{"id":24470,"date":"2026-06-02T08:32:09","date_gmt":"2026-06-02T08:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/24470\/"},"modified":"2026-06-02T08:32:09","modified_gmt":"2026-06-02T08:32:09","slug":"nigeria-sind-die-anzeichen-fuer-eine-wirtschaftliche-erholung-von-dauer-credendo-short-term-non-eu-risks-story","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/24470\/","title":{"rendered":"Nigeria: Sind die Anzeichen f\u00fcr eine wirtschaftliche Erholung von Dauer?, Credendo Short-Term Non-EU Risks, Story"},"content":{"rendered":"<p>Auf einen Blick<\/p>\n<p>Die von Pr\u00e4sident Tinubu eingeleiteten Reformen zur makro\u00f6konomischen Stabilisierung zeigen erste Wirkung, trotz anf\u00e4nglicher Belastung.<br \/>\nDer Naira hat sich nach der Wechselkursliberalisierung stabilisiert, die Inflation beginnt zu sinken.<br \/>\nFinanzreformen sollen strukturelle Schw\u00e4chen wie niedrige Steuereinnahmen beheben, doch bleiben erhebliche L\u00fccken bestehen.<br \/>\nSicherheitsrisiken, hohe Schuldendienstkosten und die anhaltende Abh\u00e4ngigkeit vom \u00d6l halten Nigeria in der Kategorie \u201ehohes Risiko\u201c.<\/p>\n<p>Pro<\/p>\n<p>Bev\u00f6lkerungsreichstes Land Afrikas<br \/>\nErhebliche \u00d6l- und Gasreserven<br \/>\nEnormes Potenzial in den Bereichen Landwirtschaft und Bergbau<br \/>\nBl\u00fchender Dienstleistungssektor in Lagos, z. B. Finanztechnologien, digitale Infrastruktur, Film usw.<br \/>\nBegrenzte Staatsverschuldung<\/p>\n<p>Kontra<\/p>\n<p>Hohe Abh\u00e4ngigkeit vom volatilen Kohlenwasserstoffsektor<br \/>\nUnzureichende Infrastruktur<br \/>\nHohe Arbeitslosigkeit und steigende Armutsraten<br \/>\nMehrere Brennpunkte gewaltt\u00e4tiger Konflikte<\/p>\n<p>Staats- und Regierungsoberhaupt<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Bola Ahmed Adekunle Tinubu<\/p>\n<p>Bev\u00f6lkerung<\/p>\n<p>BIP pro Kopf<\/p>\n<p>Einkommensgruppe<\/p>\n<p>Niedrigeres mittleres Einkommen<\/p>\n<p>Hauptexportg\u00fcter<\/p>\n<p>Brennstoffe (57,6 % der Leistungsbilanzeinnahmen im Jahr 2024), private Transfers (25,9 %), Nahrungsmittel (3,9 %)<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Tinubu setzt seine Agenda umfassender Reformen fort<\/p>\n<p>\u00dcber viele Jahre f\u00fchrte Nigerias kostspieliger paralleler Devisenmarkt zu erheblichen Ineffizienzen und wahrgenommener Korruption, und untergrub strukturell das Vertrauen der Investoren. Zusammen mit anhaltend hoher Kapitalflucht, schwachen Investitionszufl\u00fcssen und Schocks auf dem \u00d6lmarkt setzte dies die Liquidit\u00e4t dauerhaft unter Druck.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wuchsen die Sorgen um die Tragef\u00e4higkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen angesichts kostspieliger Kraftstoffsubventionen und \u00e4u\u00dferst begrenzter Steuereinnahmen. Nach seinem Amtsantritt im Mai 2023 startete Pr\u00e4sident Tinubu ein ehrgeiziges Reformprogramm zur Belebung der Wirtschaft und zur Anziehung von Investitionen. Die Vereinheitlichung der Wechselkurse und die Abschaffung der Kraftstoffsubventionen trafen gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung hart. Die Liberalisierung des Naira f\u00fchrte zu einer drastischen Abwertung um rund 70 % gegen\u00fcber dem US-Dollar, wodurch sich das BIP Nigerias in US-Dollar gerechnet von 476 Mrd. USD im Jahr 2022 auf 188 Mrd. USD im Jahr 2024 mehr als halbierte, ebenso das Pro-Kopf-BIP.<\/p>\n<p>Seit mehr als zwei Jahrzehnten steigt die Armutsquote in Nigeria, dem bev\u00f6lkerungsreichsten Land Afrikas, getrieben von jahrelang zweistelliger Inflation. Nach der Liberalisierung des Naira stieg die Inflation 2023 sprunghaft auf 29 % (im Vergleich zum Vorjahr) und erreichte im November 2024 einen H\u00f6chststand von 34 %. Zusammen mit dem Wegfall der Kraftstoffsubventionen l\u00f6ste dies eine Krise der Lebenshaltungskosten und erhebliche soziale Spannungen aus. Nach der Anpassung der statistischen Berechnungsgrundlage sank die Inflation im Dezember 2024 deutlich und begann einen Abw\u00e4rtstrend, der durch den R\u00fcckzug der Zentralbank von Nigeria (CBN) aus der Defizitfinanzierung gest\u00fctzt wurde.<\/p>\n<p>2025 fiel die Inflationsrate erstmals seit fast drei Jahren unter 20 %. Der IWF erwartet jedoch keinen R\u00fcckgang auf unter 10 % vor 2029. Im September 2025 senkte die CBN erstmals seit Jahren den Leitzins. Das Wirtschaftswachstum lag 2024 erneut \u00fcber 4 %, f\u00fcr 2025 werden 3,9 % prognostiziert. Trotz der weiterhin starken \u00d6labh\u00e4ngigkeit w\u00e4chst der Anteil der Nicht-\u00d6l-Sektoren, insbesondere Fintech und Landwirtschaft, deutlich.<\/p>\n<p>Wende bei den Finanzdefiziten?<\/p>\n<p>Die Regierung Tinubu h\u00e4lt trotz Widerstand und Unzufriedenheit an ihrem Reformkurs fest, was seit 2025 zu Verbesserungen bei makro\u00f6konomischen und fiskalischen Kennzahlen f\u00fchrt.\u00a0<br \/>Ein auff\u00e4lliger Mangel in den \u00f6ffentlichen Finanzen sind die geringen \u00f6ffentlichen Einnahmen, die durch Korruption, Unterschlagung, sowie Diebstahl und illegale Bunkerung von \u00d6l erheblich geschm\u00e4lert werden. Diese strukturellen Probleme verursachen neben Einnahmeausf\u00e4llen zudem \u00f6kologische Sch\u00e4den und versch\u00e4rfen die Unsicherheit in den \u00d6lf\u00f6rderregionen. Das Verh\u00e4ltnis der \u00f6ffentlichen Einnahmen zum BIP erreichte jahrelang kaum 6 %, und war damit eines der niedrigsten weltweit, und deutlich unter dem Durchschnitt von 18 % f\u00fcr L\u00e4nder s\u00fcdlich der Sahara. Die j\u00fcngsten Steuerreformen d\u00fcrften dazu beitragen, dieses Verh\u00e4ltnis 2025 auf etwa 10 % des BIP anzuheben, was f\u00fcr einen gro\u00dfen \u00d6lexporteur immer noch ein sehr niedriges Niveau ist, aber dennoch einen entscheidenden Fortschritt darstellt.<\/p>\n<p>Die Zinsbelastung des nigerianischen Staats ist hoch, mit einer Staatsverschuldung von 39 % des BIP im Jahr 2024 (2022: 30 %). Der Kreditplan von Pr\u00e4sident Tinubu erh\u00f6hte den Anteil der Auslandsverschuldung von einem Drittel der gesamten Staatsverschuldung im Jahr 2022 auf fast zwei Drittel im Jahr 2024, wodurch Nigeria Wechselkursschwankungen und volatilen \u00d6lpreisen ausgesetzt ist. Ein weiteres bemerkenswertes finanzielles Risiko ist der historische Anstieg der Schulden staatlicher Unternehmen (SOEs), wobei genaue Zahlen fehlen. Eine umfassende Privatisierungsinitiative wurde angek\u00fcndigt, um Eventualverbindlichkeiten zu reduzieren und die Effizienz der Unternehmen \u00fcber alle Sektoren zu verbessern.\u00a0<\/p>\n<p>Devisenreserven erholen sich<\/p>\n<p>Zwischen 2022 und 2024 hatte Nigeria mit einem anhaltenden R\u00fcckgang der Devisenreserven zu k\u00e4mpfen, der auf Kapitalflucht, eine hohe Schuldendienstlast und sinkende \u00d6lproduktion zur\u00fcckzuf\u00fchren war. Die Interventionen der CBN zur Stabilisierung des Naira setzten die Liquidit\u00e4t zus\u00e4tzlich unter Druck. Nach der Umstellung auf einen kontrollierten Floating-Wechselkurs Mitte 2023 hielt der Druck angesichts der Unsicherheit zwar an, seit Anfang 2024 sind die Devisenreserven jedoch gestiegen, da die CBN ihre Interventionen reduziert hat. Zus\u00e4tzlich unterst\u00fctzt wird die Liquidit\u00e4t durch hohe Auslandskredite, einen vor\u00fcbergehenden Anstieg der \u00d6l- und Gasproduktion bei zugleich geringeren Kraftstoffimporten (Dangote-Raffinerie) sowie durch andere Importsubstitutionsma\u00dfnahmen. Infolgedessen haben die Reserven laut CBN wieder mehr als 43 Milliarden US-Dollar erreicht, was einer Importdeckung von mehr als 6 Monaten entspricht.<\/p>\n<p>Erhebliche Risiken halten den afrikanischen Riesen zur\u00fcck<\/p>\n<p>Trotz des enormen Potenzials der zweitgr\u00f6\u00dften Volkswirtschaft und des bev\u00f6lkerungsreichsten Landes in Subsahara-Afrika bleibt Nigeria aufgrund struktureller Defizite in der Risikokategorie \u201ehohes Risiko\u201c. Die Sicherheitsrisiken sind erheblich: Dschihadistische Aktivit\u00e4ten und Bandenkriminalit\u00e4t im Nordosten, interkommunale Gewalt zwischen (\u00fcberwiegend christlichen) Viehz\u00fcchtern und (\u00fcberwiegend muslimischen) Hirten um Landbesitz in den zentralen Regionen, sowie eine Rebellion geringer Intensit\u00e4t im \u00f6lproduzierenden Nigerdelta.\u00a0<br \/>Zudem hat US-Pr\u00e4sident Donald Trump zuletzt Vorw\u00fcrfe gegen die nigerianische Regierung erhoben, wegen des von ihm so genannten \u201eMassakers an Christen durch Muslime\u201d \u2013 was als eine gravierende und inkorrekte Vereinfachung der komplexen Konfliktsituation in Nigeria gilt. Seine Drohung einer milit\u00e4rischen Intervention der USA sorgte f\u00fcr ebenso viel \u00dcberraschung wie Besorgnis, und erh\u00f6ht das Risiko eines externen Konflikts.<\/p>\n<p>Sozio\u00f6konomisch belasten die hohen Lebenshaltungskosten das Land und erh\u00f6hen das Risiko f\u00fcr Proteste und Streiks. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrt die Konzentration von Wohlstand und Fortschritt im Ballungsraum Lagos zu einer Entfremdung gro\u00dfer Teile des Landes, was die politische Instabilit\u00e4t weiter versch\u00e4rfen k\u00f6nnte. Aufgrund dieser Faktoren stuft Credendo das Risiko politischer Gewalt in Nigeria in die hohe Kategorie 6\/7 ein, was sich in der Bewertung des Gesamtrisikos niederschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Weitere gro\u00dfe Risiken sind die Anf\u00e4lligkeit Nigerias gegen\u00fcber der Volatilit\u00e4t des \u00d6lsektors. Ein starker und anhaltender R\u00fcckgang der \u00d6lpreise w\u00fcrde die Finanzlage Nigerias unmittelbar belasten, und der R\u00fcckgang der \u00d6l- und Gasproduktion stellt ein erhebliches langfristiges Risiko dar. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnte die hohe Schuldenlast die j\u00fcngsten Fortschritte in Bezug auf die Liquidit\u00e4t gef\u00e4hrden, und ein pl\u00f6tzlicher Anstieg der globalen Zinss\u00e4tze k\u00f6nnte den Druck durch den Auslandsschuldendienst erh\u00f6hen. Nigeria bleibt daher ein Markt mit erheblichen Risiken, besitzt jedoch zugleich ein enormes Potenzial. Die j\u00fcngsten Entwicklungen weisen auf ermutigende Fortschritte hin, ausgehend von der aktuellen Bewertung des mittel- und langfristigen politischen Risikos in Kategorie 6\/7.<\/p>\n<p>Analystin:\u00a0Louise Van Cauwenbergh \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.pressebox.de\/pressemitteilung\/credendo\/nigeria-sind-die-anzeichen-fr-eine-wirtschaftliche-erholung-von-dauer\/boxid\/mailto:l.vancauwenbergh@credendo.com\" class=\"bbcode_email\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">l.vancauwenbergh@credendo.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auf einen Blick Die von Pr\u00e4sident Tinubu eingeleiteten Reformen zur makro\u00f6konomischen Stabilisierung zeigen erste Wirkung, trotz anf\u00e4nglicher Belastung.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24471,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[8],"tags":[10768,8730,10767,8723,4053,9589,10769,7398,10766,77,10770,4056,6506,10765,1506,8727],"class_list":["post-24470","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nigeria","tag-armutsquote","tag-bip","tag-cbn","tag-credendo","tag-dangote","tag-fintech","tag-lagos","tag-milliarden","tag-mrd","tag-nigeria","tag-nigerianischen","tag-raffinerie","tag-reformen","tag-tinubu","tag-trump","tag-van"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116679589554781401","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24470","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24470"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24470\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24471"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24470"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24470"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24470"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}