{"id":22480,"date":"2026-05-28T00:14:21","date_gmt":"2026-05-28T00:14:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/22480\/"},"modified":"2026-05-28T00:14:21","modified_gmt":"2026-05-28T00:14:21","slug":"mosambik-der-terror-kam-um-15-uhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/22480\/","title":{"rendered":"Mosambik: Der Terror kam um 15 Uhr"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2023-08\/cabo-delgado-mosambik-terroristen-gruppe-wagner-total-energies\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<p>Seite 1Der Terror kam um 15 Uhr<\/p>\n<p>                                            <a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2023-08\/cabo-delgado-mosambik-terroristen-gruppe-wagner-total-energies\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                    Seite 2Terroristen<br \/>\n                <\/a><br \/>\n                                            <a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2023-08\/cabo-delgado-mosambik-terroristen-gruppe-wagner-total-energies\/seite-3\" data-ct-label=\"3\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                    Seite 3Sicherheit<br \/>\n                <\/a><br \/>\n                                            <a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2023-08\/cabo-delgado-mosambik-terroristen-gruppe-wagner-total-energies\/seite-4\" data-ct-label=\"4\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                    Seite 4Perspektiven<br \/>\n                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Im Herzen des Terrors kann man wieder Cola kaufen. Die Dose ist verbeult, rostig, br\u00fchwarm und klebrig, aber immerhin. In Moc\u00edmboa da Praia gibt es immerhin \u00fcberhaupt wieder Menschen, die etwas so Allt\u00e4gliches wie eine Cola kaufen k\u00f6nnten. Das war lange anders.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Im Norden von <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/mosambik\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mosambik<\/a> gibt es einen Konflikt, der international kaum Beachtung findet. Er ist besonders brutal und besonders komplex. Dabei geht es um Terror, um korrupte Eliten und vernachl\u00e4ssigte Regionen. Um den afrikanischen Ressourcenfluch, um riesige Gasfelder und neokoloniale Gesch\u00e4ftsgebaren. Um S\u00f6ldner, Hunger und unendliches Misstrauen.\n<\/p>\n<p>                            In Moc\u00edmboa da Praia patrouillieren mosambikanische Soldaten. Bild vom Juli 2022             \u00a9\u00a0Simon Wohlfahrt\/\u200bAFP\/\u200bGetty Images<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Moc\u00edmboa da Praia liegt in der nordmosambikanischen Provinz Cabo Delgado. 2017 wurde die Hafenstadt zum ersten Mal von islamistischen Terroristen \u00fcberrannt. Wer nicht gek\u00f6pft wurde, fl\u00fcchtete. 2020 gelang es den Angreifern dann, die Stadt einzunehmen. Sie hatten zun\u00e4chst die Menschen aus den umliegenden D\u00f6rfern vertrieben, und als diese nach Moc\u00edmboa fl\u00fcchteten, mischten sie sich unter sie. Sie nutzten Frauen und Kinder als Schutzschilde. Ein Jahr lang hielten die Terroristen die Stadt unter ihrer Kontrolle. Nirgendwo sonst im Land waren sie so erfolgreich \u2013 bis 2021 ausl\u00e4ndische Soldaten den Mosambikanern zu Hilfe kamen und die Islamisten aus der Stadt vertrieben.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mittlerweile sind einige Menschen nach Moc\u00edmboa da Praia zur\u00fcckgekehrt, z\u00f6gerlich nur, sie haben Angst und auf viele warten nur noch Tr\u00fcmmer. Die Stadt ist heute schwer bewacht, Soldaten verschiedener L\u00e4nder patrouillieren in den Stra\u00dfen. <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/africa\/mozambique\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Journalisten durften lange Zeit \u00fcberhaupt nicht nach Cabo Delgado<\/a>, nach Moc\u00edmboa kamen ausl\u00e4ndische Reporter seit den Angriffen der Islamisten nur mit einer der Armeen. ZEIT ONLINE ist das erste deutsche Medium, das ohne Milit\u00e4rbegleitung nach Moc\u00edmboa da Praia reisen konnte \u2013 auch wenn diese Genehmigung nach wenigen Stunden wieder entzogen wurde.\u00a0\n<\/p>\n<p>                            Der Norden Mosambiks ist die \u00e4rmste Region des Landes.            \u00a9\u00a0Christian Vooren\/\u200bZEIT ONLINE<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Auf dem Landweg ist Moc\u00edmboa da Praia nicht zu erreichen, denn die Terroristen sind zwar raus aus der Stadt, verstecken sich aber in den D\u00f6rfern und im Busch. M\u00f6glicherweise halten sich Schl\u00e4fer auch in der Stadt auf. Weil die Stra\u00dfen zu gef\u00e4hrlich sind, ist der Luftweg der einzige sichere Zugang. Angeflogen wird Moc\u00edmboa nur von Kleinmaschinen und Helikoptern der Hilfsorganisationen, die ebenfalls nur z\u00f6gerlich zur\u00fcckkehren. Noch w\u00e4hrend des Anflugs auf die Stadt meldet sich der lokale \u00dcbersetzer per SMS: Er k\u00fcndigt, denn er hat Angst, verhaftet zu werden. Und so muss die Recherche ohne Unterst\u00fctzung stattfinden. Aber viele Menschen in Moc\u00edmboa wollen ohnehin nicht reden.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Nicht nur die Stadt ist zerst\u00f6rt, sondern auch das Vertrauen. Daran sind nicht nur die Terroristen schuld. Denn bevor sie in die Stadt kamen, war l\u00e4ngst einiges schiefgelaufen.<\/p>\n<p>        Ressourcenfluch        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Anfang der Nullerjahre hatte es f\u00fcr einen kurzen Moment so ausgesehen, als k\u00f6nnte es in Mosambik gut werden. Nach dem Ende der Kolonialzeit, den Befreiungsk\u00e4mpfen und nach einem langen und zerm\u00fcrbenden <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/buergerkrieg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00fcrgerkrieg<\/a> hatte das Land 1992 endlich so etwas wie Frieden gefunden, die Wirtschaft wuchs, <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2005\/05\/29\/travel\/mozambique-africas-rising-star.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">2005 schrieb die New York Times von &#8222;Afrikas aufgehendem Stern&#8220;<\/a>.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. 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Damit k\u00f6nnte <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/41033\/umfrage\/deutschland-erdgasverbrauch-in-milliarden-kubikmeter\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">der gesamte Verbrauch Deutschlands<\/a> f\u00fcr etwa 60 Jahre gedeckt werden. In den folgenden Jahren stiegen internationale Investoren ein, darunter der franz\u00f6sische Konzern <a href=\"https:\/\/mzlng.totalenergies.co.mz\/en\/about-mozambique-liquefied-natural-gas-project\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">TotalEnergies. Er investierte ab 2019 umgerechnet 17 Milliarden Euro<\/a>, eine der gr\u00f6\u00dften Einzelinvestitionen auf dem Kontinent. Experten rechneten aus, dass mit dem Gas Einnahmen erzielt werden k\u00f6nnten, die die Entwicklungshilfe f\u00fcr den ganzen afrikanischen Kontinent f\u00fcr ein Jahr \u00fcbersteigen w\u00fcrden.\n<\/p>\n<p>                            Auch am Hafen von Pemba lebten zeitweise Binnenfl\u00fcchtlinge.            \u00a9\u00a0Christian Vooren\/\u200bZEIT ONLINE<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/afrika\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Afrika<\/a> ist der \u00e4rmste Kontinent, obwohl er so reich an Ressourcen ist. Es sind Rohstoffe, die in Chinas Industrie und in Europas<br \/>\nKonsumgesellschaft gebraucht werden und die in Afrika billig zu haben<br \/>\nsind, weil die lokale Bev\u00f6lkerung nicht am Gewinn beteiligt wird. Und wenn doch, dann sind es die korrupten Eliten im Land, die daran mitverdienen. Mehr als zwei Drittel aller Menschen, die in extremer Armut leben, befinden sich in L\u00e4ndern, in denen Rohstoffvorkommen<br \/>\ndie Wirtschaft bestimmen, das zeigt <a href=\"https:\/\/www.mckinsey.com\/industries\/metals-and-mining\/our-insights\/reverse-the-curse-maximizing-the-potential-of-resource-driven-economies\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">eine Analyse von McKinsey<\/a>. Von diesem Ressourcenfluch sind viele L\u00e4nder Afrikas betroffen. In Nigeria ist es Erd\u00f6l, in Niger Uran, im Kongo sind es Kupfer, Kobalt und Coltan, in Sierra Leone Diamanten. Und in Mosambik soll es das Erdgas werden. <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Aber das Gas muss zun\u00e4chst gef\u00f6rdert werden, bevor sich damit Geld machen l\u00e4sst. Also baute TotalEnergies, der franz\u00f6sische Konzern, in der N\u00e4he der Stadt Palma ganz im Norden des Landes ein LNG-Terminal. Daf\u00fcr mussten Fischer von den K\u00fcsten weichen, sie wurden ins Inland umgesiedelt. Neu entstehende Jobs wurden vorwiegend mit Ingenieuren aus dem Ausland besetzt und mit Hilfsarbeitern aus der weit entfernten mosambikanischen Hauptstadt Maputo.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Niemand in Cabo Delgado erwartete, etwas von den Profiten abzubekommen, weil sie hier nie etwas vom Wohlstand abbekommen. Das war auch 2016 so gewesen, als sich der Staat Mosambik an versteckten, schmutzigen Krediten \u00fcber zwei Milliarden Dollar bereichert hatte. <a href=\"https:\/\/www.finma.ch\/de\/news\/2021\/10\/20211019-mm-cs-mosambik\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Beteiligt daran war auch die Schweizer Bank Credit Suisse gewesen<\/a> und nat\u00fcrlich hatte die Bev\u00f6lkerung davon nichts gehabt. Aber als die Geschichte aufflog und Mosambik kurz vor einem Bankrott stand, stoppten die meisten internationalen Partner ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Land \u2013 bis hin zur <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/weltbank\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Weltbank<\/a>. Das Land ist auf Unterst\u00fctzung angewiesen, ohne die Hilfen ging es vielen Menschen noch schlechter.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ipsnews.net\/2023\/03\/dynamics-violent-extremism-sub-saharan-africa\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Das war der Moment, als die Terroristen nach Nordmosambik kamen<\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Der Terror kam um 15 Uhr Seite 2Terroristen Seite 3Sicherheit Seite&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":22481,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[26],"tags":[29,1871,1526,5452,346,347,283,3706,345],"class_list":["post-22480","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-mosambik","tag-afrika","tag-gefluechtete","tag-islamismus","tag-islamistische-terrorgruppe","tag-mosambik","tag-mozambique","tag-politik","tag-rohstoff","tag-terrorismus"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116649319615229404","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22480","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22480"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22480\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22481"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}