{"id":3176,"date":"2026-04-19T12:49:58","date_gmt":"2026-04-19T12:49:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3176\/"},"modified":"2026-04-19T12:49:58","modified_gmt":"2026-04-19T12:49:58","slug":"ehemaliger-chefarzt-aus-rendsburg-will-koenig-in-niger-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3176\/","title":{"rendered":"Ehemaliger Chefarzt aus Rendsburg will K\u00f6nig in Niger werden"},"content":{"rendered":"<p>\n                Stand: 07.05.2025 05:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">In diesem Fr\u00fchjahr reiste Dr. Issifi Djibey zur\u00fcck in seine Heimat Niger, um in einem der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt K\u00f6nig zu werden. Seine Chancen stehen bestens, bald eine nigrische Provinz zu regieren.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Nicole Ehlert<\/p>\n<p class=\"\">Menschen in knallbunten Gew\u00e4ndern, H\u00fctten aus Lehm, die Wege staubig. Hier ein mageres Rind, dort ein paar Ziegen. Es ist, als w\u00e4re sogar das hitzige Flimmern der Luft auf den Fotos zu sehen, die Issifi Djibey und seine Frau Angela in ihrem Rendsburger Einfamilienhaus auf dem Couchtisch ausgebreitet haben. Drau\u00dfen ist es kalt an diesem Februartag 2025. &#8222;Mein Schrank ist voll von solchen bunten Gew\u00e4ndern&#8220;, erz\u00e4hlt Angela &#8211; Geschenke von Freunden aus Niger, doch die Kleider k\u00f6nne sie hier in Rendsburg kaum tragen.<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenigniger120.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenigniger120.webp\" alt=\"Ein Mann und eine Frau auf einem Sofa\" title=\"Im Rendsburger Wohnzimmer wird das Ehepaar seltener zusammensitzen, wenn Issifi Djibey K\u00f6nig wird. | NDR, NDR Screenshot\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Im Rendsburger Wohnzimmer wird das Ehepaar seltener zusammensitzen, wenn Issifi Djibey K\u00f6nig wird.<\/p>\n<p class=\"\">Immer mehr Fotos kommen aus den Kartons, Zeugnisse zahlreicher Afrikareisen. &#8222;Anfangs war ich alle drei Jahre dort, seit ich in Rente bin jedes Jahr&#8220;, sagt Djibey, der 1970 mit einem Stipendium aus der nigrischen Provinz Kokorou nach Deutschland kam, Medizin studierte und mehr als 20 Jahre lang am Klinikum Rendsburg arbeitete. Zuletzt als Chefarzt f\u00fcr Gef\u00e4\u00df- und Thorax-Chirurgie.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>    Der Ex-K\u00f6nig regierte ein halbes Jahrhundert lang<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenigniger122.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenigniger122.webp\" alt=\"Eine Aufnahme einer afrikanischen Familie\" title=\"Besuch beim damaligen K\u00f6nig von Kokorou (Mitte) vor knapp 20 Jahren, rechts neben ihm sein Nachfolger in spe, Issifi Djibey. | privat, privat\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Besuch beim damaligen K\u00f6nig von Kokorou (Mitte) vor knapp 20 Jahren, rechts neben ihm sein Nachfolger in spe, Issifi Djibey.<\/p>\n<p class=\"\">&#8222;Da hast du ein Lamm geschenkt bekommen&#8220;, sagt Angela Djibey und zeigt auf ein Foto, w\u00e4hrend sie neben ihrem Mann auf dem Ledersofa sitzt. Er nickt kurz, aber seine Aufmerksamkeit geh\u00f6rt einem anderen Bild. Darauf ist er in einer Gruppe von Nigrern zu sehen, im Mittelpunkt ein Mann mit grauem Bart. &#8222;Das war 2007. Da sind wir auf der Durchreise beim damaligen K\u00f6nig vorbeigekommen&#8220;, erkl\u00e4rt Angela. &#8222;Er war etwas \u00fcberrascht von unserem Besuch &#8211; und ziemlich angespannt. Er hat in Issifi wohl schon seinen potenziellen Nachfolger gesehen.&#8220; \u00a0<\/p>\n<p class=\"\">2023 starb der K\u00f6nig mit fast 100 Jahren, nach 52-j\u00e4hriger Regentschaft. Im Februar 2025\u00a0packte Issifi Djibey im 6.500 Kilometer entfernten Rendsburg, um wieder in seine afrikanische Heimat zu fliegen &#8211; dieses Mal per One-Way-Ticket. Die K\u00f6nigswahlen sollen noch vor dem Sommer stattfinden und als potenzieller Thron-Nachfolger wei\u00df er nicht, wann er wieder nach Rendsburg zur\u00fcckkommen wird.\u00a0<\/p>\n<p>                Mehr zu Niger<\/p>\n<p>Niger ist ein Binnenstaat in Westafrika, der unter anderem an Algerien, Libyen, Mali und\u202fNigeria grenzt. 26,16 Millionen Menschen wohnen auf einer Fl\u00e4che, die mehr als dreimal so gro\u00df ist wie Deutschland. Niger geh\u00f6rt zu den \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Welt; jedes 11. Kind stirbt vor seinem 5. Geburtstag. Mit 54 Jahren ist die Lebenserwartung sehr niedrig, ebenso die Alphabetisierungsrate (maximal 33%). \u00a0<br \/>2023 st\u00fcrzten Milit\u00e4rs in einem Putsch den damaligen, gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Mohamed Bazoum. Unter der Milit\u00e4rregierung ist die politische Lage des Landes sehr unsicher, die Bedrohung durch Terrorismus und Bandenkriminalit\u00e4t enorm gro\u00df. Zugleich ist Niger vom Klimawandel besonders betroffen: D\u00fcrren und \u00dcberschwemmungen wechseln sich ab.\u00a0<br \/>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.bmz.de\/de\/laender\/niger\" title=\"bmz: Niger\" class=\"extlink-preface\" data-type=\"external\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">https:\/\/www.bmz.de\/de\/laender\/niger\u00a0\u00a0<\/a><\/p>\n<p>    Ein Nein h\u00e4tte die Familie in Niger nicht akzeptiert<\/p>\n<p class=\"\">Angela Djibey bleibt zun\u00e4chst hier. &#8222;Schon als wir erfuhren, dass der K\u00f6nig sehr krank ist, habe ich geahnt, was kommen wird. Dann war es soweit und mein Mann hat erstmal nachgedacht. Er h\u00e4tte ja auch ablehnen k\u00f6nnen. Dann h\u00e4tte sich ein anderer gefreut. Aber Issifi meint, er ist dran&#8220;, sagt die Ehefrau lachend und spielt damit auf die k\u00f6nigliche Abstammung an. Denn anders als sein Vorg\u00e4nger, der von der Regierung eingesetzt wurde und somit nur politisch legitimiert war, steht Issifi Djibey in direkter K\u00f6nigslinie.<\/p>\n<p class=\"\">Seine Legitimation f\u00fcr den Thron reicht bis ins 16. Jahrhundert zur\u00fcck, als Kaiser Mohammed Askia I. ein riesiges westafrikanisches Reich regierte. &#8222;Man nannte ihn auch Kalif von Songhai&#8220;, sagt Djibey stolz \u00fcber seinen royalen Ahnen. Als 1591 das Gro\u00dfreich zerfiel, floh die K\u00f6nigsfamilie nach Niger, behielt aber ihre Privilegien und die Prinzen teilten die Provinzen unter sich auf. So kam es, dass sp\u00e4ter auch Djibeys Urgro\u00dfvater 33 Jahre lang \u00fcber Kokorou herrschte.<\/p>\n<p class=\"\">Mit der Wahl des Mediziners soll nach einem halben Jahrhundert die Nachfolge-Ordnung wiederhergestellt werden. &#8222;Ein Nein zur Kandidatur h\u00e4tte meine Familie in Niger niemals akzeptiert&#8220;, sagt Djibey.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>    Islamisten terrorisieren das ganze Land<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenigniger126.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenigniger126.webp\" alt=\"Eine Aufnahme eines afrikanischen Wohnhauses\" title=\"Sein Wohnhaus in Niamey wird auch der Regierungssitz sein, sollte Djibey die Wahl gewinnen. | privat, privat\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Sein Wohnhaus in Niamey wird auch der Regierungssitz sein, sollte Djibey die Wahl gewinnen.<\/p>\n<p class=\"\">Die Provinz Kokorou im Westen des Niger ist etwa so gro\u00df wie das Saarland und hat gut 150.000 Einwohner. Der k\u00f6nigliche &#8222;Emir&#8220; fungiert als Mittelsmann zwischen dem Volk und der Landesregierung. Er darf zum Beispiel Steuern eintreiben und richterliche Entscheidungen treffen. Niger wird von einer Milit\u00e4rregierung verwaltet; islamistische Terrorgruppen w\u00fcten. In Kokorou ist die Lage besonders angespannt. Um nicht sein Leben zu riskieren, hat Djibey seinen Wohnsitz in der Landeshauptstadt Niamey und w\u00fcrde im Falle seines Wahlsieges auch aus dem Exil regieren.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>    Kein Kandidat war jemals so gebildet und weitgereist<\/p>\n<p class=\"\">F\u00fcr einen Wahlsieg reicht eine einfache Mehrheit der 80 Wahlm\u00e4nner, den Dorfoberh\u00e4upter von Kokorou. Sie gilt es von seiner Eignung f\u00fcr das hohe Amt zu \u00fcberzeugen. Jetzt, in der hei\u00dfesten Wahlkampfphase, sucht der Spitzenkandidat also das Gespr\u00e4ch mit den Entscheidern. Da spielen auch Geschenke eine Rolle, aber vor allem Argumente.<\/p>\n<p class=\"\">Warum also er &#8211; und nicht einer seiner zehn ebenfalls legitimierten Konkurrenten, darunter ein Neffe? Laut Issifi Djibey hat er etwas, das kein Kandidat jemals vorweisen konnte: h\u00f6here Bildung.<\/p>\n<p>        Mit meiner Karriere und meiner Lebenserfahrung bringe ich einen Schatz mit. Ich habe viele L\u00e4nder auf der ganzen Welt bereist. Die brauchen dort jemanden, der F\u00fchrung und Weitblick hat, der mit Entwicklungshilfe-Institutionen und der Regierung verhandeln kann.<\/p>\n<p>                Issifi Djibey<\/p>\n<p>    Sein Ziel: Wasser und Strom f\u00fcr die arme Bev\u00f6lkerung<\/p>\n<p class=\"\">Djibey will in der Region, in der es teilweise an Wasser und Strom fehlt, die Infrastruktur entwickeln, die Landwirtschaft modernisieren &#8211; und vor allem die gesundheitliche Versorgung verbessern. Gro\u00dfe Aufgaben, aber er ist optimistisch. Das Amt, das sein Gro\u00dfvater einst innehatte, ist ihm nicht fremd. Und er habe auch ohne Krone schon einiges bewegt. &#8222;Wenn ich in Niamey lande, kommen die Leute und wollen etwas von mir&#8220;, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p class=\"\">Tonnenweise Medikamente sowie Tausende Brillen bringen die Djibeys seit den 1990er-Jahren in Niger unter das bed\u00fcrftige Volk. &#8222;Alle vier Monate kommt ein Transporteur, der es verschifft&#8220;, erkl\u00e4rt das Ehepaar und zeigt seine Garage, in der sich Kartons mit medizinischem Material bis unter die Decke stapeln. &#8222;Die Medizin wird mich weiter begleiten, bis an mein Lebensende&#8220;, sagt Djibey.<\/p>\n<p>    Djibey: &#8222;Ich werde Rendsburg nicht f\u00fcr immer verlassen&#8220;<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenigniger116.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/koenigniger116.webp\" alt=\"Ein Mann sitzt auf einer Bank und gibt ein Interview\" title=\"Seine regelm\u00e4\u00dfigen Spazierg\u00e4nge an der Eider wird Issifi Djibey im hei\u00dfen Niger vermissen. | NDR, NDR Screenshot\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Seine regelm\u00e4\u00dfigen Spazierg\u00e4nge an der Eider wird Issifi Djibey im hei\u00dfen Niger vermissen.<\/p>\n<p class=\"\">Arzt zu werden, war sein Traum. Dass er wahr wurde, verdanke er Deutschland. &#8222;Die Arbeit war wunderbar, ich habe viele Freunde hier.&#8220; Doch Niger ist ebenfalls seine Heimat, und als K\u00f6nig w\u00fcrde er wohl zwei Drittel des Jahres dort verbringen. &#8222;Ich werde also Rendsburg nicht f\u00fcr immer verlassen&#8220;, erkl\u00e4rt er und klingt erleichtert.<\/p>\n<p class=\"\">Auch Angela wird zwischen den Welten pendeln, die unterschiedlicher kaum sein k\u00f6nnten. Sp\u00e4testens zur Wahl geht es los &#8211; im Koffer viele bunte Gew\u00e4nder aus ihrem Schrank. In Afrika kann sie sie tragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 07.05.2025 05:00 Uhr In diesem Fr\u00fchjahr reiste Dr. Issifi Djibey zur\u00fcck in seine Heimat Niger, um in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3177,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[243],"tags":[29,529,2210,2211,637,636,366,635,1759],"class_list":{"0":"post-3176","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-niger","8":"tag-afrika","9":"tag-armut","10":"tag-arzt","11":"tag-kandidatur","12":"tag-koenig","13":"tag-kreis-rendsburg-eckernfoerde","14":"tag-niger","15":"tag-rendsburg","16":"tag-ruhestand"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3176","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3176"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3176\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3177"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3176"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3176"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3176"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}