{"id":17729,"date":"2026-05-16T15:09:12","date_gmt":"2026-05-16T15:09:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/17729\/"},"modified":"2026-05-16T15:09:12","modified_gmt":"2026-05-16T15:09:12","slug":"somalia-wie-staaten-am-horn-von-afrika-um-einfluss-buhlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/17729\/","title":{"rendered":"Somalia: Wie Staaten am Horn von Afrika\u00a0um Einfluss buhlen"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Junge M\u00e4nner \u00fcberqueren eine Stra\u00dfe in Mogadischu nach heftigen Regenf\u00e4llen.\" alt=\"Junge M\u00e4nner \u00fcberqueren eine Stra\u00dfe in Mogadischu nach heftigen Regenf\u00e4llen.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/mogadischu-somalia-102-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Szene aus Mogadischu Ende April nach heftigen Regenf\u00e4llen: Somalia ist kein stabiles Land, wird aber dennoch stark umworben. (picture alliance \/ Anadolu \/ Abuukar Mohamed Muhidin)<\/p>\n<p>Das ostafrikanische Somalia wird seit einigen Jahren von vielen internationalen Akteuren umworben. Dabei galt es noch Anfang 2011 als hoffnungsloser Fall\u00a0und\u00a0war\u00a0zu diesem Zeitpunkt\u00a0schon zwanzig Jahre lang ein Land ohne Regierung.<\/p>\n<p>Bis heute kontrolliert die Al-Qaida-nahe Al-Shabaab-Miliz\u00a0gr\u00f6\u00dfere\u00a0Landesteile.\u00a0Doch davon lassen sich zahlreiche regionale M\u00e4chte nicht mehr schrecken, allen voran die T\u00fcrkei. Denn\u00a0Somalia hat\u00a0wirtschaftliches Potential\u00a0und liegt strategisch g\u00fcnstig am\u00a0Golf von Aden.<\/p>\n<p>Somalia ist geostrategisch vor allem wegen seiner Lage am Horn von Afrika wichtig. Das Land grenzt an den Golf von Aden.\u00a0Der wiederum ist \u00fcber die Meerenge Bab al-Mandab\u00a0mit dem Roten Meer verbunden; von dort f\u00fchrt die Schifffahrtsroute weiter zum Suezkanal.<\/p>\n<p>Durch die Meerenge verl\u00e4uft damit ein erheblicher Teil des Seeverkehrs zwischen Europa und Asien.\u00a0Einfluss am Bab al-Mandab\u00a0bedeutet Einfluss auf internationale Handelswege, maritime Sicherheit und die Kontrolle\u00a0dieser\u00a0sensiblen Schnittstelle zwischen Afrika, der Arabischen Halbinsel und Asien.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Karte der Region um das Horn von Afrika. Zu sehen sind unter anderem die L\u00e4nder Somalia, Jemen, \u00c4thiopien, Kenia. Die Landmassen sind in gelblich dargestellt, das Meer ist blau.\" alt=\"Karte der Region um das Horn von Afrika. Zu sehen sind unter anderem die L\u00e4nder Somalia, Jemen, \u00c4thiopien, Kenia. Die Landmassen sind in gelblich dargestellt, das Meer ist blau.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/horn-von-afrika-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Das Horn von Afrika: Somalias Lage verschafft dem Land strategische Bedeutung. (Getty Images \/ iStockphoto \/ PeterHermesFurian)<\/p>\n<p>Unter anderem die T\u00fcrkei, die Golfstaaten, \u00c4thiopien und \u00c4gypten, die Vereinigten Staaten und neuerdings auch Israel\u00a0verfolgen\u00a0in Somalia\u00a0eigene wirtschaftliche, milit\u00e4rische und politische Interessen. Zugleich machen innere Konflikte und die Bedrohung durch die Al-Qaida-nahe Al-Shabaab-Miliz das Land zu einem sicherheitspolitischen Brennpunkt. Gerade\u00a0durch\u00a0die\u00a0Verbindung aus strategischer Lage, fragiler Staatlichkeit und \u00e4u\u00dferen\u00a0Machtinteressen\u00a0wird\u00a0Somalia zu einem geopolitisch\u00a0wichtigen Land.<\/p>\n<p>Somalia hat seit dem v\u00f6lligen Staatszerfall Anfang der 1990er-Jahre einen langen Weg zur\u00fcckgelegt. Besonders in Mogadischu sind die Fortschritte sichtbar: Die Hauptstadt wirkt heute deutlich stabiler und lebendiger als\u00a02011, als die Al-Shabaab-Miliz\u00a0noch\u00a0gro\u00dfe Teile der Stadt und des Landes kontrollierte.<\/p>\n<p>Zur Verbesserung der Lage\u00a0hat\u00a0die somalische Bev\u00f6lkerung selbst\u00a0entscheidend beigetragen, indem sie dem Terror der\u00a0Miliz trotzte und\u00a0sich vom\u00a0Wiederaufbau des Landes\u00a0nicht abbringen lie\u00df,\u00a0trotz massiver Drohungen und vieler t\u00f6dlicher Anschl\u00e4ge.\u00a0Aber auch internationale Akteure wie die Afrikanische Union, die Europ\u00e4ische Union und die T\u00fcrkei\u00a0spielten\u00a0eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>                Machtk\u00e4mpfe pr\u00e4gen das Land<\/p>\n<p>Trotz dieser Entwicklung bleibt Somalia politisch und sicherheitspolitisch fragil. Machtk\u00e4mpfe zwischen\u00a0der Zentralregierung,\u00a0den\u00a0Bundesstaaten, Klans und bewaffneten Islamisten pr\u00e4gen das Land. Hinzu kommt, dass die vielen internationalen Akteure die politische Fragmentierung Somalias f\u00fcr ihre Zwecke ausnutzen und\u00a0sie\u00a0damit weiter vertiefen.\u00a0Davon profitieren\u00a0vor allem\u00a0die\u00a0radikalen Islamisten.<\/p>\n<p>Al-Shabaab kontrolliert\u00a0derzeit\u00a0nach\u00a0mehreren Analysen\u00a0rund 30 Prozent Somalias und steht milit\u00e4risch\u00a0nah an\u00a0Mogadischu.\u00a0Den\u00a0Grund\u00a0f\u00fcr den Erfolg der\u00a0islamistischen Miliz\u00a0sehen die\u00a0Analysten\u00a0nicht nur in deren\u00a0St\u00e4rke,\u00a0sondern in der anhaltenden Schw\u00e4che des Staates.<\/p>\n<p>Als Hauptproblem gelten\u00a0die wachsenden Spannungen zwischen der Regierung in Mogadischu\u00a0und den Bundesstaaten.\u00a0Pr\u00e4sident\u00a0Hassan Sheikh Mohamud\u00a0will den eigentlich f\u00f6deral verfassten Staat zunehmend zentralistisch regieren.\u00a0Zwei von sechs Bundesstaaten\u00a0erkennen die Zentralregierung nicht mehr an.\u00a0Somaliland erkl\u00e4rte\u00a0schon 1991 seine\u00a0Unabh\u00e4ngigkeit, die Mogadischu bis heute nicht anerkennt.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei\u00a0gilt als engster Partner Somalias. Das Engagement geht auf 2011 zur\u00fcck, als der damalige t\u00fcrkische Ministerpr\u00e4sident\u00a0und heutige Pr\u00e4sident\u00a0Recep Tayyip Erdo\u011fan\u00a0Somalia w\u00e4hrend einer schweren Sicherheits- und Ern\u00e4hrungskrise besuchte. Er versprach massive humanit\u00e4re Hilfe \u2013 und hielt sein Versprechen. Daf\u00fcr ist ihm die somalische Bev\u00f6lkerung bis heute dankbar.<\/p>\n<p>Daraus hat sich eine intensive\u00a0strategische Partnerschaft\u00a0entwickelt.\u00a0Somalia bietet\u00a0der T\u00fcrkei\u00a0einen Zugang zum Horn von Afrika\u00a0sowie\u00a0zu wichtigen Seewegen. Zudem diente\u00a0Somalia\u00a0als\u00a0Br\u00fcckenkopf f\u00fcr gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf dem\u00a0afrikanischen\u00a0Kontinent \u2013 die T\u00fcrkei hat ihre Pr\u00e4senz in vielen L\u00e4ndern Afrikas seit 2011 massiv ausgebaut.<\/p>\n<p>                Ein Weltraumbahnhof und andere Prestigeprojekte<\/p>\n<p>Hinzu kommen ehrgeizige Wirtschafts- und Prestigeprojekte, von der Offshore-\u00d6lexploration bis zu\u00a0einem geplanten Weltraumbahnhof,\u00a0dessen\u00a0Bau bereits begonnen\u00a0hat. Die Projekte versprechen\u00a0aus t\u00fcrkischer Sicht nicht nur Einnahmen,\u00a0sie erlauben\u00a0auch den Ausbau des eigenen Status als aufstrebende Regional- oder Mittelmacht.<\/p>\n<p>Damit diese Investitionen in dem fragilen Umfeld Somalias abgesichert werden k\u00f6nnen, baut die T\u00fcrkei ihre Sicherheitskooperation mit Mogadischu aus. Daf\u00fcr wesentlich ist\u00a0ein Sicherheitsabkommen von 2024, das Unterst\u00fctzung beim Aufbau von Marine und K\u00fcstenschutz, die Ausbildung von Sicherheitskr\u00e4ften, Waffenlieferungen und eine verst\u00e4rkte t\u00fcrkische Pr\u00e4senz am Horn vorsieht.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union verfolgt in Somalia vor allem Sicherheits- und Stabilisierungsinteressen. Aus europ\u00e4ischer Sicht geht es darum,\u00a0die Al-Qaida-nahe\u00a0Al-Shabaab-Miliz\u00a0einzud\u00e4mmen,\u00a0ein Wiederaufflammen der\u00a0Piraterie vor Somalias K\u00fcsten zu verhindern, Migrationsbewegungen zu steuern und einen weiteren Zerfall staatlicher Strukturen am Horn von Afrika zu vermeiden. Annette Weber, EU-Sonderbeauftragte f\u00fcr das Horn von Afrika, verweist zudem auf die wachsende strategische Bedeutung des Roten Meeres.<\/p>\n<p>Die\u00a0EU\u00a0finanziert humanit\u00e4re Hilfe und Entwicklungsprogramme, beteiligt sich an Ausbildungs- und Polizeimissionen und ist mit der Marineoperation\u00a0Atalanta\u00a0seit Jahren ein zentraler Akteur bei der Sicherung der Seewege vor Somalia. Zugleich hat Br\u00fcssel\u00a0von der Afrikanischen Union (AU) gef\u00fchrte Missionen in Somalia \u00fcber viele Jahre mitgetragen\u00a0und wesentlich finanziert.<\/p>\n<p>Zuletzt hat die Europ\u00e4ische Union\u00a0erneut 75 Millionen Euro f\u00fcr die\u00a0AU-Mission AUSSOM bereitgestellt, weil sie ein Scheitern derselben f\u00fcr zu gef\u00e4hrlich h\u00e4lt.\u00a0Laut Weber\u00a0ist nun entscheidend, dass Mogadischu und die Bundesstaaten wieder zu einer gemeinsamen politischen Linie finden: Ohne diese Abstimmung\u00a0werde auch das europ\u00e4ische Sicherheitsinvestment geschw\u00e4cht.\u00a0Von der Fragmentierung profitiere am Ende vor allem Al-Shabaab, warnt Weber.<\/p>\n<p>Der Krieg der USA gegen Iran hat auch in Somalia Folgen: Durch\u00a0knapperes Getreide, Treibstoff und teurere Transportwege versch\u00e4rft sich die Versorgungslage, die\u00a0durch eine D\u00fcrre und die anhaltenden Konflikte im Innern ohnehin\u00a0katastrophal ist.<\/p>\n<p>Mit dem Golfkrieg\u00a0r\u00fcckt zudem\u00a0der Bab al-Mandab\u00a0als zweites strategisches Nadel\u00f6hr neben der Stra\u00dfe von Hormus in\u00a0den Fokus.\u00a0Auch dieser Transportweg ist keineswegs sicher. Das hatte\u00a0sich schon 2023 gezeigt: Die mit dem Iran verb\u00fcndete jemenitische Huthi-Miliz griff dort\u00a0Schiffe israelischer Verb\u00fcndeter an, als Vergeltung f\u00fcr Israels Krieg in Gaza.<\/p>\n<p>Somalische Piraten nutzten die allgemeine Unsicherheit aus und verst\u00e4rkten ihre Attacken seit 2023 wieder.\u00a0Derzeit sind trotz des Krieges im Iran noch keine Aktivit\u00e4ten der\u00a0Huthis\u00a0zu beobachten. Aber der Krieg kann sich auf das Gesamtgleichgewicht der maritimen Sicherheit auswirken, und die Zahl der Piratenangriffe in somalischen Gew\u00e4ssern hat in den vergangenen Wochen\u00a0erneut\u00a0sp\u00fcrbar zugenommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Szene aus Mogadischu Ende April nach heftigen Regenf\u00e4llen: Somalia ist kein stabiles Land, wird aber dennoch stark umworben.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":17730,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[29,2247,2409,72,4421,428,133],"class_list":{"0":"post-17729","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-afrika","8":"tag-afrika","9":"tag-geopolitik","10":"tag-hunger","11":"tag-islam","12":"tag-nahostkonflikt","13":"tag-somalia","14":"tag-tuerkei"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116584891162837312","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17729","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17729"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17729\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17730"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17729"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17729"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17729"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}