{"id":1980,"date":"2026-04-18T21:45:30","date_gmt":"2026-04-18T21:45:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/1980\/"},"modified":"2026-04-18T21:45:30","modified_gmt":"2026-04-18T21:45:30","slug":"burkina-faso-drei-jahre-leerer-versprechungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/1980\/","title":{"rendered":"Burkina Faso: Drei Jahre leerer Versprechungen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">In\u00e9s M. Pousadela* | 3. Dezember 2025<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Montevideo, Uruguay (IPS\/afr). Vor drei Jahren \u00fcbernahm Captain Ibrahim Traor\u00e9 die Macht in Burkina Faso. Seine beiden zentralen Versprechen \u2013 die Sicherheitskrise zu beenden und eine zivile Regierung wiederherzustellen \u2013 haben sich als leer erwiesen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inzwischen hat Traor\u00e9 die Wahlen auf 2029 verschoben, die unabh\u00e4ngige Wahlkommission aufgel\u00f6st und Burkina Faso sowohl aus der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) als auch aus dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) zur\u00fcckgezogen. Das Land ist faktisch zu einer Milit\u00e4rdiktatur geworden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Prozess begann im Januar 2022: Proteste gegen die zivile Regierung, die im Kampf gegen die dschihadistische Gewalt gescheitert war, ebneten Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba den Weg zum Staatsstreich. Seine \u00dcbergangsregierung versprach eine R\u00fcckkehr zur Demokratie innerhalb von zwei Jahren und legte mit ECOWAS einen Zeitplan fest. Doch nur acht Monate sp\u00e4ter putschte Traor\u00e9 erneut und warf Damiba vor, die Aufst\u00e4ndischen nicht besiegen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 6. Oktober 2022 wurde Traor\u00e9 offiziell zum Staatschef ernannt. Die Verfassung wurde wieder in Kraft gesetzt, und entsprechend den Beschl\u00fcssen des nationalen Forums sollte seine Amtszeit eigentlich im Juli 2024 enden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als dieser Zeitpunkt n\u00e4her r\u00fcckte, rief die Milit\u00e4rregierung jedoch zu einem nationalen Dialog auf, den die meisten Parteien boykottierten. Die daraus hervorgegangene Charta vom Mai 2024 verl\u00e4ngerte Traor\u00e9s Pr\u00e4sidentschaft bis 2029 und erlaubte ihm zudem eine Kandidatur bei den n\u00e4chsten Wahlen. Eine urspr\u00fcnglich als \u00dcbergang gedachte Regelung wurde so zur Verstetigung seiner pers\u00f6nlichen Macht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Dezember 2024 entlie\u00df Traor\u00e9 zudem Premierminister Apollinaire Joachim Kyelem de Tambela und l\u00f6ste dessen Regierung auf \u2013 der letzte Anschein ziviler Mitsprache verschwand.<\/p>\n<p>Kritiker werden zum Milit\u00e4r eingezogen<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Festigung der Milit\u00e4rherrschaft schrumpfte auch der b\u00fcrgerliche Freiraum. Der<a href=\"https:\/\/monitor.civicus.org\/country\/burkina-faso\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\"> CIVICUS Monitor<\/a> stufte den zivilgesellschaftlichen Raum Burkina Fasos im Dezember 2024 auf \u201eunterdr\u00fcckt\u201c herab. Neben willk\u00fcrlichen Verhaftungen f\u00e4llt besonders eine neue Strategie ins Gewicht: die Zwangsrekrutierung von Kritiker*innen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vier Journalisten, die im Juni und Juli 2024 entf\u00fchrt wurden, tauchten im Milit\u00e4r wieder auf \u2013 laut Beh\u00f6rden waren sie \u201eeingezogen\u201c worden. Im M\u00e4rz 2025 verschwanden drei bekannte Journalisten, die sich gegen Einschr\u00e4nkungen der Pressefreiheit ausgesprochen hatten. Nach zehn Tagen kehrten sie in Milit\u00e4runiform zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch zivilgesellschaftliche Aktivistinnen waren betroffen. F\u00fcnf Mitglieder der politischen Bewegung Sens wurden verschleppt, nachdem sie eine Stellungnahme zu T\u00f6tungen von Zivilisten ver\u00f6ffentlicht hatten. Der Menschenrechtsanwalt und Koordinator der Organisation, Guy Herv\u00e9 Kam, wurde mehrfach wegen seiner Kritik an der Junta festgenommen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im August 2024 wurden au\u00dferdem sieben Richter und Staatsanw\u00e4lte, die gegen Anh\u00e4nger der Milit\u00e4rregierung ermittelt hatten, zum Milit\u00e4rdienst eingezogen; sechs von ihnen verschwanden nach ihrem Erscheinen auf einer Milit\u00e4rbasis.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Instrumentalisierung der Wehrpflicht macht b\u00fcrgerschaftliches Engagement faktisch zum Risiko und kriminalisiert abweichende Meinungen \u2013 unter dem Vorwand der nationalen Verteidigung.<\/p>\n<p>Sicherheitslage schlechter als vor dem Putsch<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sicherheitslage hat sich seither dramatisch verschlechtert. Unter Traor\u00e9s Herrschaft hat sich die Zahl der Todesopfer durch islamistische Gewalt verdreifacht; acht der zehn t\u00f6dlichsten Angriffe auf das Milit\u00e4r ereigneten sich in dieser Zeit. Die Streitkr\u00e4fte k\u00f6nnen nur noch rund 30 Prozent des Staatsgebiets frei kontrollieren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem haben Milit\u00e4r und verb\u00fcndete Milizen massive Gr\u00e4ueltaten ver\u00fcbt: In der ersten Jahresh\u00e4lfte 2024 t\u00f6teten sie mindestens 1.000 Zivilisten. Bei einem Vorfall im Februar 2024 wurden mindestens 223 Menschen, darunter 56 Kinder, mutma\u00dflich als Vergeltung f\u00fcr einen islamistischen Angriff hingerichtet.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Konflikt hat Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Unabh\u00e4ngige Sch\u00e4tzungen gehen von drei bis f\u00fcnf Millionen Binnenvertriebenen aus \u2013 deutlich mehr als die letzte offizielle Zahl der Regierung von gut zwei Millionen im M\u00e4rz 2023.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele suchen Schutz im Ausland: Zwischen April und September 2025 kamen rund 51.000 Menschen im malischen Bezirk Koro Cercle an und \u00fcberlasteten die ohnehin schwachen Aufnahmestrukturen. Die Lage in Burkina Faso wird durch mehrere gleichzeitige Epidemien \u2013 darunter Hepatitis E, Masern, Polio und Gelbfieber \u2013 zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Frankreich raus, Russland rein<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um sich Verantwortung zu entziehen, zieht die Junta sich zunehmend aus internationaler Kontrolle zur\u00fcck. Im Januar gr\u00fcndeten die Milit\u00e4rregierungen von Burkina Faso, Mali und Niger die Allianz der Sahelstaaten, nachdem sie zuvor gemeinsam aus ECOWAS ausgetreten waren. Als Begr\u00fcndung f\u00fchrten sie ausl\u00e4ndischen Einfluss und mangelnde Unterst\u00fctzung im Kampf gegen den Terror an.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im September erkl\u00e4rten die drei Staaten ihren Austritt aus dem ICC und bezeichneten das Gericht als Instrument neokolonialer Unterdr\u00fcckung. Damit verlieren Opfer von Folter, au\u00dfergerichtlichen T\u00f6tungen und Kriegsverbrechen jede realistische Chance auf Gerechtigkeit.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die antiimperialistische Rhetorik verdeckt jedoch eine klare Tatsache: Die Junta hat lediglich alte Abh\u00e4ngigkeiten durch neue ersetzt. Nachdem Burkina Faso die franz\u00f6sischen Truppen des Landes verwiesen hatte, holte es sich milit\u00e4rische R\u00fcckendeckung aus Russland. Russische S\u00f6ldner operieren inzwischen eng an der Seite der nationalen Streitkr\u00e4fte \u2013 ohne R\u00fccksicht auf Menschenrechte. Im Gegenzug erhielten russische Firmen Goldabbau-Lizenzen.<\/p>\n<p>Demokratische Kr\u00e4fte geben nicht auf<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz aller Repressionen bleibt der demokratische Gedanke lebendig. Zivilgesellschaftliche F\u00fchrungspersonen \u00e4u\u00dfern sich weiterhin \u00f6ffentlich, Journalisten berichten trotz Risiken, Oppositionelle organisieren sich im Land oder im Exil.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der abrupten Beendigung der USAID-Programme durch die Trump-Regierung sind nun andere internationale Geber gefragt. Sie m\u00fcssen Organisationen der Zivilgesellschaft und unabh\u00e4ngige Medien unterst\u00fctzen, die in Burkina Faso oder aus dem Exil heraus unter extremen Bedingungen arbeiten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch regionale Institutionen sollten gezielte Sanktionen gegen Verantwortliche f\u00fcr Menschenrechtsverletzungen verh\u00e4ngen und den Druck f\u00fcr eine R\u00fcckkehr zur Demokratie aufrechterhalten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne anhaltende internationale Solidarit\u00e4t droht Burkina Faso zu einem weiteren warnenden Beispiel daf\u00fcr zu werden, wie schwierig es ist, eine einmal verfestigte Milit\u00e4rherrschaft wieder zu brechen. (Ende)<\/p>\n<p>* In\u00e9s M. Pousadela ist Leiterin der Abteilung f\u00fcr Forschung und Analyse bei CIVICUS, Co-Direktorin und Autorin von CIVICUS Lens und Mitautorin des Berichts zum Zustand der Zivilgesellschaft. Au\u00dferdem ist sie Professorin f\u00fcr Vergleichende Politikwissenschaft an der Universidad ORT Uruguay.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Titelbild: Soldaten der Armee von Burkina Faso bei der multinationalen Milit\u00e4r\u00fcbung Flintlock im Jahr 2017 (Foto: Sgt. Benjamin Northcutt, Public domain, via <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Flintlock_2017_closing_ceremony_in_Burkina_Faso_170316-A-MQ814-095.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Wikimedia Commons<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In\u00e9s M. Pousadela* | 3. Dezember 2025 Montevideo, Uruguay (IPS\/afr). 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