{"id":2496,"date":"2026-04-19T03:43:45","date_gmt":"2026-04-19T03:43:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/2496\/"},"modified":"2026-04-19T03:43:45","modified_gmt":"2026-04-19T03:43:45","slug":"wortlaut-der-papst-bei-der-begegnung-mit-vertretern-des-staates","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/2496\/","title":{"rendered":"Wortlaut: Der Papst bei der Begegnung mit Vertretern des Staates"},"content":{"rendered":"<p>Wir dokumentieren an dieser Stelle im Wortlaut die Ansprache des Papstes bei der Begegnung mit mit Repr\u00e4sentanten des Staates, der Zivilgesellschaft und des diplomatischen Korps in Algier, im Konferenzzentrum Djamaa el Djazair, am&#13;<br \/>\n13. April 2026 in einer offiziellen deutschen \u00dcbersetzung. &#13;\n<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Wortmeldungen des Papstes in ihrer offiziellen Fassung finden Sie auf der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/vatican\/de.html\" rel=\"external nofollow noopener\" target=\"_blank\">Internetseite des Heiligen Stuhls<\/a>.<\/p>\n<p>Herr Pr\u00e4sident,<\/p>\n<p>sehr geehrte Autorit\u00e4ten und Mitglieder des diplomatischen Korps,<\/p>\n<p>meine Damen und Herren!<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte meine tiefe Dankbarkeit f\u00fcr die Einladung nach Algerien ausdr\u00fccken, die ich gleich zu Beginn meines Petrusdienstes erhalten habe. Und ich danke Ihnen f\u00fcr Ihren herzlichen Empfang! Sie wissen, dass ich als geistlicher Sohn des heiligen Augustinus bereits zweimal \u2013 im Jahr 2001 und 2013 \u2013 nach Annaba gekommen bin, und ich bin der g\u00f6ttlichen Vorsehung dankbar, weil es sich nach deren geheimnisvollem Plan so gef\u00fcgt hat, dass ich als Nachfolger Petri hierher zur\u00fcckkehren durfte. Ich komme zu Ihnen als Pilger des Friedens, voller Sehnsucht, das edle algerische Volk zu treffen. Wir sind Br\u00fcder und Schwestern, weil wir denselben Vater im Himmel haben: Die tiefe Religiosit\u00e4t des algerischen Volkes ist das Geheimnis einer Kultur der Begegnung und der Vers\u00f6hnung, f\u00fcr die auch dieser Besuch ein Zeichen sein m\u00f6chte. In einer Welt voller Konflikte und Missverst\u00e4ndnisse wollen wir einander begegnen und versuchen, einander zu verstehen, in der Erkenntnis, dass wir eine einzige Familie sind! Heute ist dieses einfache Bewusstsein der Schl\u00fcssel, um viele verschlossene T\u00fcren zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Zeuge des Friedens und der Hoffnung <\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern, ich komme zu Ihnen als Zeuge des Friedens und der Hoffnung, nach denen sich die Welt zutiefst sehnt und die Ihr Volk stets angestrebt hat: ein Volk, das von den Herausforderungen nie besiegt wurde, weil es in jenem Sinn f\u00fcr Solidarit\u00e4t, Gastfreundschaft und Gemeinschaft verwurzelt ist, von dem das allt\u00e4gliche Leben von Millionen bescheidener und gerechter Menschen durchdrungen ist. Sie sind die Starken, sie sind die Zukunft: diejenigen, die sich nicht von Macht und Reichtum blenden lassen, diejenigen, die die W\u00fcrde ihrer Mitb\u00fcrger nicht ihrem pers\u00f6nlichen Wohlergehen oder dem der eigenen Gruppe opfern. Insbesondere habe ich von vielen Seiten erfahren, wie das algerische Volk sowohl gegen\u00fcber seinen Landsleuten als auch gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern eine ausgepr\u00e4gte Gro\u00dfz\u00fcgigkeit an den Tag legt. Diese Haltung zeugt von jener tief in den arabischen und berberischen Gemeinschaften verwurzelten Gastfreundschaft, jener heiligen Pflicht, die wir gern \u00fcberall als grundlegenden gesellschaftlichen Wert vorfinden w\u00fcrden. Ebenso ist das Almosengeben (sadaka) unter Ihnen eine g\u00e4ngige und selbstverst\u00e4ndliche Praxis, auch f\u00fcr diejenigen, die nur \u00fcber begrenzte Mittel verf\u00fcgen. Urspr\u00fcnglich bedeutet das Wort sadaka Gerechtigkeit: Nicht f\u00fcr sich zu behalten, sondern das zu teilen, was man hat, ist in der Tat eine Frage der Gerechtigkeit. Ungerecht ist, wer Reicht\u00fcmer anh\u00e4uft und anderen gegen\u00fcber gleichg\u00fcltig bleibt. Diese Sichtweise der Gerechtigkeit ist einfach und radikal: Sie erkennt im anderen das Abbild Gottes. Eine Religion ohne Barmherzigkeit und ein gesellschaftliches Leben ohne Solidarit\u00e4t sind in den Augen Gottes ein Skandal. Und doch st\u00fcrzen viele Gesellschaften, die sich f\u00fcr fortschrittlich halten, immer tiefer in Ungleichheit und Ausgrenzung. Die Menschen und Organisationen, die \u00fcber andere herrschen \u2013 das wei\u00df Afrika nur zu gut \u2013, zerst\u00f6ren die Welt, die der Allerh\u00f6chste erschaffen hat, damit wir zusammenleben.<\/p>\n<p>Die dramatischen Ereignisse der Geschichte, verschaffen Ihrem Land einen eigenen kritischen Blick auf globale Gleichgewichte. Wenn es Ihnen gelingt, mit den Anliegen aller in Dialog zu treten und sich mit dem Leid vieler naher und ferner L\u00e4nder solidarisch zu zeigen, dann kann Ihre Erfahrung dazu beitragen, die Vorstellung von einer gr\u00f6\u00dferen Gerechtigkeit unter den V\u00f6lkern zu entwickeln und zu verwirklichen. Nicht durch die Vermehrung von Missverst\u00e4ndnissen und Konflikten, sondern durch die Achtung der W\u00fcrde eines jeden und indem Sie sich vom Leid anderer ber\u00fchren lassen, k\u00f6nnen Sie tats\u00e4chlich zu Akteuren eines neuen Verlaufs der Geschichte werden, der heute angesichts fortw\u00e4hrender Verst\u00f6\u00dfe gegen das V\u00f6lkerrecht und neokolonialer Versuchungen dringender ist denn je.<\/p>\n<p>Epochale Tragweite <\/p>\n<p>Schon meine Vorg\u00e4nger haben die epochale Tragweite dieser Herausforderung klar erkannt. Benedikt XVI. stellte fest: \u00bbDie angemessen geplanten und ausgef\u00fchrten Globalisierungsprozesse machen auf weltweiter Ebene eine noch nie dagewesene gro\u00dfe Neuverteilung des Reichtums m\u00f6glich; wenn diese Prozesse jedoch schlecht gef\u00fchrt werden, k\u00f6nnen sie hingegen zu einer Zunahme der Armut und der Ungleichheit f\u00fchren sowie mit einer Krise die ganze Welt anstecken\u00ab (Enzyklika Caritas in veritate, 42). Papst Franziskus hat dann, gest\u00fctzt auf seine langj\u00e4hrige Erfahrung inmitten der Widerspr\u00fcche des globalen S\u00fcdens, auf die Bedeutung dessen hingewiesen, was nur in der Peripherie der gro\u00dfen Macht- und Entscheidungszentren verstanden werden kann: \u00bbEs ist notwendig, die gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Partizipation in einer Weise zu konzipieren, die die Volksbewegungen mit einschlie\u00dfen und die lokalen, nationalen und internationalen Regierungsstrukturen mit jenem Strom moralischer Energie beleben, der der Miteinbeziehung der Ausgeschlossenen in den Aufbau unseres gemeinsamen Schicksals entspringt\u00ab (Enzyklika Fratelli tutti, 169).<\/p>\n<p>So ermutige ich Sie, die Sie in diesem Land Verantwortung tragen, keine Angst vor einer solchen Sichtweise zu haben und eine lebendige, dynamische und freie Zivilgesellschaft zu f\u00f6rdern, in der insbesondere den jungen Menschen die F\u00e4higkeit zuerkannt wird, dazu beizutragen, den Horizont der Hoffnung f\u00fcr alle zu erweitern. Die wahre St\u00e4rke eines Landes besteht in der Zusammenarbeit aller zur Verwirklichung des Gemeinwohls. Die Verantwortlichen sind nicht dazu bestimmt, zu beherrschen, sondern dem Volk und seiner Entwicklung zu dienen. Das politische Handeln hat seinen Ma\u00dfstab also in der Gerechtigkeit, ohne die es keinen wahren Frieden gibt, und es findet seinen Ausdruck in der F\u00f6rderung gerechter und w\u00fcrdiger Lebensbedingungen f\u00fcr alle. Auch die katholische Kirche m\u00f6chte mit ihren Gemeinschaften und Initiativen zum Gemeinwohl Algeriens beitragen und dabei dessen besondere Identit\u00e4t als Br\u00fccke zwischen Nord und S\u00fcd, zwischen Ost und West st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Mittelmeer und Sahara <\/p>\n<p>Das Mittelmeer auf der einen Seite und die Sahara auf der anderen Seite stellen n\u00e4mlich geografische und geistige Knotenpunkte von enormer Tragweite dar. Wenn wir uns ohne Vereinfachungen und Ideologien eingehend mit der Geschichte befassen, werden wir dort unermessliche Sch\u00e4tze an Menschlichkeit entdecken, denn das Meer und die W\u00fcste sind seit Jahrtausenden Orte gegenseitiger Bereicherung zwischen den V\u00f6lkern und Kulturen. Wehe, wenn wir aus ihnen Friedh\u00f6fe machen, wo auch die Hoffnung stirbt! Befreien wir diese enormen Reservoirs der Geschichte und der Zukunft vom B\u00f6sen! Lasst uns die Oasen des Friedens vermehren, die Ursachen der Verzweiflung anprangern und beseitigen, gehen wir gegen diejenigen vor, die aus dem Ungl\u00fcck anderer Profit schlagen! Denn die Gewinne derer, die mit dem menschlichen Leben spekulieren, dessen W\u00fcrde unantastbar ist, sind unrechtm\u00e4\u00dfig. Vereinen wir also unsere Kr\u00e4fte, unsere geistige St\u00e4rke, alle Intelligenz und Ressourcen, die die Erde und das Meer zu Orten des Lebens, der Begegnung und des Staunens werden lassen. Ihre majest\u00e4tische Sch\u00f6nheit m\u00f6ge unser Herz ber\u00fchren; ihre grenzenlose Weite uns nach der Transzendenz fragen lassen. Das Mittelmeer, die Sahara und der unermessliche Himmel, der sie \u00fcberspannt, fl\u00fcstern uns zu, dass die Wirklichkeit uns von allen Seiten \u00fcbersteigt, dass Gott wahrhaft gro\u00df ist und dass wir alles in seiner geheimnisvollen Gegenwart erleben.<\/p>\n<p>Dieses Denken hat enorme Auswirkungen auf die Wirklichkeit. Viele untersch\u00e4tzen heute seine Tragweite. Bei genauerer Betrachtung ist auch der algerischen Gesellschaft die Spannung zwischen Religiosit\u00e4t und modernem Leben nicht fremd. Hier wie \u00fcberall auf der Welt werden entgegengesetzte Tendenzen sichtbar, des Fundamentalismus oder der S\u00e4kularisierung, aufgrund derer viele das rechte Gesp\u00fcr f\u00fcr Gott und die W\u00fcrde all seiner Gesch\u00f6pfe verlieren. Dann k\u00f6nnen religi\u00f6se Symbole und Worte einerseits zu gottesl\u00e4sterlichen Ausdrucksformen von Gewalt und Unterdr\u00fcckung werden, und andererseits zu bedeutungslosen Zeichen auf dem gro\u00dfen Markt eines Konsums, der nicht s\u00e4ttigt.<\/p>\n<p>Diese absurden Polarisierungen d\u00fcrfen uns jedoch nicht erschrecken. Ihnen muss man mit Verstand begegnen. Sie sind ein Zeichen daf\u00fcr, dass wir eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Zeit erleben, eine Zeit gro\u00dfer Erneuerung, in der diejenigen, die ihr Herz freihalten und ein waches Bewusstsein haben, aus den gro\u00dfen geistlichen und religi\u00f6sen Traditionen eine neue Sicht auf die Wirklichkeit und unersch\u00fctterliche Motivation f\u00fcr ihr Engagement erlangen k\u00f6nnen. Es gilt, zu kritischem Denken und zur Freiheit, zum Zuh\u00f6ren und zum Dialog sowie zu jenem Vertrauen zu erziehen, das uns im Anderen einen Weggef\u00e4hrten erkennen l\u00e4sst und nicht eine Bedrohung. Wir m\u00fcssen uns einsetzen f\u00fcr die Heilung der Erinnerung und die Vers\u00f6hnung ehemaliger Gegner. Dies ist die Gabe, die ich f\u00fcr Sie, f\u00fcr Algerien und f\u00fcr sein gesamtes Volk erbitte, auf das ich den reichen Segen des Allerh\u00f6chsten herabrufe.<\/p>\n<p>(vatican news &#8211; mg)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wir dokumentieren an dieser Stelle im Wortlaut die Ansprache des Papstes bei der Begegnung mit mit Repr\u00e4sentanten des&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2497,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[93,92,169,147,164,283,225,1260],"class_list":{"0":"post-2496","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-algerien","8":"tag-algeria","9":"tag-algerien","10":"tag-apostolische-reise","11":"tag-diplomatie","12":"tag-papst-leo-xiv","13":"tag-politik","14":"tag-treffen","15":"tag-zivilgesellschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2496","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2496"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2496\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2497"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2496"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2496"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2496"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}