{"id":17086,"date":"2026-05-14T22:54:58","date_gmt":"2026-05-14T22:54:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/17086\/"},"modified":"2026-05-14T22:54:58","modified_gmt":"2026-05-14T22:54:58","slug":"afrikanischer-radsport-spruenge-nach-vorn-schritte-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/17086\/","title":{"rendered":"Afrikanischer Radsport &#8211; Spr\u00fcnge nach vorn, Schritte zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/xaverine-nirere-100.jpg\" alt=\"Xaverine Nirere bei den Einzelzeitfahren in Ruanda\" title=\"Xaverine Nirere bei den Einzelzeitfahren in Ruanda | IMAGO\/frontalvision\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 26.09.2025 \u2022 23:10 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Der afrikanische Radsport ist von echten Errungenschaften und gro\u00dfen Hoffnungen, aber auch herben R\u00fcckschl\u00e4gen und Ern\u00fcchterungen gepr\u00e4gt. Das offenbarten auch die ersten Welttitelk\u00e4mpfe des Stra\u00dfenradsports auf diesem Kontinent.\u00a0\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der gro\u00dfe historische Moment beinhaltete auch einen kleinen. Die ersten Radweltmeisterschaften auf afrikanischem Boden wurden von einer Athletin aus Afrika er\u00f6ffnet. Xaverine Nirere aus dem Gastgeberland Ruanda schnellte am vergangenen Sonntag als erste von der Startrampe des Zeitfahrens der Frauen. Trommelwirbel begleiteten sie, ekstatische Anfeuerungsrufe der Fans. &#8222;Nat\u00fcrlich war ich aufgeregt. Aber ich hatte keine Angst und habe dann einfach versucht, mein Bestes zu geben, wie jede hier&#8220;, sagte sie sp\u00e4ter der Sportschau. In der Endabrechnung wurde sie 27., landete mit fast sieben Minuten R\u00fcckstand auf die Siegerin Marlen Reusser im Mittelfeld der insgesamt 44 Starterinnen. Immerhin war sie die beste afrikanische Athletin, was sie mit Stolz erf\u00fcllte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nirere jetzt zum Aush\u00e4ngeschild des ruandischen Radsports zu erkl\u00e4ren, w\u00e4re aber verfehlt. Zwar ist sie in Ruanda aufgewachsen, begann in der sechsten Klasse mit Radsport. Ihr Bruder brachte sie dazu, Valens Ndayisenga, 2014 und 2016 jeweils Sieger der heimischen Tour du Rwanda. &#8222;Er gab mir mein erstes Rad. Ich verband dann Schule und Radsport. Der Durchbruch kam, als w\u00e4hrend der Pandemie die Schule geschlossen war und ich mich komplett auf den Radsport konzentrieren konnte&#8220;, meinte sie l\u00e4chelnd. Ihren Feinschliff als Athletin erh\u00e4lt sie aber jenseits der Landesgrenzen, in Kenia, bei den Trainingssessions des dort lizensierten Teams Amani. Seit vergangenem Jahr ist sie dort, bestreitet mit dem Team vor allem Gravelrennen, gewinnt sie\u00a0 gelegentlich auch. Ab und an kehrt sie auf die Stra\u00dfe zur\u00fcck. Wie jetzt eben bei der WM.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass sie ins Ausland gehen musste, um ihr Talent weiterzuentwickeln, macht eines der Probleme des Radsports in Ruanda deutlich. Eine ihrer Teamkolleginnen in der Mixed-Staffel ist auf Klub-Niveau in Kenia unterwegs, die andere, Diane Ingabire, schaffte vor zwei Jahren\u00a0 den Sprung nach Europa, ins Nachwuchsteam des deutschen Rennstalls Canyon SRAM zondacrypto. Aber die Basis im Lande ist fragil.<\/p>\n<p>    Fragile Infrastruktur<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das liegt auch am Weggang des Entwicklungsprojekts von Team Africa Rising und der Nachwuchsakademie von Adrien Niyonshuti, die sich daraus entwickelt hatte. Niyonshuti war der erste Radprofi aus Ruanda, damals beim s\u00fcdafrikanischen Rennstall MTN Qhubeka. Er nahm auch als Mountainbiker an den Olympischen Spielen 2012 teil. Auch das war eine Premiere f\u00fcr den ruandischen Sport. Nach der aktiven Karriere baute er eine Radsportschule auf. &#8222;Ich gab dann aber auf, weil ich kein Geld zusammenbekam, ein richtiges Team zu finanzieren mit gutem Material und kontinuierlichem Trainings- und Wettkampfprogramm&#8220;, erkl\u00e4rte er der Sportschau am Rande der WM.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Niyonshuti ging nach Benin und kehrte jetzt als Coach der Auswahl des westafrikanischen Landes in seine Heimat zur\u00fcck. Nat\u00fcrlich betrachtet auch er die WM in Ruanda als Meilenstein: &#8222;Ich bin stolz darauf, dass mein Land beweist, dass es solch ein gro\u00dfes Event ausrichten kann.&#8220; Er zweifelt aber an der nachhaltigen Wirkung. &#8222;Mit dem Weggang unserer Akademie ist das Niveau der ruandischen Fahrer gesunken&#8220;, klagt er. Man sehe das an den Resultaten, aber auch an geringeren Trainingsumf\u00e4ngen, schildert er seine Beobachtung. Und wenn die WM vorbei sei, w\u00fcrden Geld und Aufmerksamkeit nicht mehr in gleichem Ma\u00dfe in den Radsport gesteckt, bef\u00fcrchtet er.<\/p>\n<p>    Girmay: &#8222;R\u00fcckstand Afrikas ist gr\u00f6\u00dfer geworden&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Verband sieht man das anders. Verbandspr\u00e4sident Samson Ndayishimiye verwies gegen\u00fcber der Sportschau vor allem auf das Radsport-Flaggschiff des Landes, die Tour du Rwanda. Die ist tats\u00e4chlich erstklassig organisiert. An Rennen auf regionalem oder lokalen Niveau allerdings mangelt es. &#8222;Das ist ein Problem des gesamten afrikanischen Kontinents. Es gibt zu wenig Rennen, in denen sich die Talente messen k\u00f6nnen&#8220;, sagte auch UCI-Pr\u00e4sident David Lappartient bei einer Pressekonferenz am Freitag in Kigali.\u00a0 Der f\u00fcr vier Jahre wiedergew\u00e4hlte Chef des Weltradsportverbands bezog sich dabei auf alle Niveaus, das nationale, das regionale und das lokale. Und er versprach Initiativen der UCI und des afrikanischen Verbandes, daran etwas zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber das wird dauern. Afrikas Superstar Biniam Girmay l\u00e4utete sogar die Alarmglocken. &#8222;Der R\u00fcckstand Afrikas gegen\u00fcber Europa ist in den letzten 20 Jahren sogar gr\u00f6\u00dfer geworden. Denn in Europa hat sich der Radsport enorm entwickelt, vom Material, von der Trainingsmethodik, von der Ern\u00e4hrung her. In Afrika fehlen aber Geld und Ressourcen, um da mitzuhalten&#8220;, meinte er auf seiner Pressekonferenz ebenfalls am Freitag in Kigali.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Klassikerspezialist aus Eritrea bedauerte auch, dass die WM-Organisatoren eine historische Chance verpasst h\u00e4tten. &#8222;Der Parcours ist zu schwer, nicht nur f\u00fcr mich&#8220;, sagte der fr\u00fchere Gewinner des Punktetrikots bei der Tour de France. &#8222;Er ist auch zu schwer f\u00fcr alle anderen afrikanischen Fahrer, welchen Namen Sie mir da immer auch nennen&#8220;, meinte er. Er verwies auch auf die vielen afrikanischen Nachwuchsfahrer, die bei den Stra\u00dfenrennen des Nachwuchses nicht das Ziel erreichten.<\/p>\n<p>    Neues UCI-Center f\u00f6rdert Sportler aus Afrika<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Verbandspr\u00e4sident Ndayishimiye versuchte diese Kritik gegen\u00fcber der Sportschau zwar mit einem Bonmot zu entsch\u00e4rfen. &#8222;Nicht wir haben diesen Parcours gemacht. Gott ist daran schuld, dass wir das \u201aLand der 1000 H\u00fcgel\u2018 sind&#8220;, meinte er. Aber der Reiz, den Superlativ des &#8222;h\u00e4rtesten WM-Rennens aller Zeiten&#8220; zu kreieren, \u00fcberwog offensichtlich alle \u00dcberlegungen, mit einem weniger anspruchsvollen Parcours auch afrikanischen Athletinnen und Athleten zu gr\u00f6\u00dferen Erfolgserlebnissen zu\u00a0 verhelfen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es gibt allerdings auch positive Akzente. Im Februar er\u00f6ffnete die UCI einen Ableger ihres World Cycling Centers in Ruanda und bereitete dort 65 Nachwuchsathletinnen und -athleten aus 35 afrikanischen L\u00e4ndern auf die WM vor. Weitere Trainingslager, aber auch Weiterbildungen f\u00fcr Trainer, Mechaniker und Kommiss\u00e4re sind dort geplant, erl\u00e4uterte Jacques Landry, Direktor des WCC-Programms, der Sportschau.<\/p>\n<p>    Mechanikerausbildung mit deutscher Hilfe<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und auch an der Basis w\u00e4chst etwas. Der Berliner Unternehmensberater und Spezialist f\u00fcr Fahkr\u00e4fteentwicklung, Burkhart Volbracht, hob mit dem Organisator des schon legend\u00e4ren 1.000 Kilometer langen Ultramarathons Race Around Rwanda, Simon Schutter, in Kigali eine Akademie zur Ausbildung von Fahrradmechanikern aus der Taufe. &#8222;Es gibt hier viele Leute, die Fahrrad fahren. Einmal die Fahrradtaxifahrer mit ihren schweren Eingangr\u00e4dern. Aber auch immer mehr Radtouristen aus aller Welt kommen hierher. Woran es aber mangelt, sind gute Mechaniker. Es gibt keine Ausbildung daf\u00fcr&#8220;, erz\u00e4hlte Volbracht der Sportschau.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Rahmen des Projekts &#8222;Gear Up&#8220; will er nun eine komprimierte Version der zweij\u00e4hrigen deutschen Ausbildung in Ruanda etablieren. Fernziel ist es, Kompetenzen zu vermitteln, die nicht nur zum Schlauchwechsel bei den Eingangr\u00e4dern reichen, sondern auch die Reparatur von komplexen Schaltungen beinhalten bis hin zur Wartung von E-Bikes, um der E-Mobilit\u00e4t im Lande einen Schub zu verleihen. Volbracht wollte mit dem Programm eigentlich schon im vergangenen Jahr starten, um p\u00fcnktlich zur WM die ersten 20 Mechaniker ausgebildet zu haben, die einerseits manchen Nationalteams h\u00e4tten zur Seite stehen und andererseits ihre ersten Schritte ins eigene Business machen k\u00f6nnen bei der Betreuung der vielen Radenthusiasten, die als WM-Besucher ins Land gekommen sind. &#8222;Leider hat es etwas l\u00e4nger gedauert&#8220;, meinte er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 26.09.2025 \u2022 23:10 Uhr Der afrikanische Radsport ist von echten Errungenschaften und gro\u00dfen Hoffnungen, aber auch herben&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":17087,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[3018,574,403,404],"class_list":{"0":"post-17086","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ruanda","8":"tag-rad-wm","9":"tag-radsport","10":"tag-ruanda","11":"tag-rwanda"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116575398978731138","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17086","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17086"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17086\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17087"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17086"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17086"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17086"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}