{"id":19219,"date":"2026-05-19T17:47:06","date_gmt":"2026-05-19T17:47:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/19219\/"},"modified":"2026-05-19T17:47:06","modified_gmt":"2026-05-19T17:47:06","slug":"marokko-un-resolution-staerkt-autonomieplan-algerien-uebt-scharfe-kritik-maghreb-post","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/19219\/","title":{"rendered":"Marokko \u2013 UN-Resolution st\u00e4rkt Autonomieplan: Algerien \u00fcbt scharfe Kritik Maghreb-Post"},"content":{"rendered":"<p>Die j\u00fcngste Resolution des Sicherheitsrats zur Westsahara \/ marokkanischen Sahara bekr\u00e4ftigt den marokkanischen Autonomievorschlag als Grundlage k\u00fcnftiger Verhandlungen \u2013 und vertieft die Spannungen zwischen Rabat und Algier.<\/p>\n<p>New York \u2013 Am 31. Oktober 2025 hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) mit 11 Ja-Stimmen und 3 Enthaltungen (China, Russland, Pakistan) die <a href=\"https:\/\/docs.un.org\/en\/S\/2024\/707\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Resolution 2797 (2025)<\/a> verabschiedet. Damit wird das Mandat der UN-Mission f\u00fcr das Referendum in der Westsahara (MINURSO) um ein Jahr verl\u00e4ngert \u2013 und der seit 2007 bestehende marokkanische Autonomievorschlag ausdr\u00fccklich als Grundlage f\u00fcr Verhandlungen genannt. Algerien, das sich selbst als Unterst\u00fctzer des sahrauischen Selbstbestimmungsrechts versteht, nahm an der Abstimmung nicht teil.<\/p>\n<p>Die Resolution ruft die Konfliktparteien \u2013 Marokko, die Frente Polisario und die Nachbarstaaten (Algerien und Mauretanien) \u2013 zu \u201eVerhandlungen ohne Vorbedingungen\u201c auf. Dabei betont der Text, dass eine \u201eechte Autonomie unter marokkanischer Souver\u00e4nit\u00e4t das wahrscheinlichste Ergebnis\u201c darstellen k\u00f6nne. Der UN-Generalsekret\u00e4r soll binnen sechs Monaten eine strategische \u00dcberpr\u00fcfung des MINURSO-Mandats vorlegen, abh\u00e4ngig vom Fortschritt der politischen Gespr\u00e4che.<\/p>\n<p>Marokko sieht internationale Unterst\u00fctzung wachsen<\/p>\n<p>In Rabat wird die Entscheidung als diplomatischer Erfolg gewertet. Marokkanische Regierungsstellen und regierungsnahe Medien sprechen von einem \u201eWendepunkt\u201c in der internationalen Anerkennung des Autonomieplans. Der Plan, 2007 erstmals bei den Vereinten Nationen eingereicht, sieht eine begrenzte Selbstverwaltung der Westsahara \/ marokkanischen Sahara unter marokkanischer Hoheit vor. Laut der marokkanischen Plattform Le360 habe die Resolution die \u201emarokkanische Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber die Westsahara unmissverst\u00e4ndlich festgeschrieben\u201c und alternative Szenarien wie ein Referendum faktisch ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Auch westliche Staaten betonten ihre Unterst\u00fctzung. Der US-Vertreter im Sicherheitsrat sprach von einer \u201ehistorischen Abstimmung\u201c und bezeichnete Marokkos Plan als \u201eeinzige Grundlage f\u00fcr eine gerechte und dauerhafte L\u00f6sung\u201c. Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron hatte bereits im Juli 2024 erkl\u00e4rt, dass \u201eAutonomie unter marokkanischer Souver\u00e4nit\u00e4t der Rahmen sei, innerhalb dessen diese Frage gel\u00f6st werden m\u00fcsse\u201c. Der franz\u00f6sische Botschafter bei den Vereinten Nationen bekr\u00e4ftigte im Sicherheitsrat, dass \u201eGegenwart und Zukunft der Westsahara im Rahmen der marokkanischen Souver\u00e4nit\u00e4t liegen\u201c.<\/p>\n<p>Mehrere afrikanische und lateinamerikanische L\u00e4nder \u2013 darunter Sierra Leone, Panama und Somalia \u2013 \u00e4u\u00dferten \u00e4hnliche Unterst\u00fctzung und forderten eine Wiederaufnahme des Dialogs unter UN-Schirmherrschaft.<\/p>\n<p>Algerien reagiert emp\u00f6rt und spricht von \u201eUnausgewogenheit\u201c<\/p>\n<p>Algerien kritisierte den Text scharf und verweigerte die Teilnahme an der Abstimmung. Der algerische UN-Botschafter Amar Bendjama erkl\u00e4rte laut der staatlichen Nachrichtenagentur APS, die Resolution \u201ebleibe hinter den legitimen Bestrebungen des sahrauischen Volkes zur\u00fcck\u201c und spiegele die UN-Doktrin zur Dekolonisierung nicht wider. Algerien sieht die Westsahara weiterhin als \u201enicht selbstverwaltetes Territorium\u201c und betrachtet die Frente Polisario als \u201eeinzige legitime Vertretung des sahrauischen Volkes\u201c.<\/p>\n<p>Botschafter Bendjama warf den Initiatoren \u2013 vor allem den Vereinigten Staaten (USA) \u2013 vor, den Text \u201ezugunsten einer Konfliktpartei\u201c formuliert zu haben. Der Resolutionsentwurf bevorzuge eine Option \u2013 den marokkanischen Plan \u2013 und schlie\u00dfe andere Ans\u00e4tze, insbesondere ein Referendum \u00fcber die Selbstbestimmung, de facto aus. Algier sehe darin ein \u201eUngleichgewicht zwischen den Parteien\u201c und eine \u201eVerletzung der Dekolonisierungsprinzipien der Vereinten Nationen\u201c.<\/p>\n<p>Gleichzeitig betonte der algerische Vertreter, Algerien habe \u201ein gutem Glauben und mit konstruktivem Geist\u201c an den Verhandlungen teilgenommen, sehe jedoch in der verabschiedeten Resolution \u201eeine verpasste Gelegenheit\u201c f\u00fcr eine ausgewogene L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Kritik an fehlender Balance<\/p>\n<p>China, Pakistan und Russland enthielten sich bei der Abstimmung. Sie erkl\u00e4rten, der Text ber\u00fccksichtige die Bedenken aller Ratsmitglieder nicht ausreichend. Der russische Vertreter sprach von einem \u201eunausgewogenen Text\u201c, der den Friedensprozess gef\u00e4hrden k\u00f6nne, und st\u00e4rkte damit Algerien den R\u00fccken, einem Land mit dem Russland verbunden ist, auch wenn Moskau das MINURSO-Mandat nicht blockieren wollte. China unterstrich, dass \u201eeine politische L\u00f6sung der einzig richtige Ausweg\u201c sei und der Prozess \u201eim Einklang mit der UN-Charta und dem Selbstbestimmungsrecht\u201c stehen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Humanit\u00e4re und sicherheitspolitische Dimension<\/p>\n<p>Parallel zur politischen Debatte bleibt die Lage vor Ort angespannt. Der aktuelle Bericht des UN-Generalsekret\u00e4rs (S\/2024\/707) beschreibt fortgesetzte Spannungen und niedrigintensive Gefechte zwischen der marokkanischen Armee und Einheiten der Polisario \u00f6stlich und westlich der sogenannten Mauer, die die beiden Seiten trennt. Wiederholt kam es zu Luftangriffen und Raketenbeschuss, auch in der N\u00e4he ziviler Gebiete. UN-Ermittlungen best\u00e4tigten Zwischenf\u00e4lle mit Todesopfern in Smara und Bir Lahlou.<\/p>\n<p>MINURSO, die Friedensmission mit rund 230 Soldaten und Beobachtern, bleibt die einzige internationale Pr\u00e4senz in der Region. Sie berichtet regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber milit\u00e4rische Aktivit\u00e4ten und die schwierigen humanit\u00e4ren Bedingungen in den Fl\u00fcchtlingslagern nahe Tindouf (Algerien), wo etwa 80 Prozent der Bev\u00f6lkerung auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind.<\/p>\n<p>Historischer Kontext und diplomatische Symbolik<\/p>\n<p>Die Abstimmung f\u00e4llt in eine symboltr\u00e4chtige Zeit: Nur wenige Tage nach dem Beschluss j\u00e4hrt sich am 6. November der \u201eGr\u00fcne Marsch\u201c, mit dem Marokko 1975 die Kontrolle \u00fcber gro\u00dfe Teile der Westsahara \/ marokkanische Sahara \u00fcbernahm. In Rabat wird die UN-Entscheidung daher als Best\u00e4tigung der seit Jahrzehnten verfolgten Politik interpretiert, die territoriale Integrit\u00e4t des Landes zu bewahren. F\u00fcr Algerien hingegen markiert sie eine weitere diplomatische Niederlage \u2013 und ein m\u00f6gliches Zeichen wachsender Isolation innerhalb der internationalen Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Der UN-Generalsekret\u00e4r Antonio Guterres mahnte in seinem j\u00fcngsten Bericht, die fortgesetzte milit\u00e4rische Eskalation und das Fehlen eines vollst\u00e4ndigen Waffenstillstands gef\u00e4hrdeten die Stabilit\u00e4t der Region. Er forderte beide Seiten auf, \u201eohne Vorbedingungen und mit gutem Willen\u201c auf eine politische L\u00f6sung hinzuarbeiten, die \u201eeine gerechte und dauerhafte Selbstbestimmung\u201c erm\u00f6gliche.<\/p>\n<p>Neue Dynamik oder alter Stillstand?<\/p>\n<p>Die Resolution 2797 (2025) k\u00f6nnte die Verhandlungsgrundlagen langfristig ver\u00e4ndern. W\u00e4hrend Marokko seine diplomatische Position gest\u00e4rkt sieht, bleibt offen, ob die Polisario-Front und Algerien zu Gespr\u00e4chen im Rahmen des Autonomieplans bereit sind. Die kommenden Monate \u2013 insbesondere der Bericht des Generalsekret\u00e4rs zur strategischen \u00dcberpr\u00fcfung von MINURSO \u2013 werden zeigen, ob die Entscheidung des Sicherheitsrats tats\u00e4chlich Bewegung in den festgefahrenen Konflikt bringt oder lediglich die Fronten weiter verh\u00e4rtet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/maghreb-post.de\/marokko-un-abstimmung-ueber-minurso-mandat-wegen-sudan-krise-verschoben\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marokko \u2013 UN-Abstimmung \u00fcber MINURSO-Mandat wegen Sudan-Krise verschoben.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die j\u00fcngste Resolution des Sicherheitsrats zur Westsahara \/ marokkanischen Sahara bekr\u00e4ftigt den marokkanischen Autonomievorschlag als Grundlage k\u00fcnftiger Verhandlungen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":19220,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[9],"tags":[93,92,95,8788,283,2261,2257,2645],"class_list":["post-19219","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-algerien","tag-algeria","tag-algerien","tag-marokko","tag-minurso","tag-politik","tag-resolution","tag-un-sicherheitsrat","tag-westsahara"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116602499396872989","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19219","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19219"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19219\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19220"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19219"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19219"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19219"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}