{"id":21227,"date":"2026-05-24T21:07:36","date_gmt":"2026-05-24T21:07:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/21227\/"},"modified":"2026-05-24T21:07:36","modified_gmt":"2026-05-24T21:07:36","slug":"burkina-faso-im-griff-der-dschihadisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/21227\/","title":{"rendered":"Burkina Faso im Griff der Dschihadisten"},"content":{"rendered":"<p>Burkina Faso \u2013 zwischen Niger und Mali gelegen \u2013 ist zwar der fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig kleinste Sahelstaat, aber strategisch enorm wichtig, verbindet es doch den Sahel mit den westafrikanischen K\u00fcstenl\u00e4ndern wie Benin, Togo oder C\u00f4te d\u2018Ivoire. Dschihadistische Gruppen, die urspr\u00fcnglich aus Mali ins Land kamen, breiten sich in weiten Teiles des Landes und vor allem auch an der Grenze zu Togo und Benin weiter aus. Fast t\u00e4glich gibt es Angriffe auf die \u00fcberforderten Streitkr\u00e4fte. Seit Jahren beobachten die Menschen in Burkina Faso ohmn\u00e4chtig, wie der Regierung St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck die Kontrolle \u00fcber das Land entgleitet. Dschihadisten und Banditen haben mittlerweile die Kontrolle \u00fcber ganze Regionen \u00fcbernommen, erschaffen hier Paralleladministrationen und verst\u00e4rken bereits lang bestehende ethnische Konflikte, wie etwa zwischen Ackerbauern und Viehhirten oder verschiedenen Volksgruppen. Mittlerweile gilt nur noch das Zentrum um die Hauptstadt Ouagadougou als sicher.<\/p>\n<p>Massenproteste brachen im November 2021 aus, nachdem mehr als 50 Polizisten bei einem Angriff von Dschihadisten auf einen kleinen Posten in Inata im Norden nahe der Grenze zu Mali get\u00f6tet wurden. F\u00fcr viele Menschen symbolisierte die Attacke das Versagen des Staates und seiner Streitkr\u00e4fte und wurde als Dem\u00fctigung wahrgenommen. Die Polizisten in Inata hatten bereits seit Wochen auf Nachschub mit Verpflegung gewartet, die Versorgungslage der Streitkr\u00e4fte und Menschen in l\u00e4ndlichen Gebieten ist im Allgemeinen schlecht. Sie fordern deswegen den R\u00fccktritt von Pr\u00e4sident Kabor\u00e9, einem ehemaligen Banker, der seit 2015 im Amt war. Als Reaktion auf die Proteste entlie\u00df Kabor\u00e9 im Dezember 2021 die Regierung von Ministerpr\u00e4sident Christophe Daiber und setzte Lassina Zerbo als Nachfolger ein. Er k\u00fcndigte eine Reform der Streitkr\u00e4fte und einen Kurs der \u201enationalen Vers\u00f6hnung\u201c an, um die Protestierenden zu bes\u00e4nftigen. Gleichzeitig gingen die Beh\u00f6rden gegen Anf\u00fchrer der Protest- und Oppositionsbewegungen vor.<\/p>\n<p>Doch die Ruhe hielt nicht lange an. Nach erneuten Protesten revoltierten am 23. Januar 2022 Soldaten in mehreren Kasernen, um eine bessere Ausr\u00fcstung und mehr Training im Kampf gegen die Dschihadisten zu bekommen. Einen Tag sp\u00e4ter \u00fcbernahm eine Gruppe von jungen Offizieren formell per Fernsehansprache die Macht und setzten die Verfassung sowie das Parlament au\u00dfer Kraft. Neuer Machthaber ist der erst 41-j\u00e4hrige Paul-Henri Sandaogo Damiba, der aus einer Eliteeinheit von Spezialkr\u00e4ften stammt und erst im Dezember von Kabor\u00e9 bef\u00f6rdert worden war. Der in Frankreich studierte und ausgebildete Offizier hatte gerade ein Buch zur Anti-Terror-Bek\u00e4mpfung in Westafrika ver\u00f6ffentlicht. Es ist noch unklar, ob die Gruppe von Putschisten den R\u00fcckhalt der ganzen Armee haben. Damit ist Burkina nach Mali und Tschad nun der dritte Sahelstaat mit einer Milit\u00e4rregierung. Aber wie konnte es so weit kommen?<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Schwache Regierungsf\u00fchrung, Armut, Bev\u00f6lkerungswachstum und Klimawandel \u2013 ein Land mit vielen Herausforderungen<\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtigen Herausforderungen kommen nicht von ungef\u00e4hr, sondern sind das Resultat von strukturellen Problemen, mit denen der Sahel-Staat bereits seit Jahrzehnten k\u00e4mpft und welche sich in den letzten Jahren immer weiter zugespitzt haben \u2013 befeuert unter anderem durch Prozesse wie ein rasches Bev\u00f6lkerungswachstum und den Klimawandel. Burkina Faso ist seit seiner Unabh\u00e4ngigkeit von Frankreich 1960 eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt, das wiederholt von Milit\u00e4rcoups ersch\u00fcttert wurde. Im Human Development Index der Vereinten Nationen, der den Lebensstandard und die Entwicklungsm\u00f6glichkeiten der Menschen misst, steht Burkina Faso an siebtletzter Stelle. Das Land hatte mit Kabor\u00e9s Wahlsieg 2015 den ersten demokratisch legitimierten Machtwechsel erzielt, nachdem Langzeit-Autokrat Blaise Compaor\u00e9 nach 27 Jahren an der Macht ein Jahr zuvor nach Massenprotesten zum R\u00fccktritt gezwungen wurde. Kabor\u00e9 wurde 2019 in einem Votum wiedergew\u00e4hlt, das von international Beobachtern als weitgehend fair eingestuft wurde. Trotz dieser zeitweiligen h\u00e4ufig institutionellen Fortschritte leidet das Land unter den gleichen fundamentalen Problemen wie das benachbarte Mali, wo sich dschihadistische Gruppen trotz des franz\u00f6sischen bzw. internationalen Milit\u00e4reinsatzes stetig ausbreiten: Ein schwacher Zentralstaat, der seit der Unabh\u00e4ngigkeit von den ehemaligen franz\u00f6sischen Kolonialherren willk\u00fcrlich gezogene Territorium nie wirklich ganz kontrolliert hat und den B\u00fcrgern kaum Dienstleistungen anbietet. Diese nehmen den Staat entweder gar nicht oder negativ wahr, wenn z.B. Staatsbeamte oder Verkehrspolizisten Schmiergelder verlangen. Ethnische Konflikte in Teilen des Landes wurden nie gel\u00f6st, und seit 2016 breiten sich Dschihadisten von Mali \u00fcber die offene Grenze nach Burkina Faso aus, insbesondere im Dreil\u00e4ndereck mit Niger. Sie kontrollieren dort faktisch bereits ganze Regionen, aus denen sich der Staat mehr und mehr zur\u00fcckzieht.<\/p>\n<p>Die stark wachsende Bev\u00f6lkerung versch\u00e4rft diese existierenden Problematiken weiter. Im Schnitt haben Frauen in Burkina Faso f\u00fcnf Kinder. Bei der Unabh\u00e4ngigkeit hatte Burkina Faso f\u00fcnf Millionen Einwohner, mittlerweile sind es 21 Millionen \u2013 Tendenz stark steigend. Der Konflikt mit den Dschihadisten hat nach Angaben der Vereinten Nationen bereits mehr als 1,4 Millionen Menschen vertrieben \u2013 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule und wachsen ohne Perspektive auf. Sie werden daher leicht von Terroristen und Banditen angeworben. Rund 40% der Bev\u00f6lkerung lebt nach Angaben der Vereinten Nationen von US $2 am Tag. Das Bev\u00f6lkerungswachstum versch\u00e4rft auch den Kampf um nat\u00fcrliche Ressourcen wie Zugang zu Wasser und Land f\u00fcr Bauern und Hirten in einem von der Landwirtschaft abh\u00e4ngigen Land, das keine nennenswerte Industrie hat. Es gab auch fr\u00fcher immer wieder solche Konflikte um Land, die sich aber regeln lie\u00dfen, da gen\u00fcgend Landfl\u00e4che f\u00fcr all vorhanden war und Dorf\u00e4lteste als Konfliktmanager noch den Respekt der Jugend genossen \u2013 diese sind nun aber h\u00e4ufig hoffnungslos und wenig bereit, Konflikte zu l\u00f6sen. Heute fehlt es au\u00dferdem an Ressourcen f\u00fcr alle auf dem immer weiter schrumpfenden fruchtbaren Land. Der Klimawandel und eine starke Nutzung von Feuerholz, z.B. zum Kochen, hat bereits zu einem Verlust von einem Drittel des fruchtbaren Landes gef\u00fchrt. Die W\u00fcste breitet sich immer weiter aus, w\u00e4hrend die Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Eine neue Front an der s\u00fcdlichen Grenze: R\u00fcckzugsgebiet f\u00fcr K\u00e4mpfer und neue Finanzierungsquellen<\/p>\n<p>Hatten die Dschihadisten zun\u00e4chst das Dreil\u00e4ndereck im Norden Burkina Fasos anvisiert, so nutzen sie jetzt die oben beschriebene fundamentale Schw\u00e4che des Staates aus, um nach S\u00fcden zu expandieren. Das hat verschiedene Gr\u00fcnde: An der s\u00fcdlichen Grenze gibt es ausgedehnte Waldgebiete und im S\u00fcdosten mehrere Nationalparks, die auf Grund ihrer Gr\u00f6\u00dfe und des Terrains nur schwierig zu kontrollieren sind. Diese sind deswegen ideale R\u00fcckzugsgebiete f\u00fcr K\u00e4mpfer aus dem Norden, dienen als potenzielle neue Finanzierungsquelle und zugleich als Sprungbrett in Richtung K\u00fcste. Burkina Faso grenzt an die wohlhabenderen L\u00e4nder Ghana, Benin, Togo und C\u00f4te d&#8217;Ivoire. Der Nationalpark W erstreckt sich z.B. bis nach Niger und bietet damit zudem die M\u00f6glichkeit, sich unbemerkt fast bis an das nahe Nigeria durchzuschlagen. Nach einer Studie des Politischen Dialogs Westafrika (PDWA) der Konrad-Adenauer-Stiftung mit Sitz in Abidjan[i] haben die Terroristen derzeit (noch) keine territorialen Ambitionen in den K\u00fcstenl\u00e4ndern, sondern wollen in erster Linie von lukrativen Schmuggelrouten profitieren. Waffen, Gold, Elfenbein, Motorr\u00e4der und Konsumg\u00fcter wie Zigaretten passieren hier die Grenze. Sie kommen zum Teil in H\u00e4fen der westafrikanischen K\u00fcstenl\u00e4nder an und werden von dort aus nach Norden geschmuggelt. Dar\u00fcber hinaus kontrollieren Dschihadisten nach Ansicht von Beobachtern schon jetzt mehrere Goldminen im Land. Sie \u00fcberlassen Anwohnern den Goldabbau und besteuern dies in der gleichen Weise wie Ernten und Viehbestand. Dazu kommen Steuern auf G\u00fcter an Stra\u00dfensperren. In dieser Hinsicht ist der S\u00fcden Burkina Fasos mit den von Lastwagen viel befahrenen Stra\u00dfen Richtung der H\u00e4fen f\u00fcr die Extremisten als zus\u00e4tzlich Finanzierungsquelle sehr interessant. Seit Erscheinen der Studie im Juli haben die Dschihadisten weitere grenz\u00fcberschreitende Angriffe durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Auch die oben beschriebenen Konflikte rund um Ressourcen- und Landnutzung verstehen sie, sich geschickt zu Nutzen zu machen. H\u00e4ufig verhalten sie sich pragmatisch im Sinne der Anwohner, wie das Beispiel der Nationalparks an der s\u00fcdlichen Grenze zeigt. Hier haben die dschihadistischen Gruppierungen die Unterst\u00fctzung von Anwohnern gewonnen, denen es schon lange ein Dorn im Auge war, dass sie in den Nationalparks nicht jagen oder Holz f\u00e4llen d\u00fcrfen. Es kam deswegen bereits mehrfach zu Problemen mit den bewaffneten Parkw\u00e4chtern. Die Dschihadisten erlauben den Bewohnern nun die wirtschaftliche Nutzung von gesch\u00fctzten Waldgebieten unter ihrer Kontrolle. Im Gegenzug akzeptieren diese die neuen Regeln \u2013 sie bekommen etwas, was der eigene Staat ihnen verwehrt hat, und die Dschihadisten haben eine Basis, um sich bei Bedarf unter dem Schutz der Bev\u00f6lkerung in die W\u00e4lder zur\u00fcckzuziehen. \u201eDie Dschihadisten sind durchaus beliebt bei einigen Bewohnern,\u201c sagt ein Beobachter.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Zwischen schwachen Streitkr\u00e4ften, Selbstverteidigungsmilizen und regionaler Kooperation \u2013 die komplexen Sicherheitsstrukturen Burkina Fasos<\/p>\n<p>Dschihadistische Gruppierungen und Banditen sind in Burkina Faso auch deswegen so erfolgreich, weil Streit- und Sicherheitskr\u00e4fte in einem schlechten Zustand sind und den Soldaten und Polizisten die grundlegende Motivation zum K\u00e4mpfen fehlt. Es mangelt an Ausr\u00fcstung, Material, einer guten milit\u00e4rischen Ausbildung und h\u00e4ufig sogar an Verpflegung, wie das Beispiel des \u00fcberrannten Polizei-Au\u00dfenpostens zeigt. Schlimmer noch: Immer wieder gibt es auch Anschuldigungen wegen Korruption.\u00a0Das Budget der Streit- und Sicherheitskr\u00e4fte ist in den letzten Jahren auf ungef\u00e4hr 633 Millionen Euro, rund 20 Prozent des Haushalts gestiegen, \u2013 Gelder kommen aber h\u00e4ufig nicht bei den Einheiten an.<\/p>\n<p>Dazu kommt, dass Teile der Streitkr\u00e4fte nach dem Sturz von Compaor\u00e9 2014 zerschlagen wurden. Oppositionsgruppen und Milit\u00e4rs einigten sich danach auf eine zivile \u00dcbergangsregierung und Wahlen, bei denen Kabor\u00e9 gew\u00e4hlt wurde. Nach einem vereitelten Putschversuch von Compaor\u00e9s Getreuen ein Jahr sp\u00e4ter wurde eine Reform beschlossen, welche die verhassten Sicherheitskr\u00e4fte betraf, die Compaor\u00e9 w\u00e4hrend seiner 27 Jahren an der Macht zur Niederschlagung von Protesten eingesetzt hatte. Diese besonders gut ausger\u00fcstete Elitetruppe der Pr\u00e4sidialgarden, die als schlagkr\u00e4ftigste Einheit innerhalb der Armee galt, wurde aufgel\u00f6st \u2013 und hinterlie\u00df ein Sicherheitsvakuum, welches bis heute nicht gef\u00fcllt werden konnte. Andere Truppenteile waren unter dem Diktator bewusst vernachl\u00e4ssigt worden, um das Risiko eines Coups zu minimieren. Der Ansatz eines Neuanfangs war dementsprechend richtig, aber es wurden seitdem kaum Fortschritte beim Neuaufbau der Streitkr\u00e4fte gemacht. Die Folge: Dschihadisten und Banditen hatten seit 2016 insbesondere in l\u00e4ndlichen Regionen leichtes Spiel, Territorium unter ihre Kontrolle zu bringen.<\/p>\n<p>Unter Compaor\u00e9 war es der Regierung gelungen, radikale Islamisten mehr oder weniger unter Kontrolle zu halten. Er verhandelte immer wieder mit ihnen, wie beispielsweise im Mali-Konflikt auf Bitten Frankreichs. Zu Campaor\u00e9s Zeit gab es so z.B. keine gr\u00f6\u00dferen Anschl\u00e4ge in der Hauptstadt, was Analysten auf einen informellen Nichtangriffspakt zur\u00fcckf\u00fchren, w\u00e4hrend in Mali aktive Dschihadisten Burkina Faso als R\u00fcckzugsraum nutzen konnten. Kabor\u00e9 fuhr nun eine andere Strategie und hat bewusst eine Distanz zu den Offizieren und Beratern aus Compaor\u00e9s Zeit gezeigt. Er trennte sich von einem der wichtigsten Beratern Compaor\u00e9s, dem Mauretanier Moustapha Liman Chafi, der Kontakte zu Dschihadisten hat und h\u00e4ufig in Geiselnahmen vermittelte. Chafi arbeitet jetzt f\u00fcr die Regierung Nigers, die in einem \u00e4hnlichen Kampf gegen Terroristen steht. Um seine Distanz zum alten Regime Compaor\u00e9s zu zeigen, hatte Kabor\u00e9 einen Journalisten als Verteidigungsminister ernannt.<\/p>\n<p>Der Staat hat versucht, die Schw\u00e4che seiner umstrukturierten Streitkr\u00e4fte mit dem Aufbau von zivilen Selbstverteidigungsmilizen wie den Koglweogo auszugleichen, die hervorragende Ortskenntnisse haben und in D\u00f6rfern oder l\u00e4ndlichen Regionen ohne Milit\u00e4rpr\u00e4senz quasi Polizeiaufgaben wahrnehmen. Sie bekommen in der Regel nur ein zweiw\u00f6chiges Training, danach patrouillieren sie auf Landstra\u00dfen und bek\u00e4mpfen auch Dschihadisten aktiv. Sie nehmen Verd\u00e4chtige fest, die sie den Beh\u00f6rden \u00fcbergeben sollen. Diese Milizen werden aber immer wieder Menschenrechtsverletzungen wie Folter oder T\u00f6tung von Inhaftierten beschuldigt. So beschuldigen die Milizion\u00e4re, die h\u00e4ufig der Mossi-Volksgruppe angeh\u00f6ren, z.B. pauschal Mitglieder der Peul-Ethnie, dschihadistische Gruppierungen zu unterst\u00fctzen. Dieses Unter-Verdacht-Stellen einer ganzen Bev\u00f6lkerungsgruppe versch\u00e4rft vorherrschende ethnische Konflikte und Verteilungsk\u00e4mpfe und fordert immer wieder gewaltsame \u00dcbergriffe sowohl Rachehandlungen auf beiden Seiten hervor \u2013 eine Spirale der Gewalt.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sischen Streitkr\u00e4fte sind in Burkina Faso im Gegensatz zu Mali, Niger und Tschad kaum t\u00e4tig. Dies h\u00e4ngt mit der Tradition des fr\u00fcheren Pr\u00e4sidenten Thomas Sankara zusammen, einem linksradikalen Offizier, der von 1983-1987 regierte und den Anti-Kolonialismus predigte. Seine Ideale leben h\u00e4ufig noch fort &#8211; ein franz\u00f6sischer Einsatz w\u00e4re der \u00d6ffentlichkeit schwer zu vermitteln. Wenn franz\u00f6sische Truppen in dem Land t\u00e4tig werden, dann im Rahmen einer Kooperation der G5 Sahel Gruppe, der neben Burkina Faso, Mali, Niger auch Tschad und Mauretanien angeh\u00f6ren. Diese Staaten nehmen im besonders instabilen Drei-L\u00e4nder-Eck gelegentlich mit Frankreich gemeinsame Operationen vor, die Kooperation ist aber nicht sehr effizient. Es gibt kein gemeinsames Kommando zur Koordinierung solcher Eins\u00e4tze. Es gibt nun allerdings Indikationen, dass sich die Regierung doch an Frankreich wendet, um gezielt Terroristen abzuwehren \u2013 ein unbest\u00e4tigter Drohnenangriff fand nach Angaben von Beobachtern im Dezember statt. Dieses Vorgehen w\u00fcrde aber einen gro\u00dfen Balanceakt f\u00fcr die Regierung darstellen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Wie geht es weiter?<\/p>\n<p>Es ist unklar, wieviel R\u00fcckhalt die Milit\u00e4rregierung in den Streit- und Sicherheitskr\u00e4ften und der Bev\u00f6lkerung hat. Pr\u00e4sident Kabor\u00e9 hatte im Dezember eine Reform der Streitkr\u00e4fte und Ma\u00dfnahmen zur Korruptionsbek\u00e4mpfung sowie zus\u00e4tzliche Mittel f\u00fcr Projekte in vernachl\u00e4ssigten Regionen angek\u00fcndigt \u2013 Beobachter waren aber skeptisch, ob die strukturellen Probleme der Armee kurzfristig gel\u00f6st werden k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p>Die jetzt abgesetzte Regierung hatte erst im Dezember 2021 zusammen mit Niger eine Offensive im gemeinsamen Grenzgebiet zu Mali gestartet. Mehr als 100 Terroristen wurden nach amtlichen Angaben get\u00f6tet. Zusammen mit Ghana, Benin und der C\u00f4te d\u2018Ivoire gab es au\u00dferdem eine Operation zur Absicherung der s\u00fcdlichen Grenze, nachdem Dschihadisten von Verstecken in Waldgebieten grenz\u00fcberschreitende Anschl\u00e4ge in Togo und Benin ver\u00fcbt hatten. Die K\u00fcstenl\u00e4nder und Burkina Faso hatten bereits zuvor einen engeren Informationsaustausch angek\u00fcndigt. Diese grenz\u00fcberschreitende Kooperation ist ein grunds\u00e4tzlich positives Beispiel der oft nicht vorhandenen regionalen Zusammenarbeit. Trotzdem halten Beobachter die Wirkung beider Operationen f\u00fcr \u00e4u\u00dferst begrenzt. \u201eEs ging mit den Operationen vor allem darum, der \u00d6ffentlichkeit Handlungsf\u00e4higkeit zu demonstrieren,\u201c sagt ein Beobachter. \u201eDies \u00e4ndert nichts an der strukturellen Schw\u00e4che der Streit- und Sicherheitskr\u00e4fte.\u201c<\/p>\n<p>Dazu wurden zahlreiche neue Anschl\u00e4ge von Extremisten seit der Armeeoffensive im Norden ver\u00fcbt, darunter ein besonders schwerer Schlag gegen die Selbstverteidigungsmiliz Volontaires pour la d\u00e9fense de la Patrie (VDP), bei der ein popul\u00e4rer Kommandeur, Soumaola Ganame alias Ladji Yoro, get\u00f6tet wurde \u2013 er gilt vielen als Held, weil er an stets vorderster Front gek\u00e4mpft hat. Gleichzeitig wird sein Name aber auch mit \u00dcbergriffen seiner Miliz gegen die Peul in Zusammenhang gebracht. Sein Tod hat bei vielen Menschen einen Schock ausgel\u00f6st. In einem Video hatte er erst kurz vor seinem Tod der Regierung Versagen im Kampf gegen die Dschihadisten vorgeworfen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die anhaltende Instabilit\u00e4t und der Kontrollverlust des Staates in weiten Teilen des Landes lassen bef\u00fcrchten, dass Dschihadisten weiter in dem westafrikanischen Land expandieren werden und \u00fcber die Grenze nach S\u00fcden vordringen k\u00f6nnten. Dies k\u00f6nnte die wirtschaftlich bedeutenderen K\u00fcstenl\u00e4nder wie Ghana, C\u00f4te d\u2019Ivoire, Togo und m\u00f6glicherweise auch den Stabilit\u00e4tsanker Senegal \u2013 dessen H\u00e4fen die Haupteinfallstore f\u00fcr Importe von Benzin, Medikamenten bis zu Maschinen und Autos sind \u2013 destabilisieren. Selbst Nigeria, der gr\u00f6\u00dfte \u00d6lexporteur Afrikas, sp\u00fcrt an seiner Grenze zu Niger die Auswirkungen des Staatsverfalls durch grenz\u00fcberschreitende Banden, die f\u00fcr eine Welle von Entf\u00fchrungen mitverantwortlich gemacht werden. Eine zunehmende Instabilit\u00e4t w\u00fcrde auch den Menschen in den schwachen Sahell\u00e4ndern schaden, da viele Malier, Burkinabe oder Nigrer dort arbeiten und mit ihren \u00dcberweisungen ihre Familien ern\u00e4hren. Nicht zuletzt gehen \u00fcber die H\u00e4fen der Region auch die wenigen Exportg\u00fcter des Sahels wie Baumwolle.<\/p>\n<p>Es bleibt abzuwarten, wie westliche Staatengemeinschaften reagieren und ob das westafrikanische Regionalb\u00fcndnis ECOWAS Sanktionen gegen die Milit\u00e4rregierung wie im Falle Malis verh\u00e4ngt. Anhaltende Instabilit\u00e4t in Burkina Faso wird nur den Dschihadisten in die H\u00e4nde spielen und f\u00fcr weitere Verunsicherung in den K\u00fcstenl\u00e4ndern sorgen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>[i]\u201eNorth of the Countries of the Gulf of Guinea \u2013 the new frontier for jihadist groups\u201d, Politischer Dialog Westafrika (PDWA), Konrad-Adenauer-Stiftung, July 2021.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Burkina Faso \u2013 zwischen Niger und Mali gelegen \u2013 ist zwar der fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig kleinste Sahelstaat, aber strategisch enorm&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":21228,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[239],"tags":[3103,341,9489,3101,1777,3099,3105,3104,3100,3102,1773,1774],"class_list":["post-21227","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-burkina-faso","tag-3103","tag-burkina-faso","tag-country-report-burkina-faso-2022","tag-europa-und-internationales","tag-hauptabteilung-europaeische-und-internationale-zusammenarbeit","tag-laenderberichte","tag-online-redaktion-startseite","tag-online-redaktion-uebersicht","tag-regionalprogramm-sahel","tag-schwerpunktthemen","tag-startseite","tag-uebersichtsseite"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116631597642369764","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21227","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21227"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21227\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21228"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21227"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21227"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21227"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}