{"id":17543,"date":"2026-05-16T02:53:34","date_gmt":"2026-05-16T02:53:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/17543\/"},"modified":"2026-05-16T02:53:34","modified_gmt":"2026-05-16T02:53:34","slug":"nach-der-sudankonferenz-in-berlin-ueber-alle-aspekte-des-krieges-reden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/17543\/","title":{"rendered":"Nach der Sudankonferenz in Berlin: \u00dcber alle Aspekte des Krieges reden"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Wenn <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/service\/laender\/sudan-node\/sudan-konferenz-2766744\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">die internationale Sudankonferenz<\/a>, die Deutschland am 15. April zum dritten Jahrestag des Kriegsausbruchs ausrichtete, Frieden in Sudan n\u00e4herbringen sollte, ist das derzeit nicht zu erkennen. Sudans Regierung in Port Sudan lehnte das Spitzentreffen in Berlin <a href=\"https:\/\/taz.de\/Internationale-Sudankonferenz\/!6170208\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bereits im Vorfeld ab<\/a>; die sudanesische Botschaft in Berlin legte f\u00f6rmlich Protest beim Ausw\u00e4rtigen Amt gegen Diskussionen \u00fcber Sudan ohne Sudans Regierung ein. Die aufst\u00e4ndische Miliz RSF (Rapid Support Forces) reagierte mit einer Einschr\u00e4nkung der Arbeit von Nichtregierungsorganisationen in ihrem Herrschaftsgebiet: Sie sollen sich innerhalb von 30 Tagen mit den RSF-Autorit\u00e4ten registrieren und f\u00fcr ihre Zulassung Details ihrer Budgets und Arbeitspl\u00e4ne vorlegen; dies w\u00fcrde die administrative Kontrolle \u00fcber humanit\u00e4ren Zugang versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">\u00dcberraschend kam dies alles nicht, denn Sudans Kriegsparteien waren ganz bewusst nicht eingeladen worden. Humanit\u00e4re Koordination zwischen Geberl\u00e4ndern stand im Mittelpunkt des von Deutschland, der EU, Gro\u00dfbritannien, den USA und der AU gemeinsam ausgerichteten Treffens, nicht politische Verhandlungen, sagen deutsche Offizielle. Das <a href=\"https:\/\/taz.de\/Sudankonferenz-in-Berlin\/!6171210\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sichtbarste Ergebnis<\/a> waren internationale humanit\u00e4re Hilfszusagen f\u00fcr Sudans Kriegsbetroffene in H\u00f6he von rund 1,5 Milliarden Euro. Schritte zur Beendigung des Krieges, so hei\u00dft es von deutscher Seite, seien hingegen vom Verhandlungswillen der Kriegsparteien abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Dass der Krieg unvermindert weitergeht und Sudan faktisch geteilt ist \u2013 die Regierung kontrolliert die Hauptstadt Khartum, den Osten des Landes und gro\u00dfe Teile des Nordens, die RSF kontrolliert die Westregion Darfur und wichtige weitere Gebiete im S\u00fcden, und die zentrale Region Kordofan ist umk\u00e4mpft \u2013 macht es allerdings zu einer gro\u00dfen Herausforderung, verst\u00e4rkte humanit\u00e4re Hilfe tats\u00e4chlich vor Ort zu leisten und nicht nur Geld daf\u00fcr anzuk\u00fcndigen. Zivilbev\u00f6lkerungen zu erreichen setzt voraus, sich mit den jeweiligen Machthabern vor Ort zu koordinieren. Es stellen sich Fragen des Zugangs, der Legitimit\u00e4t und der Unabh\u00e4ngigkeit. Das Hilfswerk \u201e\u00c4rzte ohne Grenzen\u201c weist auf diese Probleme hin und erkl\u00e4rt, dass \u201ehumanit\u00e4re Bem\u00fchungen kein Ersatz f\u00fcr einen Waffenstillstand und Friedensaufbau\u201c seien.<\/p>\n<p>      Kontroverse sudanesische Beteiligung<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Eine wichtige Neuerung dieser Sudankonferenz, die auf vorangegangene Konferenzen in Paris und London jeweils am 15. April 2024 und 2025 folgt, war die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Sudanesische-Stimmen-zur-Sudankonferenz\/!6171211\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Einbeziehung unabh\u00e4ngiger sudanesischer Stimmen<\/a>. 40 Sudanesen aus verschiedenen Gruppen trafen sich in einem eigenen Konferenzstrang und verabschiedeten eine gemeinsame Erkl\u00e4rung, in der sie ein Ende des Krieges, ungehinderten humanit\u00e4ren Zugang, Schutz der Zivilbev\u00f6lkerung und der kritischen Infrastruktur sowie Unterst\u00fctzung f\u00fcr einen glaubw\u00fcrdigen politischen Prozess in Sudan unter ziviler F\u00fchrung fordern.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Dies geschah allerdings nicht ohne Probleme. Laut Klimaaktivistin Nisreen Elsaim, eine der Teilnehmerinnen, waren 26 der 40 in unterschiedlicher Weise regierungstreu. Sie verweist auf logistische Probleme und sagt, manche urspr\u00fcnglich designierte sudanenische Beteiligte h\u00e4tten keine Visa erhalten und seien kurzfristig durch in Europa basierte Sudanesen ersetzt worden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Manche davon seien bekannt f\u00fcr fr\u00fchere pers\u00f6nliche Drohungen gegen Frauen, darunter sie selbst, sagt Elsaim. Ein weiterer Teilnehmer sei zuvor des sexualisierten Fehlverhaltens im professionellen medizinischen Bereich bezichtigt worden. F\u00fcr die Beteiligung von Frauen an politischen Prozessen in und f\u00fcr Sudan sei dies entmutigend. Kritische sudanesische Stimmen hatten schon im Vorfeld gefordert, die Sudankonferenz zu boykottieren, und bem\u00e4ngelten das Auswahlverfahren f\u00fcr die sudanesischen Beteiligten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Doch Menschenrechtsaktivistin Tahani Abbas sagt, sie sei optimistisch. Dass \u00fcberhaupt zivilgesellschaftlichen Akteuren aus Sudan die M\u00f6glichkeit gegeben wurde, sich im diplomatischen Rahmen zu versammeln und auf gemeinsame Minimalpunkte zu einigen, sei ein Fortschritt. Man m\u00fcsse dies als ersten Schritt betrachten. Bei zuk\u00fcnftigen Treffen sollte die Auswahl der sudanesischen Beteiligten in der Hand eines unabh\u00e4ngigen sudanesischen Gremiums liegen, damit auch solche Gruppen vertreten sein k\u00f6nnten, die au\u00dferhalb Sudans wenig Geh\u00f6r finden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">F\u00fcr die sudanesischen Beteiligten erwies sich als Problem, dass sie als Einzelpersonen eingeladen wurden; es gab keine Einladungen an Organisationen. So argumentierten manche, niemand k\u00f6nne als Sprecher einer Organisation auftreten. Das zivilgesellschaftliche Nothilfenetzwerk <a href=\"https:\/\/taz.de\/Alternativer-Nobelpreis\/!6117276\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ERR (Emergency Response Rooms)<\/a> aber hat gar keine formale F\u00fchrung oder administrative Struktur, man h\u00e4tte es nicht als Gruppe einladen k\u00f6nnen. Es wurden ERR-Aktivisten zur Konferenz geladen, aber auch wenn sie als ERR in Berlin auftraten, hatten sie aber kein Mandat, f\u00fcr ERR zu sprechen.<\/p>\n<p>      Auch die Kriegswirtschaft thematisieren<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"11\">In der breiteten sudanesischen Diaspora in Berlin st\u00f6\u00dft die Konferenz auf ein gemischtes Echo. Die feministische Aktivistin Kora sagt, die internationale Gemeinschaft habe den Sudankrieg von Anfang an falsch verstanden und sich nur um Deeskalation zwischen den Kriegsparteien bem\u00fcht, nicht um ein Kriegsende, was auch die ausl\u00e4ndischen Unterst\u00fctzer der Kriegsparteien in die Pflicht nehmen m\u00fcsste. Man schaue den Baumstamm an, nicht die Wurzeln, dr\u00fcckt sie es aus.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">Das sudanesische intersektionelle feministische Netzwerk \u201eBana\u201c organisierte vor der Sudankonferenz ein eigenes Treffen f\u00fcr die sudanesische Diaspora in Berlin, um vor allem Perspektiven von Frauen und den Bev\u00f6lkerungen marginalisierter Regionen Sudans hervorzuheben. In Friedensbem\u00fchungen m\u00fcssten Zivilisten die Entscheidungen f\u00e4llen und nicht nur zweitrangige Beteiligte sein, hie\u00df es.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"13\">\u201eEntpolitisierte\u201c humanit\u00e4re Hilfe, wie es Bana ausdr\u00fcckt, beende den Krieg nicht \u2013 n\u00f6tig seien Ma\u00dfnahmen gegen Waffenlieferungen und Sanktionen gegen diejenigen, die den Krieg am Laufen halten, unter anderem durch Ressourcenextraktion \u2013 etwa Gold sowie Gummiarabikum, das sudanesische Akazienprodukt, das f\u00fcr die Herstellung von Coca-Cola und vielen anderen Getr\u00e4nken weltweit begehrt ist.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"14\">Diese Aspekte waren auch Thema eines zivilgesellschaftlichen Sudan-Workshops des <a href=\"https:\/\/cess-sudan.com\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">CESS (Centre for Environmental and Social Studies)<\/a> in Berlin. Am Rande davon betonte der deutsche Diplomat <a href=\"https:\/\/taz.de\/Debatte-UN-im-Suedsudan\/!5050942\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Peter Schumann<\/a>, ehemaliger Chef der internationalen S\u00fcdsudan-Hungerhilfsoperation OLS (Operation Lifeline Sudan), wie wichtig es sei, \u00fcber humanit\u00e4re Fragen hinaus auf die Akteure der Kriegswirtschaft zu blicken \u2013 einschlie\u00dflich Unternehmen, die in Sudan t\u00e4tig sind und deren Lieferketten mit dem Krieg verkn\u00fcpft sind.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"15\">Die Frage der Kriegsfinanzierung ist ein anderer Zugang zum Sudankrieg als die Frage der Repr\u00e4sentation in Konferenzen. Der Kontrast zwischen den Priorit\u00e4ten der Sudandiplomatie und den zivilgesellschaftlichen Debatten zu Sudan bleibt auch nach der Sudankonferenz erhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn die internationale Sudankonferenz, die Deutschland am 15. 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