{"id":16348,"date":"2026-05-12T15:33:57","date_gmt":"2026-05-12T15:33:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/16348\/"},"modified":"2026-05-12T15:33:57","modified_gmt":"2026-05-12T15:33:57","slug":"wir-versuchen-so-lange-wie-moeglich-durchzuhalten-aerzte-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/16348\/","title":{"rendered":"\u201eWir versuchen, so lange wie m\u00f6glich durchzuhalten\u201c \u2022 \u00c4rzte der Welt"},"content":{"rendered":"<p class=\"has-lead-font-size\">Staatliche und private Gelder f\u00fcr humanit\u00e4re Organisationen werden weniger, das bekommen zahlreiche Hilfsorganisationen zu sp\u00fcren \u2013 auch \u00c4rzte der Welt. Was das f\u00fcr unsere Projekte in \u00c4thiopien und in der Ukraine bedeutet, erkl\u00e4rt unsere Leiterin Auslandsprogramme Julia Brunner.<\/p>\n<p>Julia, wie wirkt sich der starke R\u00fcckgang von F\u00f6rdergeldern, gerade von staatlichen Stellen, auf unsere Projekte aus?<\/p>\n<p class=\"\">Ich nenne ein Beispiel: In unserem Projekt in <a href=\"https:\/\/www.aerztederwelt.org\/hilfe\/afrika\/aethiopien\/\" type=\"link\" id=\"https:\/\/www.aerztederwelt.org\/hilfe\/afrika\/aethiopien\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00c4thiopien <\/a>haben die Mittelk\u00fcrzungen dazu gef\u00fchrt, dass wir eben nicht mehr die Gegenden versorgen k\u00f6nnen, in denen wir bis Ende 2024 noch t\u00e4tig sein konnten. Seit 2025 mussten die Projektaktivit\u00e4ten St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck reduziert werden.<\/p>\n<p class=\"\">Ende Februar mussten wir unsere Arbeit in der Region Afar leider komplett einstellen. Das hei\u00dft in der Konsequenz, dass etwa 70.000 Menschen nicht mehr die medizinische Versorgung haben, die sie eigentlich ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Bitte helfen Sie den Menschen in \u00c4thiopien und weltweit mit einer Spende!<\/p>\n<p>Was haben wir bisher in der Afar-Region angeboten?<\/p>\n<p class=\"\">Unser Fokus in \u00c4thiopien liegt auf <a href=\"https:\/\/www.aerztederwelt.org\/aktuell\/athiopien-mutter-kind-gesundheit-in-gefahr\/\" type=\"link\" id=\"https:\/\/www.aerztederwelt.org\/aktuell\/athiopien-mutter-kind-gesundheit-in-gefahr\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frauen<\/a>, vor allem Schwangere, Babys und Kinder unter f\u00fcnf Jahren.<\/p>\n<p class=\"\">Wir waren in Afar in drei Gesundheitszentren t\u00e4tig. In jedem Gesundheitszentrum gab es eine Hebamme und eine Krankenschwester, die das staatliche Personal vor Ort unterst\u00fctzt haben. Die Krankenschwestern waren Kinderkrankenschwestern f\u00fcr Kinder unter f\u00fcnf Jahren. Sie haben die Kinder unter anderem geimpft, ihren Ern\u00e4hrungszustand \u00fcberpr\u00fcft und sie bei Bedarf mit Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln versorgt. In der Region leben etwa 5.000 Kinder unter f\u00fcnf Jahren. Wir haben diese Zentren regelm\u00e4\u00dfig mit Medikamenten und medizinischer Ausstattung ausgestattet. Das ist jetzt nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Was bedeutet das konkret f\u00fcr die Menschen?<\/p>\n<p class=\"\">Hat eine Mutter einmal die Erfahrung gemacht hat, dass sie zehn Stunden durch die Steppe gelaufen ist, bei einem Gesundheitszentrum ankommt und dort steht die notwendige Behandlung nicht mehr zur Verf\u00fcgung, dann wird sie es kein zweites Mal versuchen. Die Gesundheitseinrichtungen gibt es noch und Menschen werden dort weiter behandelt, allerdings fehlt es an Medikamenten und Personal.<\/p>\n<p class=\"\">Das, was wir in den vergangenen Jahren m\u00fchsam aufgebaut haben, dass die Menschen von uns wissen, uns vertrauen und auch die n\u00f6tige Versorgung bekommen, das geht nun verloren. Die Menschen erleben wieder eine Situation, in der viel mehr M\u00fctter und Kinder sterben, auch bei Geburten. Leider rechnen wir auch damit, dass es wieder mehr Krankheitsausbr\u00fcche geben wird, weil die Kinder nicht ausreichend geimpft sind.<\/p>\n<p>Wie reagieren wir als \u00c4rzte der Welt auf diese Situation?<\/p>\n<p class=\"\">Wir haben \u00fcberpr\u00fcft, wo wir mit den vorhandenen Mitteln noch die gr\u00f6\u00dfte Wirkung erzielen k\u00f6nnen und versuchen dort, so lange wie m\u00f6glich durchzuhalten.<\/p>\n<p class=\"\">Wir konzentrieren uns damit auf die \u00e4thiopische Somali-Region, speziell auf das Camp f\u00fcr Binnenvertriebene in Qoloji. Das w\u00e4re der letzte Standort, den wir schlie\u00dfen w\u00fcrden. Wir wissen: Wenn wir gehen, wird es dort gar keine Gesundheitsversorgung mehr geben. Wir sind im Camp die einzigen, die medizinische Dienstleistungen anbieten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1127\" height=\"1132\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/julia-brunner-aerzte-der-welt-3-dez2024-1127x1132.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-27132 size-full webpexpress-processed\"  \/><\/p>\n<p class=\"\">F\u00fcr uns alle ist das nat\u00fcrlich eine schwierige Situation. Wir sehen, dass der Bedarf in der Somali-Region nach wie vor sehr gro\u00df ist und mit der derzeitigen D\u00fcrreperiode wird er noch gr\u00f6\u00dfer werden. Doch uns fehlen die Finanzmittel, um die Bev\u00f6lkerung zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Julia Brunner, Leiterin Auslandsprogramme <\/p>\n<p>Wie ist das f\u00fcr die Kolleg*innen in den Projekten \u2013 und f\u00fcr Euch?<\/p>\n<p class=\"\">Die Situation ist f\u00fcr die Kolleginnen und Kollegen in \u00c4thiopien sehr schwierig. Die Menschen haben ja Familie und sind h\u00e4ufig die Hauptverdiener. Ende 2024 hatten wir fast 90 lokale Mitarbeitende. Wir mussten seitdem viele entlassen.<\/p>\n<p class=\"\">Dank unserer privaten Spender*innen haben wir jetzt noch Geld, um etwa ein halbes Jahr weiter arbeiten zu k\u00f6nnen, aber dennoch m\u00fcssen wir jeden Monat weiter reduzieren.<\/p>\n<p class=\"\">Das betrifft auch unser Projekt in der Somali-Region: Von den urspr\u00fcnglich acht Gesundheitszentren unterst\u00fctzen wir aktuell nur noch drei, und diese werden wir Anfang Mai oder Anfang Juni schlie\u00dfen m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"\">F\u00fcr das Team in \u00c4thiopien ist das nat\u00fcrlich sehr frustrierend, ebenso f\u00fcr uns hier in Deutschland. Ich ziehe vor den lokalen Mitarbeitenden wirklich den Hut, denn sie machen trotzdem bis zum letzten Tag voller Engagement weiter und sind f\u00fcr die Menschen da.<\/p>\n<p>Helfen denn unsere lokalen Partner dabei, die Folgen der K\u00fcrzungen zu \u00fcberbr\u00fccken, so dass man bestimmte Dienstleistungen noch weiter anbieten kann?<\/p>\n<p class=\"\">Afar ist hier ein gutes Beispiel: Dort haben wir noch ein Partnerprojekt mit CVDA, einer Organisation, die wir aus einer langj\u00e4hrigen Zusammenarbeit kennen und sch\u00e4tzen. Diese arbeitet in zwei Gesundheitseinrichtungen mit eigenen Mitarbeitenden. Obwohl wir uns als \u00c4rzte der Welt aus der Region zur\u00fcckziehen mussten, werden wir CVDA weiter unterst\u00fctzen. Auch CVDA arbeitet im Bereich Mutter-Kind-Gesundheit und unterst\u00fctzt ausgew\u00e4hlte Gemeinden im Einzugsbereich von zwei Gesundheitseinrichtungen.<\/p>\n<p class=\"\">Wir achten hier nicht nur auf Synergie-Effekte mit unseren lokalen Partnerorganisationen, sondern auch mit anderen Organisationen. Das war schon vorher ganz klar unser Fokus und das gilt auch weiterhin: Wir m\u00fcssen und werden noch enger zusammenarbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Staatliche und private Gelder f\u00fcr humanit\u00e4re Organisationen werden weniger, das bekommen zahlreiche Hilfsorganisationen zu sp\u00fcren \u2013 auch \u00c4rzte&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":16349,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[105,106,1008,2409,60],"class_list":{"0":"post-16348","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-aethiopien","8":"tag-aethiopien","9":"tag-ethiopia","10":"tag-frauen","11":"tag-hunger","12":"tag-kinder"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116562340243540162","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16348","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16348"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16348\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16349"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16348"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16348"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16348"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}