{"id":28702,"date":"2026-06-13T05:28:08","date_gmt":"2026-06-13T05:28:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/28702\/"},"modified":"2026-06-13T05:28:08","modified_gmt":"2026-06-13T05:28:08","slug":"freiwillige-aus-lossburg-als-mzungu-in-kenia-die-schoenen-seiten-und-die-schattenseiten-alpirsbach-umgebung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/28702\/","title":{"rendered":"Freiwillige aus Lo\u00dfburg: Als \u201eMzungu\u201c in Kenia \u2013 die sch\u00f6nen Seiten und die Schattenseiten &#8211; Alpirsbach &#038; Umgebung"},"content":{"rendered":"<p> Als sie sich f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.schwarzwaelder-bote.de\/thema\/Freiwilligendienst\" title=\"Freiwilligendienst\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Freiwilligendienst<\/a> in <a href=\"https:\/\/www.schwarzwaelder-bote.de\/thema\/Kenia\" title=\"Kenia\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kenia<\/a> entschied, wusste Sophie Arnold, dass sie sich auf weit mehr als nur einen Ortswechsel einstellen muss: Ein fremdes Land, eine neue Sprache und eine andere Kultur w\u00fcrden von nun an ihren Alltag pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Blo\u00df nicht zu viele Erwartungen wecken, um am Ende nicht entt\u00e4uscht zu werden \u2013 so lautete Arnolds Devise. Ganz unvorbereitet wollte sie die <a href=\"https:\/\/www.schwarzwaelder-bote.de\/thema\/Reise\" title=\"Reise\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Reise<\/a> dann aber doch nicht antreten: Sie vertiefte sich in Dokumentationen und las sich in Reisef\u00fchrer ein. \u201eAber es ist nochmal ganz anders, wenn man da ist\u201c, so Arnold im Gespr\u00e4ch mit unserer Redaktion.<\/p>\n<p>Seit nun etwas mehr als neun Monaten lebt die Lo\u00dfburgerin in der 25.000 Einwohnerstadt Narok im S\u00fcdwesten Kenias. Dort wohnt sie bei Gastmutter Rosemary \u2013 die f\u00fcr Arnold, wie sie selbst sagt, mit ihren 70 Jahren eher wie eine Gastoma ist \u2013 und ihrer kleinen Gastschwester Aviana, bei denen sie sich sehr wohl f\u00fchlt. Mit ihnen unterh\u00e4lt sie sich auf Englisch \u2013 einer der beiden Amtssprachen in Kenia, die andere ist Suaheli.<\/p>\n<p>Verschiedene Sprachen <\/p>\n<p>Gesprochen werden jedoch um einiges mehr Sprachen. \u00dcber 40 verschiedene Volksgruppen gibt es in Kenia, die fast alle ihre eigene Sprache sprechen. Welche das ist, variiere je nach Region. In Arnolds Fall seien das Suaheli, Englisch und Massai.<\/p>\n<p>In den ersten Tagen nach ihrer Landung in Kenia Anfang September haben die Freiwilligen ein kleines Seminar von der Patenorganisation in Kenia bekommen. Dabei h\u00e4tten sie gelernt, wie man seine Klamotten von Hand w\u00e4scht, wurden \u00fcber \u00f6rtliche und kulturelle Gegebenheiten aufgekl\u00e4rt und haben ein paar Worte Suaheli mit auf den Weg bekommen.<\/p>\n<p>Als \u201eMzungu\u201c in Kenia <\/p>\n<p>So k\u00f6nne sich Arnold nun immerhin selbst auf Suaheli vorstellen und Preise verhandeln \u2013 in Narok ein wichtiger Skill. \u201eDas hilft total, wenn man sich ein bisschen in der Amtssprache verst\u00e4ndigen kann.\u201c<\/p>\n<p>Ein suahelisches Wort, das Arnold in Kenia t\u00e4glich begleitet, ist \u201eMzungu\u201c \u2013 die Bezeichnung f\u00fcr eine wei\u00dfe Person. Ob sie eine Stra\u00dfe entlang, einkaufen oder in die Schule geht \u201ezu 100 Prozent ruft das jemand hinterher\u201c, so Arnold. Zun\u00e4chst habe es sie irritiert, dass ihr wildfremde Menschen auf der Stra\u00dfe hinterherrufen, aber \u201edas ist wie mit allem, man gew\u00f6hnt sich dran\u201c. Mittlerweile st\u00f6re es Arnold nicht mehr, da sie wisse, dass die Einheimischen das nicht b\u00f6se meinten, sondern vielmehr neugierig seien.<\/p>\n<p> Reiselust und Kinderliebe <\/p>\n<p>An der St. Mary&#8217;s Girls&#8216; Comprehensive School unterrichtet Arnold im Zuge ihres Freiwilligendienstes rund 40 Kinder im Vorschulalter. Neben ihrem Wunsch zu reisen, habe die 18-J\u00e4hrige, die ab Oktober selbst Lehramt studieren m\u00f6chte, vor allem die Liebe zu Kindern nach Kenia gef\u00fchrt. Da die Sch\u00fcler jedoch noch nicht so gut Englisch sprechen und Arnolds Suaheli, wie sie selbst meint, noch zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lasse, sei stets eine Lehrkraft anwesend, um zu \u00fcbersetzen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich gibt sie nachmittags Kindern der Klassen vier bis neun Deutschunterricht. Derzeit behandelten sie Gedichte, die die Kinder f\u00fcr das Kenia-Musik-Festival im August lernen, eines der gr\u00f6\u00dften und traditionsreichsten Talentf\u00f6rderungs- und Kulturveranstaltungen in Ostafrika. Die Arbeit mit den Kindern mache ihr dabei \u201etotal Spa\u00df\u201c.<\/p>\n<p> Auf Erfolg gedrillt <\/p>\n<p>Wie Arnold im Zuge ihrer Freiwilligenarbeit feststellen musste, laufe der Unterricht dabei jedoch etwas anders ab, als in Deutschland: keine Gruppenarbeiten, keine Projekte, daf\u00fcr viel Frontalunterricht und stupides Auswendiglernen. \u201eDie Kinder werden sehr auf Erfolg gedrillt\u201c, berichtet Arnold von ihren Erfahrungen. \u201eDie m\u00fcssen immer alles richtig machen.\u201c Sollte den Kindern doch einmal ein Fehler unterlaufen, drohen teils harte Konsequenzen.<\/p>\n<p>\u201eDie Kinder werden auch geschlagen\u201c, erz\u00e4hlt Arnold im Gespr\u00e4ch mit unserer Redaktion. Laut UN-Kinderrechtskonvention ist das weltweit verboten \u2013 auch in Kenia. Dennoch sei es h\u00e4ufig noch g\u00e4ngige Praxis. Auch Freiwillige an anderen Schulen berichteten im Gespr\u00e4ch mit Arnold von \u00e4hnlichen Erfahrungen.<\/p>\n<p> Disziplin um jeden Preis <\/p>\n<p>Zwar habe die Patenorganisation in Kenia sie vorgewarnt, dass sie mit solchen Erfahrungen zu rechnen h\u00e4tte, dennoch sei es Arnold anfangs schwer gefallen, damit umzugehen. Mehrfach sei sie mit dem Thema auf Lehrer und Schulleiter zugegangen, habe versucht ihnen zu erkl\u00e4ren, dass ihr Verhalten fragw\u00fcrdig und rechtswidrig ist. \u201eDoch so traurig das ist, die wollen davon nichts wissen\u201c, erkl\u00e4rt Arnold. Sie rechtfertigten ihr Verhalten mit dem Argument der Disziplin.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Sch\u00fcler selbst sei das Verhalten laut Arnold \u201eganz normal\u201c. Trotz der Schl\u00e4ge h\u00e4tten paradoxerweise viele von ihnen eine gute Beziehung zu den Lehrkr\u00e4ften. Da Arnold bei den Erwachsenen auf taube Ohren st\u00f6\u00dft, versuche sie mit den Kindern direkt zu sprechen und ihnen ihr Recht auf gewaltfreie Erziehung zu erkl\u00e4ren. Verallgemeinern k\u00f6nne man Arnolds Erfahrung jedoch nicht. Ein Freiwilliger von einer Schule einen Ort weiter habe laut Arnold keine Erfahrungen dieser Art gemacht.<\/p>\n<p> Ein anderes Lebensgef\u00fchl <\/p>\n<p>Nicht der einzige Unterschied zu Arnolds Leben in Deutschland: \u201eAlles wirkt sehr viel chaotischer\u201c, etwa die Infrastruktur, der Stra\u00dfenverkehr und die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel. \u201eDas wirkt erstmal wie ein Durcheinander\u201c, erz\u00e4hlt Arnold. Man gew\u00f6hne sich jedoch recht schnell daran. In Arnolds Fall habe das rund zwei Monate gebraucht, \u201ebis man alles gesehen und in dieses Lebensgef\u00fchl reingefunden hat\u201c.<\/p>\n<p>In Deutschland sei vergleichsweise alles etwas geordneter. Wenn sie sich in Kenia etwa mit Freunden auf eine bestimmte Uhrzeit verabredet, m\u00fcsse sie immer dazu sagen \u201egerman time\u201c \u2013 soll hei\u00dfen: bitte p\u00fcnktlich kommen.<\/p>\n<p> Ihr pers\u00f6nliches Highlight <\/p>\n<p>So habe Arnold in den neun Monaten, die sie nun schon in Kenia lebt, eine Vielzahl an neuen Erfahrungen sammeln k\u00f6nnen \u2013 gute wie schlechte. Bei der Frage, ob Wiederholungsbedarf besteht, muss sie jedoch nicht lange \u00fcberlegen: \u201eAuf jeden Fall\u201c, kommt es wie aus der Pistole geschossen.<\/p>\n<p>Ihr pers\u00f6nliches Highlight? Das erlebe Arnold t\u00e4glich in der Schule, wenn die Kinder auf sie zust\u00fcrmen, um sie zu umarmen. Auch die Wochenendtrips mit den anderen Freiwilligen, bei denen sie gemeinsam Kenia entdecken, genie\u00dfe sie sehr. Arnold ist sich sicher: Das wird nicht ihr letztes Mal in Kenia gewesen sein. Auch anderen, die derzeit \u00fcberlegen ein Freiwilligenjahr in Kenia zu machen, r\u00e4t Arnold dazu es zu tun. \u201eAber man muss auf einiges gefasst sein\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als sie sich f\u00fcr den Freiwilligendienst in Kenia entschied, wusste Sophie Arnold, dass sie sich auf weit mehr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28703,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[11],"tags":[12277,3410,12279,118,119,2414,12276,12278,295,12280],"class_list":["post-28702","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-kenia","tag-alpirsbach-umgebung","tag-freiwilligendienst","tag-gewalt-an-kindern","tag-kenia","tag-kenya","tag-kreis-freudenstadt","tag-lossburg","tag-narok","tag-reise","tag-un-kinderrechtskonvention"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116741151362798299","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28702","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28702"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28702\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28703"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28702"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28702"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28702"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}