{"id":28383,"date":"2026-06-12T08:58:11","date_gmt":"2026-06-12T08:58:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/28383\/"},"modified":"2026-06-12T08:58:11","modified_gmt":"2026-06-12T08:58:11","slug":"tierquaelerei-fuer-klicks-warum-gewaltvideos-im-netz-boomen-pz-news-de-nachrichten-aus-pforzheim-und-enzkreis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/28383\/","title":{"rendered":"Tierqu\u00e4lerei f\u00fcr Klicks: Warum Gewaltvideos im Netz boomen &#8211; PZ-news.de &#8211; Nachrichten aus Pforzheim und Enzkreis"},"content":{"rendered":"<p>Die Aufnahmen dauern oft nur wenige Sekunden. Ein Affenbaby schreit. Ein Hund wird misshandelt. Eine Katze wird gequ\u00e4lt. \u00abMach es noch einmal!\u00bb, schreibt ein Nutzer. Ein anderer bietet Geld f\u00fcr neue Foltervideos. Wenige Tage sp\u00e4ter wird irgendwo auf der Welt wieder ein Tier misshandelt, gefilmt und die Szene ins Netz gestellt. Unfassbar aber wahr: Das Gesch\u00e4ft mit zur Schau gestelltem Tierleid boomt.<\/p>\n<p>Besonders ersch\u00fctternd ist das sogenannte \u00abCrushing\u00bb. Dabei filmen sich Nutzer beim Zerdr\u00fccken oder Zertreten lebender Tiere und animieren andere zur Nachahmung &#8211; eine neue Art der Internet-Challenge.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abEs begann mit Insekten, aber mittlerweile werden unter anderem Katzenbabys Hundewelpen und Kaninchen totgetreten\u00bb, sagt Wiebke Plasse, Kampagnenverantwortliche der deutschen Welttierschutzgesellschaft (WTG). Im Streben nach immer mehr Aufmerksamkeit und Reichweite seien die Inhalte zunehmend brutaler geworden.<\/p>\n<p>Brennpunkt Asien<\/p>\n<p>Auf Bali suchten in dieser Woche Tiersch\u00fctzer, Wissenschaftler, Ermittler und Vertreter gro\u00dfer Internetplattformen nach Wegen, Tierqu\u00e4lerei im Netz einzud\u00e4mmen. Beim ersten globalen SMACC-Gipfel ging es zwei Tage lang um bessere Strafverfolgung, strengere Regeln f\u00fcr Plattformen und den Einsatz neuer Technologien im Kampf gegen das Ph\u00e4nomen.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5570291_1_0_detailinline_Es_war_der_erste_globale_Gipfel_dieser_Art.jpeg\" alt=\"Fachkonferenz auf Bali zum Thema Tierleid in sozialen Medien\" title=\"Fachkonferenz auf Bali zum Thema Tierleid in sozialen Medien\" width=\"960\" height=\"720\" class=\"img-fluid\" loading=\"lazy\"\/>Es war der erste globale Gipfel dieser Art. Carola Frentzen\/dpa<\/p>\n<p>SMACC steht f\u00fcr Social Media Animal Cruelty Coalition (Koalition gegen Tierqu\u00e4lerei in den sozialen Medien). Es handelt sich um einen internationalen Zusammenschluss von mehr als 40 Tier- und Artenschutzorganisationen. Bali als Tagungsort ist dabei bewusst gew\u00e4hlt: Viele der im Internet verbreiteten Tierqu\u00e4lerei-Videos stammen aus Asien, und Indonesien geh\u00f6rt nach Einsch\u00e4tzung von Tiersch\u00fctzern zu den Brennpunkten des Problems.<\/p>\n<p>Gesetzes\u00e4nderung in Deutschland?<\/p>\n<p>Die WTG mit Sitz in Berlin, die Mitglied des B\u00fcndnisses ist, setzt sich vehement f\u00fcr eine Gesetzes\u00e4nderung in Deutschland ein. Sie fordert, dass Tiere in die Regelungen gegen gewaltverherrlichende und -verharmlosende Darstellungen aufgenommen werden. Vorbild ist ein Paragraph des Strafgesetzbuches, der bereits die Verherrlichung schwerer Gewalt gegen Menschen erfasst. K\u00fcnftig k\u00f6nnten entsprechende Vorschriften auch f\u00fcr Gewalt gegen Tiere gelten.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abEs sieht gut aus f\u00fcr unsere Forderung\u00bb, sagte Plasse auf Bali im Gespr\u00e4ch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Entwurf liege in Berlin vor. \u00abUnd wir haben bereits den Zuspruch aus den Regierungsparteien.\u00bb Ziel sei es, die Verbreitung und den Konsum solcher Inhalte k\u00fcnftig mit Freiheitsstrafen zu ahnden. \u00abDerzeit f\u00fchlen sich die T\u00e4terInnen noch v\u00f6llig frei und sicher &#8211; wir hoffen, dass harte Strafen sie abschrecken werden.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5570293_1_0_detailinline_Wiebke_Plasse_Expertin_der_deutschen_Welttierschutzgesellschaft_setzt_sich_.jpeg\" alt=\"Fachkonferenz auf Bali zu Tierleid in sozialen Medien\" title=\"Fachkonferenz auf Bali zu Tierleid in sozialen Medien\" width=\"960\" height=\"1363\" class=\"img-fluid\" loading=\"lazy\"\/>Wiebke Plasse, Expertin der deutschen Welttierschutzgesellschaft, setzt sich f\u00fcr eine Gesetzes\u00e4nderung in Deutschland ein. Carola Frentzen\/dpa<\/p>\n<p>Jason Baker, Pr\u00e4sident der Tierrechtsorganisation Peta Asien betont, die Ermittlungen seien jedoch oft langwierig und komplex. \u00abStrengere Gesetze sind n\u00f6tig, aber auch die Social-Media-Unternehmen m\u00fcssen ihren Beitrag leisten.\u00bb Ziel m\u00fcsse es sein, die Produktion dieser Videos von vornherein zu verhindern, indem die T\u00e4ter zur Rechenschaft gezogen werden.<\/p>\n<p>Auch die WTG fordert, die Plattformen in die Pflicht zu nehmen &#8211; allen voran Facebook, wo die allermeisten solcher Qual-Videos zirkulierten. An der Fachkonferenz nahmen derweil lediglich Vertreter von YouTube und Tiktok teil &#8211; Facebook und andere Plattformen blieben der Veranstaltung fern.<\/p>\n<p>Reichweite und Latex-Stiefel<\/p>\n<p>Aber was treibt Menschen an, derart grausame Inhalte zu erstellen oder zu konsumieren? Bei den Produzenten gehe es fast immer um digitale Reichweite, Erfolg und Lob, sagt Plasse. Bei vielen Konsumenten spielten dagegen sexuelle Motive eine Rolle. So werde das \u00abCrushing\u00bb der Tiere oft mit bestimmten Schuhen wie Leder- oder Latexstiefeln durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u00dcberraschend scheint, dass sehr h\u00e4ufig Frauen beteiligt sind, wie Plasse unter Berufung auf viele Ermittlungsergebnisse erz\u00e4hlt. \u00abEs ist erstaunlich, aber oft handelt es sich bei denen, die solche Videos filmen oder klicken, um ganz normale Leute. Was auch immer normal ist.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Weitere Untersuchungen seien aber n\u00f6tig, um die psychologischen Hinter- und Abgr\u00fcnde zu verstehen. Offensichtlich ist jedoch: Gerade junge \u00c4ffchen wie Makaken sehen Menschenbabys sehr \u00e4hnlich. \u00abUnd wenn das Tier irgendwann nicht mehr reicht, m\u00f6chte der Mensch mehr\u00bb, warnt Plasse.\u00a0<\/p>\n<p>Schockierender Fall: Makakenbaby Mini<\/p>\n<p>Apropos Makaken: Besonders schockierend ist der Fall von Mini. Das Makakenkind wurde zum Symbol einer aufsehenerregenden BBC-Recherche und war auch auf Bali Thema. Ein internationales Netzwerk hatte Foltervideos von Affen in Auftrag gegeben und verbreitet. Mini war als Baby ihrer Mutter entrissen worden und landete bei einem Mann in Indonesien, der sie f\u00fcr zahlende Kunden misshandelte und die Qualen filmte.\u00a0<\/p>\n<p>In Chatgruppen auf Plattformen wie Telegram galt sie als eine Art \u00abStar\u00bb, f\u00fcr dessen Misshandlung immer neue W\u00fcnsche und Vorschl\u00e4ge ge\u00e4u\u00dfert wurden. Die BBC trug nach monatelangen Recherchen dazu bei, dass mehrere Beteiligte festgenommen wurden. Nach ihrer Rettung verbrachte Mini mehr als zwei Jahre zur Rehabilitation in einer Auffangstation, bevor sie 2024 endlich wieder in die Freiheit entlassen werden konnte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5570292_1_0_detailinline_Das_Schicksal_des_Makakenbabys_Mini_wurde_von_der_BBC_aufgedeckt.jpeg\" alt=\"Fachkonferenz auf Bali zum Thema Tierleid in sozialen Medien\" title=\"Fachkonferenz auf Bali zum Thema Tierleid in sozialen Medien\" width=\"960\" height=\"720\" class=\"img-fluid\" loading=\"lazy\"\/>Das Schicksal des Makakenbabys Mini wurde von der BBC aufgedeckt. Carola Frentzen\/dpaEmotionale Rettungsvideos oft nur ein Fake<\/p>\n<p>Und noch ein weiteres dramatisches Ph\u00e4nomen grassiert: Bei sogenannten \u00abFake Rescues\u00bb werden Tiere gezielt in Notlagen gebracht \u2013 etwa in Gruben oder Wasserl\u00f6cher gesetzt, festgebunden oder verletzt \u2013, um sie anschlie\u00dfend vor laufender Kamera zu retten. Viele User haben keine Ahnung, dass die Videos, die sie vor lauter Mitgef\u00fchl oder Freude \u00fcber eine gegl\u00fcckte Rettung zum Weinen bringen, nur gestellt sind.<\/p>\n<p>Die WTG berichtet von Hunden, die etwa im ostafrikanischen Uganda f\u00fcr Spendenvideos misshandelt oder ausgehungert worden sein sollen. Die emotionalen Aufnahmen erzielen Millionen Aufrufe und dienen dazu, Spenden und Werbeeinnahmen zu generieren. \u00abDas ist nicht nur Betrug an gutgl\u00e4ubigen Tierfreunden, es ist massive Gewalt gegen Tiere, die erst durch Social Media m\u00f6glich wird\u00bb, sagt Plasse.<\/p>\n<p>Appell an Nutzer sozialer Medien<\/p>\n<p>Die Tiersch\u00fctzer auf Bali appellierten an Nutzer sozialer Medien, Inhalte mit offensichtlichem Tierleid zu melden \u2013 und vor allem nicht mit ihnen zu interagieren. Peta-Pr\u00e4sident Baker brachte es auf den Punkt: \u00abDas Ansehen, Liken, Kommentieren und Teilen von Videos, die Tierqu\u00e4lerei zeigen, f\u00fcttert lediglich die Algorithmen, die dazu beitragen, dass sich diese Inhalte verbreiten und Einnahmen generieren.\u00bb<\/p>\n<p>\u00a9 dpa-infocom, dpa:260612-930-212067\/1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Aufnahmen dauern oft nur wenige Sekunden. Ein Affenbaby schreit. Ein Hund wird misshandelt. 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