{"id":2343,"date":"2026-04-19T01:57:48","date_gmt":"2026-04-19T01:57:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/2343\/"},"modified":"2026-04-19T01:57:48","modified_gmt":"2026-04-19T01:57:48","slug":"waisen-hilfe-in-uganda-auf-der-suche-nach-zugehoerigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/2343\/","title":{"rendered":"Waisen-Hilfe in Uganda: Auf der Suche nach Zugeh\u00f6rigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Katholische Ordensfrauen k\u00fcmmern sich in Uganda um Waisen und Kinder, die aus verschiedenen Gr\u00fcnden ihre Familien verlassen mussten. Diese Betreuung findet nach internationalen Standards und unter Supervision der Regierung statt. Drei Ordensfrauen gaben Radio Vatikan in Kampala Einblicke in ihre Arbeit.  <\/p>\n<p>Anne Preckel \u2013 Kampala*<\/p>\n<p>\u00dcber 70 Prozent der B\u00fcrger in Uganda sind heute unter 30 Jahre alt, die Bev\u00f6lkerung ist jung, aber nicht alle Kinder haben Eltern. Seit Ende der 1980er Jahre raffte die AIDS-Pandemie viele Menschen hinweg und hinterlie\u00df eine Generation von Waisen. J\u00e4hrlich mehr als 100.000 Tote waren damals zu verzeichnen.<\/p>\n<p>\u201eAls HIV besonders akut war, sind viele Eltern gestorben. Ihre Kinder blieben zur\u00fcck und mussten sich schon in jungen Jahren um die Familie k\u00fcmmern\u201c, berichtet Schwester Stella Maris Kamanzi vom nationalen Kinderbetreuungsprogramm der katholischen Kirche in Uganda (<a href=\"https:\/\/arucccu.org\/\" rel=\"external nofollow noopener\" target=\"_blank\">Catholic Care for Children \u2013 CCCU<\/a>)\u00a0gegen\u00fcber Radio Vatikan. \u201eAuch das Corona-Virus hat zuletzt viele Eltern dahingerafft, deren Kinder dann in institutioneller Betreuung landeten.\u201c<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/multimedia\/2026\/marzo\/16\/Suor-Lydia-Suor-Stella-Maris-Kamanzi-e-Suor-Euphrasia-Masika.jpg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.750.422.jpeg\" alt=\"Sr. Lydia, Sr. Stella Maris Kamanzi und Suor Euphrasia Masika im Gespr\u00e4ch mit Radio Vatikan in Kampala (Foto: Vatican News)\" title=\"Sr. Lydia, Sr. Stella Maris Kamanzi und Suor Euphrasia Masika im Gespr\u00e4ch mit Radio Vatikan in Kampala (Foto: Vatican News)\"\/><\/p>\n<p>\n   Sr. Lydia, Sr. Stella Maris Kamanzi und Suor Euphrasia Masika im Gespr\u00e4ch mit Radio Vatikan in Kampala (Foto: Vatican News)\n  <\/p>\n<p>Kinderbetreuung nach internationalen Standards <\/p>\n<p>Dank ausl\u00e4ndischer US-Hilfsprogramme, die AIDS-Medikamente bereitstellten, konnten in Uganda nach dem H\u00f6hepunkt der AIDS-Pandemie viele Menschen vor dem Tod bewahrt werden, die Verwaisung aufgrund von AIDS nahm ab. In Uganda sind es bis heute aber auch Armut und Gewalt, die dazu f\u00fchren, dass Kinder in institutionelle Heime kommen.<\/p>\n<p>\u201eEtwa, wenn die Familie nicht in der Lage ist, Milch und Medikamente f\u00fcr das Baby zu kaufen\u201c, berichtet\u00a0CCCU-Nationaldirektorin,\u00a0Schwester Euphrasia Masika:\u00a0\u201eManchmal spielt auch h\u00e4usliche Gewalt eine Rolle.\u201c<\/p>\n<p>Oder Unsicherheit und Krieg: Uganda gilt in der Region als relativ stabiles Land, doch es gibt viele Kriegsfl\u00fcchtlinge aus den Nachbarl\u00e4ndern und in einigen Landesteilen \u00dcbergriffe durch Rebellen. Dabei kommt es vor, dass auf der Flucht Kinder von ihren Eltern getrennt werden.<\/p>\n<p>     <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/welt\/news\/2026-03\/uganda-papst-franziskus-laudato-si-nachhaltigkeit-ssemogerere.html\" title=\"Uganda: Das Erbe von Laudato s\u00ec w\u00e4chst weiter\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/multimedia\/2025\/maggio\/20\/07.jpg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.500.281.jpeg\" alt=\"Uganda: Das Erbe von Laudato s\u00ec w\u00e4chst weiter\"\/><\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>\n      Leo XIV. bricht nach Ostern zu seiner ersten Afrikareise als Papst auf \u2013 Anlass f\u00fcr Radio Vatikan, den Blick st\u00e4rker auf Afrika zu richten. In Uganda sind Erinnerungen an den &#8230;\n     <\/p>\n<p>\u201eManchmal sind die M\u00fctter auch psychisch krank, etwa nach Vergewaltigungen, und k\u00f6nnen sich nicht mehr um ihre Kinder k\u00fcmmern\u201c, erg\u00e4nzt die Ordensfrau.<\/p>\n<p>Aktuell gibt es laut der ARU in Uganda 157 offizielle Waisenh\u00e4user, in denen 7.650 Kinder betreut werden. Ugandas Regierung hat in den letzten Jahren viele illegale Kinderheime geschlossen, von denen es in Uganda hunderte gab. Auch wurde die Kinderbetreuung professionalisiert, in Konformit\u00e4t mit internationalen UN-Richtlinien, und Personal entsprechend daf\u00fcr geschult.<\/p>\n<p>\u201eDie Regierung hat Mindeststandards festgelegt, die die Kinderbetreuungseinrichtungen einhalten m\u00fcssen\u201c, erl\u00e4utert Schwester Stella: \u201eUnd sie hat die Expertise der Ordensleute und kirchlichen Mitarbeiter ausgebaut, damit sie echte Sozialarbeiter sind und genau wissen, was in diesen Einrichtungen zu tun ist.\u201c<\/p>\n<p>Ist eine Einrichtung nicht regelkonform, muss sie geschlossen werden. Die Ordensfrauen begr\u00fc\u00dfen dies: allein \u201eguter Wille\u201c reiche bei der Sorge um die Waisen nicht, gerade f\u00fcr verletzliche Menschen brauche es eine professionelle und \u201ebestm\u00f6gliche\u201c Betreuung, ist ihnen wichtig zu betonen.<\/p>\n<p>Vom Kinderheim in ein Zuhause\u00a0 <\/p>\n<p>Was aber ist die \u201ebestm\u00f6gliche\u201c Betreuung, dazu noch in einem Kontext der Armut und fehlenden Infrastrukturen? Ein Aspekt davon ist ganzheitliche F\u00fcrsorge, die auch in Bildungsangeboten besteht. So k\u00fcmmern sich die Ordensschwestern in den Heimen nicht nur um Nahrung und Unterkunft, sondern auch darum, die Kinder auf ein unabh\u00e4ngiges Leben vorzubereiten, berichtet Schwester Stella:<\/p>\n<p>\u201eWir vermitteln ihnen praktische F\u00e4higkeiten. Sie lernen zum Beispiel Weben, Matten und K\u00f6rbe flechten. Die Schwestern versuchen, die Kinder so zu f\u00f6rdern, dass sie sp\u00e4ter einmal selbstst\u00e4ndig leben k\u00f6nnen. Denn wenn sie mit 18 Jahren vollj\u00e4hrig werden, m\u00fcssen sie eigene Wege gehen. Deshalb bringen wir ihnen sinnvolle und ehrliche F\u00e4higkeiten bei.\u201c<\/p>\n<p>Bei der Waisen- und Kinderhilfe geht Uganda heute verst\u00e4rkt zur familienbasierten Betreuung \u00fcber. Die Vereinigung katholischer Ordensschwestern in Uganda (ARU) setzt dies zum Beispiel im Rahmen der \u201ePut Family First Initiative 2026-2028\u201c um, bei welcher die Kinder aus Heimen herausgenommen und m\u00f6glichst wieder in Familien oder Gemeinschaften integriert werden. Diese Gemeinschaften werden unterst\u00fctzt, damit der \u00dcbergang gelingt.<\/p>\n<p>\u201eIn institutionellen Betreuung fehlt den Kindern etwas Entscheidendes: das Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl.\u201c<\/p>\n<p>Im Vergleich zu Familien mit all ihren Problemen scheinen die Heime auf den ersten Blick vielleicht geordneter: es gibt geregelte Abl\u00e4ufe und Sicherheit, Essen und medizinische Versorgung sowie professionelle Bezugspersonen.<\/p>\n<p>\u201eTrotz all dem glauben wir aber, dass es noch mehr braucht\u201c, wirft Schwester Euphrasia ein. \u201eDenn in institutioneller Betreuung fehlt den Kindern etwas Entscheidendes: das Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl, das Gef\u00fchl der Bindung.\u201c Die Ordensfrauen wissen dies aus wissenschaftlichen Erhebungen und aus der eigenen langj\u00e4hrigen Erfahrung im Umgang mit Waisen und verletzlichen Kindern.<\/p>\n<p>     <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/vatikan\/news\/2025-11\/radio-vatikan-vatican-news-vor-ort-uganda-katholische-kirche.html\" title=\"Katholische Kirche in Uganda: Unsere Redakteurin berichtet\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/multimedia\/2025\/novembre\/06\/mmmmm.jpg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.500.281.jpeg\" alt=\"Katholische Kirche in Uganda: Unsere Redakteurin berichtet\"\/><\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>\n      Unsere Redakteurin Anne Preckel war in der Vorwoche in Uganda und hat sich vor Ort auf Spurensuche begeben, um herauszufinden, wie die katholische Kirche dort wirkt und vor welchen &#8230;\n     <\/p>\n<p>Irgendwie fehl am Platz <\/p>\n<p>Heimkinder seien zudem oft abh\u00e4ngiger von ihren Betreuungspersonen und weniger autonom, f\u00fchrt die CCCU-Nationaldirektorin weiter aus. Wenn sie mit 18 Jahren in ein selbstst\u00e4ndiges Leben entlassen w\u00fcrden, h\u00e4tten sie das Gef\u00fchl, sie h\u00e4tten \u201eviel verpasst\u201c und f\u00fchlten sich \u201efehl am Platz\u201c:<\/p>\n<p>\u201eSie wissen nicht, wie sie mit anderen Menschen da drau\u00dfen umgehen sollen. Sie wissen nicht, wie sie f\u00fcr sich selbst sorgen sollen. Und deshalb sagen wir: Es ist wirklich besser, wenn ein Kind in einer Familie aufw\u00e4chst. Und wenn das fr\u00fch beginnt &#8211; am besten schon in einem Alter von unter drei Jahren.\u201c<\/p>\n<p>Die gewollte \u201eDeinstitutionalisierung\u201c bei der Waisen-F\u00fcrsorge sei freilich kein Allheilmittel, r\u00e4umt die erfahrene Ordensfrau weiter ein:<\/p>\n<p>\u201eDenn viele Push-Faktoren sind ja nach wie vor vorhanden. W\u00e4hrend einige Kinder gehen, kommen andere zu uns. Unsere Arbeit besteht also darin, uns um die neuen Kinder zu k\u00fcmmern und zugleich die Kinder, die in Familien untergebracht wurden, weiter zu begleiten\u201c.<\/p>\n<p>Manchmal ziehen es Kinder in Uganda auch vor, ihrem famili\u00e4ren Umfeld zu entfliehen und auf die Stra\u00dfe zu gehen. Eine Abschaffung aller institutioneller Heime w\u00e4re deshalb auch keine gute L\u00f6sung, es braucht verschiedene Optionen. Die meisten Minderj\u00e4hrigen im Land haben laut UNICEF irgendeine Form von Gewalt oder Missbrauch erlebt, Millionen von ihnen gelten als gef\u00e4hrdet und verletzlich.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>Voraussetzung der Reintegration der Kinder in Familien sei, die Familien so resilient zu machen, dass sie dazu in der Lage sind, die Kinder gro\u00dfzuziehen, erkl\u00e4rt Schwester Euphrasia \u2013 etwa durch Beratung, die Vermittlung von Arbeitsperspektiven oder finanzielle Starthilfen: \u201eIn der Phase, in der wir uns jetzt befinden, geht es darum, sicherzustellen, wie wir diese Familie st\u00e4rken k\u00f6nnen, um weitere Trennungen zu verhindern. Wie k\u00f6nnen wir die Push-Faktoren beseitigen, damit ein Kind nicht erneut getrennt wird oder alleine bleibt?\u201c<\/p>\n<p>Bei der Kindheit ansetzen <\/p>\n<p>Jedes Kind, das auf diese Weise wieder ein halbwegs stabiles Zuhause in Uganda findet, ist f\u00fcr die Ordensfrauen ein Erfolg, ein kleiner \u201eMeilenstein\u201c, der das Potential hat, Ugandas Gesellschaft zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>*Unsere Korrespondentin traf die Ordensfrauen im November in Kampala.<\/p>\n<p>(vatican news \u2013 pr)<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Katholische Ordensfrauen k\u00fcmmern sich in Uganda um Waisen und Kinder, die aus verschiedenen Gr\u00fcnden ihre Familien verlassen mussten.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2344,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[231,60,1745,224,283,1744,207,673],"class_list":{"0":"post-2343","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-uganda","8":"tag-katholische-kirche","9":"tag-kinder","10":"tag-kinderschutz","11":"tag-ordensvertreter","12":"tag-politik","13":"tag-schwestern","14":"tag-uganda","15":"tag-uno"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2343","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2343"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2343\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2344"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2343"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2343"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2343"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}