckend in den nationalen Impfplan aufzunehmen.\n            <\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/images\/blz\/send-mail.svg\" alt=\"Send feedback\"\/><\/p>\n<p>Lesen Sie mehr zum Thema<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Guinea-Bissau hat eine von der US-Regierung finanzierte Impfstudie an Neugeborenen endg\u00fcltig gestoppt. 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