{"id":15364,"date":"2026-05-09T20:37:22","date_gmt":"2026-05-09T20:37:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15364\/"},"modified":"2026-05-09T20:37:22","modified_gmt":"2026-05-09T20:37:22","slug":"1000-tage-krieg-im-sudan-die-welt-schaut-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15364\/","title":{"rendered":"1000 Tage Krieg im Sudan: Die Welt schaut weg"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Andrew Firmin* | 8. Januar 2026<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Krieg im Sudan ist exakt 1000 Tage alt. Die Kampfhandlungen haben am 15. April 2023 begonnen, Frieden ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Die Gewalt eskaliert weiter, die Hungersnot nimmt nie dagewesene Ausma\u00dfe an. Und die Welt schaut weg.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">London (IPS\/afr). <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/global-development\/2025\/dec\/05\/rsf-massacres-sudanese-city-el-fasher-slaughterhouse-satellite-images\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Satellitenbilder<\/a> von al-Faschir in Nord-Dafur zeigen aufget\u00fcrmte Leichen, die auf eine Massenbestattung oder Ein\u00e4scherung warten. Unterdessen versucht die Miliz der Rapid Support Forces (RSF), das Ausma\u00df ihrer Verbrechen zu <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/c75veyzz2g2o\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">vertuschen<\/a>. Nachdem die Stadt im November von der RSF eingenommen wurde, gelten bis\u00a0 zu 150.000 Einwohner*innen von al-Fashir weiterhin als vermisst. Die arabische Miliz hat die Stadt ethnisch von ihren nicht-arabischen Einwohnern ges\u00e4ubert. Die niedrigste Opfersch\u00e4tzung geht von <a href=\"https:\/\/uk-crime.co.uk\/sarah-champion-2025-speech-on-gaza-and-sudan\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">60.000 Toten<\/a> aus.\u00a0<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Massaker ist das bislang schrecklichste Kapitel im Krieg zwischen den RSF und den sudanesischen Streitkr\u00e4ften, der durch einen Machtkampf zwischen Milit\u00e4rf\u00fchrern im April 2023 ausgel\u00f6st wurde. Beide Seiten haben Gr\u00e4ueltaten begangen, darunter Hinrichtungen, au\u00dfergerichtliche T\u00f6tungen und sexuelle Gewalt. Es ist schwierig, genaue Zahlen zu ermitteln, aber Sch\u00e4tzungen zufolge wurden mindestens 150.000 Menschen get\u00f6tet. Rund neun Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben, und fast vier Millionen sind \u00fcber die Grenze geflohen. Etwa 25 Millionen Menschen sind nun von einer Hungersnot bedroht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zivilgesellschaftliche und humanit\u00e4re Organisationen helfen so gut sie k\u00f6nnen, aber sie befinden sich in der Schusslinie. Tod, Gewalt, Entf\u00fchrung und Inhaftierung z\u00e4hlen zu den Bdrohungsszenarien. Dar\u00fcber hinaus haben sie mit Notverordnungen und b\u00fcrokratischen Beschr\u00e4nkungen zu k\u00e4mpfen,\u00a0 die Hilfsma\u00dfnahmen sowie die Versammlungs-, Meinungs- und Bewegungsfreiheit einschr\u00e4nken. W\u00e4hrenddessen blockieren Truppen die Lieferung von Hilfsg\u00fctern.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Berichterstattung \u00fcber den Konflikt ist schwierig und gef\u00e4hrlich. Fast die gesamte Medieninfrastruktur wurde zerst\u00f6rt, viele Zeitungen haben ihre Ver\u00f6ffentlichung eingestellt. Beide Konfliktparteien nehmen Journalist*innen ins Visier, sodass viele ins Exil gezwungen wurden. Umfangreiche Desinformationskampagnen verschleiern, was vor Ort geschieht. Das Schicksal von <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/global-development\/2025\/nov\/02\/he-told-the-world-what-was-happening-in-el-fasher-then-they-sought-him-out-how-sudan-lost-a-true-hero-of-the-war\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Mohamed Khamis Douda<\/a>, Sprecher des Fl\u00fcchtlingslagers Zamzam, veranschaulicht die Gefahr: Er blieb in al-Fashir, um internationale Medien mit wichtigen Informationen zu versorgen. Als die RSF einmarschierte, suchten sie ihn und t\u00f6teten ihn.<\/p>\n<p>Zentrale Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate\u00a0<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sudan wird manchmal als vergessener Krieg bezeichnet, aber es ist zutreffender zu sagen, dass die Welt ihn bewusst ignoriert \u2013 und das kommt mehreren m\u00e4chtigen Staaten gelegen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind der gr\u00f6\u00dfte Unterst\u00fctzer der RSF. Sie leugnen das zwar. Jedoch sind Waffen, die von den VAE hergestellt oder von ihren Verb\u00fcndeten geliefert wurden, an Orten gefunden wurden, die aus der Kontrolle der RSF zur\u00fcckerobert wurden. Ohne die Unterst\u00fctzung der VAE h\u00e4tte die RSF den Krieg wahrscheinlich schon verloren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten Jahren haben die VAE daran gearbeitet, ihren Einfluss in mehreren afrikanischen Staaten auszubauen. Sie haben eine Reihe von Infrastrukturprojekten in Afrika entwickelt, darunter einen geplanten Hafen an der sudanesischen K\u00fcste des Roten Meeres. Sie haben gro\u00dfe Investitionen in die Landwirtschaft im Sudan get\u00e4tigt und erhalten den gr\u00f6\u00dften Teil des dort gef\u00f6rderten <a href=\"https:\/\/www.chathamhouse.org\/2025\/03\/gold-and-war-sudan\/04-how-sudans-gold-sector-connects-regional-conflict-ecosystem\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Goldes<\/a>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die VAE sind offenbar zu dem Schluss gekommen, dass die Kontrolle durch die RSF der beste Weg ist, um ihren Einfluss zu sichern und ihre Interessen zu sch\u00fctzen \u00a0\u2013 auch auf Kosten von Menschenleben. Als Reaktion darauf hat die sudanesische Regierung Schritte unternommen, um die Beziehungen zu Russland zu verbessern. Es wurde berichtet, dass sie Russland m\u00f6glicherweise erlauben wird, einen permanenten Marinest\u00fctzpunkt am Roten Meer zu errichten.<\/p>\n<p>Wenig Druck von au\u00dfen<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die VAE stehen nur unter geringem internationalem Druck. Westliche Staaten, die eng mit ihnen verbunden sind \u2013 darunter Gro\u00dfbritannien und die USA \u2013 spielen ihre Rolle herunter. Die britische Regierung liefert weiterhin <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/uk-allowed-arms-exports-uae-after-being-told-weapons-given-rsf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Waffen an die VAE<\/a>, obwohl sie wei\u00df, dass diese an die RSF weitergegeben werden. Zudem hat ein Whistleblower die britische Regierung beschuldigt, Warnungen vor einem m\u00f6glichen V\u00f6lkermord im Sudan aus einer Risikobewertungsanalyse entfernt zu haben, um die VAE zu sch\u00fctzen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Europ\u00e4ische Union und Gro\u00dfbritannien reagierten auf die Gr\u00e4ueltaten in el-Fashir mit <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2025\/dec\/12\/uk-sanctions-four-rsf-commanders-heinous-violence-against-sudan-civilians\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Sanktionen gegen vier RSF-F\u00fchrer<\/a>. Auch die USA wollen weitere Sanktionen in Erw\u00e4gung ziehen, aber diese Ma\u00dfnahmen reichen nie bis zu den Pers\u00f6nlichkeiten in der Regierung der VAE.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der UN-Sicherheitsrat, in dem Gro\u00dfbritannien als st\u00e4ndiges Mitglied die F\u00fchrungsrolle f\u00fcr die Beendigung des Konflikts im Sudan innehat, war ebenfalls erwartungsgem\u00e4\u00df ineffektiv. Russland hat angek\u00fcndigt, jede Resolution Gro\u00dfbritanniens mit einem Veto zu blockieren. Dennoch lehnte Gro\u00dfbritannien im Juni das <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/global-development\/2025\/sep\/24\/siege-sudan-city-el-fasher-rsf#:~:text=UK%20refuses%20to%20hand%20over%20responsibility\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Angebot afrikanischer Staaten<\/a> ab, die Verantwortung an sie abzutreten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4gypten unterst\u00fctzt die sudanesische Regierung nachdr\u00fccklich, und auch Saudi-Arabien zeigt sich einigerma\u00dfen kooperativ. Gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA haben sie sich zu einem Forum namens \u201eQuad\u201c zusammengeschlossen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der konkurrierenden Interessen gab es im September Anlass zur Hoffnung, als die Quad eine dreimonatige humanit\u00e4re Waffenruhe aushandelte, gefolgt von einem neunmonatigen \u00dcbergang zur Zivilregierung. Beide Seiten akzeptierten den Plan, doch die RSF k\u00e4mpfte weiter, woraufhin die sudanesische Regierung den Vorschlag ablehnte.\u00a0<\/p>\n<p>Niedrige US-Z\u00f6lle f\u00fcr VAE<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob und wann die K\u00e4mpfe eingestellt werden, h\u00e4ngt m\u00f6glicherweise von den diplomatischen Launen der USA ab. US-Pr\u00e4sident Donald Trump scheint sich seit kurzem st\u00e4rker f\u00fcr den Konflikt zu interessieren, wahrscheinlich aufgrund eines Besuchs des saudischen Herrschers Mohammed bin Salman im Wei\u00dfen Haus im November.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trump m\u00f6chte vielleicht behaupten, einen weiteren Konflikt beendet zu haben, um seinen offensichtlichen Wunsch nach dem Friedensnobelpreis zu erf\u00fcllen. Aber es ist schwer, Fortschritte zu erkennen. Die US-Regierung scheint derzeit nicht bereit, Druck auf die VAE auszu\u00fcben. Eine M\u00f6glichkeit daf\u00fcr w\u00e4ren Z\u00f6lle\u00a0\u2013 ein grobes Instrument, das Trump bereits eingesetzt hat, um anderen Staaten Vereinbarungen aufzuzwingen. Die Tatsache, dass die Trump-Regierung derzeit Z\u00f6lle zum niedrigsten Satz von zehn Prozent erhebt, zeigt ihre anhaltende Freundlichkeit gegen\u00fcber den VAE.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aktivist*innen versuchen, mehr Aufmerksamkeit auf die zentrale Rolle der VAE in diesem Konflikt zu lenken. Ein Schwerpunkt dabei ist Basketball: Die NBA hat einen umfangreichen und wachsenden <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/sport\/2025\/dec\/13\/nba-uae-sudan-sportswashing-rsf-war-crimes\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Sponsorenvertrag mit den VAE<\/a> abgeschlossen, die ihren internationalen Ruf durch Sport aufzupolieren wollen. <a href=\"https:\/\/www.speakoutonsudan.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Aktivist*innen<\/a> der Zivilgesellschaft fordern die NBA auf, diese Partnerschaft zu beenden. Dieses Engagement k\u00f6nnte dazu beitragen, dass der Sudan auf der Agenda der USA weiter nach oben r\u00fcckt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die internationale Gemeinschaft hat die Macht, das T\u00f6ten zu beenden, aber zuerst muss sie die Rolle der VAE und ihrer westlichen Verb\u00fcndeten bei der Erm\u00f6glichung dieses T\u00f6tens anerkennen. Alle am Konflikt Beteiligten innerhalb und au\u00dferhalb des Sudan m\u00fcssen ihre engstirnigen Eigeninteressen beiseite lassen. Die VAE, ihre Verb\u00fcndeten und die anderen Quad-Staaten sollten st\u00e4rker unter Druck gesetzt werden, als ersten Schritt zum Frieden einen echten Waffenstillstand zu vermitteln und ihren Einfluss auf die Kriegsparteien zu nutzen, um sicherzustellen, dass sie sich daran halten. (Ende)<\/p>\n<p>*Andrew Firmin ist Chefredakteur von <a href=\"https:\/\/www.civicus.org\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">CIVICUS<\/a>. Das Ziel der internationalen Nonprofit-Organisation mit Hauptsitz in Johannesburg ist die St\u00e4rkung der Zivilgesellschaft.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Titelbild: Am 8. November 2025 protestierten tausende Menschen in London gegen die Unterst\u00fctzung von Kriegsparteien im Sudan. Dieser Mann zeigt ein Bild von Muhammad bin Zayid Al Nahyan, Herrscher von Abu Dhabi und Pr\u00e4sident der Vereinigten Arabischen Emirate. (Foto: SunshineMunu, Shutterstock.com)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Andrew Firmin* | 8. Januar 2026 Der Krieg im Sudan ist exakt 1000 Tage alt. 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