{"id":24332,"date":"2026-06-01T23:20:25","date_gmt":"2026-06-01T23:20:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/24332\/"},"modified":"2026-06-01T23:20:25","modified_gmt":"2026-06-01T23:20:25","slug":"sahelallianz-angespannte-ruhe-in-mali-tageszeitung-junge-welt-28-04-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/24332\/","title":{"rendered":"Sahelallianz: Angespannte Ruhe in Mali, Tageszeitung junge Welt, 28.04.2026"},"content":{"rendered":"<p>Die malische Regierung ist schwer angeschlagen <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/521584.konflikt-im-sahel-bamako-unter-feuer.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">seit den koordinierten Attacken vom Sonnabend an einer ganzen Reihe von Orten auf ihrem Staatsgebiet<\/a>, von der algerischen Grenze bis zur Hauptstadt Bamako. Besonders hart getroffen wurde dabei die Garnisonsstadt Kati in rund f\u00fcnfzehn Kilometern Entfernung vom Zentrum Bamakos. Aus dem dort stationierten Milit\u00e4r rekrutiert sich ein Teil der seit den Putschen in den Jahren 2020 und 2021 im Amt befindlichen \u00dcbergangsregierung. Am Sonntag flammten in der N\u00e4he von Kati erneut K\u00e4mpfe auf, die Luftwaffe griff ein.<\/p>\n<p>Am Montag herrschte angespannte Ruhe. Doch schossen im Laufe des Tages zahllose Spekulationen ins Kraut. Inzwischen wurde der zun\u00e4chst von der franz\u00f6sischen Zeitung Le Figaro vermeldete, dann von Bamako dementierte, sp\u00e4ter jedoch von zahlreichen Medien berichtete Tod von Verteidigungsminister Sadio Camara offiziell best\u00e4tigt und eine zweit\u00e4gige Staatstrauer angeordnet. Verschwunden scheint jedoch bislang der regierende Interimspr\u00e4sident Assimi Go\u00efta. Regierungskreise sprechen davon, dass er sich im Inland in Sicherheit befindet. Im Internet kursieren jedoch Ger\u00fcchte \u00fcber eine m\u00f6gliche Verbringung ins Ausland.<\/p>\n<p>Die zusammen mit der dschihadistischen \u00bbGruppe f\u00fcr die Unterst\u00fctzung des Islam und der Muslime\u00ab (GISM, ehemals \u00bbAl-Qaida im islamischen Maghreb\u00ab) attackierenden Tuareg-Separatisten der \u00bbFront f\u00fcr die Befreiung von Azawad\u00ab (FLA) geben ihrerseits an, ein Abkommen mit der in Mali aktiven russischen Milit\u00e4reinheit \u00bbAfrikakorps\u00ab f\u00fcr den Abzug von deren Kombattanten aus der Stadt Kidal geschlossen zu haben. Seit Sonnabend seien deren Einheiten in der Milit\u00e4rbasis \u00bbCamp 2\u00ab eingeschlossen gewesen.<\/p>\n<p>Die Tuareg-Sezessionisten behaupten, die volle Kontrolle \u00fcber das hoch im Norden des malischen Staatsgebiets gelegene Kidal auszu\u00fcben, w\u00e4hrend Bamako dies am Sonntag zun\u00e4chst zur\u00fcckgewiesen hatte. Sp\u00e4ter sprach die Zentralregierung dann aber von einer \u00bbtaktischen Neupositionierung\u00ab ihrer Streitkr\u00e4fte, womit sie den Abzug aus Kidal de facto anerkannte. Ihre Niederlage in dieser Stadt, die das administrative Zentrum eines der drei Verwaltungsbezirke Nordmalis darstellt, ist hochsymbolisch. Schlie\u00dflich hatten die malischen Streitkr\u00e4fte Kidal nach zehn Jahren Abwesenheit und Kontrolle durch Tuareg-Separatisten \u2013 zeitweilig unter dem Schutz der dort bis 2022 pr\u00e4senten franz\u00f6sischen Armee \u2013 erst im Jahr 2023 wieder betreten k\u00f6nnen, zusammen mit russischen Milit\u00e4rs.<\/p>\n<p>Das russische \u00bbAfrikakorps\u00ab, das seit circa zwei Jahren die vormals in Mali aktive russische S\u00f6ldnerfirma \u00bbWagner\u00ab ersetzt hat, gab seinerseits auf X bekannt, dass es seine Kombattanten aus Kidal abziehe, und best\u00e4tigte dadurch ebenfalls den R\u00fcckzug aus der Tuareg-Hochburg. Gemeinsam mit Soldaten der malischen Regierungsarmee bewegten sich die Einheiten in Richtung der Stadt Gao im Zentrum Malis. Anscheinend zog das \u00bbAfrikakorps\u00ab allerdings v\u00f6llig kampflos aus der Region ab, ohne einen Schuss abgegeben zu haben, was viele Beobachter erstaunte.<\/p>\n<p>Am Montag morgen gab das Generalsekretariat des Staatenbundes \u00bbSahelallianz\u00ab (AES), zu dem sich die drei Nachbarl\u00e4nder Mali, Niger und Burkina Faso zusammengeschlossen haben, eine scharfe Erkl\u00e4rung ab. Darin wird \u00bbimperialistischen Kr\u00e4ften\u00ab vorgeworfen, die Angreifer unterst\u00fctzt zu haben, um die Abwendung der drei AES-Staaten vom Westen zu bestrafen. Man werde sich aber nicht von dem eingeschlagenen unabh\u00e4ngigen Kurs abbringen lassen. Nigrische und burkinische Milit\u00e4reinheiten seien bereits zur Verteidigung Malis entsandt worden. Mit den \u00bbimperialistischen Kr\u00e4ften\u00ab gemeint d\u00fcrfte die fr\u00fchere Kolonialmacht Frankreich sein.<\/p>\n<p>Unterdessen spekuliert vor allem die marokkanische Presse \u00fcber eine angebliche Unterst\u00fctzung Algeriens bei den Attacken vom Sonnabend. Mali hat sich erst vor kurzem im Konflikt um die von Marokko illegal besetzte Westsahara hinter Rabat gestellt, was in Widerspruch zur algerischen Position steht \u2013 und der bisherigen Malis. Auch verbreitete die marokkanische Seite Ger\u00fcchte \u00fcber angebliche Verbindungen der in Mali angreifenden Rebellen zur von Algerien unterst\u00fctzten Westsahara-Befreiungsfront Polisario. Dabei handelt es sich jedoch um klassische marokkanische Propaganda.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die malische Regierung ist schwer angeschlagen seit den koordinierten Attacken vom Sonnabend an einer ganzen Reihe von Orten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24333,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[237],"tags":[29,92,331,309,95,532,381,2335],"class_list":["post-24332","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-mali","tag-afrika","tag-algerien","tag-frankreich","tag-mali","tag-marokko","tag-militaer","tag-russland","tag-tuareg"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116677418771016639","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24332","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24332"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24332\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24333"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24332"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24332"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24332"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}