{"id":15349,"date":"2026-05-09T19:37:50","date_gmt":"2026-05-09T19:37:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15349\/"},"modified":"2026-05-09T19:37:50","modified_gmt":"2026-05-09T19:37:50","slug":"tschad-kuerzungen-der-nahrungsmittelrationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15349\/","title":{"rendered":"Tschad: K\u00fcrzungen der Nahrungsmittelrationen"},"content":{"rendered":"<p>Berlin\/Genf\/Adr\u00e9, 18. September 2024. Da die humanit\u00e4re Hilfe in den Gefl\u00fcchtetencamps im Osten des Tschad nicht nachhaltig finanziert ist, sind die Menschen noch mehr Leid und Gesundheitsrisiken ausgeliefert. \u00c4rzte ohne Grenzen fordert die Geber auf, dringend ihre Finanzierungspolitik zu \u00fcberpr\u00fcfen.\u00a0\u00a0<br \/>\u00a0<br \/>Durch den anhaltenden Krieg und die Vertreibung im Sudan bleibt der humanit\u00e4re Bedarf in den Gefl\u00fcchtetencamps im Osten des Tschad gro\u00df, auch was den Zugang zu gen\u00fcgend Nahrung betrifft. Seit Ausbruch des Krieges im April 2023 sind <a href=\"https:\/\/data.unhcr.org\/en\/documents\/details\/111114\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">mehr als eine halbe Million<\/a> Menschen \u00fcber die Grenze in den Osten des Tschad gefl\u00fcchtet.\u00a0\u00a0<br \/>\u00a0<br \/>In Aboutengue leben knapp 45 000 sudanesische Gefl\u00fcchtete, die meisten von ihnen Frauen und Kinder. Sie leiden unter den drastischen K\u00fcrzungen der Lebensmittelrationen und leben unter prek\u00e4ren Bedingungen. Jimiya, die im Juli 2023 mit ihrer Familie nach Aboutengue kam, berichtet vom schwierigen Leben im Camp: \u201eAnfangs bekamen wir genug zu essen, aber jetzt sind die Rationen kleiner geworden. In letzter Zeit haben wir nur noch Sorghum und \u00d6l erhalten. Wir haben nicht genug, um unsere Familie zu ern\u00e4hren.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Seit Februar wurden die Rationen nach und nach gek\u00fcrzt. Die Ungewissheit \u00fcber die k\u00fcnftige Finanzierung hat zu erheblichen Lieferunterbrechungen und Verz\u00f6gerungen gef\u00fchrt.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Wir beobachten diese wiederkehrenden Engp\u00e4sse bei der Verteilung von Nahrungsmitteln sehr genau. Es w\u00e4re verheerend, wenn die L\u00fccken in der humanit\u00e4ren Hilfe zu einer zus\u00e4tzlichen Ern\u00e4hrungskrise in diesen Camps f\u00fchren w\u00fcrden.\u201c\u00a0&#8211; Danielle Borges, Nothilfekoordinatorin von \u00c4rzte ohne Grenzen im Ost-Tschad\u00a0<\/p>\n<p>Das Camp Aboutengue liegt abgelegen und es gibt kaum M\u00f6glichkeiten zur Existenzsicherung. Die Gefl\u00fcchteten sind auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Um etwas Geld zu verdienen, sammeln Frauen in umliegenden W\u00e4ldern Brennholz \u2013 und sind dabei zus\u00e4tzlichen Risiken ausgesetzt: \u201eManchmal werden wir im Wald von Leuten bedroht, die sagen, dass wir kein Holz sammeln d\u00fcrfen. Einige von uns wurden geschlagen\u201c, sagt Aziza. Die Mutter lebt mit ihren sieben Kindern seit Juli letzten Jahres im Camp. Ein B\u00fcndel trockener \u00c4ste wird auf den informellen M\u00e4rkten, die sich rund um das Camp gebildet haben, f\u00fcr umgerechnet ein bis drei Euro verkauft.<\/p>\n<p>Da es an Nahrungsmitteln und finanzieller Unterst\u00fctzung fehlt, bleibt den Frauen nichts anderes \u00fcbrig als Brennholz zu sammeln und zu verkaufen. Leider h\u00f6rt man immer wieder von Frauen, die im Wald \u00fcberfallen wurden.\u201c\u00a0 &#8211; Atsuhiko Ochiai, Projektkoordinator von \u00c4rzte ohne Grenzen.<\/p>\n<p>Die geringer ausfallenden Nahrungsmittelportionen k\u00f6nnten zu mehr Mangelern\u00e4hrung f\u00fchren, insbesondere bei Kindern. \u201eIn Aboutengue behandeln die Teams von \u00c4rzte ohne Grenzen jeden Monat Hunderte Kinder mit mittelschwerer und schwerer akuter Mangelern\u00e4hrung\u201d, sagt Borges. \u201eWir bef\u00fcrchten, dass sich diese Situation verschlimmert, wenn die Nahrungsmittelknappheit anh\u00e4lt.\u201d\u00a0<\/p>\n<p>In Metch\u00e9, einem Camp zwei Autostunden von der Grenzstadt Adr\u00e9 entfernt, ist die Lage \u00e4hnlich alarmierend. Viele Gefl\u00fcchtete leben dort von nur einer Mahlzeit am Tag. Sowohl in Metch\u00e9 als auch in den nahegelegenen Camps Alacha und Arkoum wurden in den letzten Monaten zwar Lebensmittel verteilt, jedoch erhielten die Menschen kleinere Rationen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Im Krankenhaus von \u00c4rzte ohne Grenzen in Metch\u00e9 ist das station\u00e4re therapeutische Ern\u00e4hrungszentrum die am st\u00e4rksten ausgelastete Station; von Januar bis August stieg die Zahl der Kinder mit schwerer akuter Mangelern\u00e4hrung und Komplikationen aus den Camps Alacha und Arkoum. Damit sich die Situation nicht weiter verschlechtert, braucht es gr\u00f6\u00dfere Nahrungsmittelrationen und logistische L\u00f6sungen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Notlage der Gefl\u00fcchteten spitzt sich zu, weil die humanit\u00e4re Hilfe nicht nachhaltig finanziert ist. \u201eEs herrscht das Gef\u00fchl vor, dass diese Krise von den wichtigen Gebern vernachl\u00e4ssigt wird\u201d, sagt Borges. \u201eOhne sofortige substanzielle Unterst\u00fctzung riskieren wir, dass sich eine noch gr\u00f6\u00dfere humanit\u00e4re Katastrophe in dieser Region ausbreitet.\u201d\u00a0<\/p>\n<p>Seit mehr als einem Jahr unterst\u00fctzt \u00c4rzte ohne Grenzen die Gefl\u00fcchteten im Camp Aboutengue. Unsere Teams sorgen f\u00fcr grundlegende medizinische Versorgung, stellen Wasser sowie Latrinen bereit. Zudem behandeln sie mangelern\u00e4hrte Menschen und verteilen Hilfsg\u00fcter wie Seife, Moskitonetze und Wasserkanister. Obwohl die Gefl\u00fcchteten vor 14 Monaten in dieses Camp umgesiedelt wurden, haben rund 14 000 von ihnen immer noch keine richtige Unterkunft und leben unter extremen Bedingungen in Behelfsunterk\u00fcnften.\u00a0<\/p>\n<p>Im Sudan selbst ist \u00c4rzte ohne Grenzen eine der wenigen Organisationen, die humanit\u00e4re Hilfe leisten. Die Ern\u00e4hrungssituation f\u00fcr die Binnenvertriebenen dort ist ebenfalls dramatisch. Vor Kurzem <a href=\"https:\/\/www.msf.org\/food-must-be-delivered-people-starved-blockade-zamzam-camp\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">warnte \u00c4rzte ohne Grenzen<\/a>, dass im Samsam-Camp in Nord-Darfur tausende Kinder an den Folgen von Mangelern\u00e4hrung sterben k\u00f6nnten, wenn nicht bald die dringend ben\u00f6tigten Hilfen eintreffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin\/Genf\/Adr\u00e9, 18. September 2024. 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