{"id":15394,"date":"2026-05-09T23:45:16","date_gmt":"2026-05-09T23:45:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15394\/"},"modified":"2026-05-09T23:45:16","modified_gmt":"2026-05-09T23:45:16","slug":"das-russische-afrikakorps-wird-in-mali-von-aufstaendischen-milizen-zurueckgedraengt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15394\/","title":{"rendered":"Das russische Afrikakorps wird in Mali von aufst\u00e4ndischen Milizen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt"},"content":{"rendered":"<p>Russlands milit\u00e4rische Auslandseins\u00e4tze laufen alles andere als rund. Die Realit\u00e4t dessen, was der Kreml als Friedens- und Schutzmission verkaufen m\u00f6chte, sieht selbst dort ganz anders aus, wo Ziele zun\u00e4chst mit \u00fcberschaubarem Aufwand erreichbar schienen. So droht in Mali das Konzept zu scheitern, das Russland in mehreren L\u00e4ndern auf dem afrikanischen Kontinent anwendet: sich <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2025\/43\/russland-wagner-soeldner-mali-zuverlaessige-rendite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im Tausch gegen Sicherheitsgarantien f\u00fcr die jeweilige Staatsf\u00fchrung Zugang zu wertvollen Rohstoffen<\/a> zu sichern.<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Morgen des 25.\u2009April begannen Milizen der dem jihadistischen Terrornetzwerk al-Qaida nahestehenden Jama\u2019at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (Gruppe zur Verteidigung des Islams und der Muslime, JNIM) und der Tuareg-Rebellenallianz Front zur Befreiung von Azawad (Front de lib\u00e9ration de l\u2019Azawad, FLA) eine koordinierte Offensive gegen die malische Milit\u00e4rjunta unter dem autorit\u00e4ren Staatspr\u00e4sidenten Assimi Go\u00efta. Es soll sich um die heftigsten Angriffe seit langer Zeit gehandelt haben. Berichten zufolge mobilisierte das aufst\u00e4ndische Zweckb\u00fcndnis rund 12.000 K\u00e4mpfer. In mehreren St\u00e4dten attackierten sie zentrale Einrichtungen, darunter den internationalen Flughafen der Hauptstadt Bamako, der zeitweise au\u00dfer Betrieb war. Auch Go\u00eftas Wohnhaus soll der franz\u00f6sischen Zeitung Le Figaro zufolge angegriffen worden sein. Verteidigungsminister Sadio Camara und mehrere Familienangeh\u00f6rige wurden get\u00f6tet. Go\u00efta hat dessen Amt mittlerweile selbst \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Am 2.\u2009Mai gab das Afrikakorps, das dem russischen Verteidigungsministerium untersteht, mit der Milit\u00e4rbasis Tessalit nahe der algerischen Grenze einen seiner wichtigsten St\u00fctzpunkte in Mali auf.<\/p>\n<p>Einheiten des russischen Afrikakorps konnten den Attacken offenbar nicht standhalten. Die Angreifer sollen die Kontrolle \u00fcber die im Nordosten von Mali gelegene Stadt Kidal \u00fcbernommen haben. Aber dabei blieb es nicht: Am 2.\u2009Mai gab das Afrikakorps, das dem russischen Verteidigungsministerium untersteht, mit der Milit\u00e4rbasis Tessalit nahe der algerischen Grenze einen seiner wichtigsten St\u00fctzpunkte in Mali auf. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP kam es dabei nicht einmal zu Gefechten, da sich die russischen S\u00f6ldner bereits vor dem Eintreffen der aufst\u00e4ndischen Einheiten zur\u00fcckgezogen hatten.<\/p>\n<p>Der russische Milit\u00e4rblogger \u00bbRybar\u00ab, hinter dem sich Michail Swintschuk verbirgt, ein vormaliger Mitarbeiter des Pressediensts des russischen Verteidigungsministeriums, stellt auf X die Dinge \u00e4hnlich dar. Mit einem gro\u00dfen Team f\u00fchrt Swintschuk auf Telegram auch den Kanal \u00bbRybar\u00ab, einen der wichtigsten f\u00fcr Informationen \u00fcber Russlands Krieg in der Ukraine und andere internationale Konflikte. Rybar versucht allerdings, den R\u00fcckzug aus Tessalit in ein vorteilhaftes Licht zu r\u00fccken: Es handle sich lediglich um ein taktisches Man\u00f6ver, um Kr\u00e4fte f\u00fcr einen Gegenangriff zu schonen. Von einem Kollabieren der Front k\u00f6nne keine Rede sein. Zudem seien Lager der JNIM nahe Bamako aus der Luft angegriffen worden.<\/p>\n<p>Das russische Verteidigungsministerium sprach von einem versuchten Staatsstreich, der gescheitert sei. Demzufolge haben russische Kr\u00e4fte ihren Gesch\u00e4ftspartner, Go\u00eftas Junta, vor einem Umsturz bewahrt.<\/p>\n<p>R\u00fcckzug aus den n\u00f6rdlichen Gebieten mit ihren gro\u00dfen Erd\u00f6lvorkommen<\/p>\n<p>Seit dem <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2021\/38\/neue-soeldner-braucht-das-land\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Putsch 2021 st\u00fctzt sich die malische F\u00fchrung auf einen Pakt mit Russland<\/a>. An die Stelle von Truppen Frankreichs und der UN trat zun\u00e4chst die <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2024\/31\/russland-sahel-die-juntas-brauchen-soeldner\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">S\u00f6ldnergruppe Wagner, die inzwischen weitgehend in das staatlich kontrollierte Afrikakorps \u00fcberf\u00fchrt<\/a> wurde. Zwar zeigte sich dieses in der Lage, die Junta an der Macht zu halten, strategisch jedoch kommt der R\u00fcckzug aus den n\u00f6rdlichen Gebieten, in denen gro\u00dfe Erd\u00f6lvorkommen vermutet werden, einem Desaster gleich.<\/p>\n<p>Derzeit bleibt dem Afrikakorps wohl wenig anderes \u00fcbrig, als sich auf die Sicherung Bamakos zu konzentrieren. Auf Fragen nach der Truppenst\u00e4rke des Afrikakorps und ob sie ausreichend sei, gro\u00dfe Gebiete zu kontrollieren, verwies Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow an das Verteidigungsministerium.<\/p>\n<p>Go\u00efta hielt sich mehrere Tage lang bedeckt. Am 28.\u2009April lud er eine russische Delegation zur Audienz, bei der beide Seiten bekr\u00e4ftigten, die bestehende Partnerschaft insbesondere im Sicherheitsbereich fortzuf\u00fchren. Igor Gromyko, der russische Botschafter in Mali und Enkel des langj\u00e4hrigen sowjetischen Au\u00dfenministers Andrej Gromyko, stellte klar: \u00bbRussland wird Mali stets ein Freund bleiben.\u00ab Die demons\u00adtrative Einigkeit kann jedoch nicht \u00fcberdecken, dass es um das Gesch\u00e4ftsverh\u00e4ltnis angesichts des Versagens russischer S\u00f6ldner nicht zum Besten steht. Ein malischer Beamter soll Russland sogar \u00bbVerrat in Kidal\u00ab vorgeworfen haben.<\/p>\n<p>Um Schadensbegrenzung bem\u00fcht<\/p>\n<p>Au\u00dfer Gromyko sind auf einem von dem Treffen gemachten Foto f\u00fcnf weitere Vertreter Russlands zu sehen. Nach Recherchen des russischen Investigativportals Agentstwo soll es sich bei zwei von ihnen um Angeh\u00f6rige des russischen Milit\u00e4rgeheimdiensts GRU handeln, ein weiterer wird dem Inlandsgeheimdienst FSB zugeordnet. Zumindest sei das geleakten Daten zu entnehmen.<\/p>\n<p>Auf propagandistischer Ebene bem\u00fcht sich das Afrikakorps unterdessen um Schadensbegrenzung. In seinen Mitteilungen ist von etlichen erbeuteten Waffen des Gegners zu lesen, die angeblich aus ukrainischen Best\u00e4nden stammen sollen. Das lie\u00dfe sich anhand von Seriennummern auf Kalaschnikows und anderen Ger\u00e4tschaften feststellen. Auch wird behauptet, dass FPV-Drohnen (first person view, ferngesteuerte Drohnen mit einer Kamera), gesteuert von ukrainischen Soldaten, zum Einsatz gekommen seien. Die f\u00fcr ihre publikumswirksamen Schlagzeilen bekannte kremlnahe Online-Zeitung Mash deutet dies als Hinweis auf eine tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung der aufst\u00e4ndischen Milizen durch die Ukraine mit dem Ziel, Russlands Einfluss in der Region zu untergraben.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hatte der ukrainische Milit\u00e4rgeheimdienst 2024 zugegeben, Tuareg-Milizen in Mali mit Informationen und milit\u00e4rischem Training zu unterst\u00fctzen, doch die Niederlagen des Afrikakorps in Mali hat sich Russland selbst zuzuschreiben. Inwieweit sich diese in anderen afrikanischen L\u00e4ndern wiederholen werden, in denen das Afrikakorps pr\u00e4sent ist, d\u00fcrfte ma\u00dfgeblich davon abh\u00e4ngen, wie viele Ressourcen der Kreml aufbringen kann und will, um seine Positionen zu halten. In Mali betrieben die Wagner-S\u00f6ldner Berichten zufolge mindestens sechs Foltergef\u00e4ngnisse. Damit hat Russland jedenfalls reichlich Erfahrung.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Russlands milit\u00e4rische Auslandseins\u00e4tze laufen alles andere als rund. 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