{"id":29016,"date":"2026-06-14T00:44:00","date_gmt":"2026-06-14T00:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/29016\/"},"modified":"2026-06-14T00:44:00","modified_gmt":"2026-06-14T00:44:00","slug":"bissau-afrikas-armes-malaria-labor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/29016\/","title":{"rendered":"Bissau &#8211; Afrikas armes Malaria-Labor"},"content":{"rendered":"<p>Mit einer Namensliste in der Hand stapft Lino durch den Palmenhain. Er kennt fast jeden der knapp 3000 Bewohner der Insel Canhabaque. Doch von den vielen Kindern hier \u00fcberlebt nicht jedes die Regenzeit. Jetzt versucht er, die Kinder zu finden, die auf seiner Liste stehen. <\/p>\n<p>Neben einem Unterschlupf aus Palmenbl\u00e4ttern liegt Reis auf flachen S\u00e4cken zum Trocknen ausgebreitet. Ein kleiner Junge in fleckigem Hemd kommt herbei und reicht den Finger. Ein Pieks, es blutet, die Probe wird beschriftet. Sie soll verraten, ob der Kleine Malaria hat. Die Krankheit ist hier in Guinea-Bissau f\u00fcr viele Kinder noch immer t\u00f6dlich.<\/p>\n<p>Der 26-j\u00e4hrige Lino ist weder Arzt noch Krankenpfleger, aber die Menschen vor Ort vertrauen ihm. Er ist im Dorfrat und seit ein paar Jahren unterst\u00fctzt er als Gesundheitshelfer internationale Wissenschaftler.<\/p>\n<p>              88 isolierte Inseln \u2013 ideal f\u00fcr Malaria-Forschung<\/p>\n<p>Lange interessierte sich fast niemand f\u00fcr die westafrikanischen Bissagos-Inseln in Guinea-Bissau, bis Forscher sie f\u00fcr ihre Studien entdeckten. Die 88 Inseln sind durch das Wasser isoliert, die Bewohner bleiben gr\u00f6\u00dftenteils unter sich und lassen valide Vergleiche zwischen Testgruppen zu \u2013 ein nat\u00fcrliches Freiluft-Forschungslabor. So wie die Insel Canhabaque, erkl\u00e4rt Lino. <\/p>\n<p>&#8222;Eigentlich haben wir hier alles, und die Insel hat ihre nat\u00fcrlichen Ressourcen. Die Menschen, die hier wohnen, k\u00f6nnen \u00fcberleben, ohne die Insel verlassen zu m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Der 26-j\u00e4hrige Gesundheitshelfer Lino sitzt auf einem Baumstamm und zieht sich Gummihandschuhe an. Neben ihm schreibt ein Kollege etwas in ein Heft. Vor ihnen steht ein kleiner Junge.\" alt=\"Der 26-j\u00e4hrige Gesundheitshelfer Lino sitzt auf einem Baumstamm und zieht sich Gummihandschuhe an. Neben ihm schreibt ein Kollege etwas in ein Heft. Vor ihnen steht ein kleiner Junge.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/guinea-bissau-malaria-forschung-104-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>Gesundheitshelfer Lino unterst\u00fctzt die internationalen Malaria-Forscher in Guinea-Bissau auf der Insel Canhabaque, weil er Kinder und Schwangere sch\u00fctzen will.\u00a9 Julia Jaroschewski<\/p>\n<p>Umgeben von Strand und Mangroven leben hier Affen, Cham\u00e4leons und Giftschlangen. In den D\u00f6rfern stehen Lehmh\u00fctten mit Strohd\u00e4chern. Kein Strom, kein flie\u00dfendes Wasser. <\/p>\n<p>Die Hitze ist erdr\u00fcckend. W\u00e4hrend der schm\u00e4chtige Lino im Schatten der H\u00fctte steht, kommen Kinder mit gebratenen Beutelratten. Die verkohlt m\u00fcffelnden Tiere sind ein passables Gesch\u00e4ft, ein g\u00e4ngiges Essen. <\/p>\n<p>Lino tippt auf seinem Handy, der Empfang ist schlecht. Er muss die Liste der Studienteilnehmer abarbeiten. &#8222;Mein Ziel ist es, Kinder und schwangere Frauen zu sch\u00fctzen, weil die wie meine Familien sind. Es ist meine Heimat. Deshalb widme ich diesen Dingen mein Leben.&#8220;<\/p>\n<p>              Naturparadies mit marodem Gesundheitssystem<\/p>\n<p>F\u00fcr die Bewohner ist die Abgeschiedenheit der Inseln Fluch und Segen zugleich: Das Archipel ist mit Nilpferden und Schildkr\u00f6ten ein kleines Naturparadies. Doch zum Leben fehlt vieles, auch medizinische Versorgung bei Krankheiten. Hier auf Canhabaque gibt es nur zwei Krankenschwestern und einen Pfleger, keine \u00c4rzte. Auch keine Stra\u00dfen.<\/p>\n<p>Wer Geld hat, mietet sich ein Motorrad f\u00fcr die schmalen Sandwege. Wer keines hat, muss manchmal 20 Kilometer laufen, um sich untersuchen zu lassen. In der Regenzeit h\u00e4ufen sich Krankheiten wie Malaria, erz\u00e4hlt die Wissenschaftlerin Sophie Moss. Die Britin macht gerade ihren PhD im Bereich der Malariaforschung.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Vom Wasser aus sieht man die Insel Bubaque mit dem Strand und einigen H\u00e4usern.\" alt=\"Vom Wasser aus sieht man die Insel Bubaque mit dem Strand und einigen H\u00e4usern.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/guinea-bissau-malaria-inseln-104-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>Die Bissagos-Inseln vor der K\u00fcste des westafrikanischen Staates Guinea-Bissau wurden von dem US-Sender CNN zu einem der sehenswerten Ziele f\u00fcr 2022 benannt. Hier die Hauptinsel Bubaque.\u00a9 Julia Jaroschewski<\/p>\n<p>Die auf Tropenkrankheiten spezialisierte London School of Hygiene and Tropical Medicine ist seit Jahren auf den Inseln aktiv. \u00dcber die vielen Projekte vor Ort haben sie wertvolle Kontakte aufgebaut. Und das obwohl die teuren und aufwendigen medizinischen Studien durchaus umstritten sind.<\/p>\n<p>              Umstrittene Studien der Wissenschaftler<\/p>\n<p>Es ist immer ein Abw\u00e4gen zwischen F\u00fcr und Wider: Einerseits testen oftmals finanzstarke westliche Institute in armen L\u00e4ndern, in denen die Kontrolle un\u00fcbersichtlich und die Not gro\u00df ist. Andererseits sind die Forschungen zu komplizierten Krankheiten eine gro\u00dfe Hoffnung f\u00fcr die geplagte Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Guinea-Bissau ist Malaria-Hochrisikogebiet und von Armut, Korruption und Politskandalen gepr\u00e4gt. Das kleine Land hat sich in seinen 48 Jahren Unabh\u00e4ngigkeit von Putsch zu Putsch gehangelt. Regierungen wechselten h\u00e4ufig. Das Gesundheitssystem ist marode \u2013 Guinea-Bissau selbst ist nicht in der Lage, Probleme wie Malaria zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Von internationalen Forschern wird Malaria zwar seit Jahrzehnten untersucht. Doch auch ihnen ist es nicht gelungen, die Krankheit auszurotten. Erfolgreiche Ergebnisse k\u00f6nnten vielen helfen \u2013 insbesondere in Afrika. <\/p>\n<p>              Ein Wurmmittel gegen Malaria<\/p>\n<p>                Daran arbeitet auch <a title=\"Link auf: Mediziner Harry Hutchins\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.lshtm.ac.uk\/aboutus\/people\/hutchins.harry#research\" class=\"click-tracking-paragraph\" data-tracking=\"{&quot;name&quot;:&quot;Link in Beitrag&quot;,&quot;chapter1&quot;:&quot;https:\/\/www.lshtm.ac.uk\/aboutus\/people\/hutchins.harry#research&quot;,&quot;chapter2&quot;:&quot;Mediziner Harry Hutchins&quot;,&quot;chapter3&quot;:&quot;Guinea-Bissau - Afrikas armes Malaria-Labor&quot;,&quot;level2&quot;:1}\" rel=\"nofollow noopener\">Mediziner Harry Hutchins<\/a>. &#8222;Ivermectin macht das menschliche Blut f\u00fcr Insekten, die das Blut trinken, giftig. Wenn man also Ivermectin eingenommen hat, und eine M\u00fccke das Blut trinkt, wird die M\u00fccke sterben. Dasselbe passiert auch mit anderen blutsaugenden Insekten&#8220;, beschreibt er eine Methode der Malaria-Bek\u00e4mpfung.<\/p>\n<p>Der 31-J\u00e4hrige leitet die Studiengruppe des aktuellen Projektes &#8222;Matamal&#8220;. Dadurch wurden alle Inselbewohner mit Malariaprophylaxe versorgt. Die H\u00e4lfte erh\u00e4lt zus\u00e4tzlich Ivermectin, auf den restlichen Inseln wird ein Placebo verteilt. <\/p>\n<p>Nach zwei Jahren sollen die Ergebnisse zeigen, ob Ivermectin Malaria reduzieren kann. Das Medikament wird schon lange als Wurmmittel bei Tieren und Menschen eingesetzt. &#8222;Wir wissen, dass es sicher und wirksam ist, aber wir m\u00fcssen beweisen, dass es die Malaria wirklich stoppen kann&#8220;, sagt Hutchins. &#8222;Wir wollen dieses Medikament bei Menschen einsetzen, um Moskitos abzut\u00f6ten.&#8220; Dann werde hoffentlich auch die Malaria zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p>              Exotisch aussehende Forscher<\/p>\n<p>Die feuchte Hitze macht den europ\u00e4ischen Forschern zu schaffen. Verschwitzt, hungrig und von Insekten umschwirrt, sind sie bis sp\u00e4t nachts unterwegs.\u00a0Erst nach Sonnenuntergang kehren die Familien von den Feldern ins Dorf zur\u00fcck. Gl\u00fchw\u00fcrmchen erhellen f\u00fcr ein paar Sekunden den Boden, oben leuchtet der Sternenhimmel. Eine andere Beleuchtung gibt es kaum, doch jetzt blenden die Kopflichter und Handys der Briten die Kinder, die vor ihnen in einer Reihe stehen. Sie alle geben Blutproben.<\/p>\n<p>Immer bilden sich neugierige Trauben, wenn die wei\u00dfen Forscher auftauchen. Mit ihren wasserdichten Pads, den solarbetriebenen Handys, der Funktionskleidung und den sterilen Handschuhen sehen sie sehr exotisch aus.<\/p>\n<p>Die Menschen hier sprechen Bijagos, Kreol und wenige die offizielle Sprache Portugiesisch. Jeder Studienteilnehmer muss zwar ein Formular unterschreiben oder mit einem Fingerabdruck best\u00e4tigen. <\/p>\n<p>Doch verstehen die Bewohner wirklich, worum es geht? &#8222;Jeder hier hat Malaria gehabt. Jeder kennt Menschen, die an Malaria gestorben sind. Sie wissen, dass es ein ernstes Problem ist&#8220;, ist sich Harry Hutchins sicher. &#8222;Wenn man kommt und sagt, wir haben ein Medikament, das kostenlos ist und von dem wir glauben, dass es gegen Malaria hilft und sicher ist, dann sind die Menschen im Gro\u00dfen und Ganzen sehr froh, es f\u00fcr sich und ihre Kinder zu nehmen.&#8220;<\/p>\n<p>Nebenwirkungen h\u00e4tten viele, aber die gingen vorbei, berichtet Braima, der das Projekt unterst\u00fctzt: &#8222;Bauchschmerzen, Durchfall, M\u00fcdigkeit und Kopfschmerzen gab es.&#8220;<\/p>\n<p>Auf der Insel kosten Medikamente oft viel Geld. Die Bewohner m\u00fcssen sich entscheiden: Sie werden Teilnehmer einer Studie und erhalten kostenfreie Medikamente \u2013 oder leben mit Gesundheitsrisiko.<\/p>\n<p>              241 Millionen Malaria-Erkrankungen im Jahr 2020<\/p>\n<p>In der Krankenstation auf Canhabaque wurden 2021 weniger Malariaf\u00e4lle als zuvor gemeldet. Weltweit aber ist 2020 die Zahl der Malariaerkrankungen um 14 Millionen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Insgesamt gab es rund 241 Millionen Krankheitsf\u00e4lle. Die Pandemie hat viele Fortschritte im Kampf gegen Malaria zunichtegemacht: Personal und finanzielle Ressourcen wurden vor allem auf Corona konzentriert, Lockdowns verhinderten Behandlungen und Lieferengp\u00e4sse betrafen auch medizinische Ger\u00e4te oder Moskitonetze.<\/p>\n<p>Die Weltgesundheitsorganisation WHO sch\u00e4tzt, dass 2020 rund 627.000 Menschen an Malaria starben. Ein Gro\u00dfteil davon, rund 96 Prozent, in den L\u00e4ndern Subsahara-Afrika. Die meisten Opfer sind Kinder unter f\u00fcnf Jahren.<\/p>\n<p>Wissenschaftler arbeiten seit vielen Jahren an einem Mittel gegen die gef\u00e4hrliche Tropenkrankheit \u2013 doch anders als bei der Corona-Forschung ist der Fortschritt z\u00e4h. Ist Malaria so schwer zu erforschen oder ist Afrika weniger relevant als der reiche Westen?<\/p>\n<p>Das liege an der an der Biologie der Krankheit, Malaria sei komplex, meint Studienleiter Harry Hutchins. Dennoch sieht auch er Unterschiede bei der Finanzierung. &#8222;Es gibt nicht viel Geld f\u00fcr Malariabehandlungen, weil die Menschen, die an Malaria sterben, meist sehr arm und sehr isoliert sind. Ich denke, wenn es sich um eine Krankheit handeln w\u00fcrde, die immer noch die wohlhabenden L\u00e4nder betrifft, wie es vor langer Zeit der Fall war, dann w\u00fcrde man wahrscheinlich eine viel schnellere Entwicklung und Fortschritte sehen.&#8220;<\/p>\n<p>              Abh\u00e4ngigkeit von internationalen Organisationen<\/p>\n<p>                Dass die internationalen Organisationen und Geber eine gro\u00dfe Rolle spielen, zeigt sich auch auf dem Festland. In den B\u00fcros des <a title=\"Link auf: &quot;Bandim Health Project&quot;\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.bandim.org\/\" class=\"click-tracking-paragraph\" data-tracking=\"{&quot;name&quot;:&quot;Link in Beitrag&quot;,&quot;chapter1&quot;:&quot;https:\/\/www.bandim.org\/&quot;,&quot;chapter2&quot;:&quot;\\&quot;Bandim Health Project\\&quot;&quot;,&quot;chapter3&quot;:&quot;Guinea-Bissau - Afrikas armes Malaria-Labor&quot;,&quot;level2&quot;:1}\" rel=\"nofollow noopener\">&#8222;Bandim Health Project&#8220;<\/a> in Bissau stapeln sich Hunderte Ordner voller Daten. Seit 40 Jahren beobachten die Mitarbeiter dort in Langzeitstudien, welche Wirkungen Ma\u00dfnahmen wie Impfungen gegen Tuberkulose, Masern oder Corona bei der lokalen Bev\u00f6lkerung haben. <\/p>\n<p>Vor dem Schreibtisch der d\u00e4nischen Professorin Ane Baerent Fisker rattert ein kleiner Ventilator. &#8222;Ich denke, die Gesundheitspolitik wird weitgehend von den W\u00fcnschen der Geber diktiert und weniger von den lokalen Daten&#8220;, sagt sie. Die Pandemie habe die katastrophale Lage des Landes als auch die Abh\u00e4ngigkeit von internationalen Organisationen sichtbar gemacht.<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe noch keine Daten, um sagen zu k\u00f6nnen, welche Auswirkungen die Corona-Impfstoffe haben.&#8220; Aber es sei ein Problem, dass die wenigen Ressourcen, die es gibt, derzeit auf eine Krankheit konzentriert werden. &#8222;Ich will nicht sagen, dass Covid kein Problem ist, aber wir vernachl\u00e4ssigen andere, potenziell viel wichtigere Bereiche. Die Bereitstellung von Impfungen, die bei der Geburt vorgesehen sind, sollten Priorit\u00e4t haben.&#8220; Denn Studien h\u00e4tten gezeigt, dass diese Impfstoffe einen sehr gro\u00dfen Einfluss auf die Kindersterblichkeit haben.<\/p>\n<p>              Geringe Corona-Impfquote<\/p>\n<p>Der d\u00e4nischen Professorin fehlen noch die Daten zu den Todesf\u00e4llen im Verlauf der Corona-Pandemie in Guinea-Bissau. &#8222;Wir k\u00f6nnen nicht sagen, ob sie an Covid gestorben sind oder ob sie am Lockdown und dem erschwerten Zugang zur medizinischen Versorgung oder an der Angst vor Covid gestorben sind&#8220;, meint sie. &#8222;Als wir die Leute befragten, ob sie bei einem Todesfall die Betroffenen ins Krankenhaus gebracht h\u00e4tten, sagten sie nein. Denn wenn man ins Krankenhaus gehen w\u00fcrde, dann w\u00fcrde man Covid bekommen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Corona-Impfquote ist niedrig in dem kleinen westafrikanischen Land mit zwei Millionen Einwohnern. Nicht nur, weil der Impfstoff fehlte, sondern weil Falschinformationen in sozialen Netzwerken \u00c4ngste sch\u00fcrten. Unterschiedlichen Sch\u00e4tzungen nach liegt die Impfquote bei rund zw\u00f6lf bis 38 Prozent.<\/p>\n<p>              Korruption in staatlichen Krankenh\u00e4usern<\/p>\n<p>Das staatliche Krankenhaus Simao Mendes. Gleich am Eingang h\u00e4ngt ein Poster mit der Preisliste. Viele der Behandlungen sind praktisch gar nicht umsetzbar, erkl\u00e4rt eine ausl\u00e4ndische \u00c4rztin. &#8222;Im Operationssaal gibt es keine spezialisierten \u00c4rzte. Es gibt einige kubanische \u00c4rzte, die einfache Dinge operieren.&#8220; Komplizierte Operationen seien nicht machbar. Denn es gebe keine Aufwach- oder Operationseinheiten, keine Intensivstationen, keine Beatmungsger\u00e4te f\u00fcr die Zeit nach der Operation. Patienten mit schweren Erkrankungen wie Krebs w\u00fcrden deswegen entweder nach Europa oder in den Senegal evakuiert werden, was ebenfalls sehr schwierig sei. &#8222;Oder aber sie bleiben ohne Behandlung.&#8220;<\/p>\n<p>Die portugiesische Chirurgin Rita Castro ist mit ihrer Kollegin der An\u00e4sthesistin Isabel Flor de Lima mit einer NGO nach Bissau gekommen, um auszuhelfen. &#8222;Es ist klar, dass \u00c4rzte und medizinisches Fachpersonal nicht bezahlt werden, und sie klauen Medikamente oder Ger\u00e4te, die im Krankenhaus vorhanden sind&#8220;, erz\u00e4hlt sie. &#8222;Sie stehlen, was auf dem Markt drau\u00dfen verkauft werden kann. Wenn sie den Patienten etwas in Rechnung stellen k\u00f6nnen, werden sie es tun, sie werden den Patienten Behandlungen in Rechnung stellen, die eigentlich kostenlos sein sollten: eine Operation etwa oder Blutreserven.&#8220;<\/p>\n<p>Patienten m\u00fcssen f\u00fcr kostenfreie Behandlungen zahlen, \u00c4rzte streiken monatelang, weil sie keinen Lohn bekommen, und Angestellte verkaufen Medikamente auf den Inseln weiter, um zu \u00fcberleben. Das gesamte System krankt.<\/p>\n<p>              Bei fast allen Entwicklungsindizes weit hinten<\/p>\n<p>Vor dem Krankenhaus schieben sich schwere Autos mit den Logos der internationalen Organisationen durch die Stra\u00dfen. Ohne die internationale Hilfe liefe vieles nicht. Doch geht es dem Land mit ihnen besser? <\/p>\n<p>                Der UN-Mitarbeiter Jos\u00e9 Levy sitzt in einem bewachten Geb\u00e4ude in der N\u00e4he zum Hafen. Er m\u00f6chte trotz der schwierigen Aussichten Hoffnung behalten: &#8222;Es ist ein Land, das in fast allen Entwicklungsindizes am Ende der Liste steht: Gesundheit, Regierungsf\u00fchrung&#8220;, sagt er. &#8222;Der <a title=\"Link auf: UNDP-Index f\u00fcr menschliche Entwicklung\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/hdr.undp.org\/sites\/default\/files\/hdr_2020_overview_german.pdf\" class=\"click-tracking-paragraph\" data-tracking=\"{&quot;name&quot;:&quot;Link in Beitrag&quot;,&quot;chapter1&quot;:&quot;https:\/\/hdr.undp.org\/sites\/default\/files\/hdr_2020_overview_german.pdf&quot;,&quot;chapter2&quot;:&quot;UNDP-Index f\u00fcr menschliche Entwicklung&quot;,&quot;chapter3&quot;:&quot;Guinea-Bissau - Afrikas armes Malaria-Labor&quot;,&quot;level2&quot;:1}\" rel=\"nofollow noopener\">UNDP-Index f\u00fcr menschliche Entwicklung<\/a> befindet sich 48 Jahre nach der Unabh\u00e4ngigkeit in diesem Stadium \u2013 weshalb ich annehme, dass sich die Situation in den kommenden Jahren nicht \u00e4ndern wird. Aber bei den Vereinten Nationen m\u00fcssen wir optimistisch bleiben.&#8220;<\/p>\n<p>Der Nachrichtensender CNN hat die Bissagos-Inseln als eines der sehenswerten Ziele f\u00fcr 2022 benannt \u2013 bisher sind sie vor allem f\u00fcr die Forscher ein Paradies. Doch wenn zumindest die Malariaforschung hier einen Durchbruch schafft, k\u00f6nnte gerade der Krisenstaat Guinea-Bissau ein St\u00fcck Hoffnung in viele andere L\u00e4nder bringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit einer Namensliste in der Hand stapft Lino durch den Palmenhain. 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