{"id":15940,"date":"2026-05-11T15:25:12","date_gmt":"2026-05-11T15:25:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15940\/"},"modified":"2026-05-11T15:25:12","modified_gmt":"2026-05-11T15:25:12","slug":"dr-kongo-neue-gewaltwelle-in-ituri-verschaerft-humanitaere-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/15940\/","title":{"rendered":"DR Kongo: Neue Gewaltwelle in Ituri versch\u00e4rft humanit\u00e4re Krise"},"content":{"rendered":"<p>\n    In der Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo beobachten unsere Teams eine neue Welle der Gewalt. Die Folgen sind verheerend: Zivilpersonen erleiden Schussverletzungen, Menschen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, werden nicht angemessen versorgt und ganze Familien ergreifen die Flucht. Seit Februar 2026 behandeln wir in der Stadt Fataki Tausende Patient:innen. Doch der Bedarf ist enorm und \u00fcbersteigt die Kapazit\u00e4ten bei Weitem.\n  <\/p>\n<p>Seit die K\u00e4mpfe zwischen der Convention for the Popular Revolution (CRP) und den Streitkr\u00e4ften der Demokratischen Republik Kongo (FARDC) Ende 2025 wiederaufflammten, hat sich die Sicherheitslage in Ituri drastisch verschlechtert. Die Region ist seit Jahren durch wiederkehrende Gewalt gepr\u00e4gt \u2013 und geschw\u00e4cht. In den letzten drei Monaten wurde die Stadt Bule \u00f6stlich von Fataki zum Hauptschauplatz von Kampfhandlungen. Den Preis daf\u00fcr zahlt die Zivilbev\u00f6lkerung: Menschen werden beschuldigt, bewaffneten Gruppen anzugeh\u00f6ren, oder direkt angegriffen. Zwischen Dezember 2025 und M\u00e4rz 2026 wurden mindestens 40 Menschen get\u00f6tet und 42 verletzt.<\/p>\n<p>Auf der Flucht unter Beschuss geraten<\/p>\n<p>Ich war zu Hause, als in meiner direkten Umgebung heftige Sch\u00fcsse zu h\u00f6ren waren. Bevor ich die Flucht ergriff, befreite ich meine Tiere und schnitt mit einer Machete Bananenbl\u00e4tter ab, damit sie etwas zu fressen hatten. Bewaffnete M\u00e4nner erwischten mich mit der Machete und hielten mich f\u00fcr einen K\u00e4mpfer. Die Situation eskalierte. Sie schossen wild auf mich und verletzten mein Knie schwer.<\/p>\n<p>Auch Augustine, die bereits im Vertriebenencamp Doudou in Bule ums \u00dcberleben k\u00e4mpfte, musste sich mit ihrem Sohn vor den Sch\u00fcssen in Sicherheit bringen.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abW\u00e4hrend der Flucht wurde ich von einer Kugel am Bein getroffen\u00bb, erinnert sie sich. \u00abAuch mein Sohn wurde verletzt. Unter Schmerzen hob ich ihn auf meinen R\u00fccken. So gingen wir immer weiter \u2013 teilweise kroch ich auf allen Vieren. Unterwegs halfen mir Leute und brachten mich ins Gesundheitszentrum Salama im Vertriebenencamp Plaine Savo.\u00bb<\/p>\n<p>Zivilpersonen d\u00fcrfen in Ituri niemals zur Zielscheibe werden. Also auch in Bule nicht. Dennoch behandeln unsere Teams t\u00e4glich M\u00e4nner, Frauen und Kinder mit Gewaltverletzungen.<\/p>\n<p>Der Schutz der Bev\u00f6lkerung hat oberste Priorit\u00e4t. W\u00e4hrend die Konfliktparteien laut um sich schiessen, nimmt das Leid zu; still und dennoch un\u00fcberh\u00f6rbar. Wir fordern alle involvierten Parteien auf, Zivilpersonen unter allen Umst\u00e4nden zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Massive Vertreibung und ein Gesundheitssystem unter Druck<\/p>\n<p>Ituri k\u00e4mpft mit einer schweren humanit\u00e4ren Krise. Gem\u00e4ss dem UNO-Amt f\u00fcr die Koordination humanit\u00e4rer Angelegenheiten (OCHA) sind mehr als 920 000 Personen in der Provinz vertrieben. Allein im ersten Quartal 2026 wurden \u00fcber 100 000 Menschen zur Flucht gezwungen.<\/p>\n<p>Viele von ihnen suchen Zuflucht in Gebieten wie Plaine Savo nahe Fataki, wo der Zugang zu medizinischer Versorgung stark eingeschr\u00e4nkt ist. Die Hygienebedingungen sind katastrophal; Cholera und Durchfallerkrankungen sind weit verbreitet.<\/p>\n<p>Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, erhalten oft keine angemessene Versorgung. Die ohnehin anf\u00e4lligen Gesundheitseinrichtungen sind \u00fcberlastet, ausser Betrieb oder ganz geschlossen. In der Gesundheitszone Fataki wurden sieben von 14 Zentren geschlossen und in Camps in Plaine Savo verlegt. Die verbleibenden Einrichtungen arbeiten trotz K\u00e4mpfen, Unsicherheit und schwindendem Personal weiter.<\/p>\n<p>Ausbau lebensrettender Hilfe<\/p>\n<p>Mitte Februar 2026 entsendeten wir ein Team, um auf die dringenden medizinischen Bed\u00fcrfnisse in Plaine Savo und Umgebung zu reagieren. Die Aktivit\u00e4ten umfassen medizinische Grundversorgung sowie die Behandlung von Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Bisher wurden mehr als 10 000 Konsultationen durchgef\u00fchrt, haupts\u00e4chlich wegen Durchfallerkrankungen, Mangelern\u00e4hrung, Atemwegsinfektionen und Magen-Darm-Erkrankungen. Auch behandelten wir rund 30 Betroffene sexualisierter Gewalt. \u00a0<\/p>\n<p>Im Spital Fataki arbeiten wir mit den lokalen Gesundheitsbeh\u00f6rden zusammen. Dort unterst\u00fctzen wir die Unfallchirurgie und die Ern\u00e4hrungsabteilung und setzen uns f\u00fcr die Infektionspr\u00e4vention und -kontrolle ein. Massnahmen in den Bereichen Wasser, Hygiene und Sanit\u00e4rversorgung zielen darauf ab, die Sicherheit und Qualit\u00e4t der Pflege zu verbessern.<\/p>\n<p>Selbst mit unserer Unterst\u00fctzung bleibt der Zugang zur Gesundheitsversorgung stark eingeschr\u00e4nkt. Besonders nachts wird es aufgrund der anhaltenden Unsicherheit gef\u00e4hrlich. Viele Menschen wagen sich kaum noch nach draussen. Umso dringender braucht es einen humanit\u00e4ren Korridor, damit die Bev\u00f6lkerung sicheren Zugang zu lebenswichtigen Dienstleistungen erh\u00e4lt \u2013 etwa zu medizinischer Versorgung, Wasser und Nahrung.<\/p>\n<p>Mangel an humanit\u00e4rer Hilfe versch\u00e4rft die Krise zus\u00e4tzlich<\/p>\n<p>Die Krise in Fataki beeintr\u00e4chtigt nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern ihren ganzen Alltag. Viele finden kaum noch Nahrung, Wasser, Unterkunft oder Schutz. Die anhaltende Unsicherheit und die instabile Lage verhindern, dass Hilfe ankommt. In mehreren Teilen Ituris, auch in Fataki, mussten Organisationen ihre Arbeit einstellen. Dadurch bleiben Hunderttausende ohne Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Wir haben es sehr schwer, weil es kaum etwas zu Essen gibt. Auf die Felder gehen ist zu gef\u00e4hrlich: Von morgens bis abends wird geschossen; Menschen sterben. Am dringendsten brauchen wir Nahrung. Geld ist im Moment Nebensache. Wenn jetzt Lebensmittel verteilt w\u00fcrden, w\u00fcrde das den Menschen hier sehr helfen.<\/p>\n<p>Vertriebene Familien leben unter extremen Bedingungen. Oft fehlt es an Lebensmitteln und grundlegenden Leistungen. Sauberes Trinkwasser und sanit\u00e4re Einrichtungen sind knapp. Dadurch steigt das Risiko von Krankheitsausbr\u00fcchen.<\/p>\n<p>Zudem fehlt es an internationaler Finanzierung. Das schr\u00e4nkt die Hilfe zus\u00e4tzlich ein, w\u00e4hrend die Lage sich weiter verschlechtert.<\/p>\n<p>\u00ab\u00c4rzte ohne Grenzen leistet nach wie vor medizinische Nothilfe. Doch das Ausmass der Krise \u00fcbersteigt unsere Kapazit\u00e4ten\u00bb, sagt Groulx. \u00abEs braucht umgehend zus\u00e4tzliche Hilfe in den Bereichen Gesundheit, Ern\u00e4hrung, Wasser und Sanit\u00e4ranlagen. Zudem muss der Zugang zu den betroffenen Gemeinschaften gew\u00e4hrleistet sein. Ansonsten wird sich die Situation noch versch\u00e4rfen. Wir rufen die kongolesischen Beh\u00f6rden und alle humanit\u00e4ren Organisationen in der Region dringend auf, ihre Unterst\u00fctzung sofort hochzufahren.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo beobachten unsere Teams eine neue Welle der Gewalt.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15941,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[192,194,190,188,193,191,462,461,189],"class_list":{"0":"post-15940","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-demokratische-republik-kongo","8":"tag-dem-rep-kongo","9":"tag-democratic-republic-of-the-congo","10":"tag-demokratische-republik","11":"tag-demokratische-republik-kongo","12":"tag-dr-congo","13":"tag-dr-kongo","14":"tag-drc","15":"tag-drk","16":"tag-kongo"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116556642502021325","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15940","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15940"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15940\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15941"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15940"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15940"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15940"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}