{"id":16891,"date":"2026-05-14T04:03:38","date_gmt":"2026-05-14T04:03:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/16891\/"},"modified":"2026-05-14T04:03:38","modified_gmt":"2026-05-14T04:03:38","slug":"sudan-der-krieg-gegen-die-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/16891\/","title":{"rendered":"Sudan: Der Krieg gegen die Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p>Drei Jahre Krieg im Sudan und die systematische Zerst\u00f6rung der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Am 15. April 2026 dauerte der Krieg im Sudan drei Jahre. Er wird zwischen den Sudanesischen Streitkr\u00e4ften, der SAF, und den Rapid Support Forces, der RSF, gef\u00fchrt; ausgetragen wird er in Khartum, Darfur, El Fasher, Nyala und l\u00e4ngst in jedem Raum, in dem Information noch zirkulieren k\u00f6nnte. Wer dar\u00fcber berichtet, riskiert Festnahme, Folter, Verschwindenlassen oder den Tod. Mindestens <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press\/amp\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">16 Journalistinnen, Journalisten und Medienarbeiter wurden seit Kriegsbeginn get\u00f6tet, schreibt das Committee to Protect Journalists<\/a>. Das <a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\/all-news\/article\/sjs-32-journalists-killed-in-sudan-since-start-of-war\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sudanesische Journalisten-Syndikat kommt auf 32 Tote und 556 dokumentierte Verst\u00f6\u00dfe seit April 2023<\/a> . Die Differenz ist kein Widerspruch, eher eine Beschreibung des Zustands: In einem Land, in dem Reporter verschwinden und Netze ausfallen, wird schon die Z\u00e4hlung zur Kampfzone.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Der Sudan ist damit nicht nur ein Schlachtfeld. Er ist ein Beispiel daf\u00fcr, wie ein Krieg die \u00d6ffentlichkeit selbst zerlegt. Nicht blo\u00df St\u00e4dte werden belagert, sondern auch Tatsachen. Nicht nur Zivilisten werden vertrieben, sondern auch Zeugenschaft. Beide Konfliktparteien behandeln Journalismus nicht als Beobachtung des Krieges, sondern als St\u00f6rung des eigenen Narrativs. Das Resultat ist ein Informationsraum, der weniger vernebelt als gezielt verw\u00fcstet wurde.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Wo Medienh\u00e4user zerst\u00f6rt, Archive verbrannt, Reporter ins Exil gedr\u00e4ngt und Kommunikationswege gekappt werden, wird nicht nur das Berichten unm\u00f6glich; es wird auch die sp\u00e4tere Rekonstruktion der Verbrechen sabotiert.\u00a0<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">\u201e<a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press\/amp\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">W\u00e4hrend der Krieg im Sudan in sein drittes Jahr geht, haben die meisten Medieninstitutionen ihren Betrieb eingestellt, und Journalistinnen und Journalisten wurden ins Exil, in die Vertreibung, in Haft oder ins Verschwinden gezwungen<\/a>\u201c, sagte Raghdan Orsud von Beam Reports. Das ist keine Klage \u00fcber schlechte Arbeitsbedingungen. Es ist eine Lagebeschreibung eines Landes, in dem \u00d6ffentlichkeit nur noch in Restbest\u00e4nden vorkommt.<\/p>\n<p>Get\u00f6tet, verschleppt, eingesch\u00fcchtert<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die h\u00e4rteste Form der Zensur bleibt die einfachste: Man erschie\u00dft den \u00dcberbringer. CPJ dokumentiert bis Mitte April 2026 <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press\/amp\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mindestens 16 get\u00f6tete Journalist:innen<\/a> und Medienarbeiter; viele seien in ihren H\u00e4usern, auf der Flucht oder bei der Arbeit get\u00f6tet worden. CPJ h\u00e4lt fest, dass die meisten von ihnen durch RSF-Kr\u00e4fte starben, darunter durch Drohnenangriffe, die mindestens <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press\/amp\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">f\u00fcnf Medienschaffende<\/a> das Leben kosteten. Amjambo Africa schrieb bereits im Oktober 2025, <a href=\"https:\/\/www.amjamboafrica.com\/journalists-targeted-amid-sudans-war-stories-from-the-ground\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">der Sudan z\u00e4hle seit Beginn des B\u00fcrgerkriegs<\/a> zu den gef\u00e4hrlichsten L\u00e4ndern Afrikas f\u00fcr Journalist:innen; der Verband habe \u201e<a href=\"https:\/\/www.amjamboafrica.com\/journalists-targeted-amid-sudans-war-stories-from-the-ground\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mehr als 30<\/a>\u201c get\u00f6tete Journalisten registriert. Auch die <a href=\"https:\/\/www.amjamboafrica.com\/journalists-targeted-amid-sudans-war-stories-from-the-ground\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Internationale Journalisten-F\u00f6deration f\u00fchrte den Sudan 2024 als t\u00f6dlichstes Land Afrikas<\/a> f\u00fcr die Presse an, zitiert von Amjambo.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Man kann solche Zahlen nebeneinanderstellen und sie als statistische Unsch\u00e4rfe abtun. Treffender w\u00e4re: Sie zeigen die Struktur des Verbrechens. Wo Medienh\u00e4user zerst\u00f6rt, Archive verbrannt, Reporter ins Exil gedr\u00e4ngt und Kommunikationswege gekappt werden, wird nicht nur das Berichten unm\u00f6glich; es wird auch die sp\u00e4tere Rekonstruktion der Verbrechen sabotiert. Der tote Journalist soll im Idealfall nicht einmal mehr als gezielt get\u00f6teter Journalist erscheinen, sondern als namenlose Kriegsfolge. Es ist die alte Methode autorit\u00e4rer Gewalt, nur technisch aktualisiert: erst vernichten, dann verunklaren.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn war erkennbar, worauf das hinausl\u00e4uft. Al Jazeera berichtete im Mai 2023 von Drohlisten, auf <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2023\/5\/16\/silencing-dissent-journalists-in-sudan-face-threats-raids\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">denen Journalisten als Verr\u00e4ter markiert wurden. Mohi el-deen Jibril sagte damals: \u201eSeitdem habe ich viele Drohungen erhalten. Zwei schrieben mir \u00fcber WhatsApp und sagten, dass sie mich als N\u00e4chstes holen w\u00fcrden<\/a>\u201c. Abdelmoneim Abu Idriss, Vorsitzender der Journalistenvereinigung, beschrieb das Prinzip n\u00fcchtern: \u201e<a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2023\/5\/16\/silencing-dissent-journalists-in-sudan-face-threats-raids\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die [Drohungen] kommen von beiden Seiten<\/a>\u201c. Wer noch Neutralit\u00e4t beanspruchte, machte sich verd\u00e4chtig. In manchen Kriegen wird Wahrheit zur ersten Gefallenen. Im Sudan wurde sie fr\u00fch als feindlicher Kombattant eingestuft.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Dass diese Bedrohung nicht nur rhetorisch war, zeigen die Berichte aus El Fasher. <a href=\"https:\/\/rsf.org\/en\/after-torture-flight-two-sudanese-journalists-describe-el-fasher-hell\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Reporter ohne Grenzen schilderte im November 2025<\/a> die Aussagen zweier Journalisten, die nach dem Angriff der RSF auf die Stadt flohen. Einer sagte: \u201e<a href=\"https:\/\/rsf.org\/en\/after-torture-flight-two-sudanese-journalists-describe-el-fasher-hell\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Alle flohen vor dem Inferno der Flammen<\/a>\u201c. Nach seiner Flucht sei er von RSF-K\u00e4mpfern festgenommen, geschlagen, gedem\u00fctigt und mit dem Tod bedroht worden. Ein anderer berichtete von \u201e<a href=\"https:\/\/rsf.org\/en\/after-torture-flight-two-sudanese-journalists-describe-el-fasher-hell\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">willk\u00fcrlichen Verhaftungen, Erpressung, Folterverh\u00f6ren, rassistischen Beleidigungen und Morddrohungen<\/a>\u201c; er habe alle Hinweise auf seinen Beruf vom Handy gel\u00f6scht, weil er \u201e<a href=\"https:\/\/rsf.org\/en\/after-torture-flight-two-sudanese-journalists-describe-el-fasher-hell\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nicht als Journalist anerkannt<\/a>\u201c worden sei . Das ist mehr als Repression. Es ist die Aufhebung des zivilen Status. Der Journalist wird nicht mehr als Tr\u00e4ger eines gesch\u00fctzten Berufs betrachtet, sondern als vogelfreies Wesen zwischen Fronten.<\/p>\n<p>Verschwindenlassen und die Kunst, Spuren auszul\u00f6schen<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Noch wirksamer als Mord kann das Verschwindenlassen sein. Tote k\u00f6nnen gez\u00e4hlt werden, Vermisste nicht zuverl\u00e4ssig. CPJ bezeichnet gewaltsames Verschwindenlassen als eines der alarmierendsten Muster des Krieges, vor allem in von der RSF kontrollierten Gebieten. Bis Mitte April 2026 galten laut CPJ <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press\/amp\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mindestens sieben Journalist:innen im Sudan als vermisst<\/a>. Beim Fall von <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2025\/10\/as-sudans-el-fasher-falls-the-world-loses-sight-of-its-journalists\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">El Fasher im Oktober 2025 erhielt CPJ Berichte \u00fcber mindestens 13 Journalist:innen<\/a>, die beim Versuch, die Belagerung zu verlassen, verschwanden.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Radio Dabanga meldete kurz nach der Einnahme El Fashers, unter rund 20 dort verbliebenen Medienschaffenden sei der Kontakt zu <a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\/all-news\/article\/five-journalists-detained-by-rsf-in-north-darfurs-el-fasher-seven-missing-amid-media-blackout\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sieben komplett abgerissen<\/a>; zw\u00f6lf h\u00e4tten fliehen k\u00f6nnen, <a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\/all-news\/article\/five-journalists-detained-by-rsf-in-north-darfurs-el-fasher-seven-missing-amid-media-blackout\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">f\u00fcnf seien von der RSF festgenommen worden<\/a>. Unter den Festgenommenen: der <a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\/all-news\/article\/five-journalists-detained-by-rsf-in-north-darfurs-el-fasher-seven-missing-amid-media-blackout\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Journalist Muammar Ibrahim<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\/all-news\/article\/five-journalists-detained-by-rsf-in-north-darfurs-el-fasher-seven-missing-amid-media-blackout\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fotojournalist Ibrahim Jibril<\/a> Abkar. CPJ nannte <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press\/amp\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Muammar Ibrahim<\/a> im April 2026 ausdr\u00fccklich als Journalisten, der zuletzt im Oktober 2025 in RSF-Gewahrsam gesehen worden sei. Ebenso vermisst: <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press\/amp\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mawaheb Ibrahim, Zahraa Mohammed al-Hassan und Ishraqah Abdulrahman, seit ihrer Festnahme in Nyala<\/a> im Februar ohne Lebenszeichen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die RSF regiert vielfach durch unmittelbare Gewaltherrschaft. Die SAF versucht stellenweise, der Gewalt eine administrative Form zu geben.\u00a0<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Wer verschwindet, verschwindet im Sudan nicht blo\u00df r\u00e4umlich. Er verschwindet aus Verfahren, aus Nachrichtenlagen, aus \u00f6ffentlicher \u00dcberpr\u00fcfbarkeit. Gerade in einem Krieg, in dem beide Seiten die Kommunikationskan\u00e4le sabotieren, hat das eine politische Funktion. Die L\u00fccke ist Teil der Botschaft. Das erzwungene Nichtwissen diszipliniert die anderen. Es sagt den Kolleginnen und Kollegen: Ihr k\u00f6nnt nicht einmal sicher sein, dass eure Namen sp\u00e4ter auf einer Liste stehen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die Berichte aus El Fasher machen deutlich, dass dieses Nichtwissen nicht zuf\u00e4llig entsteht, sondern produziert wird. Radio Dabanga sprach von einem \u201e<a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\/all-news\/article\/five-journalists-detained-by-rsf-in-north-darfurs-el-fasher-seven-missing-amid-media-blackout\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">vollst\u00e4ndigen Kommunikations- und Internetausfall<\/a>\u201c, der verl\u00e4ssliche Informationen \u00fcber die humanit\u00e4re Lage und die Zahl der Vermissten extrem erschwere und \u201e<a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\/all-news\/article\/five-journalists-detained-by-rsf-in-north-darfurs-el-fasher-seven-missing-amid-media-blackout\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die Verbreitung von Fehlinformationen und die Unterdr\u00fcckung von Fakten<\/a>\u201c beg\u00fcnstige. Information verschwindet hier nicht trotz Belagerung, sondern durch sie.<\/p>\n<p>Zwei Apparate, ein Ziel: Kontrolle<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Es w\u00e4re bequem, diese Gewalt allein der RSF zuzuschreiben. Bequemer, als die gesamte Architektur der Repression anzusehen. Tats\u00e4chlich zeigen die Quellen zwei verschiedene Muster, die sich in der Wirkung \u00e4hneln. In RSF-Gebieten dominieren Entf\u00fchrungen, sexuelle Gewalt, Verschwindenlassen, willk\u00fcrliche Haft und direkte T\u00f6tung. In SAF-Gebieten treten Verhaftungen, juristische Schikane, Reiseverbote, Lizenzdruck und Betriebsschlie\u00dfungen hervor. Das eine wirkt roher, das andere ordentlicher. F\u00fcr die Pressefreiheit ist der Unterschied \u00fcberschaubar.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">CPJ h\u00e4lt fest, dass in den von der SAF kontrollierten Gebieten ein Anstieg von Festnahmen und juristischer Einsch\u00fcchterung zu beobachten sei. <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press\/amp\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Journalist:innen seien bei der Arbeit festgenommen<\/a>, der Zusammenarbeit mit dem Gegner beschuldigt oder wegen angeblicher \u201e<a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press\/amp\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vort\u00e4uschung journalistischer T\u00e4tigkeit<\/a>\u201c angeklagt worden. Genannt werden unter anderem die kurzzeitigen Festnahmen <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press\/amp\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">von Hajar Sulaiman und Miyahelnil Elmubarak im M\u00e4rz 2026<\/a>; au\u00dferdem setzte das Informationsministerium im April 2026 die unabh\u00e4ngige <a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/ar\/all-news\/article\/%D8%A3%D8%B2%D9%85%D8%A9-%D8%B3%D9%88%D8%AF%D8%A7%D9%86%D9%8A%D8%A9-24-%D8%AC%D8%AF%D9%84-%D8%AE%D8%B7%D8%A7%D8%A8-%D8%A7%D9%84%D9%83%D8%B1%D8%A7%D9%87%D9%8A%D8%A9-%D9%88%D8%A5%D8%AC%D8%B1%D8%A7\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Plattform Sudania 24 au\u00dfer Betrieb<\/a>.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Das Al Jazeera Media Institute beschrieb schon im September 2025, dass es weder in den von <a href=\"https:\/\/institute.aljazeera.net\/en\/ajr\/article\/3364\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">SAF noch in den von RSF kontrollierten Gebieten sichere Zonen f\u00fcr Journalisten gebe<\/a>. Sara Qudah vom CPJ sagte dort: \u201e<a href=\"https:\/\/institute.aljazeera.net\/en\/ajr\/article\/3364\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Beide Kriegsparteien haben wiederholt Mitglieder der Presse ins Visier genommen<\/a>\u201c; viele arbeiteten \u201e<a href=\"https:\/\/institute.aljazeera.net\/en\/ajr\/article\/3364\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">v\u00f6llig ohne Schutzausr\u00fcstung, Sicherheitsvorkehrungen oder institutionelle Unterst\u00fctzung<\/a>\u201c. <a href=\"https:\/\/institute.aljazeera.net\/en\/ajr\/article\/3364\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Oussama Bouagila von Reporter ohne Grenzen<\/a> erg\u00e4nzte, in milit\u00e4risch kontrollierten Gebieten seien Journalisten <a href=\"https:\/\/institute.aljazeera.net\/en\/ajr\/article\/3364\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">strenger Zensur<\/a> unterworfen und w\u00fcrden <a href=\"https:\/\/institute.aljazeera.net\/en\/ajr\/article\/3364\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">unter Druck gesetzt, die offizielle Linie zu \u00fcbernehmen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Das ist die eine Gemeinsamkeit: Beide Seiten wollen Deutungshoheit. Der Unterschied liegt eher in der Stilfrage des Autoritarismus. Die RSF regiert vielfach durch unmittelbare Gewaltherrschaft. Die SAF versucht stellenweise, der Gewalt eine administrative Form zu geben. Der Effekt bleibt \u00e4hnlich: Unabh\u00e4ngige Berichterstattung wird aus dem \u00f6ffentlichen Raum gedr\u00e4ngt. Der Staat im engeren Sinn erscheint dann nicht als Gegenmodell zur Miliz, sondern als ihre b\u00fcrokratisch begabtere Variante.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Schon 2023 war diese Logik sichtbar. Al Jazeera zitierte <a href=\"https:\/\/www.womenpeacesecurity.org\/peacebuilder\/kholood-khair\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kholood Khai<\/a>r \u00a0Sudan-Expertin und Gr\u00fcndungsdirektorin des Thinktanks <a href=\"https:\/\/confluenceadvisory.co.uk\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Confluence Advisory<\/a>,\u00a0 mit dem Satz \u201e<a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2023\/5\/16\/silencing-dissent-journalists-in-sudan-face-threats-raids\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sie stehen nicht nur gegeneinander \u2026 sondern sie sind sehr eng miteinander verbunden und waren es schon immer \u2026 darin, die Teile des Staates und des sudanesischen politischen Lebens zu zerst\u00f6ren, die ihnen nicht gefallen<\/a>\u201c. Selten wurde die Gemeinsamkeit der Gegner pr\u00e4ziser beschrieben. Sie bek\u00e4mpfen einander milit\u00e4risch und \u00e4hneln einander politisch. Das ist weniger paradox, als es klingt. B\u00fcrgerkriege erzeugen oft Feindschaften zwischen \u00e4hnlichen Herrschaftsinteressen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Hunger, Blackout, Propaganda: der Informationskrieg<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die Zerst\u00f6rung von Journalismus im Sudan geschieht nicht nur durch Gewalt gegen Personen. Sie geschieht auch materiell. UNESCO berichtete im Juni 2025, <a href=\"https:\/\/www.unesco.org\/en\/articles\/despite-dire-circumstances-journalists-sudan-continue-their-work-remarkable-resilience\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">rund 90 Prozent der Medieninfrastruktur des Landes seien zerst\u00f6rt und etwa 1.000 Journalist:innen vertrieben worden<\/a>; dadurch seien gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung von lebenswichtigen Informationen abgeschnitten . International Media Support zitierte das Sudan Media Forum mit einer \u00e4hnlichen Diagnose: Sch\u00e4tzungsweise <a href=\"https:\/\/www.mediasupport.org\/blogpost\/silence-kills-the-state-of-media-in-war-torn-sudan\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">90 Prozent der sudanesischen Medienh\u00e4user seien zerst\u00f6rt, 27 Zeitungen h\u00e4tten den Betrieb eingestellt, von einst etwa 1.500 aktiven Journalisten seien nur noch 250 bis 300 aktiv, davon rund 70 in Konfliktgebieten<\/a> . Die \u00dcbereinstimmung ist hier wichtiger als die Rundung. Ein Mediensektor existiert noch als Fragment.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Dazu kommen Stromausf\u00e4lle, Internetsperren und blockierte Verkehrswege. In El Fasher bedeutete die Belagerung nicht nur Hunger, sondern auch eine Informationsblockade. Amjambo Africa berichtete, die RSF habe die Stadt seit Mai 2024 eingekesselt; ein Journalist sagte dem CPJ: \u201e<a href=\"https:\/\/www.amjamboafrica.com\/journalists-targeted-amid-sudans-war-stories-from-the-ground\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Man hat uns dem langsamen Tod \u00fcberlassen<\/a>\u201c. Ein anderer formulierte den Zusammenhang von Hunger und Schweigen offen: \u201e<a href=\"https:\/\/www.amjamboafrica.com\/journalists-targeted-amid-sudans-war-stories-from-the-ground\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hunger ist hier eine Waffe. Sie wollen uns zum Schweigen bringen, indem sie uns zu schwach machen, um zu sprechen<\/a>\u201c. In solchen S\u00e4tzen verr\u00e4t der Krieg seine Grammatik. Nahrung wird zur Waffe, Ersch\u00f6pfung zur Zensurtechnik.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Parallel dazu f\u00fchren beide Seiten einen Krieg der Desinformation. Free Press Unlimited beschrieb im November 2025 koordinierte Medienkampagnen, manipulierte Bilder, irref\u00fchrende Aussagen und den Missbrauch von Meta-Beschwerdesystemen, um journalistische Accounts sperren zu lassen. IMS schrieb von \u201e<a href=\"https:\/\/www.mediasupport.org\/blogpost\/silence-kills-the-state-of-media-in-war-torn-sudan\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tausenden von Desinformationsbeitr\u00e4gen in sozialen Medien<\/a>\u201c, die von RSF und Milit\u00e4r verbreitet w\u00fcrden, um ihre Positionen zu propagieren und Gegner anzugreifen . Radio Dabanga formulierte es knapper: \u201e<a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\/all-news\/article\/five-journalists-detained-by-rsf-in-north-darfurs-el-fasher-seven-missing-amid-media-blackout\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Neben der direkten Gewalt tobt ein Krieg der Desinformation, der die Krise versch\u00e4rft<\/a>\u201c.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Wer Journalistinnen sexualisierte Gewalt zuf\u00fcgt, greift nicht nur Individuen an, sondern auch die M\u00f6glichkeit, dass Frauen als dokumentierende, kommentierende, widersprechende Stimmen sichtbar bleiben.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Das ist der Punkt, an dem Zensur und Propaganda zusammenfallen. Wo unabh\u00e4ngige Quellen verschwinden, muss nicht einmal eine besonders gute L\u00fcge installiert werden. Es gen\u00fcgt, genug schlechte Wirklichkeiten in Umlauf zu bringen. Wahrheit verliert dann nicht, weil die Gegenwahrheit st\u00e4rker w\u00e4re, sondern weil die \u00dcberpr\u00fcfbarkeit zerf\u00e4llt. Das Publikum wird nicht \u00fcberzeugt, sondern ermattet.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Frauen im Visier, Exil als letzter Redaktionsraum<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Besonders sichtbar wird die Methode des Krieges im Umgang mit Journalistinnen. CPJ verweist auf <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press\/amp\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">geschlechtsspezifische Gewalt<\/a>, die insbesondere durch die RSF als Kriegswaffe eingesetzt werde; <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/sudans-3-years-of-war-impunity-and-the-silencing-of-the-press\/amp\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Reporterinnen seien Bel\u00e4stigung, Vergewaltigung und Drohungen<\/a> ausgesetzt. Das sudanesische Journalisten-Syndikat warnte Ende November 2025, Frauen seien von digitaler Gewalt \u201e<a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\/all-news\/article\/sjs-32-journalists-killed-in-sudan-since-start-of-war\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00fcberproportional betroffen<\/a>\u201c; gemeint sind systematisches <a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\/all-news\/article\/sjs-32-journalists-killed-in-sudan-since-start-of-war\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mobbing, Verleumdung und Verletzungen der Privatsph\u00e4re<\/a> . Amjambo Africa zitierte Berichte des Darfur Women Journalists Forum das \u201e<a href=\"https:\/\/www.amjamboafrica.com\/journalists-targeted-amid-sudans-war-stories-from-the-ground\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">seit Kriegsbeginn mindestens sechs Vergewaltigungsf\u00e4lle von Journalistinnen dokumentiert [hat] \u2013 vier davon allein in El Fasher.<\/a>\u201c.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Hier wird nicht nur K\u00f6rpergewalt ausge\u00fcbt. Es werden Perspektiven aus dem \u00f6ffentlichen Raum entfernt. Wer Journalistinnen sexualisierte Gewalt zuf\u00fcgt, greift nicht nur Individuen an, sondern auch die M\u00f6glichkeit, dass Frauen als dokumentierende, kommentierende, widersprechende Stimmen sichtbar bleiben. Die patriarchale Ordnung des Krieges macht sich ihre alte Gewohnheit zunutze: Was nicht gehorcht, soll besch\u00e4mt werden; was sich nicht besch\u00e4men l\u00e4sst, soll verschwinden.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Und doch bleibt etwas bestehen. UNESCO beschrieb im Juni 2025 die \u201e<a href=\"https:\/\/www.unesco.org\/en\/articles\/despite-dire-circumstances-journalists-sudan-continue-their-work-remarkable-resilience\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">remarkable resilience<\/a>\u201c sudanesischer Journalist:innen. Das Sudan Media Forum, Anfang 2024 gegr\u00fcndet, versucht mit <a href=\"https:\/\/www.unesco.org\/en\/articles\/despite-dire-circumstances-journalists-sudan-continue-their-work-remarkable-resilience\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gemeinsamer Redaktion, Faktenpr\u00fcfung und mehrsprachigen Inhalten eine Gegen\u00f6ffentlichkeit<\/a> aufrechtzuerhalten. <a href=\"https:\/\/www.freepressunlimited.org\/en\/current\/press-freedom-sudan-continues-crumble\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Free Press Unlimited<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.mediasupport.org\/blogpost\/silence-kills-the-state-of-media-in-war-torn-sudan\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">IMS<\/a> und andere Quellen nennen zudem <a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Radio Dabanga<\/a> als eine der letzten verl\u00e4sslichen Informationsquellen, die aus dem Exil weiter sendet. In Fl\u00fcchtlingslagern, so Free Press Unlimited, versammelten sich oft <a href=\"https:\/\/www.freepressunlimited.org\/en\/current\/press-freedom-sudan-continues-crumble\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zehn bis zwanzig Menschen um ein einziges Radio<\/a>, um zu erfahren, wo es noch <a href=\"https:\/\/www.freepressunlimited.org\/en\/current\/press-freedom-sudan-continues-crumble\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wasser, Nahrung oder medizinische Hilfe<\/a> gebe .<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Darin liegt die bitterste Pointe dieses Krieges. Je weiter die \u00d6ffentlichkeit zerst\u00f6rt wird, desto elementarer wird Journalismus. Er ist dann nicht mehr nur Kontrolle der Macht oder Forum des Meinungsstreits, sondern eine Infrastruktur des \u00dcberlebens. Wo Konvois nicht durchkommen, kann eine verl\u00e4ssliche Meldung \u00fcber einen sicheren Weg mehr wert sein als jeder Leitartikel. Und wo die Welt den Sudan zum \u201e<a href=\"https:\/\/www.mediasupport.org\/blogpost\/silence-kills-the-state-of-media-in-war-torn-sudan\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">vergessenen Konflikt<\/a>\u201c herabstuft, wie IMS schrieb wird jeder noch gesendete Satz zur Form des Widerstands gegen die zweite T\u00f6tung: die T\u00f6tung durch Nichtbeachtung.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Am Ende bedeutet das alles mehr als einen Angriff auf einen Berufsstand. Wenn Reporter ermordet, Redaktionen gepl\u00fcndert, Archive verbrannt, Netze gekappt und Fakten durch Propaganda ersetzt werden, verschwindet nicht blo\u00df Berichterstattung. Es verschwindet die gemeinsame Wirklichkeit, auf die sich Gesellschaft \u00fcberhaupt noch beziehen kann. Der Krieg im Sudan ist deshalb nicht nur ein Krieg um Territorien, Rohstoffe und Staatsgewalt. Er ist, in sehr w\u00f6rtlichem Sinn, ein Krieg gegen die M\u00f6glichkeit, ihn zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Wer das f\u00fcr einen Nebenschauplatz h\u00e4lt, verwechselt \u00d6ffentlichkeit mit Komfort. F\u00fcr Gesellschaften im Frieden mag Journalismus gelegentlich wie ein l\u00e4stiges Korrektiv erscheinen; im Krieg zeigt sich, dass er n\u00e4her an Wasserleitungen liegt als an Dekoration. Ohne ihn bleibt von der Wirklichkeit oft nur das \u00fcbrig, was die Bewaffneten von ihr \u00fcbriglassen wollen. Das ist im Sudan l\u00e4ngst nicht mehr eine Gefahr. Es ist ein Verfahren.Formularbeginn<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Drei Jahre Krieg im Sudan und die systematische Zerst\u00f6rung der \u00d6ffentlichkeit. Am 15. 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