{"id":17305,"date":"2026-05-15T13:56:11","date_gmt":"2026-05-15T13:56:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/17305\/"},"modified":"2026-05-15T13:56:11","modified_gmt":"2026-05-15T13:56:11","slug":"nach-putsch-in-niger-was-bleibt-von-deutschlands-sahel-strategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/17305\/","title":{"rendered":"Nach Putsch in Niger: Was bleibt von Deutschlands Sahel-Strategie?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/niger-160.jpg\" alt=\"Ein Mann schwenkt ein nigrische Flagge in der Hauptstadt Niamey.\" title=\"Ein Mann schwenkt ein nigrische Flagge in der Hauptstadt Niamey. | AFP\"\/><\/p>\n<p>                    analyse<\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 15.08.2023 \u2022 19:56 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Niger war zuletzt der engste Verb\u00fcndete Deutschlands in der Region und galt als Schl\u00fcsselpartner f\u00fcr die Sahel-Strategie der Bundesregierung. Nach dem Milit\u00e4rputsch liegt auch die Strategie in Scherben.\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/claudia-buckenmaier-103.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Claudia Buckenmaier\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/claudia-buckenmaier-105.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Bundesregierung wollte es besser machen in der Sahelzone. Eine nachhaltige Partnerschaft auf Augenh\u00f6he mit den L\u00e4ndern in der Region strebte man an. Es sollte ein sehr langfristiges Engagement sein &#8211; milit\u00e4risch, aber vor allem zivil. Mit Hilfe von Entwicklungszusammenarbeit wollte man vor allem jungen Menschen eine Perspektive bieten, die so vielversprechend sein sollte, dass terroristische Anwerber sie nicht l\u00e4nger locken konnten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Man wollte es auch besser machen als Frankreich. Die ehemalige Kolonialmacht ist in vielen L\u00e4ndern in der Region verhasst. Zugleich aber wollte man sich nicht von Frankreich distanzieren, denn nur wenn die Europ\u00e4er eine gemeinsame Strategie verfolgen &#8211; davon war und ist die deutsche Politik \u00fcberzeugt, k\u00f6nnen sie eine \u00fcberzeugende Alternative zu den Konkurrenten auf dem afrikanischen Kontinent bieten, zu Russland und China.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die Sahelzone erstreckt sich vom Westen des afrikanischen Kontinents nach Osten.\n                    <\/p>\n<p>    Gef\u00e4hrliche Fluchtroute<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Sahelzone erstreckt sich \u00fcber 7000 Kilometer wie eine Art G\u00fcrtel vom Westen des afrikanischen Kontinents nach Osten. Sie trennt den Maghreb vom S\u00fcden Afrikas. In ihr liegen die Staaten Senegal, Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger, Tschad und Sudan.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Quer durch die Sahelzone verl\u00e4uft eine der gef\u00e4hrlichsten Fluchtrouten Afrikas. In mehreren L\u00e4ndern gab es in den vergangenen Jahren Milit\u00e4rputsche. Vielerorts sind die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/wagner-soeldner-afrika-100.html\" title=\"Was wird aus den Wagner-S\u00f6ldnern in Afrika?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">russischen Wagner-Truppen<\/a> aktiv; Russland \u00fcbt als wichtiger Partner dieser L\u00e4nder f\u00fcr milit\u00e4rische R\u00fcstung gro\u00dfen Einfluss aus. So auch in Mali, was f\u00fcr die deutsche Regierung zunehmend zum Problem wurde, da sie im Rahmen des UN-Einsatzes MINUSMA ein gro\u00dfes Truppenkontingent in dem Land stationiert hatte. Dessen Einsatz wurde von den Milit\u00e4rmachthabern zunehmend unm\u00f6glich gemacht. Inzwischen ist der Bundeswehrabzug beschlossen.<\/p>\n<p>    Neue Sahel-Politik<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Entscheidung f\u00fcr den Abzug aus Mali fiel im Mai. Zugleich k\u00fcndigte die Bundesregierung an, ihre Sahel-Politik neu ausrichten zu wollen &#8211; demonstrativ mit einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung aus dem Ausw\u00e4rtigen Amt, dem Verteidigungsministerium und dem Ministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Zivile und milit\u00e4rische \u00dcberlegungen sollen Hand in Hand gehen. Es sollte auch nicht nur um die eigentlichen Sahel-Staaten wie Niger und Mauretanien gehen, sondern angrenzende K\u00fcstenstaaten wie Ghana oder die Elfenbeink\u00fcste sollten miteinbezogen werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Verteidigungsminister Boris Pistorius beschrieb die Leitlinie f\u00fcr den neuen Politikansatz so: &#8222;Entscheidend ist, dass wir durch unser Engagement im Sahel die wachsende Eigenverantwortung der Afrikaner f\u00fcr Sicherheit und Stabilit\u00e4t auf ihrem eigenen Kontinent weiter f\u00f6rdern und bef\u00f6rdern.&#8220; Niger wird da noch als &#8222;verl\u00e4sslicher Partner&#8220; bezeichnet. Als ein Stabilit\u00e4tsanker. Im Rahmen der afrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS wollte man regionale Ans\u00e4tze f\u00f6rdern. Und die Bundesregierung wollte mehr Verantwortung \u00fcbernehmen. Auch deshalb kandidierte Entwicklungsministerin Svenja Schulze f\u00fcr den Vorsitz der Sahel-Allianz. Ein Amt, das sie seit dem 10. Juli innehat.<\/p>\n<p>    Was bleibt von der Sahel-Strategie?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nur wenig sp\u00e4ter war vieles von den Pl\u00e4nen nur noch Makulatur. Am 26. Juli putschte in Niger das Milit\u00e4r. Aus Sicht der Bundesregierung offenbar ziemlich \u00fcberraschend. Und das ECOWAS-B\u00fcndnis erweist sich inzwischen als ein Zusammenschluss von Staaten, das keinen wirklich gro\u00dfen Druck auf die neuen Machthaber in Niger aus\u00fcben kann. Das mag auch daran liegen, dass das B\u00fcndnis mancherorts in der Region als verl\u00e4ngerter Arm Frankreichs oder der USA gilt. Also von Staaten, deren Einfluss man doch eigentlich absch\u00fctteln will.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Was wird nun aus der Sahel-Strategie? Ist sie krachend gescheitert, bevor sie \u00fcberhaupt begonnen hat? SPD-Verteidigungspolitiker Wolfgang Hellmich bekennt sich klar dazu, vor Ort zu bleiben. Gemeinsam mit den europ\u00e4ischen Partnern m\u00fcsse man das Vorgehen in der Sahel-Region und die Sahel-Strategie nun neu justieren. &#8222;Ich setze auf die Instrumente der Entwicklungszusammenarbeit&#8220;, sagte er in einem Interview mit Phoenix. Diese L\u00e4nder &#8222;brauchen zuallererst eine friedliche Entwicklung, die den Menschen in den L\u00e4ndern eine Perspektive des \u00dcberlebens und des Lebens gibt&#8220;. Mehr zivile statt milit\u00e4rische Zusammenarbeit also.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Irgendwann in ferner Zukunft mag das wieder funktionieren, aber kurzfristig wohl kaum. Denn die Entwicklungshilfe f\u00fcr Niger ist vorerst eingefroren. Man will die Putschisten nicht unterst\u00fctzen. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/niger-putsch-mali-bundeswehr-100.html\" title=\"Was der Putsch in Niger f\u00fcr die Bundeswehr bedeutet\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Milit\u00e4risch ist die Bundesregierung auf Niger als Drehkreuz angewiesen<\/a>, um den Abzug der Bundeswehr aus dem Nachbarstaat Mali zu bewerkstelligen. Auch deshalb hei\u00dft es momentan von allen Seiten: erst einmal abwarten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Fest steht aber auch: Das Land, auf das die Bundesregierung in ihrer Afrika-Politik gro\u00dfe Hoffnungen setzte, kann kein Partner mehr sein, will man seine eigenen politischen Grunds\u00e4tze nicht verletzen.<\/p>\n<p>    Deutsche Interessen im Sahel<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Opposition sieht die Sahel-Strategie durch den Putsch in Niger &#8222;auf den Kopf gestellt&#8220;. Dem CDU-Au\u00dfenpolitiker Markus Koob fehlt &#8222;die strategische Klarheit, was wir k\u00fcnftig im Sahel wollen&#8220;. Man m\u00fcsse sich der Frage stellen, was einem das Engagement in der Region wert sei, wie robust man vor Ort sein wolle. &#8222;Wir m\u00fcssen realistische Ziele formulieren.&#8220; Es brauche eine konkrete Strategie, denn &#8222;wir haben in der Region Interessen&#8220;. Da ist er sich mit der Bundesregierung einig.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Au\u00dfenministerin Annalena Baerbock hat es so formuliert: &#8222;Ob wir es wollen oder nicht: Was im Sahel passiert, geht uns etwas an&#8220;, sagte sie mit Blick auf die Gefahr eines islamistischen Terrorismus, der sich in immer mehr Staaten ausbreitet. Und auch mit Blick auf den wachsenden Einfluss Russlands, das aus Sicht des Westens mit Hilfe der Wagner-Truppen die Region weiter destabilisiert. Und zu guter Letzt auch wegen der zunehmenden Zahl an Fl\u00fcchtlingen, die nach Europa dr\u00e4ngen, um Armut, D\u00fcrre und Perspektivlosigkeit zu entkommen.<\/p>\n<p>    Schulze setzt auf Sahel-Plus<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Genau da will die Sahel-Plus-Initiative des Entwicklungsministeriums ansetzen. Das Plus bezeichnet die Staaten am Rand der Sahel-Region. &#8222;Denn die Terrorgruppen der Region machen nicht an Landesgrenzen halt&#8220;, hei\u00dft es in der Erkl\u00e4rung vom Mai. Die deutsche Regierung will vor Ort Jobs und Ausbildungspl\u00e4tze schaffen, in der Landwirtschaft, im Bauhandwerk, in der Infrastruktur.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das sind hehre Ziele, die aber nicht auf schnellen Erfolg ausgelegt sind. Im Gegenteil: Es braucht langen Atem bei allen Beteiligten. Und Glaubw\u00fcrdigkeit und Vertrauen. Vertrauen, dass die Zusammenarbeit wirklich auf Augenh\u00f6he stattfindet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Als vertrauensbildende Ma\u00dfnahme d\u00fcrfte auch die derzeitige Reise von Ministerin Schulze in der Region gelten. Als Pr\u00e4sidentin der Sahel-Allianz dr\u00e4ngte sie auf humanit\u00e4re Hilfe f\u00fcr die Menschen in Niger und erneuerte ihre Forderung nach einer Freilassung des demokratisch gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Mohamed Bazoum.<\/p>\n<p>    Ein neuer Partner gesucht<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch wie es mit der Sahel-Strategie weitergeht, ist offener denn je. Vorerst klammern sich die Politikerinnen und Politiker an die Hoffnung der Restchance auf eine R\u00fcckkehr zu demokratischen Strukturen in Niger. Aber wenn daraus nichts wird? Setzt man auf einen neuen Partner, mit dem Risiko, dass auch der eines Tages f\u00e4llt? Derzeit wird Mauretanien als letzter verbliebener Staat mit demokratisch legitimierter Regierung in der Region f\u00fcr Deutschland immer wichtiger.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Ampel-Regierung wird sich damit auseinandersetzen m\u00fcssen, zu welchen Kompromissen sie notfalls bereit ist, um die Gesamtstrategie zu retten. Nur \u00fcber Hilfsprojekte in dezentralen Strukturen, abseits der Herrscher in der jeweiligen Hauptstadt, wird das wohl kaum gelingen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"analyse Stand: 15.08.2023 \u2022 19:56 Uhr Niger war zuletzt der engste Verb\u00fcndete Deutschlands in der Region und galt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":17306,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[243],"tags":[1757,309,366,724],"class_list":{"0":"post-17305","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-niger","8":"tag-bundesregierung","9":"tag-mali","10":"tag-niger","11":"tag-sahelzone"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116578941879157607","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17305","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17305"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17305\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17306"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17305"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17305"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17305"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}