{"id":18258,"date":"2026-05-17T15:44:48","date_gmt":"2026-05-17T15:44:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/18258\/"},"modified":"2026-05-17T15:44:48","modified_gmt":"2026-05-17T15:44:48","slug":"steigende-spannungen-zwischen-kenia-und-somalia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/18258\/","title":{"rendered":"Steigende Spannungen zwischen Kenia und Somalia"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDiese Tat l\u00e4uft auf einen ungerechtfertigten Angriff ausl\u00e4ndischer Soldaten mit der Absicht hinaus, Kenia zu provozieren\u201c verk\u00fcndete eine Sprecherin von Pr\u00e4sident Uhuru Kenyatta am 5. M\u00e4rz 2020. Zuvor tagte der nationale Sicherheitsrat unter Vorsitz des Pr\u00e4sidenten. Der richtete gleich noch eine eindr\u00fcckliche Warnung an den somalischen Pr\u00e4sidenten, keinen Krieg mit Kenia zu provozieren[1].<\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr die scharfen Worte Kenyattas war eine Operation des somalischen Milit\u00e4rs auf kenianischem Grund. Diese ereignete sich am 2. M\u00e4rz nahe der kenianischen Grenzstadt Mandera. Ziel der Operation war die Festnahme von Abdirashid Janan, einem ehemaligen Minister der Regierung des autonomen Jubaland State, der zuvor aus einem Gef\u00e4ngnis in Mogadischu nach Kenia geflohen war. Dem ehemaligen Sicherheitsminister Jubalands werden schwere Menschenrechtsverletzungen und die Behinderung internationaler Hilfen vorgeworfen. Amnesty International sah in der Verhaftung Janans \u201eeinen bedeutenden Schritt in Richtung Verantwortlichkeit [\u2026] in Somalia\u201c[2]. Janan floh am 28. Januar aus einem Gef\u00e4ngnis in Mogadischu und \u00fcberquerte bei der Grenzstadt Mandera die Grenze, wo er von kenianischen Beh\u00f6rden empfangen, jedoch nicht festgenommen wurde. Diese \u00fcbergaben ihn jedoch nicht zur\u00fcck an somalische Beh\u00f6rden, sondern boten ihm anscheinend Asyl an. Jubaland ist ein enger Partner Kenias im Kampf gegen Al-Shabaab. Die Autonomieregierung von Jubaland nannte die Festnahme Janans im August vergangenen Jahres durch die somalische Bundesregierung bereits illegal. Nun unterst\u00fctzte Kenia also erneut die Regionalregierung Jubalands gegen\u00fcber Mogadischu. Die Nicht-Auslieferung Janans zog nicht nur scharfe Worte von Somalias Regierung nach sich. Kenia solle die guten nachbarschaftlichen Beziehungen nicht riskieren; auch von Amnesty International wurde diese Handlungsweise Nairobis verurteilt[3]. Dass sich Kenia damit gegen die somalische Regierung und an die Seite der Regierung Jubalands stellt, offenbart zwei wesentliche Aspekte \u00fcber die politische Stabilit\u00e4t der Region: Die au\u00dfenpolitische Relevanz des internen Konflikts zwischen der somalischen Bundesregierung und den autonomen Regionen, sowie ungekl\u00e4rte Streitigkeiten zwischen Kenia und Somalia.<\/p>\n<p>Der Konflikt zwischen den Regierungen Jubalands und des somalischen Bundesstaates birgt Spannungen \u00fcber die Grenzen hinaus.<\/p>\n<p>Jubaland ist die s\u00fcdlichste Region Somalias direkt an der kenianischen Grenze. Das Land ist als Agrarland fruchtbar und vor der K\u00fcste liegen signifikante \u00d6l- und Gasvorkommen. Ihre Hauptstadt Kismayo verf\u00fcgt \u00fcber einen wichtigen Hafen, weshalb Jubaland im armen Somalia zumindest \u00fcber gute wirtschaftliche Voraussetzungen verf\u00fcgt. In der langen Geschichte des somalischen B\u00fcrgerkriegs war es dementsprechend ein wichtiges Machtzentrum, das immer umk\u00e4mpft wurde. So kontrollierte die radikale Islamic Court Union und sp\u00e4ter deren terroristische Absplitterung Al-Shabaab lange Zeit Jubaland. Erst im September 2012 wurde Kismayo durch gem\u00e4\u00dfigte somalische Kr\u00e4fte mit Unterst\u00fctzung von UN-mandatierten AMISOM-Truppen zur\u00fcckerobert. Nachdem 2011 \u2013 auch mit der Unterst\u00fctzung kenianischer Truppen \u2013 unter dem AMISOM Mandat die Autonomie der Region Jubaland ausgerufen wurde, geschah dies gegen den Willen der damaligen somalischen \u00dcbergangsregierung. In der Folge zeigte sich Kenia als Mediator zwischen der Administration Jubalands und der somalischen Regierung. Die somalische Regierung wollte m\u00f6glichst viel Kontrolle \u00fcber die Region und ihre Ressourcen und erkl\u00e4rte die Autonomie Jubalands f\u00fcr verfassungswidrig. Im August 2013 kam es dann zu einem \u00e4thiopisch vermittelten Kompromiss, der die \u00dcberf\u00fchrung des Hafens und Flughafens von Kismayo sowie des lokalen Milit\u00e4rs in die H\u00e4nde der Bundesregierung vorsah, der lokalen Administration jedoch politische Autonomie und Zugriff auf die dort generierten Einnahmen gew\u00e4hrte. Doch trotz der Einigung und einem weiteren gemeinsamen Memorandum im Dezember 2014 war das Verh\u00e4ltnis zwischen der Regierung Jubalands und der Bundesregierung angespannt. Jubalands Sicherheit wird immer noch vor allem von Milizen unter der Kontrolle des Pr\u00e4sidenten von Jubaland State, Ahmed Madobe, gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n<p>Die Spannungen zwischen den f\u00f6deralen Staaten und der Bundesregierung in Somalia zeigen sich auch im Vorfeld der f\u00fcr Ende dieses Jahres geplanten Wahlen. Es sollen die ersten \u2013 zumindest auf dem Papier \u2013 freien Wahlen seit 1969 werden[4]. Die somalische Bundesregierung um Pr\u00e4sident Mohamed Abdullahi Farmajo versuchte ihren Einfluss mit der Installation von Loyalisten als Pr\u00e4sidenten der f\u00f6deralen Staaten zu erweitern. Bei der Wiederwahl Madobes, der bei seiner Wahl von Kenia unterst\u00fctzt wurde, wurde sein Gegenkandidat vom somalischen Pr\u00e4sidenten Farmajo und \u00c4thiopien favorisiert. Die somalische Regierung wollte daher die Wahl Madobes zun\u00e4chst nicht anerkennen, es drohte zu Auseinandersetzungen zu kommen, die auch \u00e4thiopische und kenianische Truppen involviert h\u00e4tte. So sorgt die unklare Machtbalance zwischen der Bundesregierung und den Regionalstaaten nicht nur f\u00fcr innere Instabilit\u00e4t, in der sich Radikale wie Al-Shabaab, weiter ausbreiten k\u00f6nnen. Gleichzeitig zieht es in dieses Machtvakuum auch seine Nachbarn, die dieses zum Schutz der eigenen Sicherheit f\u00fcllen, was Somalia letztlich zum Pulverfass am Horn macht.<\/p>\n<p>Streitigkeiten um den maritimen Grenzverlauf zwischen Kenia und Somalia versch\u00e4rfen die Spannungen in der Region.<\/p>\n<p>Kenias Unterst\u00fctzung Madobes kann dar\u00fcber hinaus durchaus als strategisches Mittel gesehen werden, um den somalischen Pr\u00e4sidenten Farmajo zu schw\u00e4chen und Vorteile im schwelenden Streit um den maritimen Grenzverlauf im Indischen Ozean zu gewinnen. Farmajo ben\u00f6tigt f\u00fcr seine Wiederwahl bei den anstehenden Wahlen auch Unterst\u00fctzung aus Jubaland. Will er seine Aussichten also erh\u00f6hen, muss er sich nun mit dem von Kenia unterst\u00fctzen Madobe einigen. Im August 2014 erhob Somalia Klage vor den Internationalen Gerichtshof (ICJ), nachdem Kenia Hoheitsgebiete vor der K\u00fcste Jubalands verletzt haben soll. Bei dem Streit geht es um eine etwa 100.000km\u00b2 gro\u00dfe Fl\u00e4che, die reich an \u00d6l- und Gasvorkommen sein soll. W\u00e4hrend Kenia behauptet, dass seit einem Dekret von1979 der Grenzverlauf im Indischen Ozean parallel zum Breitengrad verl\u00e4uft, beansprucht Somalia die lineare Fortf\u00fchrung des diagonalen Grenzverlaufs an Land. Kenia m\u00f6chte sich dennoch gerne au\u00dfergerichtlich einigen (\u201eFreunde bringen einander nicht vor Gericht\u201c), Somalia scheint jedoch eine Entscheidung des Gerichts herbeif\u00fchren zu wollen \u2013 oder zumindest durch Verz\u00f6gerungen den Druck auf kenianische Zugest\u00e4ndnisse zu erh\u00f6hen. Die n\u00e4chste Anh\u00f6rung vor dem ICJ war f\u00fcr Juni geplant, diese ist angesichts der Aussetzung aller Anh\u00f6rungen bis Ende Mai wohl nicht mehr zu erwarten. Dadurch erh\u00f6ht sich wohl der Druck auf Pr\u00e4sident Farmajo noch vor den Wahlen eine Einigung zu erzielen. Da eine gerichtliche Einigung nicht zeitnah zu erwarten ist, versuchen sich beide Seiten durch gegenseitige Provokationen zu profilieren. Vor allem f\u00fcr den innenpolitisch schwachen Farmajo liegt es nahe, dies \u00fcber au\u00dfenpolitische H\u00e4rte zu versuchen. Da es um wichtige Einnahmen f\u00fcr Somalia geht, muss Farmajo diese sichern, um damit etwaige Wahlgeschenke finanzieren zu k\u00f6nnen. So bot Somalia im Februar 2019 \u00d6l- und Gasfelder in dem umstrittenen Gebiet zur Auktion an. Kenia wies daraufhin den somalischen Botschafter aus und rief seinen eigenen Botschafter aus Mogadischu zur\u00fcck. Die Unterst\u00fctzung Madobes und der Regierung Jubalands sowie die verst\u00e4rkte milit\u00e4rische Pr\u00e4senz Kenias in der Region passen in dieses Bild.<\/p>\n<p>Die milit\u00e4rische Pr\u00e4senz beider Seiten wird verst\u00e4rkt. Dennoch deutet sich eine Ann\u00e4herung an.<\/p>\n<p>So ist auch die Tatsache, dass Kenia den gefl\u00fcchteten Minister aus Jubaland aufgenommen hat, als deutliche Provokation der somalischen Bundesregierung zu werten. Die Operation des somalischen Milit\u00e4rs zur Festnahme Janans nahm hingegen auch einige Kollateralsch\u00e4den auf kenianischer Seite in Kauf.\u00a0 Am Tag zuvor reisten noch 11 Abgeordnete der kenianischen Nationalversammlung, deren Wahlkreise in der Grenzregion zu Somalia liegen, zu Gespr\u00e4chen mit Pr\u00e4sident Farmajo nach Mogadischu. Dies geschah jedoch ohne offizielle Genehmigung des kenianischen Parlamentspr\u00e4sidenten oder Au\u00dfenministeriums, weshalb die Abgeordneten bei ihrer Wiederankunft in Nairobi zun\u00e4chst von der Polizei verh\u00f6rt wurden. Offiziell besprachen die Abgeordneten vor allem sicherheitsrelevante Themen aus ihren Wahlkreisen, wie die Bek\u00e4mpfung Al-Shabaabs, mit Pr\u00e4sident Farmajo.\u00a0 Der Zeitpunkt und die Herkunft der Abgeordneten legen jedoch auch nahe, dass der fl\u00fcchtige Minister aus Jubaland und die anstehende Operation ebenfalls Themen auf der Agenda waren.<\/p>\n<p>Diese neue Stufe der Eskalation unter Einbeziehung des Milit\u00e4rs scheint jedoch beiden Seiten gezeigt zu haben, dass eine Ann\u00e4herung notwendig ist. Nicht zuletzt auf Druck von EU und USA sowie unter Vermittlung des \u00e4thiopischen Premierministers Abiy Ahmed telefonierten zun\u00e4chst beide Pr\u00e4sidenten. Im Anschluss schickte Pr\u00e4sident Kenyatta eine Delegation unter F\u00fchrung des Innenministers Fred Matiang\u2019i zu Gespr\u00e4chen nach Somalia. Dort habe man sich geeinigt, sich wieder auf gemeinsame sicherheitspolitische Anliegen zu konzentrieren. Der Kampf gegen Al-Shabaab eint die sicherheitspolitischen Interessen beider L\u00e4nder. Gleichzeitig belastet der Grenzdisput die Beziehungen nachhaltig. Erst eine Einigung hier k\u00f6nnte f\u00fcr Entspannung sorgen. Nachdem eine baldige Entscheidung vor dem ICJ aufgrund der Umst\u00e4nde durch Covid19 unwahrscheinlich geworden ist, wird wohl eine internationale Mediation notwendig sein. Ob sich \u00c4thiopien, nachdem sich die Beziehungen zu Kenia zuletzt eher verschlechtert haben, daf\u00fcr eignet, ist unklar. Hinzu kommt, dass auch dem landumschlossenen \u00c4thiopien ein Interesse am Zugang zum Hafen von Kismayo nachgesagt wird. Die EU spielt in diesem Konflikt noch keine prominente Rolle, und auch die USA pr\u00e4sentieren sich unter der Trump Administration in Afrika au\u00dfenpolitisch zur\u00fcckhaltend. Es bleibt somit offen, unter wessen Vermittlung der Streit beigelegt werden k\u00f6nnte. Bei der Beilegung des Streits steht Kenia ohnehin vor einem politischen Dilemma.<\/p>\n<p>Kenias duale Interessenslage ist ein Faktor der Instabilit\u00e4t vor den Wahlen.<\/p>\n<p>Kenias au\u00dfenpolitische Somaliastrategie folgt zwei Kerninteressen: der Bek\u00e4mpfung Al-Shabaabs und sowie die Verteidigung der eigenen \u00f6konomischen Interessen am Horn, vor allem den Zugang zu Ressourcen. Diese beiden Interessen stehen teilweise jedoch in Konflikt zueinander. Um sich den Zugang zu Ressourcen in Jubaland, vor allem zum Hafen von Kismayo und die vor Jubaland liegenden \u00d6l- und Gasvorkommen, zu sichern, schw\u00e4cht Kenia die Regierung in Mogadischu[5]. Gleichzeitig sorgt die fehlende Staatlichkeit Somalias daf\u00fcr, dass sich radikale Gruppen wie Al-Shabaab etablieren k\u00f6nnen. Das wiederum sorgt daf\u00fcr, dass Kenia verst\u00e4rkt eigene Ressourcen in die Sicherung der Grenzregion investieren muss. Hinzu kommt neben der sicherheitspolitischen Gefahr, die von Al-Shabaab ausgeht, dass deren Aktivit\u00e4ten auch zu einer innenpolitischen Herausforderung in Form der somalischen Fl\u00fcchtlinge in Kenia f\u00fchren. Das Fl\u00fcchtlingslager in Dadaab, das sich trotz langj\u00e4hriger Bem\u00fchungen der kenianischen Regierung nicht aufl\u00f6sen l\u00e4sst, gilt als Unruheherd in Kenia. Die Grenzregion zu Somalia zeigt sich \u2013 schon seit den fr\u00fchen Jahren der Unabh\u00e4ngigkeit \u2013 als politisch und \u00f6konomisch abgeh\u00e4ngt. Die fehlende Klarheit in der Somaliastrategie hat Kenia somit in ein Dilemma man\u00f6vriert, das nur schwer zu l\u00f6sen ist.<\/p>\n<p>Die anstehenden Wahlen in Somalia scheinen dieses Dilemma auch nicht aufzul\u00f6sen. Die ersten demokratischen Wahlen seit \u00fcber 50 Jahren sollten das Land eigentlich stabilisieren. Doch auch ohne die Unsicherheit angesichts der Ausbreitung des Covid19-Viruses deutet sich im Vorfeld der Wahlen Streit und Uneinigkeit \u00fcber die Durchf\u00fchrung der Wahlen zwischen verschiedenen somalischen Parteien an. Dabei geht es vor allem die Fairness und den Zeitpunkt der Wahl. So deutet die historische Erfahrung aus anderen Wahlen an, dass derartige Vorw\u00fcrfe der Opposition im Vorfeld von Wahlen auch zu gleichartigen Vorw\u00fcrfen nach der Wahl f\u00fchren und das Wahlergebnis nicht akzeptiert wird.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass besonders die autonomen Staaten Somalias ohnehin ein Interesse an der Schw\u00e4chung der Bundesregierung in Mogadischu haben, nicht zuletzt um die eigene Machtbasis auszubauen. An dieser Ausgangslage hat Kenia mit der Unterst\u00fctzung Jubalands selbst Verantwortung zu tragen. Es ist also fraglich, ob die Staatlichkeit und Stabilit\u00e4t Somalias mit den geplanten Wahlen im Dezember gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Analyse der Sicherheitslage am Horn von Afrika darf sich nicht allein auf die terroristische Bedrohung durch Al-Shabaab konzentrieren. Die Situation und die Interessenlagen der Akteure in der Region sind viel komplexer. Auch wenn der Kampf gegen die Terrormiliz alle Akteure eint, zeigt sich das Handeln der Akteure durchaus ambivalent.<\/p>\n<p>So birgt Kenias Strategie, Jubaland zu unterst\u00fctzen, gro\u00dfe Risiken. Einerseits soll es die eigene Grenzregion vor Angriffen Al-Shabaabs sichern, andererseits st\u00fctzt man damit einen Verb\u00fcndeten in Somalia, der den somalischen Pr\u00e4sidenten innenpolitisch soweit unter Druck setzt, dass dessen Schw\u00e4che die eigene Verhandlungsposition im Disput um den maritimen Grenzverlauf st\u00e4rkt. W\u00e4hrend es nachvollziehbar ist, dass Nairobi mit Jubaland eng kooperieren will, um die eigene Grenzregion vor Angriffen Al-Shaababs zu sichern, wird gleichzeitig offensichtlich, dass dies zur weiteren Schw\u00e4chung der somalischen Bundesregierung beitr\u00e4gt. Auch wenn dieser Umstand mit Blick auf den kenianisch-somalischen Disput um den maritimen Grenzverlauf gew\u00fcnscht wird, scheint er sich mit Blick auf das Sicherheitsproblem durch die terroristischen Aktivit\u00e4ten in der Region als durchaus kontraproduktiv zu erweisen. Was auf politischer Mikroebene stabilisierend wirkt, schw\u00e4cht auf Makroebene das sicherheitspolitische Gesamtkonstrukt.<\/p>\n<p>Somit bleibt f\u00fcr Kenia vor allem eine Strategie: Die nahezu bedingungslose Unterst\u00fctzung Jubalands. So sichert Kenia zumindest ein Mindestma\u00df an Stabilit\u00e4t in der unmittelbaren Grenzregion und kann damit auch die eigenen wirtschaftlichen Interessen sch\u00fctzen. Dies geht jedoch sicherlich zu Lasten der Gesamtstabilit\u00e4t Somalias. Dort stellt sich jedoch ohnehin die Frage, wie diese nach 30 Jahren B\u00fcrgerkrieg \u00fcberhaupt herzustellen ist. Das UN Mandat der AMISOM sollte die \u00dcbergangsregierung bei dem Aufbau staatlicher Strukturen unterst\u00fctzen, damit dieses Jahr die ersten demokratischen Wahlen stattfinden k\u00f6nnen. Die Aussicht auf den Erfolg dessen ist derzeit jedoch eher pessimistisch zu bewerten. Insofern muss die internationale Gemeinschaft wohl \u00fcberdenken, ob der Ansatz, in den Aufbau gesamtsomalischer Strukturen zu investieren wirklich vielversprechend ist. Stattdessen ist der pragmatische \u2013 und sicherlich nicht uneigenn\u00fctzige \u2013 Ansatz Kenias, die eigenen Interessen unmittelbar durch die Unterst\u00fctzung eines m\u00f6glichst stabilen Jubalands zu verfolgen, eine \u00dcberlegung wert. Funktionierende staatliche Strukturen auf der lokalen Ebene entziehen Terroristen eher den N\u00e4hrboden als ein zwischen vier Clans aufgeteilter Staat, der keine effektive Staatlichkeit aufbaut. Die Wahlen in Somalia, sofern sie denn ein Mindestma\u00df an Freiheit aufweisen, werden auch ein Zeichen geben, welche Priorit\u00e4ten die Somalier f\u00fcr die nahe Zukunft setzen wollen. Vielleicht gibt es danach auch neue Strategien, wie k\u00fcnftig demokratische Strukturen gest\u00e4rkt werden k\u00f6nnen. Bis dahin wird Kenia wohl weiterhin mit einem pragmatischen Kurs die eignen Interessen sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>[1] The Star, 5. M\u00e4rz 2020; https:\/\/www.the-star.co.ke\/news\/2020-03-05-kenyatta-to-somalia-dont-dare-spoil-for-war\/<\/p>\n<p>[2] Amnesty International, 2. September 2019; https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/news\/2019\/09\/somalia-arrest-of-jubaland-security-minister-must-yield-justice-for-victims\/<\/p>\n<p>[3] Amnesty International, 3. Februar 2020; https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/news\/2020\/02\/somalia-kenya-must-arrest-and-return-escaped-jubaland-minister-to-face-trial-in-mogadishu\/<\/p>\n<p>[4] Bislang wird Somalia nach dem sogenannten \u201e4.5 System\u201c regiert, nachdem sich die Verteilung der Sitze in Parlament und Regierung nach den vier dominierenden Clans sowie einer kleinen Repr\u00e4sentanz f\u00fcr Minderheiten zusammensetzt.<\/p>\n<p>[5] In einem Beitrag der Deutschen Welle wird spekuliert, Kenia k\u00f6nne versuchen, Jubaland zu annektieren. Diese Spekulation ist momentan jedoch kaum vorstellbar. Deutsche Welle, 13. M\u00e4rz 2020; https:\/\/www.dw.com\/en\/could-kenya-annex-chunks-of-somalia\/a-52725856<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eDiese Tat l\u00e4uft auf einen ungerechtfertigten Angriff ausl\u00e4ndischer Soldaten mit der Absicht hinaus, Kenia zu provozieren\u201c verk\u00fcndete eine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":18259,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[248],"tags":[8375,8374,3101,1777,118,3099,3104,428,1773,1782,1774],"class_list":{"0":"post-18258","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-somalia","8":"tag-8375","9":"tag-auslandsbuero-kenia","10":"tag-europa-und-internationales","11":"tag-hauptabteilung-europaeische-und-internationale-zusammenarbeit","12":"tag-kenia","13":"tag-laenderberichte","14":"tag-online-redaktion-uebersicht","15":"tag-somalia","16":"tag-startseite","17":"tag-subsahara-afrika","18":"tag-uebersichtsseite"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116590695075173094","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18258","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18258"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18258\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18259"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}