{"id":17452,"date":"2026-05-15T19:47:53","date_gmt":"2026-05-15T19:47:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/17452\/"},"modified":"2026-05-15T19:47:53","modified_gmt":"2026-05-15T19:47:53","slug":"generalstreik-in-der-elfenbeinkueste-kuendigt-auslaendische-intervention-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/17452\/","title":{"rendered":"Generalstreik in der Elfenbeink\u00fcste k\u00fcndigt ausl\u00e4ndische Intervention an"},"content":{"rendered":"<p>Der Wahlsieger Alassane Dramane Ouattara hat zu einem Generalstreik aufgerufen, um den Amtsinhaber, Pr\u00e4sident Laurent Gbagbo, zur Aufgabe zu zwingen und die Konfrontation zu beenden, die seit der Pr\u00e4sidentschaftswahl die westafrikanische Elfenbeink\u00fcste ersch\u00fcttert.<\/p>\n<p>\u201eWir d\u00fcrfen nicht akzeptieren, dass unser Sieg gestohlen wird\u201d, sagte der Oppositionsf\u00fchrer, als er Arbeiter aufrief, in den Streik zu treten, bis Gbagbo seine Niederlage eingestehe.<\/p>\n<p>Seit der zweiten Runde der Pr\u00e4sidentschaftswahl vom 28. November weigert sich Gbagbo, das Amt zu quittieren. Er behauptet, Ouattara habe in seinen Hochburgen im Norden des Landes das Wahlergebnis gef\u00e4lscht. Die Vereinigten Staaten, die Vereinten Nationen, die Europ\u00e4ische Union, Frankreich und die westafrikanischen Staaten haben Ouattara als Sieger anerkannt.<\/p>\n<p>Der Streikaufruf ist die Antwort auf zunehmende Gewalt auf den Stra\u00dfen der Hauptstadt Abidjan und auf die Drohung westafrikanischer F\u00fchrer mit milit\u00e4rischer Gewalt, um Gbagbo zu st\u00fcrzen. Etwa zweihundert Menschen sollen schon get\u00f6tet worden sein. Fl\u00fcchtlinge str\u00f6men \u00fcber die Grenze des benachbarten Liberia. Das Fl\u00fcchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) sch\u00e4tzt, dass schon 14.000 Ivorer in Liberia Zuflucht gesucht haben. F\u00fcr die n\u00e4chsten Tage werden noch einmal doppelt so viele erwartet.<\/p>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/ivor-d29.png\" border=\"0\" alt=\"Ivory Coast\" width=\"480\" height=\"244\"\/> Die Elfenbeink\u00fcste (hier Ivory Coast) tr\u00e4gt offiziell den franz\u00f6sischen Namen R\u00e9publique de C\u00f4te d\u2019Ivoire <\/p>\n<p>Im Auftrag des westafrikanischen Regionalblocks ECOWAS wollen die Pr\u00e4sidenten von Benin, Sierra Leone und den Kapverdischen Inseln in die Elfenbeink\u00fcste fliegen. Sie werden noch einmal ihre Drohung bekr\u00e4ftigen, auch milit\u00e4risch einzugreifen. Der Au\u00dfenminister von Benin, Jean Marie Ehouzou, sagte Reportern, Gbagbo m\u00fcsse so schnell wie m\u00f6glich zur\u00fccktreten oder \u201emit legitimer milit\u00e4rischer Gewalt rechnen\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.iysse.de\/events.html\" class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/74adc7a6-8594-4dab-b07d-0860f918dc40.png\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2a9da8f4-f6ce-4fcf-8b71-3f4c33467b2b.png\"\/><\/a> <\/p>\n<p>Nur wenige Arbeiter scheinen dem Streikaufruf zu folgen. Die H\u00e4fen von San Pedro und Abidjan waren am Montag ge\u00f6ffnet. L\u00e4den und B\u00fcros im Gesch\u00e4ftsviertel von Abidjan waren belebt und der Verkehr auf den Stra\u00dfen normal. Die BBC berichtet, im Norden werde der Streik etwas st\u00e4rker befolgt. Pl\u00e4ne, Abidjan \u201ezum Stillstand zu bringen\u201d, scheiterten aber offensichtlich.<\/p>\n<p>Die geringe Reaktion auf den Streikaufruf ist keine \u00dcberraschung, weil Ouattara nur begrenzte Unterst\u00fctzung in der Bev\u00f6lkerung genie\u00dft. Er ist ein ehemaliger \u00d6konom des Internationalen W\u00e4hrungsfonds IWF. Von 1994 bis 1999 war er stellvertretender Direktor des IWF und Gouverneur der Bank der Zentralafrikanischen Staaten. Von 1990 bis 1993 war er Ministerpr\u00e4sident der Elfenbeink\u00fcste und wird eng mit dem marktwirtschaftlichen Strukturanpassungsprogramm des IWF identifiziert, das Preissubventionen abschaffte und den Arbeitsmarkt regulierte. Staatsbetriebe wurden privatisiert und Schutzz\u00f6lle aufgehoben.<\/p>\n<p>Die wirtschaftlichen und sozialen Spannungen, die schlie\u00dflich im B\u00fcrgerkrieg endeten, k\u00f6nnen zum Teil auf die wirtschaftliche Liberalisierung zur\u00fcckgef\u00fchrt werden, die in den 1990er Jahren begann. Pr\u00e4sident Felix Houphou\u00ebt-Boigny, der die Elfenbeink\u00fcste von ihrer Unabh\u00e4ngigkeit bis zu seinem Tod 1993 regierte, konnte eine gewisse Stabilit\u00e4t garantieren, indem er die rivalisierenden Fraktionen der Elite des Landes gleichm\u00e4\u00dfig mit Privilegien bedachte. Unter seinen Nachfolgern nahmen die Spannungen akute Formen an. Fallende Rohstoffpreise trafen die Hauptexportware der Elfenbeink\u00fcste, den Kakao, und die Strukturanpassung reduzierte die Mittel, die bisher zur Verteilung von Privilegien zur Verf\u00fcgung standen.<\/p>\n<p>Ivorische Politiker heizten kommunalistische Stimmungen an, um sich und ihren Anh\u00e4ngern einen gr\u00f6\u00dferen Teil des Reichtums des Landes zu sichern. Das f\u00fchrte zu einem zweij\u00e4hrigen B\u00fcrgerkrieg, der erst 2004 mit einem Machtteilungsabkommen endete, das eine Spaltung des Landes bewirkte.<\/p>\n<p>Frankreich und die USA s\u00e4hen gerne Ouattara im Pr\u00e4sidentenpalast. In ihren Augen w\u00e4re er der ideale Kandidat, um wirtschaftliche Ma\u00dfnahmen durchzusetzen, welche die Elfenbeink\u00fcste zum Schl\u00fcssel machen w\u00fcrde, die gesamte Region zu einem Rohstofflieferanten zu machen. Ihre offene Unterst\u00fctzung Ouattaras ist eine \u00c4nderung ihrer bisherigen Praxis. Bisher haben sie sich f\u00fcr ein Abkommen eingesetzt, das die Macht zwischen den Fraktionen des haupts\u00e4chlich muslimischen Nordens und des haupts\u00e4chlich christlichen S\u00fcdens aufteilt.<\/p>\n<p> <a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/international-mayday-online-rally-2026.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1778874473_538_11d17052-6cfe-4508-a369-0296defc96b6.png\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1778874473_962_4b19da99-80bf-4b7c-8443-cc2e6d33b6f6.png\"\/><\/a><\/p>\n<p>Ouattara hat sich in einem Hotel in Abidjan unter dem Schutz von Soldaten einer UN-Friedenstruppe festgesetzt. Er wird auch von so genannten Neuen Kr\u00e4ften besch\u00fctzt; das sind Soldaten, die in dem zweij\u00e4hrigen B\u00fcrgerkrieg, der 2004 endete, gegen Gbagbo gek\u00e4mpft hatten. Franz\u00f6sische Truppen sind am Flughafen stationiert, den sie 2004 eingenommen hatten, nachdem sie die gesamte ivorische Luftwaffe zerst\u00f6rt hatten.<\/p>\n<p>Die Neuen Kr\u00e4fte werden der ivorischen Armee nicht als ebenb\u00fcrtig betrachtet und w\u00fcrden Hilfe von ausl\u00e4ndischen Truppen ben\u00f6tigen, falls Ouattara versuchen sollte Gbagbo mit milit\u00e4rischen Mitteln zu vertreiben. ECOWAS scheint sich auf diesen Eventualfall mit der ECOWAS \u00dcberwachungsgruppe (ECOMOG) vorzubereiten.<\/p>\n<p>Die ECOMOG hat vorher schon in Liberia, Sierra Leone und Guinea-Bissau eingegriffen. Beim Einsatz in Liberia kam es zu ausgedehnten Pl\u00fcnderungen und zu Korruption seitens der ECOMOG-Kr\u00e4fte, die sich den Spitznamen \u201eEvery Car Or Movable Object Gone\u201c [\u201eJeder Wagen oder mobiles Objekt verschwunden] erwarben. ECOMOG w\u00fcrde logistische und andere technische Hilfe der Gro\u00dfm\u00e4chte ben\u00f6tigen. Ihre Intervention w\u00e4re in diesem Sinn ein Deckmantel f\u00fcr eine Ausweitung direkterer Kolonialherrschaft \u00fcber die Elfenbeink\u00fcste.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Verteidigungsminister Alain Jupp\u00e9 erkl\u00e4rte, die in der Elfenbeink\u00fcste stationierten Truppen seines Landes seien bereit, franz\u00f6sische Staatsb\u00fcrger zu sch\u00fctzen, sie w\u00fcrden jedoch nur mit einem UN-Mandat direkt eingreifen. Aber wenn Ouattara als Pr\u00e4sident ihre Hilfe anfordern w\u00fcrde, k\u00f6nnten sie auf Grundlage eines franz\u00f6sisch-ivorischen Verteidigungsabkommen aus dem Jahre 1961 intervenieren. Die Financial Times warnte vor einem franz\u00f6sischen Eingreifen, das, wie sie schreibt, kontraproduktiv w\u00e4re. Aber da franz\u00f6sische Truppen jetzt schon vor Ort sind, w\u00e4re das ein wahrscheinliches Szenario f\u00fcr das Ende des Konflikts um die Pr\u00e4sidentschaft.<\/p>\n<p>Ouattara hat vor seinem Aufruf zum Generalstreik zweifellos seine franz\u00f6sischen und amerikanischen Hinterm\u00e4nner konsultiert. Sein Vorgehen \u00e4hnelt auffallend den Massenaktionen in Simbabwe, die zwischen dem Oppositionsf\u00fchrer Morgan Tsvangirai und der US-Botschaft in Harare abgesprochen wurden und durch WikiLeaks-Dokumente bekannt geworden sind. Tsvangirai hatte vereinbart, Streikaktionen f\u00fcr die Weihnachtszeit zu planen, in der Schulen, \u00c4mter und viele Unternehmen sowieso schon geschlossen sind.<\/p>\n<p>Der Streikaufruf in der Elfenbeink\u00fcste ist ein zynisches Man\u00f6ver, das Ouattara den Anschein von breiter Unterst\u00fctzung geben soll und m\u00f6glicherweise den Vorwand f\u00fcr eine ausl\u00e4ndische Milit\u00e4rintervention abgibt. W\u00fcrde das ivorische Milit\u00e4r, das noch loyal zu Gbagbo steht, gewaltsam gegen Streikende vorgehen, dann k\u00f6nnte eine Invasion westafrikanischer Truppen mit Unterst\u00fctzung Frankreichs und der USA als humanit\u00e4re Operation hingestellt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Wahlsieger Alassane Dramane Ouattara hat zu einem Generalstreik aufgerufen, um den Amtsinhaber, Pr\u00e4sident Laurent Gbagbo, zur Aufgabe&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":17453,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[14],"tags":[451,125,124,331,8024,8022,8021,126,8020,1453,287,8023],"class_list":["post-17452","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-elfenbeinkueste","tag-buergerkrieg","tag-cote-divoire","tag-elfenbeinkueste","tag-frankreich","tag-gbagbo","tag-generalstreik","tag-intervention","tag-ivory-coast","tag-ouattara","tag-praesidentschaft","tag-usa","tag-westafrikanische-staaten"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116580325962176174","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17452","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17452"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17452\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17453"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17452"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17452"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17452"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}