{"id":15760,"date":"2026-05-11T05:59:20","date_gmt":"2026-05-11T05:59:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15760\/"},"modified":"2026-05-11T05:59:20","modified_gmt":"2026-05-11T05:59:20","slug":"repressionen-in-simbabwe-krise-korruption-und-corona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15760\/","title":{"rendered":"Repressionen in Simbabwe &#8211; Krise, Korruption und Corona"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"2635038940_Stra\u00dfenh\u00e4ndlerin Vangayi Maisiri Fotograf Privilege Musvanhiri.JPG\" alt=\"2635038940_Stra\u00dfenh\u00e4ndlerin Vangayi Maisiri Fotograf Privilege Musvanhiri.JPG\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2635038940-strassenhaendlerin-20vangayi-20maisiri-20fotograf-20privilege-20musvanhiri-jpg-100-1280x7.jpeg\" \/><\/p>\n<p>                  Stra\u00dfenh\u00e4ndlerin Vangayi Maisiri verkauft in einem Armenviertel von Harare Seife, Mehl und Reis (Privilege Musvanhiri)<\/p>\n<p>Mbare, ein Armenviertel in Simbabwes Hauptstadt Harare. Hier lebt und arbeitet Vangayi Maisiri. Die 53-j\u00e4hrige Gro\u00dfmutter ist eine der vielen Stra\u00dfenh\u00e4ndlerinnen. Auf einem Holzhocker hat sie Seife, Mehl, Reis, Zucker, Milchpulver und ein paar andere Waren aufgestellt.<\/p>\n<p>Doch die meisten Passanten werfen nicht einmal einen Blick darauf, das Gesch\u00e4ft l\u00e4uft schlecht: &#8222;Die Regierung hat uns zwar dazu aufgerufen, wegen der Corona-Pandemie zu Hause zu bleiben, aber das k\u00f6nnen wir uns einfach nicht leisten. Ich verdiene mit dem Verkauf dieser Waren ohnehin sehr wenig, im Schnitt gerade mal zwei US-Dollar am Tag. Aber das ist besser, als nichts.&#8220;<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Mehrheit der Simbabwer arbeitet so wie Maisiri im sogenannten informellen Sektor, feste Arbeitspl\u00e4tze gibt es kaum noch. Die Wirtschaft steckt bereits seit \u00fcber einem Jahrzehnt in einer tiefen Krise.<\/p>\n<p>Furcht vor Hungersnot<\/p>\n<p>So wie viele ihrer Landsleute hatte Maisiri auf einen Aufschwung gehofft, als Pr\u00e4sident Emmerson Mnangagwa im November 2017 mit Hilfe des Milit\u00e4rs an die Macht gekommen und den Autokraten Robert Mugabe abgel\u00f6st hatte.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Emmerson Mnangagwa\" alt=\"Emmerson Mnangagwa\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/107024791-jpg-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Staatspr\u00e4sident Emmerson Mnangagwa (picture alliance \/ Photoshot)<\/p>\n<p>Nach seinem Wahlsieg vor zwei Jahren hatte Mnangagwa wirtschaftliche Reformen versprochen. Doch diese Hoffnung wurde entt\u00e4uscht: &#8222;Unter Mugabe war das Leben noch besser. Nun wird es jeden Tag schwieriger. Die Preise steigen stetig, seit Beginn des Lockdowns im M\u00e4rz noch drastischer als zuvor. Wenn man morgens aufwacht, ist alles wieder teurer geworden. Maismehl, \u00d6l und Fleisch sind nahezu Luxusartikel. Wenn das so weitergeht, wei\u00df ich nicht, wie unsere neunk\u00f6pfige Familie \u00fcberleben soll.&#8220;<\/p>\n<p>                        <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Menschen stehen vor dem Kreativzentrum &quot;Moto Republik&quot; in der Hauptstadt Harare - hier vor dem Corona-Lockdown\" alt=\"Menschen stehen vor dem Kreativzentrum &quot;Moto Republik&quot; in der Hauptstadt Harare - hier vor dem Corona-Lockdown\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/moto-republik-vor-dem-lockdown-jpg-100-768x768.jpg\" \/><\/p>\n<p>                    <a title=\"Link auf: Covid-19 - Simbabwes Kreativszene nutzt die Krise als Chance\" href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/covid-19-simbabwes-kreativszene-nutzt-die-krise-als-chance-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krise als Chance<\/a> Diktatur und Milit\u00e4rputsch, Repression und Hyperinflation: Simbabwes Kreativszene arbeitet seit Jahrzehnten unter extrem schwierigen Bedingungen. Das Land l\u00e4sst sich auch von der Corona-Pandemie nicht entmutigen \u2013 die Kulturmacherinnen und -macher reagieren l\u00e4ssig, flexibel und innovativ.<\/p>\n<p>Hilfsorganisationen warnen bereits vor einer Hungersnot. Die Ursachen sind vielf\u00e4ltig: Zu einer verfehlten Landreform, anhaltender D\u00fcrre in vielen Regionen und dem verheerenden Zyklon Idai im vergangenen Jahr komme die Hyperinflation, erkl\u00e4rt Regina Feindt, Landesdirektorin der deutschen Welthungerhilfe in Simbabwe: &#8222;Das ist Teil unserer Problematik, dass mit der Einf\u00fchrung der neuen W\u00e4hrung, die ja auch sehr, sehr schnell wieder an Wert verloren hat, insgesamt die Kaufkraft im Land so massiv abgenommen hat. Wir sprechen von einer Inflationsrate von 800 Prozent. Das ist die offiziell von der Regierung genannte Inflationsrate im Moment, im Nahrungsmittelbereich ist es sogar noch h\u00f6her. Und das ist sehr, sehr traurig und be\u00e4ngstigend, wie sich das im Moment entwickelt.&#8220;<\/p>\n<p>Verhaftungen und Repressionen<\/p>\n<p>Zur Furcht vor Hunger und Krankheiten kommt inmitten der Pandemie die Angst vor den Sicherheitskr\u00e4ften. Mehr als 105.000 B\u00fcrger wurden seit Beginn des Lockdowns im M\u00e4rz festgenommen &#8211; etwa, weil sie keine Gesichtsmasken trugen, weil sie, so hei\u00dft es, ohne triftigen Grund drau\u00dfen unterwegs waren oder, wie Vangayi Maisiri auf der Stra\u00dfe Handel treiben, um zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p>In Windeseile packt die Stra\u00dfenh\u00e4ndlerin ihre Waren ein, als sie Polizisten mit Hunden um die Ecke biegen sieht. Diesmal lassen sie sie in Ruhe.<\/p>\n<p>Aber das ist l\u00e4ngst nicht immer so: Es gibt zahlreiche Berichte \u00fcber Beamte, die die kleinen St\u00e4nde mutwillig zerst\u00f6ren, Waren konfiszieren, H\u00e4ndler schlagen, auspeitschen oder sogar erschie\u00dfen.<\/p>\n<p>&#8222;W\u00e4hrend wir hier versuchen, zu \u00fcberleben, m\u00fcssen wir uns einen st\u00e4ndigen Kampf mit der Polizei liefern. Wenn sie einen erwischen, verlangen sie im besten Fall Schmiergeld. Aber wo sollen wir das hernehmen? Jeden Tag werden wir hier schikaniert. Es ist einfach schrecklich.&#8220;<\/p>\n<p>Legitimit\u00e4t des Lockdowns<\/p>\n<p>Auch wenn eine Verschlechterung der Lage kaum noch denkbar ist, hat sich die Situation in den vergangenen Wochen weiter versch\u00e4rft. Hintergrund waren Planungen f\u00fcr landesweite, regierungskritische Proteste, die bislang jedoch weitgehend unterbunden wurden. Das Milit\u00e4r hatte die Innenstadt von Harare abgeriegelt, eine t\u00e4gliche zw\u00f6lfst\u00fcndige Ausgangssperre wurde verh\u00e4ngt, die Gesch\u00e4ftszeiten reduziert und die brutalen Einsch\u00fcchterungsaktionen gegen die Bev\u00f6lkerung verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Der Staat rechtfertige diese Vorgehensweise mit der Pandemie-Bek\u00e4mpfung, kritisiert der Menschenrechtsanwalt Doug Coltart: &#8222;Aus wissenschaftlicher Sicht ergibt es keinerlei Sinn, dass die prim\u00e4re Ma\u00dfnahme gegen COVID-19 in Massenverhaftungen von B\u00fcrgern besteht. Die einzige Erkl\u00e4rung besteht darin, dass die Regierung die Situation ausnutzt, um ihre Muskeln spielen zu lassen. Sie macht deutlich, dass sie jeden verfolgen wird, der sich auch nur ansatzweise widersetzt. COVID-19 dient dabei als Rechtfertigung, weil harte Lockdown-Ma\u00dfnahmen auch international eine gewisse Legitimit\u00e4t haben.&#8220;<\/p>\n<p>Die Regierung sieht das naturgem\u00e4\u00df anders. Das Leben der B\u00fcrger habe Priorit\u00e4t, betont Nick Mangwana, Staatssekret\u00e4r der Regierungspartei ZANU-PF im Informationsministerium. Alle Vorschriften und Anordnungen dienten dem Schutz der Menschen: &#8222;Wir befinden uns mitten im Sturm der Pandemie und wir tun unser Bestes. Seit M\u00e4rz haben wir Quarant\u00e4nestationen eingerichtet und Behandlungspl\u00e4ne aufgestellt. Unsere Krankenh\u00e4user und Intensivstationen stehen bereit, um Patienten aufzunehmen. Unsere gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist momentan der Streik einiger Krankenschwestern und \u00c4rzte. Wenn wir sie dazu bewegen k\u00f6nnen, ihre Arbeit wiederaufzunehmen, dann sind wir nicht in einer schlechteren Lage als andere Nationen.&#8220;<\/p>\n<p>Krankenhauspersonal ohne Schutzkleidung<\/p>\n<p>Die Forderungen der Streikenden klingen ganz anders: Seit Monaten weist das Personal staatlicher Krankenh\u00e4user auf die verheerenden Arbeitsbedingungen hin.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"2635038938_Krankenpfleger Samson Gurupira Fotograf Privilege Musvanhiri .JPG\" alt=\"2635038938_Krankenpfleger Samson Gurupira Fotograf Privilege Musvanhiri .JPG\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2635038938-krankenpfleger-20samson-20gurupira-20fotograf-20privilege-20musvanhiri-20-jpg-100-1280xau.jpeg\" \/><\/p>\n<p>                  Krankenpfleger Samson Gurupira (Privilege Musvanhiri)<\/p>\n<p>Doch auch diese Proteste wurden niedergeschlagen, Krankenpfleger wie Samson Gurupira sogar vor\u00fcbergehend verhaftet: &#8222;Das beweist, dass wir es mit einer skrupellosen Regierung zu tun haben, die nicht einmal die Stimmen jener Menschen ber\u00fccksichtigt, die in dieser Krise f\u00fcr die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung sorgen sollen. Wir haben keine Schutzkleidung, kaum medizinische Gesichtsmasken, nicht ausreichend Medikamente, es mangelt an allem. Ich wei\u00df nicht, ob der Regierung das Geld daf\u00fcr fehlt oder ob sie einfach nicht helfen will. Was ich wei\u00df ist, dass wir alle Angst haben, zur Arbeit zu gehen.&#8220;<\/p>\n<p>Neben einer medizinischen Grundausstattung fordert das Personal in staatlichen Krankenh\u00e4usern, dass Geh\u00e4lter angesichts der Hyperinflation in US-Dollar ausgezahlt werden und nicht in der t\u00e4glich schw\u00e4cher werdenden lokalen W\u00e4hrung. Sein Monatsgehalt sei nach dem derzeitigen Wechselkurs bereits auf weniger als 30 US-Dollar gesunken, beklagt Gurupira. Doch bei der Regierung bei\u00dft er damit auf Granit. Der Staat k\u00f6nne sich das schlicht nicht leisten, betont Nick Mangwana.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Krankenpfleger klingen diese Worte wie Hohn. Nat\u00fcrlich wei\u00df er um die desolate wirtschaftliche Lage seiner Heimat, aber er wei\u00df auch, dass enorme Summen in dunklen Kan\u00e4len versickern.<\/p>\n<p>Journalisten riskieren Leib und Leben<\/p>\n<p>Im Juni flog beispielsweise auf, dass Gesundheitsminister Moyo zwielichtige Liefervertr\u00e4ge f\u00fcr medizinisches Material zur Corona-Bek\u00e4mpfung in einem Gesamtumfang von 60 Millionen Dollar zu vollkommen \u00fcberzogenen Preisen in Auftrag gegeben hatte. Der Preis einer Gesichtsmaske entsprach in etwa dem Monatsgehalt eines Krankenpflegers. Moyo wurde zwar wegen Amtsmissbrauchs entlassen und angeklagt, ist nun aber auf Kaution frei.<\/p>\n<p>Gurupira macht das w\u00fctend: &#8222;Der Minister wurde zwar gefeuert, aber ist ein freier Mann, wird von Bodyguards besch\u00fctzt und f\u00fchrt sein Leben in Reichtum weiter. Er ist nur einer von vielen. Die Leute, die hier an der Macht sind, denken nur daran, wie sie korrupte Deals abschlie\u00dfen k\u00f6nnen, um sich selbst zu bereichern. Leute wie Moyo haben nichts zu bef\u00fcrchten, sie sind unantastbar.&#8220;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Gesundheitsminister nicht in Untersuchungshaft bleiben musste, sitzt nun der Journalist, der den Skandal aufdeckte, hinter Gittern. Die Zahlung einer Kaution wurde abgelehnt, da er eine &#8222;Gefahr f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit&#8220; darstelle, wie es hie\u00df.<\/p>\n<p>Vor drei Wochen hatte Hopewell Chin\u2019ono gefilmt, wie M\u00e4nner seine T\u00fcr aufbrachen und in sein Haus eindrangen, er alarmierte mit dem kurzen Video-Clip seine Follower in den sozialen Medien \u00fcber seine Verhaftung. Eine Taktik, die auch dem Selbstschutz dient.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Anti-Korruptions-Protest in Simbabwe: zwei Frauen mit Maske halten Plakate.\" alt=\"Anti-Korruptions-Protest in Simbabwe: zwei Frauen mit Maske halten Plakate.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/000-1w35g6-jpg-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Anti-Korruptions-Protest in Simbabwe: zwei Frauen mit Maske halten Plakate. (AFP \/ Zinyange Auntony)<\/p>\n<p>Denn immer wieder verschwinden Regimekritiker in Simbabwe spurlos, betont die Sprecherin der oppositionellen MDC-Alliance, Fadzayi Mahere bei einem virtuellen Krisentreffen des &#8222;Southern African Liaison Office&#8220; (SALO) einer zivilgesellschaftlichen Organisation der L\u00e4nder im S\u00fcden Afrikas: &#8222;Eine Entf\u00fchrung von oppositionellen Aktivisten folgt auf die n\u00e4chste. Wir wissen, was Mitte Mai mit meinen drei Kolleginnen von der MDC passiert ist, die friedlich gegen den wachsenden Hunger protestiert hatten. Sie wurden auf Gehei\u00df des Staates entf\u00fchrt, gefoltert und sexuell gen\u00f6tigt. Anstatt die T\u00e4ter zur Rechenschaft zu ziehen, wurden die Frauen verhaftet. Man wirft ihnen vor, das alles vorget\u00e4uscht zu haben.&#8220;<\/p>\n<p>Wenige Tage sp\u00e4ter wird Mahere selbst festgenommen, nach einer Nacht in einer verschmutzten, \u00fcberf\u00fcllten Gef\u00e4ngniszelle jedoch wieder auf Kaution freigelassen. Es ist eine von vielen Verhaftungen am 31. Juli, dem Tag, an dem landesweit Proteste gegen die Korruption geplant waren.<\/p>\n<p>Neben Oppositionellen und zivilgesellschaftlichen Aktivisten wurden wieder auch einfache B\u00fcrger festgenommen. Ihr Vergehen: Sie hatten allein oder in kleinen Gruppen mit Plakaten am Stra\u00dfenrand gestanden: Darauf stand beispielsweise: &#8222;Nehmt die Pl\u00fcnderer der COVID-Hilfsgelder fest&#8220;, &#8222;Befreit Hopewell&#8220;, oder &#8222;Wir k\u00f6nnen nicht atmen, Korruption raubt uns die Luft&#8220;.<\/p>\n<p>Auf diese Festnahmen angesprochen sagt Regierungsmitglied Nick Mangwana: &#8222;Wir wollen auch nicht, dass die Korruption sich weiter ausbreitet. Sie ist eine Gei\u00dfel. Der Ruf nach einem Ende der Korruption ist also legitim. Aber die Schlussfolgerung und der Zeitpunkt sind falsch. Wie kann man in einer Pandemie zu Protesten aufrufen? Die Leute fordern au\u00dferdem in einem Atemzug, dass unsere ZANU-PF-Regierung abgesetzt werden soll. Aber das wird nicht auf der Stra\u00dfe entschieden, daf\u00fcr gibt es entsprechende Mechanismen. Ein Amtsenthebungs-Verfahren im Parlament beispielsweise. Diese Leute wissen jedoch, dass sie dort keine Mehrheit haben. Wir haben es also mit einer kleinen, verr\u00fcckten Randgruppe zu tun, die versucht, die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung zu st\u00f6ren. Das werden wir nicht zulassen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Muster der Einsch\u00fcchterung&#8220;<\/p>\n<p>Die Drahtzieher vermutet die Regierung, wie schon in der Mugabe-\u00c4ra, im Westen. Der US-Botschafter wurde als Verbrecher bezeichnet. Die vermeintlichen Verb\u00fcndeten in der Oppositionspartei MDC nannte Pr\u00e4sident Mnangagwa &#8222;terroristisch&#8220; und betonte, er werde Simbabwe von all jenen reinwaschen, die das Land spalten wollten. Die Vereinten Nationen sehen darin ein &#8222;Muster der Einsch\u00fcchterung&#8220;. Der Eindruck dr\u00e4ngt sich auf, dass dieser Lockdown eher der Demokratie als der Pandemie gilt.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"2635038941_ZANU-PF-Staatssekret\u00e4r Nick Mangwana Fotograf Privilege Musvanhiri.JPG\" alt=\"2635038941_ZANU-PF-Staatssekret\u00e4r Nick Mangwana Fotograf Privilege Musvanhiri.JPG\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2635038941-zanu-pf-staatssekretaer-20nick-20mangwana-20fotograf-20privilege-20musvanhiri-jpg-100-128.jpeg\" \/><\/p>\n<p>                  ZANU-PF-Staatssekret\u00e4r Nick Mangwana (Privilege Musvanhiri)<\/p>\n<p>Nick Mangwana sagt dazu: &#8222;Die kurze Antwort lautet: Das ist Unsinn. Und wenn ich das ausf\u00fchren soll: Hier in Simbabwe wurde im Zuge des Lockdowns niemand erschossen. Anders, als in den USA oder in S\u00fcdafrika. Wir haben es also mit Leuten zu tun, die die gegenw\u00e4rtige Lage ausnutzen, um die politischen Spannungen in unserem Land anzuheizen.&#8220;<\/p>\n<p>Diese Interpretation reicht der Regierung als Rechtfertigung, um mit aller H\u00e4rte gegen politische Gegner vorzugehen. Und so gibt es weiterhin fast t\u00e4glich Meldungen \u00fcber brutale Festnahmen, Entf\u00fchrungen und Misshandlungen. Konsequenzen m\u00fcssen Polizei und Milit\u00e4r erfahrungsgem\u00e4\u00df nicht f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Das Regime hat gro\u00dfen Einfluss auf die Justiz und will ihn durch Verfassungs\u00e4nderungen noch ausbauen. Seit dem Sturz von Robert Mugabe im November 2017 patrouillieren Soldaten auf den Stra\u00dfen. Das verst\u00e4rkt den Eindruck, dass Simbabwe nun von einem Milit\u00e4rregime regiert wird.<\/p>\n<p>Ein Milit\u00e4rregime?<\/p>\n<p>Der Politikwissenschaftler Ringisai Chikohomero spricht von einer Machtclique aus Milit\u00e4rs und Politikern: &#8222;Wir m\u00fcssen auf das zur\u00fcckschauen, was 2017 passiert ist, um die heutige Lage in Simbabwe zu verstehen. Emmerson Mnangagwa war damals keine popul\u00e4re Person. Er wurde vom Milit\u00e4r ins Amt des Pr\u00e4sidenten gehoben. Der oberste Richter, ein ehemaliger General, hat daf\u00fcr gesorgt, dass dieser Putsch als verfassungskonform anerkannt wurde. Das Milit\u00e4r ist also der Garant dieses Regimes. Bemerkenswert war eine Pressekonferenz im Juni, bei der das Milit\u00e4r betonte, dass es keinen weiteren Umsturz plant. Damit hat es auf entsprechende Ger\u00fcchte in der F\u00fchrungsspitze reagiert. Es gibt also die M\u00f6glichkeit, wenn auch ohne handfeste Beweise, dass es gewisse Unstimmigkeiten gibt und etwas im Busch ist.&#8220;<\/p>\n<p>Es gebe sowohl im Milit\u00e4r als auch in der Regierungspartei ZANU-PF rivalisierende Interessensgruppen, betont der Politikwissenschaftler. Diese Fl\u00fcgelk\u00e4mpfe k\u00f6nnten Mnangagwa gef\u00e4hrlicher werden, als die Opposition. &#8222;Momentan kann man nicht von einer starken politischen Opposition sprechen. Sie ist zersplittert, unf\u00e4hig sich auf breiter Front zu organisieren oder die Bev\u00f6lkerung zu mobilisieren. Sie denkt nicht strategisch, sie \u00fcberlegt nicht, wie sie sich neu organisieren oder wieder zu einer Einheit werden k\u00f6nnte.&#8220;<\/p>\n<p>Simbabwe brauche einen nationalen Heilungsprozess, einen Dialog zwischen den politischen Parteien, fordert die Sprecherin der MDC-Alliance Fadzayi Mahere. Trotz der anhaltenden Anfeindungen, der Repression und den tiefen ideologischen Gr\u00e4ben: &#8222;Wir rufen die ZANU-PF dazu auf, sich mit uns an einen Tisch setzen, die politischen Waffen niederzulegen und die Bev\u00f6lkerung in den Mittelpunkt zu r\u00fccken. Das ist angesichts unserer nationalen Krise dringend notwendig. Es darf nicht weiter um politische Egos gehen. Unser Land brennt und die B\u00fcrger m\u00fcssen Priorit\u00e4t haben.&#8220;<\/p>\n<p>Vermittlungsversuche sind gescheitert<\/p>\n<p>Diese Forderung gehe jedoch an den politischen Realit\u00e4ten vorbei, kritisiert der Politikwissenschaftler Ringisai Chikohomero: &#8222;Wir befinden uns nicht mehr im Jahr 2008. Damals war es eindeutig, dass die MDC die Wahl gewonnen hatte und trotzdem war die Regierungspartei nicht bereit, die Macht abzugeben. Heutzutage gibt es f\u00fcr die ZANU-PF keinen Grund, mit irgendwem einen Dialog zu f\u00fchren. Sie kann einfach regieren: Sie hat die Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament, sie hat die Wirtschaft, die Rohstoffe und die Zentralbank unter Kontrolle. Au\u00dferdem ist vollkommen unklar, wie dieser nationale Dialog genau aussehen soll und welches Ziel damit verfolgt wird.&#8220;<\/p>\n<p>Angesichts der zunehmenden Repression wenden sich Opposition und Aktivisten nun hilfesuchend ans Ausland. Unter dem Hashtag #ZimbabweanLivesMatter werben sie um Unterst\u00fctzung. Nach wochenlangem Schweigen hat nun auch S\u00fcdafrika erstmals Besorgnis ge\u00e4u\u00dfert und diplomatische Gespr\u00e4che aufgenommen.<\/p>\n<p>Die Hilferufe nach einer regionalen und internationalen Intervention scheinen zu verhallen. Es bleibt h\u00f6chstens bei Solidarit\u00e4tsbekundungen. Auch in der Vergangenheit sind alle Vermittlungsversuche von au\u00dfen letztlich gescheitert.<\/p>\n<p>Geschw\u00e4chte Zivilgesellschaft<\/p>\n<p>Trotzdem sei die Lage nicht aussichtslos, meint der Menschenrechtsanwalt Doug Coltart. Das Regime werde die zunehmende Kritik im eigenen Land auch mit drastischer Gewalt nicht unterdr\u00fccken k\u00f6nnen: &#8222;Ich glaube nicht, dass die Taktik der Regierung die gew\u00fcnschte Wirkung erzielt. Im Gegenteil: Wir bekommen nun das wahre Gesicht des Regimes zu sehen, das eines autorit\u00e4ren Milit\u00e4rregimes, das gegen die eigenen B\u00fcrger vorgeht. Damit schwindet der R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung. Das Regime versucht zwar, die Opposition im Land zu vernichten und scheint dabei kurzfristig auch Fortschritte zu machen, aber langfristig wird diese Rechnung nicht aufgehen.&#8220;<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"2635038939_Menschenrechtsanwalt Doug Coltart Fotograf Privilege Musvanhiri.JPG\" alt=\"2635038939_Menschenrechtsanwalt Doug Coltart Fotograf Privilege Musvanhiri.JPG\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2635038939-menschenrechtsanwalt-20doug-20coltart-20fotograf-20privilege-20musvanhiri-jpg-100-1280xau.jpeg\" \/><\/p>\n<p>                  Menschenrechtsanwalt Doug Coltart (Privilege Musvanhiri)<\/p>\n<p>Doch die Unzufriedenheit der B\u00fcrger allein werde nichts ver\u00e4ndern, entgegnet der Politikwissenschaftler Chikohomero. Nicht nur die politische Opposition, auch die Zivilgesellschaft sei nach Jahrzehnten der Autokratie und Repression geschw\u00e4cht.<\/p>\n<p>Von einem B\u00fcrger-Aufstand sei Simbabwe meilenweit entfernt: &#8222;Es steht schon seit einiger Zeit die Frage im Raum, ob wir B\u00fcrger oder Untertanen haben. Ich tendiere stark zum letzteren. Die Grundlage f\u00fcr einen Volksaufstand existiert einfach nicht, auch die Geschichte unseres Landes spricht dagegen. Die Dynamik, das Verhalten und das Verh\u00e4ltnis von B\u00fcrgern und Staat waren immer davon gepr\u00e4gt, dass eine kleine Elite ihre Untertanen regiert.&#8220;<\/p>\n<p>Das war schon unter Robert Mugabe so, in dessen autokratische Fu\u00dfstapfen sein ehemaliger Verb\u00fcndeter und Nachfolger Emmerson Mnangagwa getreten ist. Die Machtstrukturen im Land sind verh\u00e4rtet. Eine L\u00f6sung dieser Krise ist trotz der dramatischen Zuspitzung nicht in Sicht.<\/p>\n<p>Mitarbeit in Harare: Privilege Musvanhiri<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stra\u00dfenh\u00e4ndlerin Vangayi Maisiri verkauft in einem Armenviertel von Harare Seife, Mehl und Reis (Privilege Musvanhiri) Mbare, ein Armenviertel&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15761,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[236],"tags":[290,291],"class_list":{"0":"post-15760","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-simbabwe","8":"tag-simbabwe","9":"tag-zimbabwe"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116554416947378343","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15760","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15760"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15760\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15761"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15760"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15760"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15760"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}