{"id":1796,"date":"2026-04-18T19:34:32","date_gmt":"2026-04-18T19:34:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/1796\/"},"modified":"2026-04-18T19:34:32","modified_gmt":"2026-04-18T19:34:32","slug":"krieg-im-sudan-massaker-hungersnot-und-millionen-auf-der-flucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/1796\/","title":{"rendered":"Krieg im Sudan: Massaker, Hungersnot und Millionen auf der Flucht"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Eine Frau und ein Mann sind in der R\u00fcckenansicht in einem Fl\u00fcchtlingscamp Nahe Port Sudan zu sehen und tragen gemeinsam einen mit Wasser gef\u00fcllten Kanister.\" alt=\"Eine Frau und ein Mann sind in der R\u00fcckenansicht in einem Fl\u00fcchtlingscamp Nahe Port Sudan zu sehen und tragen gemeinsam einen mit Wasser gef\u00fcllten Kanister.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/port-sudan-flucht-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Aufgrund des B\u00fcrgerkriegs im Sudan wurden Millionen Menschen vertrieben. Gro\u00dfe Teile der Zivilbev\u00f6lkerung sind auf humanit\u00e4re Hilfe angewiesen. (picture alliance \/ ASSOCIATED PRESS \/ Bernat Armangue)<\/p>\n<p>Im Sudan herrscht seit April 2023 Krieg. Damals eskalierte ein Machtkampf zwischen dem Armeechef Abdel Fattah Burhan und seinem ehemaligen Vize Mohammed Hamdan Daglo, auch bekannt als Hemeti, der die paramilit\u00e4rische Miliz Rapid Support Forces (RSF) anf\u00fchrt. <\/p>\n<p>Nach Angaben der Vereinten Nationen hat der Konflikt inzwischen Zehntausende Tote und Verletzte gefordert, beiden Seiten werden schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen. Rund 14 Millionen Menschen sind laut UN auf der Flucht, viele hungern. Die Vereinten Nationen sprechen von der gr\u00f6\u00dften humanit\u00e4ren Krise der Welt. <\/p>\n<p>Drei Jahre nach Kriegsbeginn versprach die Bundesregierung zuletzt auf der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin humanit\u00e4re Hilfen in H\u00f6he von 212 Millionen Euro. Von Frieden ist das Land jedoch noch immer weit entfernt. <\/p>\n<p>Die humanit\u00e4re Lage im Sudan ist katastrophal.\u00a0Etliche\u00a0Tausend\u00a0Zivilisten wurden inzwischen get\u00f6tet, es gibt Berichte \u00fcber schreckliche Kriegsgr\u00e4uel: In der\u00a0von der RSF eroberten Stadt Al-Faschir\u00a0wurden nach Angaben der UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei einem Angriff auf eine\u00a0Geburtsklinik 460 Menschen\u00a0ermordet.\u00a0Gefl\u00fcchtete aus Al-Faschir\u00a0berichten von willk\u00fcrlichen Erschie\u00dfungen und sexueller\u00a0Gewalt.\u00a0<\/p>\n<p>Laut den Vereinten Nationen wird die Zivilbev\u00f6lkerung in Darfur auch aufgrund ihrer Hautfarbe angegriffen,\u00a0Rassismus spielt eine zentrale Rolle. Die RSF richtet ihre Gewalt gezielt gegen nicht-arabischst\u00e4mmige Bev\u00f6lkerungsgruppen \u2013 vor allem gegen sesshafte afrikanischst\u00e4mmige\u00a0Bauern.\u00a0<\/p>\n<p>Ethnische S\u00e4uberungen\u00a0und\u00a0Angriffe auf Wohngebiete, Fl\u00fcchtlingslager und Krankenh\u00e4user wurden inzwischen\u00a0dokumentiert.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Die Region ist\u00a0bereits\u00a0seit Jahrzehnten von ethnischer Gewalt gepr\u00e4gt. Allein zwischen 2003 und 2008 wurden Sch\u00e4tzungen zufolge 300.000 Menschen get\u00f6tet.\u00a0Die RSF sind aus den arabischen\u00a0Dschandschawid-Milizen hervorgegangen, die f\u00fcr die damaligen Verbrechen ma\u00dfgeblich mitverantwortlich gemacht werden. Auch ihrem jetzigen Anf\u00fchrer Mohammed Hamdan\u00a0Daglo\u00a0werden Gr\u00e4ueltaten\u00a0vorgeworfen.\u00a0<\/p>\n<p>Neben der schieren Gewalt leiden die Menschen im Sudan\u00a0momentan\u00a0vor allem unter dem allgegenw\u00e4rtigen Hunger\u00a0und der Zerst\u00f6rung der Infrastruktur. Die medizinische Versorgung ist vielerorts zusammengebrochen,\u00a0Krankheiten breiten sich aus,\u00a0Millionen sind auf der\u00a0Flucht.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Die Arbeit der Hilfsorganisationen ist sehr risikoreich, humanit\u00e4re Helfer werden regelm\u00e4\u00dfig\u00a0get\u00f6tet.\u00a0Hilfsorganisationen berichten, dass die Versorgung der Zivilbev\u00f6lkerung kaum noch gew\u00e4hrleistet ist. Humanit\u00e4re Hilfe wird von den Konfliktparteien selten\u00a0durchgelassen.\u00a0<\/p>\n<p>Auch Geld fehlt.\u00a0F\u00fcr 2025 ben\u00f6tigten\u00a0die Vereinten Nationen nach eigenen Angaben 4,2 Milliarden Dollar f\u00fcr\u00a0die\u00a0humanit\u00e4re Hilfe im Sudan. Diese Mittel sollten die dringendsten Bed\u00fcrfnisse von fast 21 Millionen Menschen\u00a0decken.\u00a0<\/p>\n<p>Doch Unicef klagte Ende Oktober 2025, dass erst ein Viertel der Mittel tats\u00e4chlich verf\u00fcgbar\u00a0sei.\u00a0Dass\u00a0die\u00a0Trump-Administration\u00a0das\u00a0US-Hilfsprogramm USAID\u00a0abgewickelt hat,\u00a0trifft\u00a0die Region\u00a0ebenfalls\u00a0hart: 2024 flossen laut New York Times noch 830 Millionen US-Dollar an Nothilfe\u00a0in den\u00a0Sudan.\u00a0<\/p>\n<p>Die internationale Geberkonferenz in Berlin soll\u00a0drei Jahre nach Kriegsausbruch\u00a0zivile Akteure\u00a0zusammenbringen\u00a0und\u00a0Staaten motivieren,\u00a0\u201eGeld zur Verf\u00fcgung zu stellen, um einfach das unermessliche Leid etwas zu lindern\u201c, sagte\u00a0Bundesau\u00dfenminister Johann Wadephul (CDU). Dar\u00fcber hinaus solle sie dazu beitragen, dass\u00a0die Menschen im\u00a0Sudan nicht vergessen\u00a0werden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Dass die Konferenz zu Frieden\u00a0f\u00fchrt, ist\u00a0allerdings\u00a0nicht zu erwarten. Zum einen wurden die Kriegsparteien gar nicht eingeladen, weil sie sich nicht auf einen Waffenstillstand eingelassen\u00a0hatten. Zum anderen\u00a0gibt es keine Anzeichen daf\u00fcr, dass sich die Konfliktparteien einander\u00a0ann\u00e4hern.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Bislang sind alle\u00a0internationalen Initiativen, um den Krieg zu beenden oder auch nur einen Waffenstillstand zu vermitteln, gescheitert.\u00a0Sowohl die Armee als auch die RSF haben sich in der Vergangenheit nicht an Vereinbarungen\u00a0gehalten.\u00a0Der sudanesische Verteidigungsminister\u00a0lehnte\u00a0Anfang November 2025\u00a0einen Waffenruhe-Vorschlag\u00a0der USA\u00a0ab und verk\u00fcndete,\u00a0die Armee werde ihren Kampf gegen die RSF-Miliz\u00a0fortsetzen.\u00a0<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Eine Karte des afrikanischen Staats Sudan mit seiner Hauptstadt Karthoum\" alt=\"Eine Karte des afrikanischen Staats Sudan mit seiner Hauptstadt Karthoum\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/sudan-karte-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Eine Karte des afrikanischen Staats Sudan mit seiner Hauptstadt Karthoum (picture alliance \/ ASSOCIATED PRESS \/ Uncredited)<\/p>\n<p>Dass Armee und RSF w\u00fcten k\u00f6nnen, liegt auch daran, dass sie aus dem Ausland unterst\u00fctzt werden.\u00a0So kann sich Armeechef Burhan auf\u00a0\u00c4gypten\u00a0verlassen. Kairo betrachtet\u00a0ihn\u00a0als legitimen Herrscher und l\u00e4dt ihn regelm\u00e4\u00dfig ein.\u00a0Die RSF wirft \u00c4gypten immer wieder vor,\u00a0Burhan auch\u00a0milit\u00e4risch zu unterst\u00fctzen, was Kairo\u00a0bestreitet.\u00a0<\/p>\n<p>Die sudanesische Armee\u00a0wiederum\u00a0beschuldigt\u00a0die Vereinigten Arabischen Emirate, der\u00a0RSF mit Waffen und S\u00f6ldnern zu\u00a0helfen.\u00a0Sie will au\u00dferdem Waffen und Munition aus Kenia in RSF-Lagern gefunden\u00a0haben.\u00a0<\/p>\n<p>Dass der Westen nicht mehr Druck auf die Emirate macht, die Hilfen f\u00fcr die RSF einzustellen, erkl\u00e4rt Gerrit Kurtz von der Stiftung Wissenschaft und Politik unter anderem mit guten Verbindungen Abu Dhabis zur Trump-Administration und wirtschaftlichen\u00a0Interessen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Als wichtiger Rivale der Vereinigten Arabischen Emirate unterst\u00fctzt\u00a0die T\u00fcrkei\u00a0wiederum\u00a0die sudanesische Armee.\u00a0Medienberichten zufolge lieferte Ankara Drohnen, mit denen Stellungen der RSF angegriffen wurden.\u00a0Die\u00a0RSF\u00a0wirft auch\u00a0Teheran vor, der sudanesischen Armee Drohnen zur Verf\u00fcgung zu\u00a0stellen.\u00a0<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich versucht auch\u00a0Russland, seine Interessen\u00a0in der Region\u00a0zu sichern. Mehrere Jahrzehnte\u00a0st\u00fctzte sich der Sudan milit\u00e4risch auf Russland.\u00a0K\u00fcrzlich\u00a0schlossen die beiden L\u00e4nder mehrere Abkommen \u00fcber eine milit\u00e4rische und wirtschaftliche\u00a0Zusammenarbeit.\u00a0<\/p>\n<p>Der Konflikt begann im April 2023 in der Hauptstadt Khartum und hat sich schnell auf weitere Gebiete ausgedehnt.\u00a0Anfangs\u00a0schien die RSF die Oberhand zu haben. Sie belagerte von der Armee kontrollierte Gebiete im Raum Khartum und eroberte anschlie\u00dfend den Gro\u00dfteil Darfurs, mit Ausnahme Nord-Darfurs, sowie einen Gro\u00dfteil der Region\u00a0Kordofan\u00a0im\u00a0S\u00fcden.\u00a0<\/p>\n<p>Doch eine Gegenoffensive der Armee f\u00fchrte zu verheerenden Niederlagen der RSF. Heute stehe der Konflikt fast da, wo er begonnen habe, sagt der Politikwissenschaftler Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik und ehemals Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen f\u00fcr den Sudan.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>Die beiden kriegsf\u00fchrenden Parteien, die Regierungsarmee und die oppositionellen RFS, haben das Land zu weiten Teilen unter sich aufgeteilt.\u00a0 Die Armee kontrolliert die K\u00fcste entlang des Roten Meeres und den Zentralsudan mit der Hauptstadt Khartum. Die RSF beherrscht den gr\u00f6\u00dften Teil der Provinz Darfur im Westen Sudans. Beide Armeen sind gleicherma\u00dfen hochger\u00fcstet. Und beide haben in den von ihnen kontrollierten Gebieten eigene Verwaltungen errichtet, die den Anschein ziviler Regierungen erwecken und internationale Anerkennung suchen.<\/p>\n<p>Der Sudan ist reich an Rohstoffen wie \u00d6l und Gold. Besonders die Goldminen spielen f\u00fcr den Verlauf des Krieges eine wesentliche Rolle: Beide Kriegsparteien finanzieren ihre Waffen \u00fcber den Verkauf des Edelmetalls, das h\u00e4ufig \u00fcber Nachbarl\u00e4nder wie Tschad und Libyen geschmuggelt wird. Das Land war zudem die \u201eKornkammer Afrikas\u201c und ein bedeutender Rindfleisch-Exporteur in die Golfstaaten, was das anhaltende Interesse dieser L\u00e4nder am Sudan\u00a0erkl\u00e4rt.\u00a0<\/p>\n<p>Beide Kriegsparteien profitieren davon, dass der Sudan \u00fcber Jahrzehnte mit Waffen beliefert wurde \u2013 und weiterhin wird.\u00a0Ein Ende der Lieferungen ist nicht in Sicht. Der Krieg hat sich\u00a0schon verselbstst\u00e4ndigt, ist zum Spielfeld f\u00fcr private und staatliche Kriegsunternehmer aus aller Welt\u00a0geworden. Krieg\u00a0ist\u00a0f\u00fcr viele Akteure\u00a0einfach profitabler und einfacher als\u00a0Frieden.\u00a0<\/p>\n<p>2019 kam es zu monatelangen Protesten der Bev\u00f6lkerung gegen Langzeitdiktator Omar Al-Bashir.\u00a0Dieser hatte sich\u00a01989 an die Macht geputscht und ein islamistisches System errichtet \u2013 unterst\u00fctzt von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Nachbarland \u00c4gypten. Abspaltungsversuche in der Provinz Darfur lie\u00df er gewaltsam\u00a0niederschlagen.\u00a0<\/p>\n<p>Nach dem Sturz von Al-Bashir 2019 gab es\u00a0eine zivil-milit\u00e4rische Machtteilung\u00a0im Land\u00a0und eine \u00dcbergangsregierung, was allerdings nicht zu politischer Stabilit\u00e4t\u00a0f\u00fchrte.\u00a0Ein Milit\u00e4rputsch\u00a02021\u00a0ging mit dem Versprechen einher,\u00a0den\u00a0\u00dcbergang zu einer zivilen Regierung\u00a0zu schaffen. Im Zuge dessen sollten die RSF-Truppen in das Milit\u00e4r eingegliedert werden, was Spannungen\u00a0ausl\u00f6ste.\u00a0<\/p>\n<p>RSF-F\u00fchrer\u00a0Daglo\u00a0unterstellte\u00a0Armeechef\u00a0Burhan, seine Macht nicht aufgeben zu wollen.\u00a0Mitte April 2023 eskalierte\u00a0dann der\u00a0schon l\u00e4nger schwelende Konflikt innerhalb des Sicherheitsapparats. Die milit\u00e4rische Konfrontation lie\u00df das fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig drittgr\u00f6\u00dfte Land Afrikas mit seinen rund 51 Millionen Einwohnern im Chaos versinken.\u00a0<\/p>\n<p>ahe, tei, bth, rzr, jk, nbs, kau, nm, og, rey<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aufgrund des B\u00fcrgerkriegs im Sudan wurden Millionen Menschen vertrieben. 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