{"id":28258,"date":"2026-06-12T00:24:08","date_gmt":"2026-06-12T00:24:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/28258\/"},"modified":"2026-06-12T00:24:08","modified_gmt":"2026-06-12T00:24:08","slug":"namibia-ist-eine-reise-und-eine-investition-wert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/28258\/","title":{"rendered":"Namibia ist eine Reise und eine Investition wert"},"content":{"rendered":"<p>Bayerns Wirtschaft ist weltmarktorientiert. Da es aufgrund geopolitischer Schwierigkeiten immer herausfordernder wird, in den f\u00fcr den Freistaat wichtigen M\u00e4rkten USA und China zu re\u00fcssieren, ist Diversifikation gefragt. Namibia im S\u00fcdwesten Afrikas k\u00f6nnte ein interessanter Markt f\u00fcr Bayern werden.<\/p>\n<p>\u201eDie Menschlichkeit hat mich gepackt\u201c, sagt <a href=\"https:\/\/www.namibia-hc-munich.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Max Schlereth, Honorarkonsul der Republik Namibia in Bayern<\/a>, der Staatszeitung. Das riesige Land im S\u00fcdwesten Afrikas mit seinen nur etwas \u00fcber drei Millionen Einwohnern bietet ihm zufolge enormes Gesch\u00e4ftspotenzial f\u00fcr bayerische Unternehmen. In den Sektoren gr\u00fcner Wasserstoff, Energieinfrastruktur, Transport und Logistik, Wassermanagement und Nachhaltigkeit, Gesundheitswesen, Agrarverarbeitung, bezahlbarer Wohnraum und Tourismus b\u00f6ten sich viele Chancen.<\/p>\n<p>Delegationsreise geplant<\/p>\n<p>Um diese auszuloten, ruft der M\u00fcnchner Unternehmer Schlereth, der gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Mehrheitsgesellschafter der Derag Unternehmensgruppe (Immobilienunternehmen und Hotelkette Derag Livinghotels) ist, bayerische Unternehmen, Vertreter aus Wissenschaft und Institutionen auf, an der kommenden \u201eBY-NAM Trade Mission 2026\u201c nach Namibia teilzunehmen. Die Delegationsreise soll vom 14. bis 18. September stattfinden und Investitions- und Partnerschaftsm\u00f6glichkeiten den Weg ebnen. Allerdings ist bisher keine Teilnahme von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie W\u00e4hler) an dieser Reise geplant, so die Auskunft eines Ministeriumssprechers an die Staatszeitung.<\/p>\n<p>Namibia will Schlereth zufolge bis 2030 die Produktion von gr\u00fcnem Wasserstoff deutlich ausbauen und eine entsprechende Sonderwirtschaftszone einrichten. \u201eWir haben viel Sonne und hohe Windgeschwindigkeiten. Diese k\u00f6nnen den f\u00fcr die Elektrolyse n\u00f6tigen \u00d6kostrom liefern\u201c, sagt Caroline Andjaba, B\u00fcroleiterin des namibischen Honorarkonsulats in M\u00fcnchen und Gattin von Martin Andjaba, ehemaliger Botschafter der Republik Namibia in Deutschland. Somit k\u00f6nne das Land auch den n\u00f6tigen Rohstoff f\u00fcr das bayerische Wasserstoffanwenderzentrum in Pfeffenhausen (Landkreis Landshut) liefern. Es sei am Aufbau langfristiger Lieferbeziehungen sehr interessiert. \u201eAu\u00dferdem verf\u00fcgt es \u00fcber \u00d6l und Gas\u201c, betont Andjaba. Damit k\u00f6nne Namibia ein verl\u00e4sslicher Energielieferant werden \u2013 ohne Lieferkettenrisiko wie aktuell wegen des Iran-Krieges.<\/p>\n<p>Gr\u00fcner Wasserstoff<\/p>\n<p>\u201eDas Gesch\u00e4ftspotenzial f\u00fcr bayerische Unternehmen l\u00e4sst sich nicht pauschal beziffern, da es stark von der jeweiligen Branche und der Ausrichtung des bayerischen Unternehmens abh\u00e4ngt\u201c, sagt der Sprecher des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Der namibische Binnenmarkt umfasst ihm zufolge circa 2,6 Millionen Einwohner, was den Absatzmarkt f\u00fcr Konsumg\u00fcter stark begrenzt. Das Land biete jedoch exzellente Voraussetzungen f\u00fcr den Ausbau erneuerbarer Energien und die Produktion von gr\u00fcnem Wasserstoff und Ammoniak. Perspektivisch werde dadurch die Ansiedlung energieintensiver Industrien wie die Produktion von gr\u00fcnem Stahl interessant. Hier gebe es bereits einige gr\u00fcne Wasserstoffprojekte mit deutscher Beteiligung.\u00a0<\/p>\n<p>Das hat man zum Beispiel bei der von Robert Hopperdietzel gegr\u00fcndeten HopHydro Energy (Pty) Ltd. in Namibias Hauptstadt Windhoek schon erkannt. Der an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg promovierte Diplom-Ingenieur entwickelt mit der HopHydro gr\u00fcne Wasserstoffprojekte in Namibia. So wird derzeit in Walvis Bay die Produktion von 500.000 Tonnen gr\u00fcnem Ammoniak pro Jahr aufgebaut. In der Region Erongo etabliert HopHydro derzeit eine gr\u00fcne Grundlaststromversorgung mit 5 Gigawatt Leistung durch eine Kombination von erneuerbaren Energien (Wind und Sonne) mit Elektrolyseuren, Brennstoffzellen und Batteriespeichersystemen. Begonnen hat Hopperdietzel im Jahr 2010, als er die HopSol in Namibia gr\u00fcndete. Dieses Unternehmen entwickelte sich schnell zum Marktf\u00fchrer f\u00fcr Solarenergie in Namibia und errichtete die gr\u00f6\u00dften Solarparks des Landes.\u00a0<br \/>Zu den bayerischen Pionieren in Namibia z\u00e4hlt auch die Bauer AG aus Schrobenhausen mit ihren Kompetenzen im Spezialtiefbau und Maschinenbau.<\/p>\n<p>Gut ausgebaute Stra\u00dfen<\/p>\n<p>\u201eDurch gut ausgebaute H\u00e4fen und Stra\u00dfen positioniert sich Namibia auch zunehmend als Logistikdrehscheibe im s\u00fcdlichen Afrika\u201c, sagt der Sprecher des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Dar\u00fcber hinaus verf\u00fcge Namibia \u00fcber bedeutende Rohstoffvorkommen \u2013 insbesondere Uran, Diamanten, Kupfer, Zink und Gold \u2013 die f\u00fcr bayerische Unternehmen und Zulieferer im Bergbau und in der Weiterverarbeitung theoretisch von Interesse sein k\u00f6nnten. Bisher bel\u00e4uft sich das bilaterale Handelsvolumen zwischen Bayern und Namibia auf 17,4 Millionen Euro (Stand 2025) und ist durchaus ausbauf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Das hat laut Honorarkonsul Schlereth zum Beispiel schon Paulaner erkannt. Die M\u00fcnchner Brauerei sei auf Expansionskurs und bereits in 80 L\u00e4ndern aktiv. Paulaner denke langfristig und engagiere sich im Ausland nach einer ausf\u00fchrlichen Marktanalyse. F\u00fcr den afrikanischen Raum (S\u00fcdafrika und Namibia) arbeite Paulaner mit dem Partner Firebrand zusammen.<\/p>\n<p>Namibia sei f\u00fcr Paulaner schon l\u00e4nger im Fokus und gelte als interessanter Markt, da dort Bedarf, Qualit\u00e4tsbewusstsein und Aufgeschlossenheit f\u00fcr neue Produkte bestehe. Namibia biete eine stabile Demokratie, eine deutsche Community vor Ort und eine kulturelle Verbundenheit mit Deutschland. Ab September 2026 werde es Bier von Paulaner in gr\u00f6\u00dferen Superm\u00e4rkten in der Region geben, und in Zukunft hat Paulaner auch vor, die Erlebnisse aus ihrem Markenkern, wie zum Beispiel die originale Oktoberfest-Experience aus M\u00fcnchen, den Menschen in der Region nahe zu bringen. Die ersten Container seien bereits unterwegs. Paulaner Regionaldirektor Alejandro Werner sagt: \u201eWir werden das M\u00fcnchner Lebensgef\u00fchl und beste Qualit\u00e4t nach Namibia bringen.\u201c<\/p>\n<p>Doch nicht nur Unternehmen aus Bayern engagieren sich in Namibia. Der Motorradhersteller Baierkraft aus Eckernf\u00f6rde, der auch eine Niederlassung in Bayern unterh\u00e4lt, hat spezielle Maschinen entwickelt, die leicht zu reparieren sind und den Off-Road-Anspr\u00fcchen Namibias gen\u00fcgen. Torben Baier, der viele Jahre Projektmanager bei Audi war, hat Namibia zum prim\u00e4ren afrikanischen Montagezentrum f\u00fcr seine Motorr\u00e4der gemacht. \u201eDas Ziel des Baierkraft-Engineeringteams war es immer, das ideale Motorrad f\u00fcr schwierige Regionen zu bauen. Ein Motorrad, das unter schweren Lasten, bei Hitze und Staub funktioniert, eine lange Lebensdauer hat und f\u00fcr viele Menschen in Namibia erschwinglich ist\u201c, sagt Baier.<\/p>\n<p>Die South Trade GmbH aus Hannover versorgt \u00fcber den Gro\u00dfhandelsriesen Metro den Freistaat mit Rindfleisch aus Namibia. Das Premiumfleisch darf per Gesetz keine Wachstumshormone enthalten, betont Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Valentin K\u00fclbs. Dadurch unterscheide es sich deutlich von Rindfleisch aus den s\u00fcdamerikanischen Mercosur-L\u00e4ndern. Namibia k\u00f6nne sich bei Qualit\u00e4t, Tierwohl und Aufzucht vom Rest der Welt absetzen, weil es \u00fcber enorme Weidefl\u00e4chen verf\u00fcgt. Die Tiere leben laut K\u00fclbs nur im Freien und fressen, was in der Natur w\u00e4chst.\u00a0<\/p>\n<p>Auch der in Ulm ans\u00e4ssige Zementhersteller Schwenk hat im vergangenen Jahr ein Werk in Namibia er\u00f6ffnet. In Otavi stellt das schw\u00e4bische Unternehmen, das auch mit vielen Baustoffwerken in Bayern vertreten ist, Zement f\u00fcr Namibia her.<\/p>\n<p>Direktfl\u00fcge ab M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Namibia d\u00fcrfte aber auch f\u00fcr Reisende interessant sein. \u201eLufthansa bietet dreimal die Woche von M\u00fcnchen aus einen Direktflug nach Windhoek an\u201c, sagt Tim Bendix D\u00fcysen, Marketingchef der Living Hotels. Er betont, dass Namibia die gleiche Uhrzeit wie Deutschland hat. Somit h\u00e4tten auch Verlagerungen von Callcenter-Aufgaben nach Namibia beste Voraussetzungen. \u201eUnd viele sprechen Deutsch\u201c, so D\u00fcysen. Das gekoppelt mit einer sehr hohen Rechtssicherheit macht Namibia seiner Ansicht nach zu einem perfekten Investitionsstandort f\u00fcr Deutschland. \u201eSie k\u00f6nnen dort mit Anw\u00e4lten auf Deutsch verhandeln und ihr Gesch\u00e4ft aufbauen\u201c, betont er.<\/p>\n<p>Aber Namibia hat auch Herausforderungen. \u201eWir sind ein sehr trockenes Land und die Wasserversorgung, gerade in der Landwirtschaft, ist eine riesige Aufgabe, sodass wir Getreide z\u00fcchten und Anbau betreiben k\u00f6nnen. Ohne Meerwasserentsalzungsanlagen l\u00e4uft hier nichts\u201c, sagt Honorarkonsulatsleiterin Andjaba. Auch die \u00fcberdurchschnittlich vielen Arbeitslosen stellen ein Problem dar. Das liegt prim\u00e4r nicht an mangelnder Qualifikation, sondern an mangelnden Arbeitspl\u00e4tzen, die es schlicht nicht in ausreichender Zahl gibt. Zudem gibt es auch keine duale Ausbildung wie in Deutschland. Dieses Ausbildungsangebot in Namibia zu etablieren, w\u00e4re ein Segen f\u00fcr das Land.\u00a0<\/p>\n<p>Andjaba betont auch, dass Namibia ein perfekter Firmenstandort ist, um die s\u00fcdafrikanischen Nachbarl\u00e4nder Angola, Botswana, Sambia, Simbabwe und nicht zuletzt S\u00fcdafrika zu erschlie\u00dfen.<br \/>(Ralph Schweinfurth)<\/p>\n<p class=\"redaktionkommentar\">Info: BY-NAM Trade Mission 2026\u00a0<\/p>\n<p class=\"redaktionkommentar\">Der Honorarkonsul von Namibia in Bayern leitet vom 14. bis 18. September 2026 eine Delegationsreise in das s\u00fcdafrikanische Land. Anmeldungen zur Teilnahme sind bis 15. Juli 2026 m\u00f6glich.<br \/>E-Mail:<br \/>info@namibia-hc-munich.de<br \/>Telefon: 089\/23701230<br \/>Informationen unter: <a href=\"https:\/\/www.namibia-hc-munich.de\/by-nam-trade-mission\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.namibia-hc-munich.de\/by-nam-trade-mission<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bayerns Wirtschaft ist weltmarktorientiert. 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