{"id":3327,"date":"2026-04-19T14:46:10","date_gmt":"2026-04-19T14:46:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3327\/"},"modified":"2026-04-19T14:46:10","modified_gmt":"2026-04-19T14:46:10","slug":"petit-goro-ein-popstar-aus-mali-kommt-nach-muenchen-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3327\/","title":{"rendered":"Petit Goro: Ein Popstar aus Mali kommt nach M\u00fcnchen &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Stetig, in kaleidoskopischen Variationen formt sich das Melodiemuster einer akustischen Gitarre mit Nylonsaiten neu. Der E-Bass steigt ein, knurrend in den Tiefen nimmt er das Pattern auf. Drums, Perkussion \u2013 ein Sechs-Achtel-Takt immer wieder von Synkopen herausgefordert. Auch von der Stimme des S\u00e4ngers: \u201eHaiii, haiii\u201c feuert er seine Band an. Hat man sich eingeschwungen in die vordergr\u00fcndig nerv\u00f6se Kraft dieses Songs, \u201eYadji\u201c, zieht einen der Rhythmus in ruhiger Best\u00e4ndigkeit durch die Studioaufnahme der wuchtigen Nummer, die die akustischen Instrumente amalgamiert mit der Elektrizit\u00e4t des Rock.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">S\u00e4nger und Gitarrist Petit Goro ist eine Ber\u00fchmtheit \u2013 in der malischen Hauptstadt Bamako. Poph\u00f6rer mit erweitertem Blickfeld wissen schon lange, welchen musikalischen Reichtum <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Mali\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mali<\/a> zu bieten hat. Die Spitzen der Szene waren auch bei uns zu sehen und zu h\u00f6ren. Rock, wie ihn Bands der Tuareg spielten, formten das Bild des Desert Blues, Ali Farka Tour\u00e9 war ein viele \u00fcberstrahlender Star aus Bamako, selbst die Musiktradition der Griot-S\u00e4nger hat man bei uns schon wahrgenommen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Petit Goro ist anders. \u201eDogon-Blues from Mali\u201c hei\u00dft sein beim M\u00fcnchner Label Trikont erschienenes Album. Die Dogon sind eine ethnische Gruppe, die in Malis Osten siedeln, am Felsmassiv von Bandiagara, heute ein Unesco-Weltnaturerbe. Eine Gesellschaft, gepr\u00e4gt von \u00fcberlieferter Tradition, animistischem Religionsverst\u00e4ndnis, Riten und mittlerweile auch in Teilen vom Islam. Nach seinem ersten Konzert in seinem Dorf Koro warf Petit Goros Vater ihn aus dem Haus. Singen sollten nur die Griots, und f\u00fcr die muslimische Verwandtschaft war so ein Beruf von vornherein inakzeptabel.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Petit Goro lie\u00df sich nicht klein halten. Er studierte in Bamako Medizin und Wirtschaft und machte nebenbei Musik, gr\u00fcndete sp\u00e4ter am Konservatorium eine Band und begann, das melodi\u00f6se Erbe der Dogon in sein Gitarrenspiel zu \u00fcbersetzen: repetitiv hypnotische Pentatonik ohne Blue Notes, aber, f\u00fcr westliche Ohren mit viel Soul und Wehmut.<\/p>\n<p>Die Band setzt in Mali Publikumsmassen in Bewegung<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Gleich im ersten Song der Platte entdeckt man den Sound der Soku, eines Geigeninstruments mit nur einer Saite. Ein mittenreicher, durchsetzungsf\u00e4higer Ton mit warm-heiserem Timbre. Zentral f\u00fcr die Musiktradition der Dogon und ideal f\u00fcr die \u00dcbersetzung in den <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Pop\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pop<\/a>: die Rhythmen, gegen die der Off-Beat des Rock\u2019n\u2019Roll nur ein laues L\u00fcftchen ist. Goros Band arbeitet sich synkopisch swingend in eine Ekstase, die in Mali Publikumsmassen in Bewegung setzt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Einen traditionellen Rhythmus h\u00f6rt man in \u201eGnonwon\u201c, einem Song, der das Leben feiert, indem er vom Schrecken berichtet. Seit 2012 terrorisieren die Dschihadisten das Land der Dogon, ermorden Menschen f\u00fcr ihren religi\u00f6sen Wahn, hinter dem auch ganz greifbare wirtschaftliche Interessen stehen: \u201eAuf der Stra\u00dfe, die zu meinem Haus f\u00fchrte, fielen Frauen \/ Auf der Stra\u00dfe, die zu meinem Haus f\u00fchrt, sind M\u00e4nner gefallen\u201c, singt Petit Goro, der mit dieser Platte Botschafter eines Volkes ist, dessen Kultur droht, vernichtet zu werden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Jonathan Fischer, der auch f\u00fcr die SZ schreibt und selber in Bamako lebt, hat das Album produziert und herausgegeben. Beim Konzert im M\u00fcnchner Import Export wird er erz\u00e4hlen vom Volk der Dogon, sprechen \u00fcber deren Tradition und die Bedrohung durch Krieg und Dschihadismus.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Petit Goro, Mittwoch, 2. Juli, 19.30 Uhr, Import Export<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stetig, in kaleidoskopischen Variationen formt sich das Melodiemuster einer akustischen Gitarre mit Nylonsaiten neu. Der E-Bass steigt ein,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3328,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[237],"tags":[29,2288,2287,309,564,1279,284],"class_list":{"0":"post-3327","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-mali","8":"tag-afrika","9":"tag-konzerte-muenchen","10":"tag-kultur-in-muenchen","11":"tag-mali","12":"tag-muenchen","13":"tag-pop","14":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3327","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3327"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3327\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3328"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}