{"id":1700,"date":"2026-04-18T18:33:37","date_gmt":"2026-04-18T18:33:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/1700\/"},"modified":"2026-04-18T18:33:37","modified_gmt":"2026-04-18T18:33:37","slug":"diamantenkrise-arbeitslosigkeit-in-botswana-steigt-neue-hoffnung-im-tourismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/1700\/","title":{"rendered":"Diamantenkrise: Arbeitslosigkeit in Botswana steigt \u2013 neue Hoffnung im Tourismus?"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber Jahrzehnte haben die begehrten Edelsteine die Entwicklung des s\u00fcdafrikanischen Landes getragen. Billigere synthetisch hergestellte Varianten lassen nun die Exporte aber einbrechen. Botswana muss handeln. Daraus ergeben sich auch neue Chancen f\u00fcr den Fremdenverkehr.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Diamanten bestimmen ihr Leben. Die wertvollen Edelsteine haben Keorapetse Koko bislang all das erm\u00f6glicht, was sie und ihre Familie brauchten. Jetzt sitzt die Diamantschleiferin aus <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/botswana\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/botswana\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Botswana<\/a> ratlos auf ihrem abgenutzten Sofa in einem Dorf am Rande der Hauptstadt Gaborone und fragt sich, was passiert ist. Seit einigen Monaten ist sie arbeitslos.<\/p>\n<p>Wie konnte das Gesch\u00e4ft mit den Diamanten so schnell, so abrupt einbrechen? Wie konnte ihr bisher so verl\u00e4ssliches Einkommen wegfallen? Kokos ganzes berufliche Leben war auf die Steine gebaut \u2013 ebenso wie die Wirtschaft des gesamten Landes.<\/p>\n<p>Diamanten haben Botswana dazu verholfen, von einem der \u00e4rmsten L\u00e4nder des Kontinents zu einem der erfolgreichsten zu werden. Die Vorkommen wurden 1967 entdeckt, unmittelbar nach der Unabh\u00e4ngigkeit von <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/grossbritannien-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/grossbritannien-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gro\u00dfbritannien<\/a> im Jahr zuvor. Das s\u00fcdafrikanische Land wurde, am Wert der Steine gemessen, zur Nummer eins der weltweiten Diamantengewinnung. Mengenm\u00e4\u00dfig musste es sich nur <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/russland-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/russland-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a> geschlagen geben.<\/p>\n<p>Die Diamanten, die Koko und Tausende Landsleute ausgruben und schliffen, legten den Grundstein f\u00fcr Infrastruktur, Bildung, Gesundheitswesen. \u00dcber Jahrzehnte hinweg konzentrierte sich Botswana auf den wertvollen Rohstoff \u2013 mit gro\u00dfem Erfolg. Das lag auch daran, dass das Land es schaffte, die Schlingen von Korruption und Machtk\u00e4mpfen zu umgehen, die anderen zum Verh\u00e4ngnis wurden.<\/p>\n<p>Diamanten f\u00fcllten die Staatskasse<\/p>\n<p>\u201eDiamanten haben unser Land aufgebaut\u201c, sagt Joseph Tsimako, der Pr\u00e4sident der Minenarbeitergewerkschaft. \u201eInmitten einer sich ver\u00e4ndernden Welt m\u00fcssen wir jetzt einen Weg finden, um sicherzustellen, dass sie nicht das Leben der Menschen zerst\u00f6ren, die beim Aufbau geholfen haben.\u201c<\/p>\n<p>Denn inzwischen steht Botswana unter wachsendem Druck. Billigere laborgez\u00fcchtete Diamanten, vor allem aus <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/china-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/china-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">China<\/a> und <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/indien-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/indien-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Indien<\/a>, sorgen f\u00fcr starke Konkurrenz. Die Exporte der wertvollen Steine, die etwa 80 Prozent der Einnahmen des Landes ausmachten und ein Drittel der Regierungskasse f\u00fcllten, sind eingeknickt. Im zweiten Quartal 2025 verzeichnete die nationale Statistikbeh\u00f6rde einen Einbruch um 43 Prozent in der Diamantenproduktion. Das ist der st\u00e4rkste R\u00fcckgang seit Beginn des modernen Bergbaus.<\/p>\n<p>Synthetische Diamanten seien zu einer harten Konkurrenz geworden, erkl\u00e4rt Siddarth Gothi, der Vorsitzende des botswanischen Verbands der Diamantenindustrie. Diese Steine kamen in den 1950er-Jahren f\u00fcr die industrielle Nutzung auf.<\/p>\n<p>In den 1970er-Jahren erreichten sie Juwelenqualit\u00e4t. Inzwischen machen sie fast 20 Prozent der weltweiten Verk\u00e4ufe aus, vor zehn Jahren war es gerade einmal ein Prozent. Ihr Preis liegt bis zu 80 Prozent unter den nat\u00fcrlichen Diamanten.<\/p>\n<p>Anzeigen und Videos in sozialen Medien befeuern den Aufstieg der Labordiamanten. Dort werden die unter hoher Hitze und enormem Druck produzierten Steine als billigere, garantiert konfliktfreie und \u00f6kologischere Alternative zu den in \u00fcber Milliarden Jahren entstandenen nat\u00fcrlichen Diamanten beworben.<\/p>\n<p>An der Umweltfreundlichkeit der gez\u00fcchteten Steine indes scheiden sich die Geister. Zwar kann der Abbau in Minen laut Umweltgruppen zu Abholzung und Zerst\u00f6rung von Lebensr\u00e4umen f\u00fchren, Boden und Wasser verschmutzen. Doch die Produktion der Labordiamanten ist den Kritikern zufolge sehr energieintensiv \u2013 oft unter Einsatz fossiler Brennstoffe.<\/p>\n<p>Von einem \u201eRandph\u00e4nomen\u201c h\u00e4tten sich die synthetischen Diamanten zu einer \u201ebeispiellosen Flut\u201c entwickelt, erkl\u00e4rte vor wenigen Monaten der Pr\u00e4sident des Weltverbands der Diamantenb\u00f6rsen (WFDB), Yoram Dvash. Diese werde zur Bedrohung f\u00fcr den Wert und die Zukunft der Naturdiamanten. Seit 2022 seien deren Preise um etwa 30 Prozent gesunken, die Industrie stehe damit an einem kritischen Punkt.<\/p>\n<p>Gold, Silber, Tourismus<\/p>\n<p>Mit einer globalen Marketingkampagne stellen sich Botswana, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/angola\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/angola\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Angola<\/a>, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/namibia-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/namibia-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Namibia<\/a>, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/suedafrika-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/suedafrika-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">S\u00fcdafrika<\/a> und der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/kongo\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/kongo\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kongo<\/a> gemeinsam gegen den Trend. Sie einigten sich im Juni darauf, ein Prozent ihres j\u00e4hrlichen Diamanteneinkommens in die gezielte Werbung f\u00fcr ihre Natursteine zu stecken. Teil der Kampagne unter F\u00fchrung der gemeinn\u00fctzigen Organisation NDC sind auch gro\u00dfe Unternehmen wie De Beers und Rio Tinto.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrliche Diamanten wieder begehrenswert zu machen, sei unabdingbar zum Schutz der produzierenden Volkswirtschaften, betont Kristina Buckley Kayel, NDC-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin f\u00fcr Nordamerika. Das gelte vor allem f\u00fcr die L\u00e4nder im s\u00fcdlichen Afrika.<\/p>\n<p>Botswana muss sich nun st\u00e4rker auf andere Rohstoffe wie Gold, Silber und Uran st\u00fctzen und den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/tourismus\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/tourismus\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tourismus<\/a> forcieren. Vielversprechende Ankn\u00fcpfungspunkte g\u00e4be es im Fremdenverkehr viele: Das Land, \u00f6stlicher Nachbar des touristisch besser erschlossenen Namibia, ist landschaftlich vielf\u00e4ltig, es ist gepr\u00e4gt von Savannen und Salzpfannen, der Kalahari-W\u00fcste und dem Okavango-Delta als gr\u00f6\u00dftem Binnendelta der Welt. Die Wildtierdichte f\u00fcr Safariliebhaber ist gro\u00df.  <\/p>\n<p>Die arbeitslose Keorapetse Koko aber macht sich wenig Hoffnung. \u201eIch habe Schulden und ich wei\u00df nicht, wie ich sie abzahlen soll\u201c, sagt sie. \u201eIch war die Brotverdienerin einer Gro\u00dffamilie\u201c, erkl\u00e4rt sie.<\/p>\n<p>\u201eJetzt wei\u00df ich nicht einmal, wie ich meine eigene Familie ern\u00e4hren soll.\u201c Einen anderen Job zu finden, sei sehr schwer. Ihr Schicksal h\u00e4ngt an den Diamanten: \u201eDas was ich gelernt habe, braucht es nur in der Diamantenindustrie\u201c, sagt Koko. Wom\u00f6glich aber er\u00f6ffnen sich, wenn nicht f\u00fcr Keorapetse Koko, dann aber f\u00fcr andere Menschen im Land neue M\u00f6glichkeiten im Tourismus auf.<\/p>\n<p>AP<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00dcber Jahrzehnte haben die begehrten Edelsteine die Entwicklung des s\u00fcdafrikanischen Landes getragen. 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