{"id":16469,"date":"2026-05-13T01:22:50","date_gmt":"2026-05-13T01:22:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/16469\/"},"modified":"2026-05-13T01:22:50","modified_gmt":"2026-05-13T01:22:50","slug":"kongo-krise-drastischer-anstieg-an-sexualisierter-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/16469\/","title":{"rendered":"Kongo-Krise: drastischer Anstieg an sexualisierter Gewalt"},"content":{"rendered":"<p>Der Vormarsch der M23-Rebellen auf die Stadt Bukavu im Osten der\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/demokratische-republik-kongo\/t-18054927\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Demokratischen Republik Kongo<\/a>\u00a0machte mehrere D\u00f6rfer entlang des Kivusees zwischen Januar und Februar zum Kriegsschauplatz. Ein <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ruanda-und-dr-kongo-schlie\u00dfen-friedensabkommen\/a-73075730\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">von den USA vermitteltes Friedensabkommen zwischen den Regierungen des Kongo und des kleinen Nachbarlands Ruanda<\/a> n\u00e4hrt zwar die Hoffnung auf ruhigere Zeiten, doch die Erinnerungen an die Gr\u00e4uel sind noch frisch:\u00a0Zahlreiche Frauen und Kinder in den\u00a0D\u00f6rfern im Norden der Provinz S\u00fcdkivu erlitten\u00a0Vergewaltigungen und sexuelle\u00a0Gewalt durch bewaffnete M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Zivilgesellschaftliche Gruppen und Aktivisten machen\u00a0das kongolesische Milit\u00e4r und Wazalendo-K\u00e4mpfer (Milizen aus der Provinz Nordkivu) f\u00fcr die Taten verantwortlich. Diese arbeiten\u00a0mit den kongolesischen Streitkr\u00e4ften gegen die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/warum-kongos-armee-der-viel-kleineren-m23-unterlegen-ist\/a-71897146\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">militante Rebellenbewegung M23<\/a> zusammen.<\/p>\n<p>Opfer erfahren keine Gerechtigkeit<\/p>\n<p>Zu den Betroffenen geh\u00f6rt Riziki, die sich der DW anvertraute &#8211; die Redaktion hat ihren Namen zu ihrem Schutz ge\u00e4ndert. &#8222;Drei Soldaten drangen in mein Haus ein, um zu pl\u00fcndern. Einer von ihnen kam in mein\u00a0Schlafzimmer, um mich zu vergewaltigen, aber ich wehrte mich&#8220;, berichtet sie.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"71546487\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/71546487_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Unruhen in DR Kongo 2025 | Marktplatz in Bukavu\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Bukavu im Februar 2025: Frauen leiden unter der sexuellen Gewalt bewaffneter M\u00e4nner in der KonfliktregionBild: AMANI ALIMASI\/AFP<\/p>\n<p>&#8222;Die anderen riefen\u00a0ihm zu, dass sie wieder gehen sollten, aber er weigerte sich und sagte, er w\u00fcrde mich\u00a0gern vergewaltigen&#8220;,\u00a0f\u00fcgt sie hinzu. &#8222;Zum Gl\u00fcck kam mir mein Sohn zu Hilfe und sie gingen wieder, nachdem sie alles verw\u00fcstet hatten.&#8220;<\/p>\n<p>Die Tat ereignete sich im Februar dieses Jahres im Dorf Kavumu, etwa 30 km n\u00f6rdlich von Bukavu. Seither\u00a0hat Riziki, Mutter von f\u00fcnf Kindern,\u00a0in Bukavu Zuflucht gefunden.<\/p>\n<p>Sie hoffte, ihr werde in Bukavu bei einem geplanten Schauprozess Gerechtigkeit widerfahren. Aber dann kam ein Ereignis, das alles ver\u00e4nderte:\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/kongo-m23-rebellen-erobern-provinzhauptstadt-bukavu\/a-71619839\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die M23 nahm Bukavu ein.<\/a>\u00a0Richter, Anw\u00e4lte, Angeklagte, Verurteilte und auch manche Opfer &#8211; alle flohen aus der Stadt.<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe angefangen, Handel zu treiben. Leider sind wieder bewaffnete M\u00e4nner in das Viertel gekommen, in das ich mit meinen Kindern geflohen war, sie haben zwei Nachbarn get\u00f6tet. Wir sind erneut geflohen, ich bin erst vor kurzem zur\u00fcckgekommen.&#8220;<\/p>\n<p>Keine Anzeige aus Angst und Scham<\/p>\n<p>Unter den neuen Besatzern wurde die Lage nicht merklich besser: Augenzeugen berichten, dass es in den von der\u00a0M23 besetzten St\u00e4dten Bukavu und Goma zu zahlreichen Vergewaltigungen und sexueller Gewalt gekommen sei &#8211;\u00a0vor allem an verheirateten Frauen und M\u00e4dchen -,\u00a0und dass Frauen im Austausch f\u00fcr verschiedene Dienste zu sexuellen Handlungen gezwungen w\u00fcrden.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"71620409\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/71620409_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"DR Kongo | M23-Rebellen patrouillieren in den Stra\u00dfen von Goma\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Soldaten und Rebellen (hier die M23 im Januar nach dem \u00dcberfall auf Goma) sind verantwortlich f\u00fcr Vergewaltigungen als KriegswaffeBild: Brian Inganga\/AP\/dpa\/picture alliance<\/p>\n<p>In zahlreichen F\u00e4llen erstatteten die Opfer aus Angst und Scham keine Anzeige. So\u00a0auch\u00a0eine\u00a0junge\u00a0Frau, die von einer Nachbarin zu Unrecht eines Vergehens beschuldigt wurde und f\u00fcr einige Zeit in ein\u00a0Gef\u00e4ngnis des Geheimdienstes gesperrt wurde.<\/p>\n<p>Dort machte die Frau, die anonym bleiben m\u00f6chte,\u00a0traumatische Erfahrungen: &#8222;In der Nacht kam einer der Soldaten, die Wache hielten, auf mich zu und drohte, mich zu vergewaltigen. Als ich ihn wegschob, schlug er mich. Ich schrie schmerzhaft auf, zum Gl\u00fcck kam ihr Vorgesetzter. Sie wurden ausgepeitscht. Diejenigen, die die Szene beobachtet hatten, haben mir gesagt, dass die Wachen sich gew\u00f6hnlich an Frauen vergehen, ohne dass ihre Vorgesetzten davon wissen&#8220;, sagt sie zur DW.<\/p>\n<p>Vergewaltigung als Kriegswaffe<\/p>\n<p>Es gibt f\u00fcr die\u00a0Region keine offiziellen Statistiken. Aber in einem k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Bericht der Organisation f\u00fcr medizinische Nothilfe\u00a0\u00c4rzte ohne Grenzen (MSF) hei\u00dft es, seit Beginn der K\u00e4mpfe zwischen der kongolesischen Armee und der bewaffneten Gruppe M23 sei\u00a0die Zahl der Opfer sexueller Gewalt insbesondere im\u00a0Nordkivu explosionsartig angestiegen.<\/p>\n<p>Im Jahr 2024 wurden dort fast 40.000 Opfer von MSF betreut, zwischen Januar und April 2025 waren es fast 7400 Opfer und \u00dcberlebende. Im\u00a0S\u00fcdkivu hat MSF seit Anfang 2025 in den Gebieten Kalehe und Uvira fast 700 Opfer und \u00dcberlebende sexueller Gewalt versorgt.<\/p>\n<p>&#8222;Der systematische Einsatz von Vergewaltigungen als Kriegswaffe\u00a0ist nicht nur eine Verletzung der Menschenrechte, sondern auch eine gezielte Strategie zur Destabilisierung von Gemeinschaften&#8220;, sagt Amadou Bocoum, Landesdirektor der Hilfsorganisation Care International\u00a0in der DR Kongo.\u00a0<\/p>\n<p>Care zeichnet\u00a0im j\u00fcngsten Bericht zur Lage ein d\u00fcsteres Bild: Allein 67.000 F\u00e4lle sexueller Gewalt gegen Frauen und M\u00e4dchen sind dort bereits in den ersten vier Monaten dieses Jahres registriert worden &#8211; das ist ein Anstieg von 38 Prozent zum Vorjahr.<\/p>\n<p>Keine Nothilfe wegen fehlender US-Gelder<\/p>\n<p>&#8222;Wegen der anhaltenden K\u00e4mpfe werden mehr Frauen angegriffen und vergewaltigt&#8220;, sagt Bocoum der DW. &#8222;Gleichzeitig hat die US-Regierung die Finanzierungshilfen, normalerweise sind es 40 Prozent, gek\u00fcrzt. Wir haben keine Notfallmedikamente mehr zur Vorbeugung von HIV-Infektionen nach einer Vergewaltigung auf Lager in unseren Gesundheitszentren&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"71262297\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/71262297_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Sudan | K\u00e4mpfe in Khartum: Rauchschwaden \u00fcber der Stadt von Khartoum\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Khartoum: Auch der Krieg im Sudan hat zu drastischem Anstieg sexueller Gewalt gegen Frauen und M\u00e4dchen gef\u00fchrtBild: REUTERS<\/p>\n<p>Willermine Ntakebuka, Koordinatorin der Frauenrechtsorganisation Vision Communautaire, spricht angesichts des MSF-Berichts von &#8222;alarmierenden Zahlen&#8220; und fordert: &#8222;Dieser Krieg sollte bereits beendet sein. 30 Jahre Krieg sind zu viel mit all den Folgen, die die Zivilbev\u00f6lkerung und vor allem Frauen und M\u00e4dchen erleiden. Frauen sollten nicht den hohen Preis f\u00fcr bewaffnete Konflikte zahlen m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p>Laut dem Bericht von\u00a0MSF wurde\u00a0die \u00fcberwiegende Mehrheit der Angriffe, die von den Opfern im Jahr 2025 gemeldet wurden, mit vorgehaltener Waffe ver\u00fcbt. Aufgrund der Vielzahl von zivilen und milit\u00e4rischen Waffentr\u00e4gern, der Verbreitung von Waffen und der anhaltenden Unsicherheit seien die T\u00e4ter meist schwer zu identifizieren.<\/p>\n<p>Kongo nur ein Beispiel von vielen<\/p>\n<p>Der Konflikt im Kongo ist ein Beispiel f\u00fcr die brutale Gewalt, die Frauen und M\u00e4dchen durch bewaffnete Gruppen erleiden. In anderen Konflikten auf dem Kontinent berichten Menschen\u00a0von \u00e4hnlichen Erfahrungen.<\/p>\n<p>So enth\u00fcllt ein Bericht der Menschenrechtsorganisation\u00a0Amnesty International (AI) vom April 2025 das Ausma\u00df der sexualisierten Gewalt, die zwischen April 2023 und Oktober 2024 von Soldaten der paramilit\u00e4rischen Gruppe &#8222;Rapid Support Forces&#8220; (RSF) im <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/sudan\/t-17351307\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sudan<\/a>\u00a0begangen wurde: &#8222;Die RSF hat w\u00e4hrend dieses Krieges Zivilpersonen, insbesondere Frauen und M\u00e4dchen, mit unvorstellbarer Grausamkeit angegriffen&#8220;, sagt Deprose Muchena, leitender Direktor des Bereichs Regional Human Rights Impact.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Bericht hat AI 30 Personen, haupts\u00e4chlich \u00dcberlebende und Angeh\u00f6rige von \u00dcberlebenden in ugandischen Fl\u00fcchtlingslagern, befragt. Alle \u00dcberlebenden und Zeuginnen konnten RSF-K\u00e4mpfer eindeutig als T\u00e4ter identifizieren.\u00a0Alle schildern, dass der Angriff schwerwiegende k\u00f6rperliche oder seelische Sch\u00e4den verursacht hat\u00a0und verheerende Auswirkungen auf ihre Familien hatte.<\/p>\n<p>Trotz der verheerenden Situation mangle\u00a0es an angemessener medizinischer Versorgung und rechtlicher Aufarbeitung f\u00fcr die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/un-prangern-sexuelle-gewalt-gegen-kinder-im-sudan-an\/a-71822290\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00fcberlebenden Frauen und M\u00e4dchen<\/a>, sagen die Autoren des Berichts.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"70890876\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/70890876_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"\u00c4thiopien Tigray | Studie zu geschlechtsspezifischer Gewalt \" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Im zweij\u00e4hrige Krieg in Tigray hat die Gewalt gegen Frauen und M\u00e4dchen ein alarmierendes Ausma\u00df erreicht, die Dunkelziffern sind h\u00f6herBild: Million Hailesilassie\/DW <\/p>\n<p>Auch w\u00e4hrend des 2020 ausgebrochenen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/un-kritisieren-gewalt-gegen-fl\u00fcchtlinge-in-tigray\/a-58255609\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00fcrgerkriegs in Tigray<\/a>\u00a0im Norden\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/\u00e4thiopien\/t-18056208\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00c4thiopiens<\/a>\u00a0begingen Bewaffnete grausame Verbrechen an Frauen und Kindern: Vergewaltigung, sexuelle Versklavung und Genitalverst\u00fcmmelung\u00a0wurden laut Amnesty International von den kriegf\u00fchrenden Parteien als Waffe eingesetzt, befand die Menschenrechtsorganisation 2021 in ihrem Bericht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Vormarsch der M23-Rebellen auf die Stadt Bukavu im Osten der\u00a0Demokratischen Republik Kongo\u00a0machte mehrere D\u00f6rfer entlang des Kivusees&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":16470,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[192,194,190,188,193,191,462,461,189],"class_list":{"0":"post-16469","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-demokratische-republik-kongo","8":"tag-dem-rep-kongo","9":"tag-democratic-republic-of-the-congo","10":"tag-demokratische-republik","11":"tag-demokratische-republik-kongo","12":"tag-dr-congo","13":"tag-dr-kongo","14":"tag-drc","15":"tag-drk","16":"tag-kongo"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116564656239991036","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16469","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16469"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16469\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16470"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16469"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16469"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16469"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}