{"id":2937,"date":"2026-04-19T09:34:33","date_gmt":"2026-04-19T09:34:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/2937\/"},"modified":"2026-04-19T09:34:33","modified_gmt":"2026-04-19T09:34:33","slug":"afrika-warum-tansania-nach-der-wahl-unter-schock-steht-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/2937\/","title":{"rendered":"Afrika: Warum Tansania nach der Wahl unter Schock steht &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Es ist gerade nicht leicht, in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Tansania\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tansania<\/a> jemanden ans Telefon zu kriegen. Die Bewohner des ostafrikanischen Landes sind eigentlich f\u00fcr ihre Unbek\u00fcmmertheit bekannt, doch einen Monat nach den von beispielloser Gewalt \u00fcberschatteten Wahlen befindet sich Tansania noch immer im Zustand gro\u00dfer Anspannung. \u00dcber die Ereignisse der vergangenen Wochen wollen viele potenzielle Gespr\u00e4chspartner nichts sagen, aus Angst. Und schon gar nicht \u00fcbers Handy, wer wei\u00df, ob die Regierung da nicht mith\u00f6rt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Manche reden, wenn man verspricht, ihre Namen nicht zu nennen. Und berichten von ersch\u00fctternden Szenen. Von bewaffneten Meuten, die Wahllokale verw\u00fcsten und Autos anz\u00fcnden. Von Polizisten, die Tr\u00e4nengas und Kugeln in Menschenmengen feuern, die Leichen auf Lastern stapeln. Von einem Land, das bis heute unter Schock steht. Und von Menschen, die sich fragen: \u201eWas ist mit unserem Tansania los?\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Einer redet dann doch, auch mit Klarnamen: Boniface Mwabukusi, 49, Rechtsanwalt und Pr\u00e4sident der Tanganyika Law Society. Man erreicht ihn in der Stadt Mbeya, wo seine Kanzlei sitzt. \u201eIch lasse mich nicht davon abbringen, die Wahrheit zu sagen\u201c, sagt Mwabukusi. \u201eWenn ich damit mein Todesurteil unterschreibe, dann soll es so sein.\u201c<\/p>\n<p>Schon vor der Wahl gab es Gewalt und Repressionen<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Gewonnen hat die Pr\u00e4sidentschaftswahl am 29. Oktober laut offiziellen Zahlen Pr\u00e4sidentin Samia Suluhu Hassan \u2013 mit 98 Prozent der Stimmen. Die Wahlen seien \u201efrei und demokratisch\u201c gewesen, behauptete sie nach Verk\u00fcndung des Ergebnisses. Die Afrikanische Union (AU), die eine Beobachtermission nach Tansania entsandt hatte, kam dagegen zu dem Schluss, dass die Wahlen \u201eden Prinzipien der AU nicht entsprochen\u201c h\u00e4tten. Die Opposition sprach von einer \u201eVerh\u00f6hnung der Demokratie\u201c. Boniface Mwabukusi sagt: \u201e\u00dcberhaupt von einer Wahl zu sprechen, wird den Tatsachen nicht gerecht.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/tansania-wahlen-opposition-unterdrueckung-folter-li.3328114\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schon vor den Wahlen war Tansania von Gewalt und Repression ersch\u00fcttert worden.<\/a>\u00a0Es gab Mordanschl\u00e4ge auf Regierungskritiker sowie Dutzende Entf\u00fchrungen politischer Gegner. Der Vorsitzende der gr\u00f6\u00dften Oppositionspartei wurde verhaftet und wegen Hochverrats angeklagt, seine Partei von der Wahl ausgeschlossen.\u00a0 Doch selbst diese \u201eTerrorwelle\u201c\u00a0\u2013 so die Menschenrechtsorganisation Amnesty International\u00a0\u2013 war nur ein Vorgeschmack auf das, was am Wahltag und den Tagen danach geschah.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In der K\u00fcstenmetropole Daressalam und mehreren anderen St\u00e4dten kam es zu Protesten vor allem junger Leute gegen die Regierung und den Ausschluss der Opposition, meist friedlich, aber immer wieder begleitet von Pl\u00fcnderungen und Zerst\u00f6rungen. Die Polizei reagierte mit maximaler H\u00e4rte, wie Augenzeugenberichte und Handyvideos belegen. <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/press-releases\/2025\/11\/tanzania-election-related-killings-and-other-violations-must-be-investigated\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Von Hunderten Toten sprach die UN<\/a>\u00a0hinterher, <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/c3vn4rlqd52o\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">von mindestens 500 die BBC<\/a>, von bis zu 800 die Opposition.<\/p>\n<p>Am Wahltag wurde das Internet abgeschaltet<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Boniface Mwabukusi sagt, er habe selbst gesehen, wie Polizisten einen friedlichen Demonstranten in Mbeya erschossen, aus 50 Meter Entfernung. Und Tote habe es nicht nur auf der Stra\u00dfe gegeben. Am Wahlabend verh\u00e4ngte die Regierung eine Ausgangssperre. W\u00e4hrend dieser Zeit, sagt Mwabukusi, sei die Polizei \u201evon Haus zu Haus gegangen\u201c und habe Menschen erschossen. Ein von au\u00dfen nicht \u00fcberpr\u00fcfbarer Vorwurf, den aber auch andere erheben. Eine Sportagentur etwa, die Nachwuchsfu\u00dfballer vertritt, <a href=\"https:\/\/x.com\/scout_viral\/status\/1985375147142852959\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">berichtete auf der Plattform X<\/a>, dass sieben ihrer Klienten zwischen 15 und 22 Jahren get\u00f6tet worden seien \u2013 zu Hause.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zum Vorwurf der entfesselten staatlichen Gewalt kommt der Vorwurf der Vertuschung. Um zw\u00f6lf Uhr mittags ging am Wahltag das Internet aus, f\u00fcr sechs Tage blieb es abgeschaltet. Die Regierung sagt: um Absprachen der \u201eRandalierer\u201c zu erschweren. Die Demonstranten sagen: um zu verhindern, dass die Welt erf\u00e4hrt, was in Tansania geschieht. Handybesitzer erhielten noch Wochen nach der Wahl SMS-Nachrichten der Polizei, in denen sie unter Androhung von Gef\u00e4ngnisstrafen gewarnt wurden, Bilder und Videos von den Protesten in sozialen Medien zu teilen oder sich Chatgruppen anzuschlie\u00dfen, in denen \u201ezu Gewalt aufgerufen wird\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2025\/11\/21\/africa\/tanzania-police-shooting-protesters-deadly-election-intl-invs\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Der US-Fernsehsender CNN entdeckte bei der Auswertung von Satellitenbildern frische Massengr\u00e4ber in Tansania<\/a>, wo get\u00f6tete Demonstranten heimlich beigesetzt worden seien. Auch die Vereinten Nationen zitierten \u201everst\u00f6rende Berichte\u201c, wonach die Sicherheitsbeh\u00f6rden so versucht h\u00e4tten, Beweise zu vertuschen. Boniface Mwabukusi sagt, der CNN-Bericht ber\u00fchre \u201enur die Spitze des Eisbergs\u201c. Laut Informationen der Tanganyika Law Society gebe es allein in Mbeya knapp 300 Tote. In ganz Tansania seien es mehr als 1000. Wo die Leichen sind, w\u00fcssten die Familien in der Mehrheit der F\u00e4lle nicht.<\/p>\n<p>Das Land ist auf Kredite aus dem Ausland angewiesen<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Tansanias Regierung lobte die Sicherheitsbeh\u00f6rden in ersten Stellungnahmen nach der Wahl f\u00fcr ihre \u201eschnelle und entschiedene\u201c Reaktion auf die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Proteste\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Proteste<\/a>; die kursierenden Opferzahlen kommentierte sie nicht. Mindestens 240 Demonstranten wurden wegen Hochverrats angeklagt. Inzwischen sind die T\u00f6ne vers\u00f6hnlicher. Pr\u00e4sidentin Suluhu k\u00fcndigte eine Untersuchung der Vorf\u00e4lle an und bat mit einem Bibelzitat um \u201eMilde\u201c gegen\u00fcber den Angeklagten: \u201eDenn sie wissen nicht, was sie tun.\u201c Eine SZ-Anfrage lie\u00df die Regierung unbeantwortet.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Einen m\u00f6glichen Grund f\u00fcr die entsch\u00e4rfte Rhetorik lieferte Suluhu selbst. Als Mitte November ihr neues Kabinett vereidigt wurde (zu dem Suluhus Tochter und deren Ehemann geh\u00f6ren), sagte sie, die Unruhen rund um die Wahl h\u00e4tten das Bild Tansanias in der Welt besch\u00e4digt. \u201eWir sind gr\u00f6\u00dftenteils auf Kredite internationaler Gl\u00e4ubiger angewiesen, aber das Geschehene hat unsere globale Glaubw\u00fcrdigkeit untergraben\u201c, so die Pr\u00e4sidentin. Die Feierlichkeiten zum Unabh\u00e4ngigkeitstag am 9. Dezember wurden abgesagt. Die Opposition hatte f\u00fcr diesen Tag zu neuen Protesten aufgerufen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">F\u00fcr die Regierung k\u00f6nnte es auch noch ein juristisches Nachspiel geben \u2013 in Den Haag. Ein internationaler Zusammenschluss von Juristen und Menschenrechtsgruppen hat beim Internationalen Strafgerichtshof die Aufnahme von Ermittlungen gegen Tansanias Regierung beantragt. Der Vorwurf, dargelegt in einer 82-seitigen Petition: Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Gericht best\u00e4tigte auf Anfrage den Eingang dieser sowie \u201ezahlreicher\u201c weiterer Petitionen in Bezug auf Tansania.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist gerade nicht leicht, in Tansania jemanden ans Telefon zu kriegen. 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