{"id":15304,"date":"2026-05-09T15:10:56","date_gmt":"2026-05-09T15:10:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15304\/"},"modified":"2026-05-09T15:10:56","modified_gmt":"2026-05-09T15:10:56","slug":"wahl-in-kamerun-herausforderer-muna-dieses-land-braucht-einen-neuanfang-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15304\/","title":{"rendered":"Wahl in Kamerun: Herausforderer Muna &#8211; \u201eDieses Land braucht einen Neuanfang\u201c &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eAlter ist kein Hindernis\u201c, sagt Muna. \u201eAber wenn es im Fernsehen als Gro\u00dfereignis gefeiert wird, dass der Pr\u00e4sident selbst\u00e4ndig geht oder aus eigener Kraft die Hand hebt, dann haben wir ein Problem.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ob Biya bei der Pr\u00e4sidentschaftswahl am 12. Oktober tats\u00e4chlich wieder antreten w\u00fcrde, war die gro\u00dfe Frage in Kamerun. Bis der Dauerpr\u00e4sident am 13. Juli seine erneute Kandidatur verk\u00fcndete. Seine achte. Falls er gewinnt und so lange durchh\u00e4lt, w\u00e4re er am Ende der Amtszeit 99. \u201eDas Beste liegt noch vor uns\u201c, schrieb Biya auf X. F\u00fcr viele Kameruner klang das wie eine Drohung.<\/p>\n<p>Die Chancen, den seit 43 Jahren regierenden Pr\u00e4sidenten abzul\u00f6sen, standen laut Akere Manu nie besser<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Im Land gibt es nun eine neue gro\u00dfe Frage: Ist es vorstellbar, dass Biya die Wahl verliert? Dass der Mann, der den kamerunischen Staat 43 Jahre lang auf seinen Machterhalt getrimmt hat, gest\u00fcrzt wird?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Akere Muna sagt: \u201eDie Chancen standen nie besser.\u201c Er empf\u00e4ngt in seinem Haus in der Hauptstadt Jaunde, mit Slippern an den F\u00fc\u00dfen und Hornbrille auf der Nase, und strahlt ein Selbstbewusstsein aus, wie man es wohl nur als Spr\u00f6ssling einer der ersten Familien des Landes besitzt. Sein Vater Solomon Muna war von 1968 bis 1972\u00a0Premierminister des damals autonomen Landesteils West-Kamerun und f\u00fcr zwei Jahre Kameruns Vizepr\u00e4sident. Akere Muna ist sein siebter Sohn.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Im Hauseingang h\u00e4ngen Bilder, die ihn mit Politprominenz aus aller Welt zeigen, von Frankreichs Ex-Pr\u00e4sident Fran\u00e7ois Hollande bis zur Friedensnobelpreistr\u00e4gerin Ellen Johnson Sirleaf aus Liberia. Eingang in diese Kreise fand Muna nicht als Politiker, sondern durch eine T\u00e4tigkeit, die ihn in Kamerun zum Gegner vieler Politiker macht: als Korruptionsbek\u00e4mpfer. Von Haus aus Rechtsanwalt baute Muna von 2000 an die kamerunische Sektion von Transparency International auf. Danach war er neun Jahre lange Vizechef der Organisation, die sich gegen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Korruption\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Korruption<\/a> einsetzt und ein j\u00e4hrliches L\u00e4nderranking herausgibt. Kamerun belegt dort aktuell Rang 140 von 180.<\/p>\n<p>Die Wechselstimmung ist gro\u00df, doch die Opposition ist uneins wie noch nie<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In die Politik kam Muna als Quereinsteiger. 2018, bei der letzten Pr\u00e4sidentschaftswahl, kandidierte er erstmals, zog aber am Ende zugunsten des aussichtsreicheren Herausforderers Maurice Kamto zur\u00fcck. Der kam auf 14 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Biya auf 71 Prozent. Zumindest laut offiziellem Ergebnis. Nun will Muna es wieder probieren, als Kandidat eines B\u00fcndnisses kleiner Oppositionsparteien.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">83 Bewerber haben ihre Unterlagen bei Kameruns Wahlbeh\u00f6rde eingereicht, dreimal so viele wie 2018. Es ist eine Rekordzahl, die zwei Deutungen zul\u00e4sst. Die erste, die Muna vertritt, lautet: Noch nie war die Wechselstimmung so gro\u00df. Die zweite: Noch nie war die Opposition so uneins. F\u00fcr Au\u00dfenseiter wie Muna steckt in dieser Deutung auch der Vorwurf, dass ihre Kandidatur am Ende nur dem Pr\u00e4sidenten helfe.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Muna ficht das nicht an. Er sei der richtige Mann, sagt er, um die zwei dr\u00e4ngendsten Probleme des Landes zu l\u00f6sen. Erstens die Korruption. Kamerun habe unter Biya alle Phasen aus dem Lehrbuch durchlaufen, die allt\u00e4gliche, die endemische, die systemische Korruption. Heute befinde sich das Land in der Phase des State Capture, des Ausverkaufs an den Meistbietenden. Als Beleg nennt Muna den Skandal um eine Tochter des Schweizer Rohstoffgiganten Glencore, die \u00fcber Jahre Amtstr\u00e4ger bestochen hatte, um ihren Zugriff auf Kameruns Erd\u00f6l zu sichern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Sollte er Pr\u00e4sident werden, sagt Muna, werde es keine Toleranz gegen\u00fcber Korruption geben. \u201eWer erwischt wird, fliegt.\u201c<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten schwelt ein Konflikt zwischen dem fr\u00fcheren West-Kamerun und dem Zentralstaat<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das zweite gro\u00dfe ungel\u00f6ste Problem ist die sogenannte anglophone Krise. Kamerun besteht, ein Erbe der Kolonialzeit, aus einem gro\u00dfen franz\u00f6sischsprachigen und einem kleinen englischsprachigen Teil: dem fr\u00fcheren West-Kamerun, dessen Premierminister Munas Vater war, ehe es in die Provinzen Nordwest und S\u00fcdwest geteilt und dem Zentralstaat einverleibt wurde. Es war der Beginn eines \u00fcber Jahrzehnte schwelenden Konflikts, der 2016 zu einem Krieg zwischen Separatisten und Armee eskalierte. Tausende wurden seitdem get\u00f6tet, Hunderttausende vertrieben.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Pr\u00e4sident Biya ist es nicht gelungen, die Gewalt zu beenden. Er w\u00fcrde es schaffen, sagt Muna. Er kenne die Ursachen des Konflikts und verf\u00fcge als Anglophoner und als Sohn seines Vaters \u00fcber die Autorit\u00e4t, um einen Dialog einzuleiten. Der einzige Ausweg bestehe darin, die zentralistische Ordnung durch eine f\u00f6derale zu ersetzen und etwa die Gouverneure der anglophonen Provinzen w\u00e4hlen zu lassen. Bisher werden sie von der Regierung in Jaunde ernannt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Fraglich ist allerdings, ob ein anglophoner Kandidat in Kamerun auch nur theoretische Aussichten auf eine Mehrheit h\u00e4tte. Zumal nicht mal klar ist, ob er auf die Stimmen der Provinzen Nordwest und S\u00fcdwest z\u00e4hlen k\u00f6nnte. 2018 konnte dort wegen des Konflikts kaum jemand w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Medien werden geg\u00e4ngelt, Oppositionelle behindert, Klagen wegen Wahlf\u00e4lschung abgeschmettert<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Praktisch kommt die Frage hinzu, ob \u00fcberhaupt ein anderer Wahlsieger als Paul Biya denkbar ist. Der Pr\u00e4sident hat sich den Staat in den vergangenen Jahrzehnten untertan gemacht. Medien werden geg\u00e4ngelt, Oppositionelle behindert, Klagen wegen Wahlf\u00e4lschung von den Gerichten routiniert abgeschmettert. Muna sieht trotzdem eine Chance, Biya zu schlagen. Nicht obwohl, sondern weil er schon so lange an der Macht ist.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/kamerun-paul-biya-lux.RhAqKBcCTyYvxoNAzeXMbg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Als der Pr\u00e4sident vergangenes Jahr f\u00fcr Wochen verschwand<\/a>, machten Ger\u00fcchte \u00fcber seinen Tod die Runde. Die erwiesen sich als falsch, doch das wacklige Bild, das Biya bei seinen wenigen \u00f6ffentlichen Auftritten abgibt, l\u00e4sst die Spekulationen \u00fcber seine Gesundheit nicht abrei\u00dfen. Viele Kameruner sind \u00fcberzeugt, dass Biya nur noch dem Namen nach herrscht \u2013 und l\u00e4ngst die zweite Reihe die Regierung f\u00fchrt. Schon seit Jahren verbringt Biya einen Gro\u00dfteil des Jahres nicht in Jaunde, sondern in seinem Heimatdorf oder in der Schweiz.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Innerhalb dieser zweiten Reihe ist der Kampf um Biyas Nachfolge l\u00e4ngst entbrannt, sagt Muna. Tats\u00e4chlich sind Risse im System un\u00fcbersehbar. In der Regierungspartei, eigentlich zum Abnickverein degradiert, regt sich pl\u00f6tzlich Unmut. Zwei fr\u00fchere Weggef\u00e4hrten Biyas wollen bei der Wahl gegen ihn antreten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Manche Beobachter sehen darin ein Sicherheitsrisiko f\u00fcr Kamerun, <a href=\"https:\/\/foreignpolicy.com\/2023\/07\/06\/cameroon-anglophone-biya-sudan-civil-war\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">gar einen drohenden B\u00fcrgerkrieg<\/a>. Muna sieht eine Chance. Ein Machtwechsel sei m\u00f6glich, sagt er, wenn die Menschen das Gef\u00fchl bek\u00e4men, dass die Dinge ins Rutschen geraten \u2013 Biyas W\u00e4hler ebenso wie seine Gefolgsleute. \u201eMan sollte nicht davon ausgehen, dass Menschen, die f\u00fcr die Regierung arbeiten, automatisch gl\u00fccklich sind\u201c, sagt Muna.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die \u00c4ra Biya werde im Oktober enden, prophezeit er. An der Urne \u2013 oder hinterher, durch einen Nachwahl-Putsch, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/gabun-westafrika-putsch-militaer-ali-bongo-1.6178215\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wie er 2023 die f\u00fcnfzigj\u00e4hrige Herrschaft des Bongo-Clans in Gabun beendete<\/a>. Er sei gegen Putsche, sagt Muna. Doch wenn eine unf\u00e4hige und korrupte Regierung durch Wahlen nicht loszuwerden sei: \u201eWas soll man tun?\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wenn es tats\u00e4chlich einen Putsch gibt, \u201ew\u00fcrden die Menschen auf der Stra\u00dfe tanzen\u201c, glaubt Muna. Und sollten die Putschisten ihm die F\u00fchrung einer \u00dcbergangsregierung anbieten, w\u00fcrde er nicht ausschlie\u00dfen, dass er annimmt. \u201eDieses Land\u201c, sagt er, \u201ebraucht einen Neuanfang.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eAlter ist kein Hindernis\u201c, sagt Muna. \u201eAber wenn es im Fernsehen als Gro\u00dfereignis gefeiert wird, dass der Pr\u00e4sident&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15305,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[29,222,163,1910,2180,282,283,284],"class_list":{"0":"post-15304","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kamerun","8":"tag-afrika","9":"tag-cameroon","10":"tag-kamerun","11":"tag-kolonialismus","12":"tag-korruption","13":"tag-leserdiskussion","14":"tag-politik","15":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116545262876277451","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15304","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15304"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15304\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15305"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15304"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15304"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15304"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}