{"id":29113,"date":"2026-06-14T07:59:36","date_gmt":"2026-06-14T07:59:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/29113\/"},"modified":"2026-06-14T07:59:36","modified_gmt":"2026-06-14T07:59:36","slug":"interview-ein-jahr-als-geisel-in-mali","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/29113\/","title":{"rendered":"Interview: Ein Jahr als Geisel in Mali"},"content":{"rendered":"<p>Ein Jahr lang war er in Mali in der Hand von Dschihadisten; am 26. November letzten Jahres kam er frei. An diesem Donnerstag nun steht der deutsche Afrikamissionar Hans-Joachim Lohre im Studio von Radio Vatikan in Rom, um zum ersten Mal \u00f6ffentlich von seiner Erfahrung zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>     <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/kirche\/news\/2023-11\/deutschland-erleichterung-freilassung-missionar-mali-lohre-meier.html\" title=\"D: Erleichterung \u00fcber Freilassung von Missionar in Mali\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/multimedia\/2023\/11\/27\/Padre-Hans-Mali.jpeg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.500.281.jpeg\" alt=\"D: Erleichterung \u00fcber Freilassung von Missionar in Mali\"\/><\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>\n      Mit Erleichterung haben die deutschen Bisch\u00f6fe die Freilassung des deutschen Missionars Hans-Joachim Lohre aus einer einj\u00e4hrigen Geiselhaft in Mali aufgenommen. \u201eUnser Dank gilt &#8230;\n     <\/p>\n<p>Seine Brille ist zerkratzt vom malischen Sand, und eine neue Aufgabe hat ihm sein Orden noch nicht zugeteilt, aber Pater \u201eHa-Jo\u201c ist guter Dinge. Er will in n\u00e4chster Zeit an das Grab der hl. Josefina Bakhita nach Norditalien pilgern (das hatte er f\u00fcr den Fall seiner Freilassung gelobt) und auch nach F\u00e1tima, um sich dann sp\u00e4ter auf eine neue Aufgabe vorzubereiten. Wenn m\u00f6glich, dann wieder im Bereich des christlich-islamischen Dialogs; das war ein Schwerpunkt in den \u00fcber drei\u00dfig Jahren gewesen, die Pater Lohre in Mali verbracht hat.<\/p>\n<p>Interview <\/p>\n<p>Pater Ha-Jo, herzlich willkommen bei uns bei Radio Vatikan! Wir sind stolz darauf, Sie hier zu haben als jemanden, der in der Gefangenschaft in der W\u00fcste in Mali unsere Programme auf Englisch und Franz\u00f6sisch geh\u00f6rt hat. Also, das passiert uns auch nicht alle Tage \u2013 herzlich willkommen bei uns!<\/p>\n<p>\u201eDanke sch\u00f6n!\u201c<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/agenzie\/images\/afp\/2022\/11\/11\/11\/1668163412773.jpg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.750.422.jpeg\" alt=\"Ein Lager von Binnenfl\u00fcchtlingen in Bamako\" title=\"Ein Lager von Binnenfl\u00fcchtlingen in Bamako\"\/><\/p>\n<p>\n   Ein Lager von Binnenfl\u00fcchtlingen in Bamako \u00a0 (AFP or licensors)\n  <\/p>\n<p>\u201ePater, Sie sind festgenommen\u201c<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlen Sie mal bitte vom November 2022. Sie sind doch schon seit Jahrzehnten in Mali engagiert im christlich muslimischen Dialog. Und auf einmal: die Entf\u00fchrung in Bamako\u2026<\/p>\n<p>\u201eJa, das war am 20. November \u201822. Am Hochfest von Christk\u00f6nig habe ich mich darauf vorbereitet, in einen Stadtteil zu fahren, um da mit einer Gemeinde die Christk\u00f6nigsmesse zu halten. Und als ich auf mein Auto zugegangen bin, kam ein anderes Auto mit hoher Geschwindigkeit und hat sich hinter mein Auto gesetzt; dann sprangen drei M\u00e4nner heraus, einer kam um mein Auto herum und sagte mir: \u201aPater, Sie sind festgenommen\u2018. In dem Moment hat mich jemand von hinten umklammert und in das Auto reingezogen \u2013 und dann fuhren wir weg. Das war eine Sache von, ich wei\u00df nicht, f\u00fcnf Sekunden\u2026 Und bei der Gelegenheit ist vermutlich mein kleines Kreuz heruntergefallen, das ich um den Hals trug und das man nachher gefunden hat.<\/p>\n<p>Ja, und dann ging es zwei, drei Stunden auf der Stra\u00dfe Richtung Norden, nehme ich an, denn ich hatte eine M\u00fctze \u00fcber dem Kopf. Jedes Mal, wenn das Auto abbog, haben sie mir den Kopf auf die Knie von dem rechts sitzenden Mann gelegt, damit ich nicht sah, wo wir hinkamen. Nach ungef\u00e4hr zwei, drei Stunden fuhr der Wagen rechts ab von der Stra\u00dfe in den Busch, wie wir das nennen; dort haben wir angehalten, es wurde telefoniert, und dann kamen nach ein, zwei Stunden drei Leute mit Turbanen auf dem Kopf und Kalaschnikows auf dem R\u00fccken, auf zwei Motorr\u00e4dern; die haben mich dann mit dem Auto \u00fcbernommen, w\u00e4hrend die anderen Leute wieder zur\u00fcck nach Bamako gefahren sind, wie ich annehme.\u201c<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/agenzie\/images\/afp\/2020\/11\/30\/13\/1606740548533.jpg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.750.422.jpeg\" alt=\"K\u00e4mpfer einer bewaffneten Gruppe in Mali, November 2020\" title=\"K\u00e4mpfer einer bewaffneten Gruppe in Mali, November 2020\"\/><\/p>\n<p>\n   K\u00e4mpfer einer bewaffneten Gruppe in Mali, November 2020 \u00a0 (AFP or licensors)\n  <\/p>\n<p>\u201eIch fange jetzt mein Sabbatjahr an, eine Zeit, um meinen Glauben zu vertiefen\u201c<\/p>\n<p>Das ist ja ein schlimmes Szenario \u2013 hatten Sie eigentlich damit gerechnet, dass so was mal passieren k\u00f6nnte?<\/p>\n<p>\u201eWenn Sie morgens ins Auto steigen, rechnen Sie dann damit, dass Sie einen Unfall haben? Wir sind uns immer des Risikos bewusst gewesen \u2013 aber nicht, dass mir das passiert\u2026 und nicht heute\u2026. Es wurde mir jedenfalls sehr schnell klar, dass das eine dschihadistische Entf\u00fchrung war. Und dann hatte ich wirklich die Gnade, drei Entscheidungen zu treffen.<\/p>\n<p>Erstens: Ich hatte ohnehin ein Sabbatjahr machen wollen \u2013 kein ganzes Jahr, aber eben eine Auszeit. Dann habe ich mir gesagt: Okay, dann f\u00e4ngt die etwas fr\u00fcher an als vorgesehen; also kein Stress, keine Termine, und viel Zeit zum Beten. Zweitens: Mir kam ein Satz von Viktor Frankl in den Sinn, den ich oft zitiert habe, wenn ich Novizinnen in Mali Schulungen gab. Frankl sagte: \u201aDas Konzentrationslager haben nicht diejenigen \u00fcberlebt, die die SS gehasst haben und nicht die, die aufgegeben haben oder sich aufgegeben haben, sondern die, die es verstanden haben, der Sache einen Sinn zu geben\u2018. Und ich sagte mir, dass ich der Sache jetzt folgenden Sinn geben w\u00fcrde: \u201aIch fange jetzt mein Sabbatjahr an, eine Zeit, um meinen Glauben zu vertiefen\u2018. Und das Dritte, das war die Geschichte von Josef aus dem Alten Testament, der ja von seinen Br\u00fcdern verkauft wurde und dann St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zun\u00e4chst Gouverneur wurde und schlie\u00dflich sp\u00e4ter seine Br\u00fcder gerettet hat.<\/p>\n<p>Ich sagte mir daher: Wer wei\u00df, wof\u00fcr es gut ist? Meine Entf\u00fchrung ist sicher nicht der Wille Gottes, aber ich bin davon \u00fcberzeugt, dass sich Gott dessen bedienen kann, um etwas Gutes daraus hervorzubringen. F\u00fcr Mali, f\u00fcr die Kirche, f\u00fcr den christlich islamischen Dialog in Mali. Und das wei\u00df ich, dass das viele Frucht gebracht hat; ich frage mich selbst, ob ich nicht vielleicht als Gefangener (mit dem Mythos \u201aGefangener in der W\u00fcste\u2018 n\u00fctzlicher war f\u00fcr den interreligi\u00f6sen Dialog in Mali als physisch gegenw\u00e4rtig in Bamako\u2026\u201c<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/multimedia\/2024\/gennaio\/18\/IMG_6878.jpg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.750.422.jpeg\" alt=\"P. Lohre am Donnerstag zu Besuch in unserer Redaktion\" title=\"P. Lohre am Donnerstag zu Besuch in unserer Redaktion\"\/><\/p>\n<p>\n   P. Lohre am Donnerstag zu Besuch in unserer Redaktion\n  <\/p>\n<p>\u201eIch frage mich, ob ich nicht vielleicht als Gefangener n\u00fctzlicher war f\u00fcr den interreligi\u00f6sen Dialog in Mali als physisch gegenw\u00e4rtig in Bamako\u2026\u201c<\/p>\n<p>Warum sagen Sie das? Dass Sie vielleicht n\u00fctzlicher in der Gefangenschaft waren, f\u00fcr den Dialog?<\/p>\n<p>\u201eIch hatte im Jahr 2019\/20 das Pastoraljahr am Institut f\u00fcr christlich-islamische Bildung gemacht, das von den wei\u00dfen V\u00e4tern geleitet wird und dessen Aufgabe es ist, Christen f\u00fcr die Begegnung mit den Muslimen zu schulen und daf\u00fcr, Br\u00fccken zu bauen zwischen den christlichen und den muslimischen Gemeinden. Denn wenn du den anderen kennst, wenn du keine Vorurteile hast, dann wird dir nicht so schnell jemand eine Bombe in den Garten werfen.<\/p>\n<p>Und in diesem Zusammenhang hatte ich viele Kontakte mit verschiedenen Assoziationen\u2026 darunter mit einem \u201eInterreligi\u00f6sen Friedensrat von Mali\u201c; sein Koordinator ist Issa Traore, ein sehr guter Freund, der gleichzeitig verschiedenen muslimischen Verb\u00e4nden angeh\u00f6rt, zum Beispiel dem \u201eMuslimischen Jugendverband\u201c. Er hat mir nach meiner Freilassung geschrieben, wie froh er doch sei, dass ich jetzt wieder frei bin \u2013 und dass er vom ersten Tag an die muslimischen Gruppierungen f\u00fcr meine Freilassung habe beten lassen! Es gab dann auch in den Zeitungen Artikel, Gedichte, Aufrufe von Muslimen, die sagten: \u201aLasst den Pater Ha-Jo wieder frei!\u2018\u201c<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/multimedia\/2024\/gennaio\/18\/IMG_5968.jpg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.750.422.jpeg\" alt=\"Im Studio von Radio Vatikan\" title=\"Im Studio von Radio Vatikan\"\/><\/p>\n<p>\n   Im Studio von Radio Vatikan\n  <\/p>\n<p>\u201eMein Unterschlupf: Vier Pfosten im Sand, und eine Plane dr\u00fcber\u201c<\/p>\n<p>Nun waren Sie also ein Jahr lang in den H\u00e4nden der Dschihadisten. Wie war das f\u00fcr Sie, wie wurden Sie behandelt? Und wo wurden Sie festgehalten?<\/p>\n<p>\u201eWo ich genau war, das kann ich nicht sagen; aber zun\u00e4chst mal war ich in der Sandw\u00fcste und sp\u00e4ter eher im Gebirge\u2026 Ich wurde sehr gut behandelt. Ich hatte so eine Art kleinen Unterschlupf: Die hatten vier Pfosten in den Sand gebohrt, und dann kam eine Plane dr\u00fcber; das war ungef\u00e4hr einen Meter hoch. Dort habe ich dann wirklich 22 von 24 Stunden liegend verbracht.<\/p>\n<p>Morgens nach dem Gebet um 6:00 Uhr, wenn die Sonne aufging, kam jemand vorbei, holte mein kleines Teek\u00e4nnchen ab und brachte mir dann hei\u00dfes Wasser zur\u00fcck, damit ich meinen Kaffee, meinen Nescaf\u00e9, aufgie\u00dfen konnte; und um 8:00 gab es frisches, im Sand gebackenes Brot mit einem halben Liter Milch. Gegen 1:00 oder 2:00 Uhr gab es dann Reis, oft mit Fleisch, und abends Nudeln. Die Di\u00e4t bestand also abwechselnd aus Reis und Nudeln.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wurde wirklich sehr gut behandelt, mit sehr viel Respekt\u201c<\/p>\n<p>Und die Bewacher? Konnten Sie sich mit denen verst\u00e4ndigen?<\/p>\n<p>\u201eAlso, in der ersten Zeit, als ich noch im Sahel war, sprachen die Bambara, und da konnte ich mich mit ihnen gut verst\u00e4ndigen; einer sprach auch Franz\u00f6sisch. Und danach konnte vielleicht einer so ein paar Brocken Franz\u00f6sisch, aber sonst sprachen die alle Arabisch, und die hatten auch kein Interesse. Vorher im Sahel, da haben wir jeden Tag nur \u00fcber den Glauben gesprochen; aber die sp\u00e4teren Bewacher hatten kein Interesse, mit mir zu sprechen. Die kamen und sagten mir, ich solle Muslim werden; ich antwortete: \u201aIch bin Christ, das reicht mir\u2018, und dann war es damit gut.<\/p>\n<p>Aber ich wurde wirklich sehr gut behandelt. Ich habe kein b\u00f6ses Wort geh\u00f6rt, wurde nicht einmal geschlagen oder sonst etwas. Sehr viel Respekt\u2026 Und das ist wichtig: Das sind keine Banditen, sondern das sind Menschen, die glauben, eine Mission zu haben. Und diese Mission besteht darin, eine neue Gesellschaftsordnung aufzubauen, die auf dem Wort Gottes gr\u00fcndet, dem Koran. Eine Gesellschaft, in der eben nicht gestohlen wird, in der nicht gelogen wird, es wird kein Ehebruch begangen\u2026 das wollen sie vertreten\u2026<\/p>\n<p>Ich habe furchtbar gefroren. Nachts sind es null Grad in der W\u00fcste; ich hatte eine dicke Decke und sagte, das reicht nicht. Daraufhin brachte mir jemand anders eine Decke und sagte: \u201aSo sind wir! Ich gebe dir meine Decke, damit es dir gut geht. Wir sind nicht so wie die Amerikaner, die unsere Leute in Guantanamo auf dem nackten Kachelboden liegen lassen\u2026\u2018\u201c<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/agenzie\/images\/afp\/2019\/10\/03\/08\/1570082539441.jpg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.750.422.jpeg\" alt=\"Kinder in einem Dorf in Segou, Zentralmali - Aufnahme von 2019\" title=\"Kinder in einem Dorf in Segou, Zentralmali - Aufnahme von 2019\"\/><\/p>\n<p>\n   Kinder in einem Dorf in Segou, Zentralmali &#8211; Aufnahme von 2019 \u00a0 (AFP or licensors)\n  <\/p>\n<p>\u201eFast alle Tage der Gefangenschaft in v\u00f6lligem, tiefem inneren Frieden verbracht\u201c<\/p>\n<p>Und Ihr Draht nach au\u00dfen war ein Radio?<\/p>\n<p>\u201eAnfangs, als ich noch im Sahel war bei den Leuten, die Bambara sprachen \u2013 da hatte derjenige, der gut Franz\u00f6sisch konnte, ein Radio, und das habe ich mir dann abends ausgeliehen. So konnte ich zum Beispiel \u2013 das war mein gro\u00dfes Weihnachtsgeschenk, die Messe des Papstes mit seiner Predigt aus Sankt Peter verfolgen und kriegte am 25. Dezember gerade noch den Segen mit. Sp\u00e4ter dann, als ich eher im Gebirge war, konnte ich regelm\u00e4\u00dfig die englische und franz\u00f6sische Sendung von Radio Vatikan h\u00f6ren: die Neuigkeiten aus der Welt und auch aus der Kirche, die verschiedenen Interviews. Das hat mir wirklich sehr, sehr geholfen, mich auch hier auf einer Mission zu f\u00fchlen; ich dachte: \u201aIch bin niemals mehr Missionar gewesen als hier\u2018.<\/p>\n<p>Und das hat mich eigentlich immer meinen Glauben gut leben lassen. Dadurch, dass ich fr\u00fcher im Noviziat ignatianische Exerzitien gegeben habe, kannte ich die Dynamik auswendig und wusste, welche Bibelstellen an welchem Tag dran sind. Ich habe mir dann selbst Exerzitien gegeben und habe wirklich noch nie in meinem Leben so viele Tage in einer \u201aTr\u00f6stung\u2018 verbracht, wie man das in der ignatanischen Sprachweise sagt. Also, von den 371 Tagen der Gefangenschaft habe ich 368 in v\u00f6lligem, tiefem inneren Frieden verbracht.\u201c<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/multimedia\/2023\/11\/27\/Padre-Hans-Mali.jpeg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.750.422.jpeg\" alt=\"P. Lohre in Mali (c) Raphael Athens\/Neue Westf\u00e4lische\" title=\"P. Lohre in Mali (c) Raphael Athens\/Neue Westf\u00e4lische\"\/><\/p>\n<p>\n   P. Lohre in Mali (c) Raphael Athens\/Neue Westf\u00e4lische\n  <\/p>\n<p>Die Freilassung kam \u00fcberraschend <\/p>\n<p>Wie kam es zu Ihrer Freilassung?<\/p>\n<p>\u201eIrgendwann im November kam einer der Chefs, der uns \u2013 also mir und den Bewachern \u2013 regelm\u00e4\u00dfig Wasser und Reis brachte, und sagte nur: \u201aPartir Allemagne\u2018. Nach Deutschland fahren und nichts mitnehmen, nur die Decke, die Medikamente, die Zahnb\u00fcrste und fertig. Und dann ging\u2018s los.\u201c<\/p>\n<p>Hintergr\u00fcnde wissen Sie nicht?<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df nichts. Ich wei\u00df nicht, was da f\u00fcr Forderungen gestellt wurden \u2013 nein, keine Ahnung.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGott wendet auch Dinge, die eigentlich schlimm sein k\u00f6nnten, zum Guten\u201c<\/p>\n<p>Was nehmen Sie als Fazit, als innere Summe aus diesem Jahr f\u00fcr sich mit? F\u00fcr Ihren Glauben, f\u00fcr die Art, wie Sie sind?<\/p>\n<p>\u201eWenn ich gebetet habe, dann hat mich immer die Stelle angesprochen, wie Petrus auf dem Wasser geht und dann pl\u00f6tzlich versinkt, weil er seine Augen auf den Sturm richtet. Und Jesus sagt zu ihm: \u201aDu Kleingl\u00e4ubiger!\u2018 Ich glaube, dieses Jahr hat mich in dem Glauben wachsen lassen, dass ich jetzt wirklich selbst erfahren habe, dass Gott mich liebt. Dass Gott sich um mich k\u00fcmmert und dass Gott auch Dinge, die eigentlich schlimm sein k\u00f6nnten, zum Guten wendet.\u201c<\/p>\n<p>Pater Ha-Jo, vielen Dank f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch, und Ihnen alles Gute auch f\u00fcr Ihre weitere Arbeit!<\/p>\n<p>\u201eDanke sch\u00f6n.\u201c<\/p>\n<p>Das Interview mit P. Hans-Joachim Lohre f\u00fchrte Stefan Kempis von Radio Vatikan.<\/p>\n<p>(vatican news)<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Jahr lang war er in Mali in der Hand von Dschihadisten; am 26. 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