{"id":1843,"date":"2026-04-18T20:11:52","date_gmt":"2026-04-18T20:11:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/1843\/"},"modified":"2026-04-18T20:11:52","modified_gmt":"2026-04-18T20:11:52","slug":"vier-museen-in-drei-jahren-schweizer-uebernimmt-aufbau-und-leitung-in-benin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/1843\/","title":{"rendered":"Vier Museen in drei Jahren: Schweizer \u00fcbernimmt Aufbau und Leitung in Benin"},"content":{"rendered":"<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Musee-des-Rois-et-des-Amazones-du-Dahomey.jpg\" width=\"5689\" height=\"5689\" alt=\"Museum der K\u00f6nige und Amazonen von Dahomey\" loading=\"eager\" decoding=\"sync\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>                Die k\u00fcnftige Dauerausstellung des Museums der K\u00f6nige und Amazonen von Dahomey in Abomey.            <\/p>\n<p>            Koffi &amp; Diabat\u00e9 Architectes, Abidjan        <\/p>\n<p>        Der Freiburger Pal\u00e4ontologe Jacques Ayer wurde von der Regierung Benins zum Generaldirektor der R\u00e9union des mus\u00e9es publics ernannt. Dabei handelt es sich um ein umfangreiches Projekt: den Aufbau von vier Institutionen innerhalb von drei Jahren (zwischen 2026 und 2029), die der Aufwertung beninischer Kunstwerke gewidmet sind. Ayer hat seinen Posten im Januar angetreten.\n<\/p>\n<p>        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht    <\/p>\n<p>        18. Februar 2026 &#8211; 06:00\n<\/p>\n<p>Jacques Ayer war selbst am meisten erstaunt \u00fcber seine Ernennung. Seit diesem Januar leitet der geb\u00fcrtige Freiburger die R\u00e9union des mus\u00e9es publics (RMP) von Benin. Ein monumentales Projekt, das vier Museen umfasst, die derzeit in vier St\u00e4dten Benins gebaut werden.<\/p>\n<p>Es handelt sich dabei um das internationale Museum zur Erinnerung an die Sklaverei in Ouidah, das sich der Geschichte des Sklavenhandels zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert widmet; das Museum der K\u00f6nige und Amazonen von Dahomey in Abomey, das der Rekonstruktion der K\u00f6nigspal\u00e4ste dient; das internationale Vodun-Museum in Porto-Novo, das das religi\u00f6se Erbe Benins und der Voodoo-Gemeinschaften in Afrika w\u00fcrdigt; und schliesslich das Museum f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst in Cotonou, das beninische und afrikanische K\u00fcnstler:innen von heute bekannt machen will.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ayer.jpg\" width=\"1737\" height=\"1563\" alt=\"Jacques Ayer\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Jacques Ayer leitet seit Januar die R\u00e9union des mus\u00e9es publics (RMP) in Benin.            <\/p>\n<p>Ayer wurde auf Vorschlag des beninischen Pr\u00e4sidenten Patrice Talon im Ministerrat ernannt. Der Freiburger hat sich nun in Cotonou, der Wirtschaftshauptstadt des Landes, niedergelassen und hat drei Jahre Zeit (von 2026 bis 2029), um seine anspruchsvolle Aufgabe zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Es muss gesagt werden, der Mann ist daf\u00fcr sehr gut ausger\u00fcstet. Als ausgebildeter Pal\u00e4ontologe mit einem Master-Abschluss in Geologie, den er 1994 an der Universit\u00e4t Neuenburg erworben hat, habe er seither \u00abseine Sporen abverdient\u00bb, wie er selbst sagt.<\/p>\n<p>Vielseitiges Profil<\/p>\n<p>Von 1994 bis 2004 war Ayer Konservator der Abteilung f\u00fcr Geowissenschaften am Naturhistorischen Museum Neuenburg. Anschliessend leitete er das Jurassica Museum in Porrentruy (Jura), bevor er von 2012 bis 2020 die Leitung des Naturhistorischen Museums Genf \u00fcbernahm.<\/p>\n<p>Vor etwas mehr als vier Jahren gr\u00fcndete er sein eigenes Beratungsb\u00fcro Mus\u00e9olis mit Sitz in Genf, das es ihm erm\u00f6glicht, Projekte im Zusammenhang mit der Museologie aufzubauen. Dreissig Jahre Erfahrung haben seine Kontakte diversifiziert und sein Adressbuch bereichert.<\/p>\n<p>\u00abMein vielseitiges Profil hat bei der beninischen Regierung zu meinen Gunsten gewirkt\u00bb, sagt er. \u00abHinzu kommt mein pers\u00f6nliches Interesse an Afrika. Meine Ehefrau ist aus dem Niger. Sie ist nat\u00fcrlich nicht am Aufbau der RMP beteiligt, aber sie hat mir schon seit einiger Zeit die Augen f\u00fcr die Frage des afrikanischen Erbes ge\u00f6ffnet.\u00bb<\/p>\n<p>Die Anziehungskraft von Jacques Ayer f\u00fcr afrikanische Kunst ist ein grosser Vorteil. Aber ist es f\u00fcr Benin nicht problematisch, einem Europ\u00e4er die Verwaltung dieses Erbes im Rahmen eines nationalen Projekts anzuvertrauen?<\/p>\n<p>Vorreiterprojekt in Afrika<\/p>\n<p>\u00abIch muss zugeben, dass ich sehr wohlwollend empfangen wurde. In den sozialen Netzwerken gab es jedoch unterschiedliche Reaktionen; einige waren von meiner Ernennung \u00fcberrascht, aber nie dagegen\u00bb, sagt Ayer.<\/p>\n<p>\u00abDer Aufbau der vier Institutionen muss unter optimalen Bedingungen schnell voranschreiten. Benin hat jedoch in diesem Bereich noch keine grosse Erfahrung. Mit diesem umfangreichen Projekt fungiert das Land als Vorreiter in Afrika. Es brauchte daher technische Begleitung und praktische Kompetenzen, damit sich diese Museen nachhaltig entwickeln.\u00bb<\/p>\n<p>Ayer beabsichtigt jedoch nicht, das westliche Modell der Museologie nach Benin zu importieren. Dieses entspreche nicht unbedingt den Erwartungen der einheimischen Bev\u00f6lkerung, sagt er. \u00abMein Ziel ist, hier ein Modell zu entwickeln, das die afrikanischen k\u00fcnstlerischen Interessen ber\u00fccksichtigt.\u00bb Als Beispiel nennt er das zuk\u00fcnftige internationale Vodun-Museum in Porto-Novo.<\/p>\n<p>\u00abDadurch k\u00f6nnen Werke aufgewertet werden, die haupts\u00e4chlich f\u00fcr religi\u00f6se oder soziale Rituale verwendet werden, also in den lokalen Traditionen verankert sind. Ich beabsichtige, diesen ihre urspr\u00fcngliche Funktion zur\u00fcckzugeben. Es kommt somit nicht in Frage, sie in einer Museumsvitrine einzuschliessen, wie es in Europa \u00fcblich ist. F\u00fcr das Publikum k\u00f6nnte man sich zum Beispiel einen historischen Rundgang in bestimmten D\u00f6rfern des Landes vorstellen, wo diese Werke bei Zeremonien noch verwendet werden.\u00bb<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Musee-International-du-Vodun.jpg\" width=\"1520\" height=\"839\" alt=\"Internationales Vodun-Museum\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Das Hauptgeb\u00e4ude des k\u00fcnftigen internationalen Vodun-Museums in Porto-Novo.            <\/p>\n<p>            Koffi &amp; Diabat\u00e9 Architectes, Abidjan          <\/p>\n<p>Wissensvermittlung<\/p>\n<p>Vor der Ankunft von Jacques Ayer hatten religi\u00f6se Instanzen, Historikerinnen und Wissenschaftler aus Benin bereits begonnen, sich mit der Frage der Aufwertung des Kulturerbes zu befassen.<\/p>\n<p>\u00abWas ich zus\u00e4tzlich einbringe\u00bb, sagt Ayer, \u00abist meine Erfahrung in Sachen Strategie und Betriebsabl\u00e4ufe. Kurz gesagt: der Aufbau eines organisatorischen Rahmens.\u00bb Sein Wunsch, die Kulturprogramme zu konsolidieren und eine Vermittlung f\u00fcr das Publikum zu schaffen, ist klar. So werden p\u00e4dagogische Workshops organisiert, die eine angemessene Ausbildung im Bereich Kunst vermitteln.<\/p>\n<p>F\u00fcr Ayer ist die Weitergabe von Wissen wesentlich. \u00abEs ist sehr wichtig, meine Mission als vor\u00fcbergehend zu betrachten. Der Museumsbereich ist komplex, ich m\u00f6chte daher das zuk\u00fcnftige F\u00fchrungspersonal vorbereiten, es ausbilden, damit es sich die k\u00fcnstlerischen Projekte vollst\u00e4ndig zu eigen macht, wenn ich gegangen bin\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>K\u00fcnstlerische Partnerschaft<\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Aspekt der Ausbildung ist der Austausch. Laut Ayer herrscht in Benin eine lobenswerte Offenheit, die das Ergebnis grosser Flexibilit\u00e4t ist. \u00abDas ist ein Vorteil, der es mir erm\u00f6glichen wird, Partnerschaften mit Schweizer Museen zu schaffen und sogar universit\u00e4re Austausche in Betracht zu ziehen\u00bb, sagt er. \u00a0<\/p>\n<p>Schweizer Kunststudierende, die nach Benin kommen m\u00f6chten, werden von organisierten lokalen Strukturen profitieren k\u00f6nnen. Dasselbe gilt f\u00fcr beninische Studierende, die ihre Kenntnisse in der Schweiz vertiefen m\u00f6chten. \u00abMan darf nicht vergessen, dass unser Land \u00fcber grosse Institutionen verf\u00fcgt, die in ihrer Vorgehensweise innovativ sind\u00bb, sagt Ayer.<\/p>\n<p>Die RMP werde zudem einen g\u00fcnstigen Schub f\u00fcr die R\u00fcckgabe beninischer Kunstwerke schaffen, die w\u00e4hrend der Kolonisation gepl\u00fcndert wurden. \u00abDie Schweiz stellt f\u00fcr mich ein Sprungbrett f\u00fcr meine Kontakte mit Europa dar. Ich werde mein ganzes Knowhow in den Dienst einer kulturellen Zusammenarbeit stellen\u00bb, sagt der Pal\u00e4ontologe. Zur Erinnerung: Im Jahr 2021 hat Frankreich die 26 k\u00f6nigliche Sch\u00e4tze von Abomey, die in seinem Besitz waren, an Benin zur\u00fcckgegeben.<\/p>\n<p>\u00abSie bilden nur einen winzigen Teil des beninischen und afrikanischen Kulturerbes, das noch in Europa aufbewahrt wird. Die 26 Sch\u00e4tze werden im zuk\u00fcnftigen Museum der K\u00f6nige und Amazonen von Dahomey ausgestellt\u00bb, sagt Ayer.<\/p>\n<p>\u00abIch hoffe, dass die RMP den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ein Gef\u00fchl der Sicherheit vermitteln wird. Sie wissen es zu sch\u00e4tzen, dass es in Benin Institutionen gibt, die die Kunstwerke unter sehr guten Bedingungen aufnehmen k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n<p>\n    Mehr<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/newsletter_teaser_culture.jpg\" width=\"880\" height=\"587\" alt=\"Newsletter Kultur\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>        Kultur\n        <\/p>\n<p>        Kultur von SWI swissinfo.ch kompakt    <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-card__excerpt\">\n<p>                Interviews, Debatten und Entwicklungen: Das Schweizer Kulturschaffen und seine Positionen ideal portioniert in Ihrem Mailfach.            <\/p>\n<p>    <a class=\"teaser-wide-card__link\" href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/kultur\/newsletter-kultur\/78485560\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\"><\/p>\n<p>            Mehr Kultur von SWI swissinfo.ch kompakt<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>Editiert von Pauline Turuban; \u00dcbertragung aus dem Franz\u00f6sischen mit Hilfe der KI Claude: Claire Micallef<\/p>\n<p>        Artikel in dieser Story    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die k\u00fcnftige Dauerausstellung des Museums der K\u00f6nige und Amazonen von Dahomey in Abomey. 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