{"id":15490,"date":"2026-05-10T09:03:36","date_gmt":"2026-05-10T09:03:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15490\/"},"modified":"2026-05-10T09:03:36","modified_gmt":"2026-05-10T09:03:36","slug":"und-leben-de-neues-leben-aus-alten-teilen-besuch-in-einer-elektro-werkstatt-in-kamerun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15490\/","title":{"rendered":"und-Leben.de &#8211; Neues Leben aus alten Teilen: Besuch in einer Elektro-Werkstatt in Kamerun"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschichte von Ulrich Gansop und Silas Teyim zeigt, wie ein Wohnviertel in Kamerun davon profitiert, wenn junge Leute ihre Ideen umsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es blinkt, qualmt, surrt. <a href=\"https:\/\/www.kirche-und-leben.de\/themen\/themenbereich\/arbeit\" target=\"_blank\" title=\"Mehr \u00fcber das Thema Arbeit\" rel=\"nofollow noopener\">Azubi<\/a> Silas Teyim schraubt an einer Platine herum. Neben ihm steht ein uraltes Radioger\u00e4t, Marke Philips aus den 1950er-Jahren. Ein eleganter brauner Kasten aus lackiertem Holz mit gro\u00dfen Metalldrehkn\u00f6pfen und wei\u00dfen Tasten. W\u00fcrde es funktionieren, dann k\u00f6nnte man seinem kratzigen Sound lauschen in diesem einzigartigen vollen Klang, wie nur alte Radios und Plattenspieler ihn zustande bringen. Doch daf\u00fcr muss das Teil erst repariert werden. Stattdessen \u00fcbert\u00f6nen die wummernden B\u00e4sse des Reggaeton aus dem Friseursalon nebenan den Stra\u00dfenl\u00e4rm.<\/p>\n<p>Priorit\u00e4t hat ohnehin eine andere Reparatur: Azubi Ulrich Gansop, der gro\u00dfe Bruder von Silas, nimmt einen Ventilator entgegen, den ein Nachbar vorbeibringt. Es ist hei\u00df und die Angelegenheit daher dringend. Ulrich untersucht ihn vorsichtig. Dann schraubt er das Ger\u00e4t auseinander, um dem Defekt im Inneren nachzugehen. Elektrotechnik hat ihn schon als kleines Kind begeistert. \u201eIch wollte jedes technische Ger\u00e4t \u00f6ffnen und hineinschauen\u201c, sagt der 21-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Pl\u00e4ne in Kamerun<\/p>\n<p>Ulrich hat Pl\u00e4ne. \u201eIch habe eine Vision: Ich m\u00f6chte den ersten <a href=\"https:\/\/www.kirche-und-leben.de\/themen\/themenbereich\/kuenstliche-intelligenz-ki\" target=\"_blank\" title=\"Mehr \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz\" rel=\"nofollow noopener\">KI<\/a>-Roboter Kameruns bauen. Aus alten Teilen. Er soll selbstst\u00e4ndig Felder bew\u00e4ssern k\u00f6nnen und mit Sprachsteuerung und Solarenergie laufen.\u201c Noch steht ihm ein weiter Weg dorthin bevor. Erst vor wenigen Monaten hat er seine Ausbildung in der Elektrowerkstatt von Bertrand Njomko begonnen. Es werden noch ein paar Jahre vergehen, in denen er als Azubi lernt, ausprobiert, schraubt, l\u00f6tet, scheitert, mehr lernt, etwas kaputt macht, etwas Neues entdeckt. Aber immerhin ist er nun auf diesem Weg.<\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/www.kirche-und-leben.de\/abos\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image-embed-item\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/stoerer_artikel_1130x200.jpg.pagespeed.ce.876-5P2ruy.jpg\" width=\"1130\" height=\"200\" loading=\"lazy\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>            <\/a><\/p>\n<p>\u201eMit zehn Jahren war meine Kindheit zu Ende. Damals hat mein Vater die Familie verlassen, meine Mutter war pl\u00f6tzlich alleinerziehend mit drei Kindern. Ich bin morgens in die Schule gegangen bis 15 Uhr, direkt danach haben mein kleiner Bruder Silas und ich auf dem Markt gearbeitet und Erdn\u00fcsse und andere Kleinigkeiten verkauft. Ich war erst um 22 Uhr zu Hause. Andere Kinder haben in ihrer Freizeit Fu\u00dfball mit ihren Freunden gespielt.\u201c F\u00fcr einen Moment presst er die Lippen aufeinander, sein Blick fixiert etwas, das nur er sehen kann. \u201eWir haben aufgeh\u00f6rt zu tr\u00e4umen.\u201c<\/p>\n<p>Hohe Arbeitslosigkeit in Kamerun<\/p>\n<p>So wie Ulrich und Silas geht es vielen jungen Menschen in Douala. Ihre Familien sind <a href=\"https:\/\/www.kirche-und-leben.de\/themen\/themenbereich\/armut\" target=\"_blank\" title=\"Mehr \u00fcber das Thema Armut\" rel=\"nofollow noopener\">arm<\/a>. Die gr\u00f6\u00dfte Stadt in Kamerun mit rund f\u00fcnf Millionen Einwohnern wirkt wie ein Magnet f\u00fcr junge Leute aus dem ganzen Land. Sie kommen in der Hoffnung, dort einen Job zu finden. Doch sind sie nur unzureichend ausgebildet, denn in Kamerun kostet die berufliche Bildung Geld.<\/p>\n<p>Deshalb ist in der K\u00fcstenstadt die Arbeitslosigkeit hoch: Von der im Durchschnitt sehr jungen Bev\u00f6lkerung sind weit \u00fcber 80 Prozent im informellen Sektor oder gar nicht besch\u00e4ftigt. Das hei\u00dft, dass sie sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen m\u00fcssen und in Armut leben. Nicht selten bedeutet dies eine Existenz am Rande von Kriminalit\u00e4t, Sexarbeit und Drogensucht.<\/p>\n<p>Ein Flyer \u00e4ndert alles<\/p>\n<p>Das wird Ulrich und Silas erspart bleiben. Der Grund daf\u00fcr ist ein Flyer, den ihre Mutter Mariette Kamguep aus der Kirche mitbrachte. Dass dieses St\u00fcck Papier \u00fcber das Schicksal der ganzen Familie mitentscheiden w\u00fcrde, wussten sie damals alle noch nicht. Den Flyer hatte Mariette Kamguep von Laurely Nguenang. Sie ist die Ehefrau von Bertrand Njomko, bei dem die Jungs jetzt lernen.<\/p>\n<p>\u201eIch habe diese Frau gesehen, die jeden Tag um drei Uhr morgens aufsteht und bis nachts auf dem Markt arbeitet, damit sie am Ende des Tages mit drei Euro nach Hause geht, um damit ihre drei Kinder durchzubringen\u201c, sagt Laurely Nguenang. \u201eSie ist krank vom Rauch des Frittierfetts, in dem sie den ganzen Tag steht. Ich habe gesehen, wie die Kinder nach der Schule arbeiten, wie flei\u00dfig und entschlossen sie sind. Es hat mir das Herz gebrochen. Da dachte ich: Das sind genau die Richtigen f\u00fcr das Programm von CODAS.\u201c<\/p>\n<p>Der Flyer f\u00fchrte die Br\u00fcder zur <a href=\"https:\/\/www.kirche-und-leben.de\/themen\/themenbereich\/misereor\" target=\"_blank\" title=\"Mehr \u00fcber Misereor\" rel=\"nofollow noopener\">Misereor<\/a>-Partnerorganisation CODAS <a href=\"https:\/\/www.kirche-und-leben.de\/artikel\/was-macht-die-caritas\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Caritas<\/a> Douala, die nun ihre Ausbildung f\u00f6rdert. Das hei\u00dft, dass die beiden Azubis finanzielle Unterst\u00fctzung von CODAS erhalten, danach verf\u00fcgen sie \u00fcber praktische F\u00e4higkeiten, die dringend gebraucht werden. CODAS begleitet die jungen Leute mit Know-how. Und tut damit etwas gegen die Jugendarbeitslosigkeit in der Stadt.<\/p>\n<p>Keine leichte Aufgabe: \u201eDas Regime regiert an der Bev\u00f6lkerung und besonders an den vielen jungen Menschen vorbei\u201c, sagt L\u00e9on Yanda, der Direktor von CODAS. Pr\u00e4sident Paul Biya ist seit 1982 an der Macht, das Land wird diktatorisch von alten M\u00e4nnern regiert. \u201eDie Korruption ist \u00fcberall, deshalb sind die wichtigsten Stellen nicht mit kompetenten Personen besetzt, sondern mit denen, die bereit sind, ein Eintrittsgeld f\u00fcr ihre Arbeitsstelle zu bezahlen.\u201c<\/p>\n<p>Azubis mit Talent und Entschlossenheit<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Geschichte von Ulrich Gansop und Silas Teyim zeigt, wie ein Wohnviertel in Kamerun davon profitiert, wenn junge&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15491,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[222,163,94],"class_list":{"0":"post-15490","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kamerun","8":"tag-cameroon","9":"tag-kamerun","10":"tag-kirche-und-leben-netz"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116549478150580587","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15490","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15490"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15490\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15491"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15490"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15490"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15490"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}