{"id":3233,"date":"2026-04-19T13:32:41","date_gmt":"2026-04-19T13:32:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3233\/"},"modified":"2026-04-19T13:32:41","modified_gmt":"2026-04-19T13:32:41","slug":"kongo-das-wahre-gesicht-westlicher-aussenpolitik-in-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3233\/","title":{"rendered":"Kongo: Das wahre Gesicht westlicher Au\u00dfenpolitik in Afrika"},"content":{"rendered":"<p>\n        10. Januar 2026<\/p>\n<p>              David Goe\u00dfmann<\/p>\n<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/kongo2-01-60d5bb702e0a2a9d.png\"  width=\"1280\" height=\"720\"  alt=\"Landkarte Kongo und Ruanda mit Coltan-Vorkommen \" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Trump schlie\u00dft einen Friedensdeal zwischen Ruanda und dem Kongo. Doch dahinter geht es um Coltan &amp; Co. Die Europ\u00e4er sind beim Rohstoffklau seit Langem dabei.<\/p>\n<p>Die Demokratische Republik Kongo in Zentralafrika erh\u00e4lt meist kaum internationale Aufmerksamkeit. Obwohl dort seit mehr als 30 Jahren ein blutiger Konflikt w\u00fctet, der Millionen Opfer gefordert hat, bleibt das Land medial gr\u00f6\u00dftenteils Randnotiz.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Trumps Friedensabkommen \u2013 ein br\u00fcchiger Deal<\/p>\n<p>Doch vor einem Monat, am 4. Dezember 2025, \u00e4ndert sich das, wenn auch nur kurzfristig. In der Schlagzeile bei BBC <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/live\/c93nlk2gky3t\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">hie\u00df es<\/a>:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Mediator Trump wird gelobt, w\u00e4hrend sich die Staatschefs von Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo zum Frieden verpflichten.&#8220;<\/p>\n<p>Das Friedensabkommen ziele darauf ab, den jahrzehntelangen Konflikt in der Region durch die <a href=\"https:\/\/www.bbc.co.uk\/news\/live\/c93nlk2gky3t?post=asset:cb8fdbb4-c885-435b-b42e-faeec17c560e#post\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Einf\u00fchrung eines dauerhaften Waffenstillstands<\/a>, die Entwaffnung der Rebellengruppen, Bestimmungen f\u00fcr die R\u00fcckkehr der Fl\u00fcchtlinge in ihre Heimat und einen neuen Rahmen f\u00fcr wirtschaftlichen Wohlstand zu beenden, sagte Trump w\u00e4hrend der Zeremonie. &#8222;Ich habe gro\u00dfes Vertrauen in beide Staatschefs&#8220;, erkl\u00e4rte der US-Pr\u00e4sident schlie\u00dflich. &#8222;Wir werden diese Verpflichtungen einhalten.&#8220;<\/p>\n<p>Doch wie die Konfliktbeispiele Gaza und Ukraine zeigen, sind Trumps Friedensversprechen meist mit der hei\u00dfen Nadel gestrickt. Nur einen Tag nach Unterzeichnung des Friedensabkommens flammten die K\u00e4mpfe im mineralreichen Osten der DR Kongo <a href=\"https:\/\/politicsuk.com\/democratic-republic-of-congo-and-rwanda-sign-peace-deal-at-washington-summit-as-fighting-continues\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">erneut auf<\/a>, wobei beide Seiten einander f\u00fcr die erneuten Feindseligkeiten verantwortlich machten.<\/p>\n<p>Kritik am Abkommen: Ruanda verweigert Truppenabzug<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Das Abkommen wird von Beobachtern und Kennern kritisiert. Sie erkl\u00e4ren, dass auf dem Gipfeltreffen eine Vereinbarung best\u00e4tigt wurde, die bereits im Juni getroffen worden war und seitdem nicht zur Beendigung des Konflikts gef\u00fchrt hat. Auch weigert sich Ruanda weiter, sich milit\u00e4risch aus dem Kongo zur\u00fcckzuziehen.<\/p>\n<p>Einen Tag nach dem Abkommen <a href=\"https:\/\/politicsuk.com\/democratic-republic-of-congo-and-rwanda-sign-peace-deal-at-washington-summit-as-fighting-continues\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">erkl\u00e4rte<\/a> der ruandische Au\u00dfenminister Olivier Nduhungirehe, er werde sich nicht zum Abzug der Truppen aus der DR Kongo verpflichten. Er bestritt auch, dass sich Truppen in der Region bef\u00e4nden:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;In keinem Abkommen ist festgelegt, dass Ruanda seine Truppen abziehen soll, da wir keine Truppen im Osten der DR Kongo haben.&#8220;<\/p>\n<p>Es gibt jedoch <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cgly1yrd9j3o\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">\u00fcberw\u00e4ltigende Beweise<\/a> daf\u00fcr, dass Ruanda die Rebellengruppe M23 im Kongo unterst\u00fctzt. Im vergangenen Jahr erkl\u00e4rte eine Gruppe von UN-Experten, dass bis zu 4.000 ruandische Soldaten an der Seite der Rebellen k\u00e4mpften.<\/p>\n<p>Sie stellten zudem fest, dass die ruandische Armee &#8222;de facto die Kontrolle \u00fcber die Operationen der M23&#8220; habe. Auch die DR Kongo, die USA, Gro\u00dfbritannien und Frankreich behaupten, dass Ruanda die M23 unterst\u00fctzt. Das Abkommen in Washington wurde nicht von Vertretern der M23 unterzeichnet.<\/p>\n<p>Mineralien als eigentliches Ziel<\/p>\n<p>Der von den USA ausgehandelte Deal zwischen Ruanda und Kongo hat auch eine wirtschaftliche Dimension \u2013 es verschafft den USA potenziell lukrativen Zugang zu den Bodensch\u00e4tzen der Region. Ruanda und die DR Kongo sollen <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/joint-declaration-by-the-democratic-republic-of-the-congo-and-the-republic-of-rwanda-on-the-occasion-of-establishing-the-washington-accords-for-peace-and-prosperity\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">laut Abkommen<\/a> daran arbeiten, &#8222;den Au\u00dfenhandel und die Investitionen&#8220; in &#8222;<a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Chip-Produktion-in-Gefahr-USA-ohne-Plan-B-fuer-seltene-Mineralien-10223316.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">kritischen Mineralienlieferketten<\/a>&#8220; auszuweiten.<\/p>\n<p>Die Regierung in Kinshasa soll Washington Anfang des letzten Jahres nach dem Verlust von Territorium an die M23 Zugang zu kritischen Mineralien im Austausch f\u00fcr Sicherheitsgarantien <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cew0vzl7rwjo\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">angeboten haben<\/a>.<\/p>\n<p>Die Sprecherin des kongolesischen Pr\u00e4sidenten, Tina Salama, bestritt jedoch, dass das Abkommen einen &#8222;Ausverkauf der Mineralien an die Amerikaner&#8220; beinhalte \u2013 &#8222;es ist kein Frieden f\u00fcr Mineralien&#8220;.<\/p>\n<p>Der Kongo ist \u00e4u\u00dferst reich an Mineralien und anderen <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Landgrabbing-Wenn-Konzerne-Laender-schlucken-10424005.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nat\u00fcrlichen Ressourcen<\/a>. Nehmen wir das Beispiel Coltan, das europ\u00e4ische multinationale Unternehmen f\u00fcr Batterien, Smartphones und erneuerbare Energien ben\u00f6tigen, das aber auch in der Luftfahrt- und Milit\u00e4rindustrie verwendet wird. Allein die Region Kivu im Osten des Kongo soll mehr als 60 Prozent der weltweiten Coltan-Reserven enthalten.<\/p>\n<p>Ruandas Rohstoff-Raub mit westlicher Unterst\u00fctzung<\/p>\n<p>Seit Jahren ist Ruanda im Kongo milit\u00e4risch aktiv, um sich diese Rohstoffe anzueignen. Das Resultat: Das Land <a href=\"https:\/\/news.sky.com\/story\/eu-facing-pressure-to-drop-rwanda-mineral-deal-over-drc-involvement-but-fears-china-could-step-in-13302586\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">exportiert weit mehr<\/a> von den <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Seltene-Erden-Bedeutung-Vorkommen-und-globale-Abhaengigkeiten-11069046.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">seltenen Erden<\/a>, als es &#8222;produziert&#8220;. Eine Expertengruppe der Vereinten Nationen <a href=\"https:\/\/digitallibrary.un.org\/record\/4053693?v=pdf\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">stellt fest<\/a>, dass Ruanda im Jahr 2023 einen beispiellosen Anstieg seiner Coltan-Exporte verzeichnete, der im Vergleich zu 2022 um 50 Prozent anwuchs.<\/p>\n<p>Jeden Monat schmuggelt die M23 rund 150 Tonnen Coltan aus der besetzten kongolesischen Stadt Rubaya nach Ruanda. Manche Menschen, die sich die Karte ansehen, fragen sich, wie ein kleines Land wie Ruanda das viel gr\u00f6\u00dfere Kongo destabilisieren kann.<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr ist, dass es sich hierbei nicht nur um einen Konflikt zwischen Kongo und Ruanda handelt. Ruanda erh\u00e4lt die volle Unterst\u00fctzung des Westens.<\/p>\n<p>Im Rahmen seiner &#8222;<a href=\"https:\/\/jacobin.com\/2025\/03\/europe-war-congo-rwanda-m-23\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Friedensfazilit\u00e4t<\/a>&#8220; stellt Europa der ruandischen Armee j\u00e4hrlich 20 Millionen Euro zur Verf\u00fcgung, um die regionale Stabilit\u00e4t zu f\u00f6rdern. Polen hat sogar versprochen, die ruandische Regierung mit modernster Milit\u00e4rtechnologie zu beliefern.<\/p>\n<p>Europas Doppelmoral: V\u00f6lkerrecht nur bei Bedarf<\/p>\n<p>Im Rahmen seines Global-Gateway-Programms hat Europa mehr als 900 Millionen Euro an Investitionen in Ruanda zugesagt, insbesondere in die Infrastruktur. Es \u00fcberrascht nicht, dass das Programm &#8222;kritische Rohstoffe&#8220; umfasst.<\/p>\n<p>Im Februar 2024 <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/de\/ip_24_822\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">schloss die Europ\u00e4ische Union<\/a> ein privilegiertes Memorandum of Understanding mit Ruanda \u00fcber Rohstoffe ab. Die Tatsache, dass die Uno seit Jahren die Rolle Ruandas bei der <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2025\/02\/12\/africa\/fighting-drc-congo-minerals-phone-intl\/index.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Pl\u00fcnderung<\/a> der kongolesischen Ressourcen anprangert, hat die Europ\u00e4ische Kommission kaum beunruhigt.<\/p>\n<p>Durch die Bef\u00f6rderung des Exports von Rohstoffen hat die Europ\u00e4ische Kommission Ruanda dazu ermutigt, die Pl\u00fcnderung der kongolesischen Reicht\u00fcmer zu intensivieren.<\/p>\n<p>Kaum zwei Monate nach dem Abkommen vom Februar 2024 eroberte die M23 die strategisch wichtige Bergbaustadt Rubaya, die 15 Prozent der weltweiten Coltan-Produktion ausmacht.<\/p>\n<p>Balkanisierung als langfristiges Ziel<\/p>\n<p>Einige in Ruanda tr\u00e4umen davon, den Osten des Kongo langfristig zu besetzen und diesen Teil des Landes von seiner Hauptstadt Kinshasa zu trennen oder die Nation in kleine Teile zu zerlegen.<\/p>\n<p>Dies wird gemeinhin als Balkanisierung bezeichnet, ein Risiko, das bereits vom ersten Premierminister des Kongo, Patrice Lumumba, vor seiner Ermordung im Jahr 1961 erkannt wurde. Das Ziel? Das Land zu teilen, um Ressourcen f\u00fcr westliche multinationale Unternehmen zu stehlen.<\/p>\n<p>Mehrere Waffenstillst\u00e4nde sind seit 2021 gescheitert. Weit entfernt von den gro\u00dfen Reden ist der Osten des Kongo heute ein gewaltsames Beispiel f\u00fcr das wahre Gesicht der europ\u00e4ischen Au\u00dfen- und Handelspolitik.<\/p>\n<p>Im Fall der russischen Invasion in die Ukraine spricht man in Europas Hauptst\u00e4dten leidenschaftlich vom V\u00f6lkerrecht. Aber wenn ihr ruandischer Verb\u00fcndeter die kongolesische Souver\u00e4nit\u00e4t verletzt, unterst\u00fctzte man ihn.<\/p>\n<p>Der Trumpsche Ruanda-Kongo-Deal ist letztlich <a href=\"https:\/\/globalwitness.org\/en\/campaigns\/transition-minerals\/revealed-trump-linked-firms-cash-in-on-mineral-lobbying-deals-as-us-cuts-aid\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ein Versuch<\/a>, Zugang zu den enormen Rohstoffen des Kongo zu erhalten. Die Europ\u00e4er werden dabei nicht an der Seitenlinie verharren wollen. Prim\u00e4r sind beide Seiten an den Mineralienvorr\u00e4ten des zentralafrikanischen Landes interessiert, nicht an Frieden und Souver\u00e4nit\u00e4tsrechten. F\u00fcr die Menschen im Kongo keine gute Nachricht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"10. Januar 2026 David Goe\u00dfmann Trump schlie\u00dft einen Friedensdeal zwischen Ruanda und dem Kongo. 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