{"id":17043,"date":"2026-05-14T18:12:39","date_gmt":"2026-05-14T18:12:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/17043\/"},"modified":"2026-05-14T18:12:39","modified_gmt":"2026-05-14T18:12:39","slug":"drohung-gegen-nigeria-trump-spricht-von-religionskrieg-doch-es-ist-weitaus-komplexer-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/17043\/","title":{"rendered":"Drohung gegen Nigeria: Trump spricht von Religionskrieg, doch es ist weitaus komplexer &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">An <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Nigeria\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nigeria<\/a> zeigte <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Donald_Trump\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Donald Trump<\/a> lange keinerlei Interesse, zumindest \u00f6ffentlich. Das hat sich abrupt ver\u00e4ndert, seitdem er am Freitag einen Post auf seiner Plattform Truth Social absetzte. Darin beklagte der US-Pr\u00e4sident mit Ausrufezeichen, dass das \u201e<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Christentum\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christentum<\/a> einer existenziellen Bedrohung in Nigeria\u201c ausgesetzt sei. Islamisten begingen dort Massenmord an Tausenden Christen, schrieb Trump. Und legte am Samstag nach: Falls Nigerias Regierung das weiter zulasse, w\u00fcrden die USA eingreifen, mit voller Kraft, um die Islamisten auszul\u00f6schen. An Bord der Air Force One fragte ihn schlie\u00dflich ein Reporter, ob er Luftschl\u00e4ge oder Bodentruppen f\u00fcr Nigeria erw\u00e4ge, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Darauf antwortete der US-Pr\u00e4sident: \u201eDas k\u00f6nnte sein. Aber auch andere Dinge. Ich kann mir vieles vorstellen.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Da war sie also, die Androhung einer milit\u00e4rischen US-Intervention im bev\u00f6lkerungsreichsten Land Afrikas. Und so, wie Trump den Konflikt in Nigeria darstellt, st\u00f6\u00dft er auf vielstimmigen Widerspruch, vor allem in Nigeria selbst.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zwar bezweifelt nicht einmal die dortige Regierung unter Pr\u00e4sident Bola Tinubu, dass das Land mit erheblichen Sicherheitsproblemen zu k\u00e4mpfen hat. Aber Gewalt und Schutzlosigkeit im Alltag ist ein nigerianisches Dauerthema, mit sehr vielen Facetten und Ursachen. Kein seri\u00f6ser Analyst, der sich mit Nigeria besch\u00e4ftigt, k\u00e4me wohl auf die Idee, die Gemengelage derart zu verzerren, dass daraus ein Religionskrieg gegen Christen \u2013 oder gar eine \u201eExistenzbedrohung des Christentums\u201c wird, wie Trump behauptet.<\/p>\n<p>Blutige Konflikte zwischen muslimischen Hirten und christlichen Bauern gibt es seit Jahrzehnten<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Daniel Bwala, Sonderberater des nigerianischen Pr\u00e4sidenten, formulierte es h\u00f6flich, als er sagte, Trumps Aussagen seien \u201enicht w\u00f6rtlich\u201c zu nehmen, der US-Pr\u00e4sident pflege eben einen ganz eigenen Kommunikationsstil. In der Sache wies er Darstellungen zur\u00fcck, wonach ein V\u00f6lkermord an Christen in Nigeria im Gange sei, eine unbelegte Behauptung, die unter rechten Trump-Unterst\u00fctzern in den USA schon l\u00e4nger kursiert, und nun wom\u00f6glich Trump dazu bewegte, seine Drohungen \u00f6ffentlich zu formulieren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auf welche angeblichen Massent\u00f6tungen sich der US-Pr\u00e4sident konkret bezieht, lie\u00df Trump im Unklaren. Nigeria ist von 220 Millionen Menschen bev\u00f6lkert, im Norden dominiert der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Islam\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Islam<\/a>, im S\u00fcden leben \u00fcberwiegend Christen. Besonders in Zentralnigeria kommt es schon seit Jahrzehnten zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Hirten muslimischen Glaubens und Ackerbauern, die h\u00e4ufig christlichen Gemeinden angeh\u00f6ren. Befeuert werden die Konflikte durch den h\u00e4rter werdenden Wettbewerb um Land und Wasser in der Region. Angriffe oder \u00dcberf\u00e4lle der einen Seite l\u00f6sen meist Vergeltungsschl\u00e4ge der anderen aus, sodass mit der Zeit tiefgreifendes Misstrauen und auch viel Hass zwischen den Gruppen gewachsen ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/520bc13f-dbd6-474a-961a-9cd1f8b69aeb.jpg\"   alt=\"Die Terroristen von Boko Haram vertreiben Menschen aus ihren Orten: Hier kehren 2024 die Bewohner nach neun Jahren nach Borno zur\u00fcck.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Die Terroristen von Boko Haram vertreiben Menschen aus ihren Orten: Hier kehren 2024 die Bewohner nach neun Jahren nach Borno zur\u00fcck. Adam Abu-bashal\/IMAGO\/Anadolu Agency<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Gewalt ver\u00fcben Gruppen auf beiden Seiten, das hat Spaltpotenzial und untergr\u00e4bt Nigerias Zusammenhalt, aber den Vielv\u00f6lkerstaat haben diese Auseinandersetzungen \u2013 trotz vieler Bef\u00fcrchtungen \u2013 bisher nicht gesprengt. Religi\u00f6s motiviert sind solche Zusammenst\u00f6\u00dfe nicht, sie haben ihre Wurzeln in der Konkurrenz um Land und Ressourcen, Spannungen, die ein zunehmender Klimawandel weiter versch\u00e4rfen d\u00fcrfte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Trump droht in seinen Posts islamistischen Terroristen, die nach seiner Darstellung auf Christen zielten, doch Analysen der Konflikte in Nigeria zeichnen ein anderes Bild. Auf islamistischer Seite sind die K\u00e4mpfer der Truppe <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Boko_Haram\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Boko Haram<\/a> weiterhin eine massive Gefahr f\u00fcr schutzlose Gemeinden. Die ideologischen Wurzeln der Gruppe liegen im Salafismus. Sie stemmen sich gegen Bildung westlicher Pr\u00e4gung, die sie als s\u00fcndhaft betrachten; und sie zielen auf andere islamische Str\u00f6mungen, die aus ihrer Sicht nicht die reine Lehre verk\u00f6rpern. Schulen sind ein bevorzugtes Ziel ihrer Attacken, es kommt zu grausamen Entf\u00fchrungen von Kindern.<\/p>\n<p>Das Elend im Norden des Landes ist N\u00e4hrboden f\u00fcr Extremisten<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dass die Anf\u00fchrer der Terrortruppe f\u00fcr ihren Aufstand K\u00e4mpfer und Gefolgschaft rekrutieren k\u00f6nnen, liegt auch an der Schw\u00e4che des Staates und am Gef\u00fchl vieler junger Menschen, keine Perspektiven zu haben, an den Rand gedr\u00e4ngt zu werden. Somit ist das Elend im Norden Nigerias N\u00e4hrboden f\u00fcr extremistische Str\u00f6mungen geworden. Der Staat ist fern und oftmals korrupt, viele Menschen bleiben schutzlos oder geraten zwischen die Fronten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Nigerias Extremisten zielen meist auf wehrlose Menschen, oft kommen sie auf Motorr\u00e4dern, wenn sie morden oder entf\u00fchren. Ob sie Muslime oder Christen treffen, hat mehr mit der Bev\u00f6lkerungsverteilung im Land zu tun. Weil Boko Haram besonders in den n\u00f6rdlichen Teilen aktiv ist, sind ihre Opfer sehr h\u00e4ufig Muslime.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zehntausende Menschen sind der Gewalt von Boko Haram und der von ihr abgespaltenen Gruppe \u201eIslamischer Staat \u2013 Provinz Westafrika\u201c (ISWAP) zum Opfer gefallen. <a href=\"https:\/\/www.uscirf.gov\/sites\/default\/files\/2024-08\/2024%20Nigeria%20Country%20Update.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Islamistische Akteure und Banditen attackierten dabei sowohl Muslime als auch Christen, notierte die US-Regierung in ihrem Jahresbericht von 2024 zur religi\u00f6sen Freiheit in Nigeria<\/a>. Das liest sich anders als nun Trumps Darstellung, in der er einen Religionskrieg nahelegt und deshalb eine Intervention androht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das sch\u00fcrt Unruhe in Nigeria, denn trotz der Konflikte, die das Land innerlich zu zerrei\u00dfen drohen, sind die Menschen voller Stolz auf ihre unabh\u00e4ngige Nation. Und die Aussicht auf eine m\u00f6glicherweise von Trump aufgezwungene Milit\u00e4rintervention d\u00fcrfte auf massiven Widerstand sto\u00dfen. Nicht zuf\u00e4llig verweist der Berater von Tinubu auf die staatliche Integrit\u00e4t, die es zu wahren gelte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Gleichwohl signalisiert die Regierung in Abuja Bereitschaft, mit den USA zusammenzuarbeiten, um dschihadistische Gruppen zu bek\u00e4mpfen. Dabei droht ein wichtiger Punkt aus dem Blick zu geraten: Nigeria-Experten haben immer wieder darauf hingewiesen, dass Waffengewalt allein nicht ausreicht, um Extremismus langfristig zu bek\u00e4mpfen, daf\u00fcr m\u00fcssten viele Fortschritte gleichzeitig gelingen, in der staatlichen F\u00fcrsorge, im \u00f6konomischen Aufbau und im Kampf gegen die Korruption, sodass dschihadistischen Gruppen der N\u00e4hrboden entzogen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"An Nigeria zeigte Donald Trump lange keinerlei Interesse, zumindest \u00f6ffentlich. 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