{"id":15179,"date":"2026-05-08T23:57:45","date_gmt":"2026-05-08T23:57:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15179\/"},"modified":"2026-05-08T23:57:45","modified_gmt":"2026-05-08T23:57:45","slug":"migrationsforscherin-niemand-moechte-in-libyen-bleiben-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15179\/","title":{"rendered":"Migrationsforscherin: \u201eNiemand m\u00f6chte in Libyen bleiben\u201c \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead\">Es sei ein Irrglaube, dass die Seenotrettung einen Pull-Faktor f\u00fcr Fl\u00fcchtende darstelle, sagt Migrationsforscherin Kohlenberger. Sie kritisiert die Verhandlungen der EU mit Libyen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/GREECE-MIGRATIONNORTH AFRICA.webp\" alt=\"Migranten nach der Seenotrettung in Griechenland.\" width=\"600\" height=\"400\"\/><\/p>\n<p>Migranten nach der Seenotrettung in Griechenland.\u2003Reuters \/ Stefanos Rapanis<\/p>\n<p>Die griechische Insel Kreta wird ein immer st\u00e4rker frequentiertes Ziel von Fl\u00fcchtlingsbooten aus Libyen. Laut dem <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/uno\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" m=\"\" in=\"\" libyen=\"\" bleiben=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">UNO<\/a>-Fl\u00fcchtlingshochkommissariat (<a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/unhcr\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" m=\"\" in=\"\" libyen=\"\" bleiben=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">UNHCR<\/a>) sind dort heuer im ersten Halbjahr 7.300 Menschen angekommen, ein Anstieg gegen\u00fcber dem Vorjahr auf 350 Prozent. \u201eDie K\u00fcste Libyens ist seit Jahren als Teil der Schmugglerroute bekannt. Das Land ist gef\u00e4hrlich f\u00fcr Migranten, niemand m\u00f6chte in Libyen bleiben\u201c, sagte Migrationsforscherin Judith <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/judith-kohlenberger\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" m=\"\" in=\"\" libyen=\"\" bleiben=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kohlenberger<\/a> im APA-Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Die Fl\u00fcchtenden fliehen \u00fcber die \u00f6stliche Mittelmeerroute, die alle Bewegungen nach Zypern, an die griechischen See- und Landgrenzen und an die bulgarische Landgrenze zur T\u00fcrkei umfasst. \u201eEs g\u00e4be die M\u00f6glichkeit, die jetzt in Kreta ankommenden Menschen in ganz Griechenland und in der <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" m=\"\" in=\"\" libyen=\"\" bleiben=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a> zu verteilen. Das sieht ja auch der Solidarit\u00e4tsmechanismus, der im Zuge der Reform des Gemeinsamen Europ\u00e4ischen Asylsystems (GEAS) bis Mitte 2026 umgesetzt werden soll, vor\u201c, sagte Kohlenberger.<\/p>\n<p>Stattdessen werde versucht, durch Zeltlager und Bilder einer \u00fcberlasteten Urlaubsinsel erneut das Narrativ einer Krise zu erzeugen. Damit l\u00e4sst sich laut Kohlenberger leichter f\u00fcr mehr Grenzschutz und Zur\u00fcckweisungen argumentieren, was aber bisher zu keinen nachhaltigen L\u00f6sungen gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>\u201eIm Schnitt stirbt derzeit alle acht Stunden ein Mensch auf der Fluchtroute \u00fcber das zentrale Mittelmeer\u201c, erkl\u00e4rte der humanit\u00e4re Berater bei \u00c4rzte ohne Grenzen, Marcus Bachmann, in einem Statement gegen\u00fcber der APA. UNHCR zufolge sind seit Jahresbeginn bereits 517 Menschen bei der \u00dcberfahrt nach Europa entweder gestorben oder werden noch vermisst. \u201eMigrationsrouten verlagern sich immer mehr auf den Seeweg, weil diese nicht so stark bewacht werden k\u00f6nnen wie die Landgrenzen. Sie sind aber viel riskanter\u201c, sagte Kohlenberger.<\/p>\n<p>\u00c4rzte ohne Grenzen rettete und versorgte zwischen 2015 und 2024 nach eigenen Angaben insgesamt 94.000 Fl\u00fcchtende im Mittelmeer. \u201eWir mussten die Aktivit\u00e4ten mit dem Rettungsschiff Geo Barents Ende vergangenen Jahres einstellen, weil die italienischen Beh\u00f6rden diese massiv behindert haben\u201c, erkl\u00e4rte Bachmann.<\/p>\n<p class=\"u-ltp-xl\">         \u00bbMenschen w\u00fcrden trotzdem fliehen, auch wenn es keine Seenotrettung g\u00e4be. Es w\u00fcrde dann mehr Tote geben.\u00ab     <\/p>\n<p>         Kohlenberger     <\/p>\n<p>\u201eNationale Regierungen versuchen zu suggerieren, dass die Seenotrettung ein Pull-Faktor f\u00fcr Fl\u00fcchtende darstellt &#8211; man werde ja sowieso gerettet. Das Problem: Menschen w\u00fcrden trotzdem fliehen, auch wenn es keine Seenotrettung g\u00e4be. Es w\u00fcrde dann mehr Tote geben\u201c, sagte Kohlenberger. Au\u00dferdem k\u00f6nne man durch die Seenotrettung illegale Zur\u00fcckweisungen besser dokumentieren, \u201edas kann auch ein Grund f\u00fcr ihre Kriminalisierung und Behinderung sein\u201c.<\/p>\n<p>Die EU-Delegation &#8211; darunter EU-Kommissar f\u00fcr Inneres und Migration <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/magnus-brunner\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" m=\"\" in=\"\" libyen=\"\" bleiben=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Magnus Brunner<\/a> sowie Minister aus Griechenland, Italien und Malta &#8211; trafen sich am 8. Juli in Tripolis mit dem libyschen Premierminister <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/abdulhamid-dbeibah\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" m=\"\" in=\"\" libyen=\"\" bleiben=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Abdulhamid Dbeibah<\/a>. Im Mittelpunkt standen gemeinsame Herausforderungen im Bereich Migration und der Kampf gegen Menschenschmuggel. Die Gespr\u00e4che sollen eine Basis f\u00fcr eine vertiefte Zusammenarbeit bilden.<\/p>\n<p>Kohlenberger kritisierte die Verhandlungen der EU mit Libyen: \u201eDie EU l\u00e4sst sich im Grunde auf die Erpressungsversuche Libyens ein. Autorit\u00e4re Regime wissen Europas Migrationspanik zu nutzen, um ihre Interessen f\u00fcr viel Geld durchzusetzen. Sie haben erkannt, dass die Uneinigkeit dar\u00fcber, wie man mit Gefl\u00fcchteten rechtskonform umgehen soll und kann, die EU spaltet. Aus dieser Spaltung wollen sie profitieren.\u201c Die Spirale drehe sich dabei immer weiter und immer schneller. \u201eEine L\u00f6sung w\u00e4re, daraus auszubrechen und innerhalb der geltenden Asylregeln Wege des Umgangs zu finden, also Menschen aufzunehmen, ihnen ein faires Verfahren zu erm\u00f6glichen und sie zu verteilen\u201c, sagte Kohlenberger.<\/p>\n<p>Kritik kam auch von Bachmann: \u201eDer Besuch von EU-Kommissar Brunner in Libyen stand ganz im Zeichen dieser menschenverachtenden Politik: Schutzsuchende werden wie Waren behandelt, Statistiken und Zahlen z\u00e4hlen mehr als individuelle Schicksale.\u201c<\/p>\n<p>Neben der stark frequentierten \u00f6stlichen Mittelmeerroute sind laut dem UNO-Fl\u00fcchtlingshochkommissariat andere Migrationsrouten \u00fcber See nach Europa ebenfalls relevant. Die Flucht \u00fcber die zentrale Mittelmeerroute sei in den vergangenen Jahren stark zur\u00fcckgegangen. Diese umfasst den Abschnitt zwischen Nordafrika und Italien sowie Malta auf der europ\u00e4ischen Seite. Es ist aktuell mit einer Ankunft von 30.900 Menschen im ersten Halbjahr noch immer die Hauptmigrationsroute Europas, jedoch mit sinkender Tendenz. Zudem sind laut UNHCR heuer im ersten Halbjahr bereits 6.300 Menschen von dem Nordwesten Afrikas \u00fcber die westliche Mittelmeerroute nach S\u00fcdspanien geflohen.<\/p>\n<p>\u201eDie K\u00fcrzungen der Entwicklungshilfezahlungen vor allem seitens der USA resultieren in weniger Hilfen f\u00fcr Fl\u00fcchtlingslager. Das bedeutet mehr Not und Elend vor Ort, aber auch, dass einige Menschen, sobald sie die Mittel daf\u00fcr haben, in Richtung EU weiterziehen k\u00f6nnten\u201c, sagte Kohlenberger. Solch eine Situation zeichne sich etwa im S\u00fcdsudan ab, auch wenn den meisten das Geld f\u00fcr den Weg nach Europa fehlt. Die h\u00e4ufigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Flucht sind UNHCR zufolge au\u00dferdem Krieg und Gewalt, Menschenrechtsverletzungen, die ethnisch, religi\u00f6s oder sexistisch motiviert sind, Hunger und die Folgen des Klimawandels.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es sei ein Irrglaube, dass die Seenotrettung einen Pull-Faktor f\u00fcr Fl\u00fcchtende darstelle, sagt Migrationsforscherin Kohlenberger. Sie kritisiert die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15180,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[286,285],"class_list":{"0":"post-15179","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-libyen","8":"tag-libya","9":"tag-libyen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116541671053249507","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15179","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15179"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15179\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15180"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15179"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15179"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15179"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}