{"id":15347,"date":"2026-05-09T19:17:55","date_gmt":"2026-05-09T19:17:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15347\/"},"modified":"2026-05-09T19:17:55","modified_gmt":"2026-05-09T19:17:55","slug":"boualem-sansal-kaempft-nach-haft-fuer-meinungsfreiheit-in-algerien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15347\/","title":{"rendered":"Boualem Sansal k\u00e4mpft nach Haft f\u00fcr Meinungsfreiheit in Algerien"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/gesellschaft\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"3_gesellschaft\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gesellschaft<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 16.11.2025, 13:45 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.fr.de\/autor\/claus-leggewie-8q0zerk21.html\" title=\"Zur Autorenseite von Claus Leggewie\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" leggewie=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Claus Leggewie<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/profile.google.com\/cp\/CgkvbS8wNHk5cHYaAA\" class=\"id-Story-googleFollowButton id-Story-googleFollowButton--default\" target=\"_blank\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" google-follow=\"\" auf=\"\" google=\"\" folgen=\"\" rel=\"nofollow noopener\">Uns auf Google folgen<\/a><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/37598939-files-algerian-writer-boualem-sansal-poses-in-paris-on-september-2015-the-french-publisher-.jpeg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"792\" width=\"1408\" alt=\"(FILES) Algerian writer Boualem Sansal poses in Paris on September 4, 2015. The French publisher of French-Algerian writer Boualem Sansal on November 22, 2024, called for his immediate release from detention in Algeria, confirming reports he had been detained in his home country. (Photo by Jo&#xEB;l SAGET \/ AFP)\"\/>Der algerische Autor Boualem Sansal.  \u00a9\u00a0Joel Saget\/AFP<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Bundespr\u00e4sident Steinmeier setzte sich f\u00fcr die Freilassung des Autors ein, nachdem Sansal wegen seiner Regimekritik inhaftiert worden war.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Bundespr\u00e4sident Steinmeier hat es mit \u201estiller Diplomatie\u201c und gro\u00dfer Beharrlichkeit geschafft, den algerischen Schriftsteller Boualem Sansal aus seinem Gef\u00e4ngnis zu befreien. Er sollte eine harte zehnj\u00e4hrige Strafe f\u00fcr ein Delikt absitzen, das keines ist: den Gebrauch der freien Meinung. In einem Gespr\u00e4ch mit einer franz\u00f6sischen, stark rechts geneigten Plattform hatte er sich die Meinung erlaubt, Algerien sei vor der Kolonisierung durch Frankreich im Jahr 1830 keine Nation gewesen und die heutigen Grenzgebiete mit Marokko, damals noch im Osmanischen Imperium gelegen, h\u00e4tten keine klare Zuteilung gehabt. \u00dcber diese Geschichtsauffassung mag man trefflich streiten, aber nicht mit dem algerischen Regime, das die nationale Integrit\u00e4t als h\u00f6chstes, unantastbares Gut betrachtet, auf dem seine ganze Legitimation ruht. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Sansal, ein ehemaliger Staatsbeamter, war der Nomenklatura aus alten Befreiungsk\u00e4mpfern, Technokraten und Armee mit seinen regime- und islamkritischen Romanen schon l\u00e4nger auf die Nerven gegangen. Vor direkten Repressionen scheuten sie zur\u00fcck, zumal seine auf Franz\u00f6sisch erschienen B\u00fccher eher B\u00fcckware blieben und Sansal den einfachen Algeriern nicht vertraut war. In Deutschland sind seine Essays und Romane \u00fcber den exzellenten Kleinverlag Merlin gut verbreitet und viel gelesen worden. Das 2024 gef\u00fchrte Interview war den Betonk\u00f6pfen im \u201ePalast\u201c dann doch zu viel, ein willf\u00e4hriges Gericht verdonnerte den damals 80j\u00e4hrigen, krebskranken Autor wegen \u201eBeeintr\u00e4chtigung der nationalen Integrit\u00e4t\u201c zu f\u00fcnf Jahren Knast \u2013 ein eklatanter Versto\u00df gegen die Meinungs- und Kunstfreiheit, die in der algerischen Verfassung offenbar nur pro forma steht. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Mehrere Gelegenheiten, von diesem rachs\u00fcchtigen Akt abzulassen und Sansal zu begnadigen, lie\u00df der algerische Staatspr\u00e4sident Abdelmadjid Tebboune verstreichen. Das prek\u00e4re Verh\u00e4ltnis zu Frankreich, zus\u00e4tzlich durch die Anerkennung der Westsahara als marokkanisches Gebiet belastet (dessen Unabh\u00e4ngigkeit Algerien als Patron der saharawischen Befreiungsbewegung Polisario verlangt), verschlechterte sich. Der Schriftsteller wurde zum Spielball algerisch-franz\u00f6sischer Querelen, die der damalige rechtsgerichtete Innenminister Bruno Retailleau durch sein Vorhaben eskalierte, restriktive Ma\u00dfnahmen gegen die seit Jahrzehnten laufende Einwanderung algerischer Migranten zu ergreifen. Auch die franz\u00f6sische extreme Linke bekleckerte sich nicht mit Ruhm und gab Sansal eine Art Mitschuld an seiner Verhaftung, weil er sich mit Islamfeinden eingelassen habe.<\/p>\n<p>Erleichterung<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Viele Franzosen und Franz\u00f6sinnen haben sich f\u00fcr Boualem Sansal mit Lesungen und Solidarit\u00e4tsveranstaltungen eingesetzt. Dass er nun in Richtung Deutschland frei kam, k\u00f6nnte damit zusammenh\u00e4ngen, dass Algerien sich zunehmend isoliert f\u00fchlt, da westliche Regierungen sich zunehmend an Marokko halten und die alten Freunde Russland und China sich als neoimperiale M\u00e4chte in der Sahel-Zone breitmachen. Deutschland hat in Algerien, noch als fernes Echo der Unterst\u00fctzung des antikolonialen Kampfes in den 1950er Jahren, ein besseres Renommee, und ist wichtiger noch, ein gesuchter Wirtschaftspartner auf karbonen (Erdgas) wie postkarbonen Feldern (gr\u00fcner Wasserstoff), stets auch im Blick auf Br\u00fcssel. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Wie auch immer: Die Unterst\u00fctzer Boualem Sansals sind erleichtert und gl\u00fccklich. Wir hoffen, dass dieser freundliche Mann die fast einj\u00e4hrige Tortur gut \u00fcberstehen wird und, ob nun in Frankreich oder Deutschland, Kraft sch\u00f6pfen wird. Und wir w\u00fcnschen uns, dass Schriftsteller, Journalisten und K\u00fcnstler, die in Algerien wie andernorts von Unrechtsregimen drangsaliert und eingesperrt worden sind, ihre Freiheit wiedererlangen. Gerade hat wieder ein algerisches Gericht den oppositionellen Dichter Mohamed Tadjadit zu f\u00fcnf Jahren Haft wegen \u201eUnterst\u00fctzung terroristischer Organisationen\u201c und \u201eVerbreitung extremistischer Ideen\u201c verurteilt.  Der Beweis ist angetreten: auch ein noch so aussichtlos erscheinendes Engagement lohnt sich. Und das algerische Regime sollte die deutsche Haltung nicht als Zeichen von Schw\u00e4che oder Nachgiebigkeit verstehen und versuchen, Deutsche und Franzosen gegeneinander auszuspielen. Oder glauben, dass wir bei weiteren Verst\u00f6\u00dfen gegen die Menschenrechte schweigen werden.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Sansal jedenfalls ist aufrecht und k\u00e4mpferisch. Ein Jahr Knast mache ihn doch nicht kaputt, scherzte er nach seiner Freilassung in einem kurzen Telefonat mit seinem algerischen Schriftstellerkollegen Kamel Daoud, und irgendwelche Zugest\u00e4ndnisse an das Regime habe er nicht gemacht. Man wird von ihm h\u00f6ren. Und lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"StartseiteKulturGesellschaft Stand: 16.11.2025, 13:45 Uhr Von: Claus Leggewie DruckenTeilen Uns auf Google folgenDer algerische Autor Boualem Sansal. \u00a9\u00a0Joel&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15348,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[93,92],"class_list":{"0":"post-15347","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-algerien","8":"tag-algeria","9":"tag-algerien"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116546234154771379","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15347","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15347"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15347\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15348"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15347"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15347"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15347"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}