{"id":3035,"date":"2026-04-19T10:54:39","date_gmt":"2026-04-19T10:54:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3035\/"},"modified":"2026-04-19T10:54:39","modified_gmt":"2026-04-19T10:54:39","slug":"madagaskar-proteste-fuehren-zu-militaeruebernahme-in-antananarivo-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3035\/","title":{"rendered":"Madagaskar: Proteste f\u00fchren zu Milit\u00e4r\u00fcbernahme in Antananarivo &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Was in den vergangenen drei Wochen in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Madagaskar\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Madagaskar<\/a> passiert ist, sagt Olivia Rasetison, das k\u00f6nne sie immer noch nicht wirklich glauben.\u00a0 \u201eEs ging alles so schnell.\u201c Am 25. September, erz\u00e4hlt die 29-J\u00e4hrige am Telefon in der Hauptstadt Antananarivo, sei sie zum ersten Mal auf die Stra\u00dfe gegangen, um mit Tausenden anderen jungen Leuten gegen die Regierung zu demonstrieren. Und nun ist diese Regierung tats\u00e4chlich Geschichte, Pr\u00e4sident Andry Rajoelina geflohen und entmachtet. \u201eDar\u00fcber bin ich sehr gl\u00fccklich\u201c, sagt die junge Frau.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Weniger gl\u00fccklich ist sie allerdings dar\u00fcber, wer das Machtvakuum in Madagaskar inzwischen gef\u00fcllt hat: Oberst Michael Randrianirina, der Chef der Eliteeinheit Capsat, die sich am Wochenende auf die Seite der Demonstranten geschlagen und deren wochenlanges Duell mit dem Pr\u00e4sidenten damit entschieden hatte. Er ist der neue starke Mann in dem Inselstaat vor Afrikas S\u00fcdostk\u00fcste, am Freitag soll er als Pr\u00e4sident vereidigt werden. Olivia Rasetison sagt: \u201eDas ist sicher nicht das beste Szenario.\u201c<\/p>\n<p>Der Staat kann die grundlegenden Bed\u00fcrfnisse der Menschen nicht decken<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Protestbewegung in Madagaskar, \u00fcberwiegend getragen von jungen Leuten aus der sogenannten <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Generation_Z\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Generation Z<\/a>, befindet sich in einer seltsamen Lage. Sie hat ihre Regierung herausgefordert und gewonnen, was ein gro\u00dfer und weltweit beachteter Erfolg ist. Doch zugleich muss sie bef\u00fcrchten, dass ihre neuen Freunde vom Milit\u00e4r ihr diesen Erfolg gerade aus der Hand rei\u00dfen. Die Frage ist: Werden die Soldaten die Macht teilen und nach sp\u00e4testens zwei Jahren wieder abgeben, wie sie beteuern? Oder endet der Aufstand der madagassischen Jugend in einer Milit\u00e4rherrschaft?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Olivia Rasetison arbeitet f\u00fcr eine NGO; f\u00fcr welche, will sie nicht verraten. An den Protesten habe sie als Privatperson teilgenommen, als Privatperson engagiere sie sich nun in der Bewegung. Mit ihrer Arbeit habe das nichts zu tun.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zun\u00e4chst, sagt sie, seien die Proteste unpolitisch gewesen. Sie und ihre Freunde seien auf die Stra\u00dfe gegangen, weil die Regierung in Madagaskar, einem der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt, nicht mal die grundlegenden Bed\u00fcrfnisse der Menschen im Land habe bedienen k\u00f6nnen. Der Strom falle in ihrer Wohnung mindestens sechs Stunden am Tag aus, das Wasser komme nur nachts f\u00fcr ein paar Stunden aus der Leitung. Jede Nacht stehe sie um zwei Uhr auf, f\u00fclle ihre Kanister f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag, bis kein Wasser mehr kommt, und lege sich wieder schlafen.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident versucht es mit Tr\u00e4nengas und Schlagst\u00f6cken \u2013 und scheiterte<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eAm Anfang wollten wir nur geh\u00f6rt werden\u201c, sagt Rasetison. Doch die Proteste richteten sich bald grunds\u00e4tzlich gegen die Regierung, auch weil diese mit gro\u00dfer H\u00e4rte reagierte, mit Tr\u00e4nengas, Schlagst\u00f6cken und Schusswaffen. 22 Menschen wurden nach UN-Angaben in den ersten Tagen der Proteste get\u00f6tet. Alle Versuche des Pr\u00e4sidenten, die Wut der Stra\u00dfe nach der Gewalteskalation noch zu bes\u00e4nftigen, scheiterten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Sein politisches Schicksal besiegelte schlie\u00dflich die Meuterei der Eliteeinheit Capsat, die am Samstag zu den Demonstranten \u00fcberlief. Einen Tag sp\u00e4ter floh Pr\u00e4sident Rajoelina, an einen \u201esicheren Ort\u201c, wie er in einer Facebook-Ansprache am Montagabend mitteilte. Er soll sich in Dubai aufhalten. \u00dcbereinstimmenden Medienberichten zufolge war es ein franz\u00f6sisches Milit\u00e4rflugzeug, das ihn am Tag zuvor au\u00dfer Landes gebracht hatte. Rajoelina hat neben dem madagassischen auch einen franz\u00f6sischen Pass.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Es war eine Flucht wie aus der \u00c4ra des Kalten Krieges. Und ein Abgang, der innerhalb der Protestbewegung ein antifranz\u00f6sisches Element st\u00e4rkte, das bis dato keine gro\u00dfe Rolle gespielt hatte, vor allem, wenn man es mit den\u00a0Umst\u00fcrzen in Niger oder Mali in den vergangenen Jahren vergleicht. Einen ma\u00dfgeblichen Anteil daran hat Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron. Der bezeichnete die Vorg\u00e4nge in Madagaskar als \u201ezutiefst besorgniserregend\u201c und warnte vor \u201eausl\u00e4ndischer Einflussnahme\u201c, w\u00e4hrend viele Menschen im Land Frankreichs Fluchthilfe f\u00fcr den ungeliebten Pr\u00e4sidenten Rajoelina als genau das empfanden: als ausl\u00e4ndische Einflussnahme.\u201eIn diesem Moment\u201c, sagt Olivia Rasetison, \u201ehaben die Menschen ihren Zorn auch nach Frankreich gerichtet.\u201c<\/p>\n<p>Ein v\u00f6llig unbekannter Oberst ist jetzt am Ruder<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Macht\u00fcbernahme des Milit\u00e4rs nahm dann am Dienstag Gestalt an. Vor dem Pr\u00e4sidentenpalast in Antananarivo verk\u00fcndete der bis dahin v\u00f6llig unbekannte Oberst Randrianirina, dass es keine Regierung mehr gebe in Madagaskar. Und er fragte, ob er und die Armee die Kontrolle \u00fcbernehmen und das Chaos beenden sollten. Die Antwort aus der Menge war Jubel. Olivia Rasetison war an diesem Tag ebenfalls dabei. Doch sie jubelte nicht mit. \u201eErst in diesem Moment\u201c, sagt sie, \u201ewurde mir klar, dass die Milit\u00e4rs die Macht \u00fcbernehmen wollen.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Madagaskars Verfassungsgericht hat Randrianirina inzwischen an der Spitze des Staates best\u00e4tigt, auch wenn der gest\u00fcrzte Pr\u00e4sident Rajoelina noch immer nicht seinen R\u00fccktritt erkl\u00e4rt hat. Der Oberst gibt sich in Interviews und bei Auftritten bescheiden und bezeichnet sich als Diener des Volkes. Die Protestbewegung will er an der Regierung beteiligen, binnen zwei Jahren soll es Wahlen geben. Doch \u00e4hnliche Versprechungen von pl\u00f6tzlich herrschenden Milit\u00e4rs sind, nicht nur in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Afrika\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Afrika<\/a>, in der Vergangenheit schon h\u00e4ufig gebrochen worden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das bef\u00fcrchtet auch Olivia Rasetison: \u201eIch vertraue den Milit\u00e4rs nicht vollst\u00e4ndig\u201c, sagt sie. Sie mache sich Sorgen, dass diese nach zwei Jahren nicht wie versprochen Wahlen zulassen. Doch sie sagt auch, dass sie die neuen Machthaber immer noch besser findet als die alten \u2013 und ihnen eher zutraut, ihr Leben und das ihrer Generation zum Besseren zu ver\u00e4ndern. \u201eUnter Pr\u00e4sident Rajoelina hatte ich null Prozent Hoffnung. Nun sind es immerhin 20 Prozent.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">F\u00fcr sie und f\u00fcr die gesamte Protestbewegung bedeute die Macht\u00fcbernahme des Milit\u00e4rs, dass der Kampf nicht vorbei sei, sagt Rasetison. Die jungen Leute m\u00fcssten weiter ihre Stimme erheben, weiter f\u00fcr ihre Rechte k\u00e4mpfen, weiter sichergehen, dass sie nicht \u00fcberh\u00f6rt werden \u2013 mit dem Unterschied, dass ihr Gegen\u00fcber nun nicht mehr Pr\u00e4sident Rajoelina hei\u00dft, sondern Oberst Randrianirina. F\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Jahre und vielleicht dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was in den vergangenen drei Wochen in Madagaskar passiert ist, sagt Olivia Rasetison, das k\u00f6nne sie immer noch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3036,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[245],"tags":[29,2152,282,380,379,283,284],"class_list":{"0":"post-3035","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-madagaskar","8":"tag-afrika","9":"tag-generation-z","10":"tag-leserdiskussion","11":"tag-madagascar","12":"tag-madagaskar","13":"tag-politik","14":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3035","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3035"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3035\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3036"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3035"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3035"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3035"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}