{"id":3468,"date":"2026-04-19T16:40:55","date_gmt":"2026-04-19T16:40:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3468\/"},"modified":"2026-04-19T16:40:55","modified_gmt":"2026-04-19T16:40:55","slug":"chigubhu-laterne-licht-aus-der-flasche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3468\/","title":{"rendered":"Chigubhu-Laterne: Licht aus der Flasche"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Farai Shawn Matiashe | 15. Dezember 2025<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seke District, Simbabwe (IPS\/afr). Wenn Monica Ben von der Schule nach Hause geht, nimmt sie nicht nur einen Stift und ihre Hefte mit, sondern auch ihre Chigubhu-Laterne. Mit ihr bringt sie Licht in den dunklen Raum, in dem sie ihre Hausaufgaben erledigt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Monica Ben ist zw\u00f6lf Jahre alt und Sch\u00fclerin an der Manyoshwa Primary School im Seke District, der s\u00fcdlich an die Hauptstadt Harare angrenzt. Ihre tragbare Lampe ist als Chigubhu-Laterne bekannt und wird aus Recyclingmaterialien hergestellt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eKerzen sind teuer\u201c, sagt Monica Ben. \u201cBevor ich eine Chigubhu-Laterne hatte, musste ich entweder fr\u00fcher in die Schule kommen, um meine Hausaufgaben zu machen, oder ich gab dem Lehrer gar nichts ab.\u201d<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die kleine Farm ihrer Eltern ist schwer zug\u00e4nglich und nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen. Monica Ben l\u00e4dt die Lampe tags\u00fcber in der Schule auf, die \u00fcber eine Solaranlage verf\u00fcgt. So ist gew\u00e4hrleistet, dass sie zuhause bis zu vier Stunden Licht hat.<\/p>\n<p>19 Stunden pro Tag ohne Strom<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Chigubhu ist das Shona-Wort f\u00fcr Flasche. Der Name verr\u00e4t bereits viel \u00fcber das Produkt: Die Leuchtdioden werden in gebrauchten Plastikflaschen installiert. Erfunden wurde das einfache System von dem jungen Elektroingenieur Aluwaine Tanaka Manyonga. Seine Vision lautet: Licht f\u00fcr jede*n Sch\u00fcler*in.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manyongas Ambitionen sind eng mit seiner eigenen Biografie verkn\u00fcpft. Er studierte Elektrotechnik an der University of Zimbabwe in Harare \u2013 doch w\u00e4hrend seiner gesamten Studienzeit war er mit Stromausf\u00e4llen konfrontiert, die bis zu 19 Stunden pro Tag andauern konnten. Lernen in den Abend- und Nachtstunden wurde dadurch nahezu unm\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da sich handels\u00fcbliche Solarlampen f\u00fcr viele Familien als unerschwinglich erwiesen, entwickelte Manyonga im Jahr 2018 die Chigubhu-Laterne. In Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), der australischen Botschaft in Harare und lokalen Unternehmen wurden bislang mehr als 1.500 Chigubhu-Laternen im ganzen Land verteilt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Godwin Kadiramwando ist seit 2021 Schulleiter der Manyoshwa Primary School. \u201cDie Erfindung hilft ihnen, ihre schulischen Leistungen zu verbessern\u201d, best\u00e4tigt er.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kadiramwando berichtet, dass Manyonga bereits vor vier Jahren kostenlos eine Solaranlage an der Schule installiert habe. Wenig sp\u00e4ter erhielten die ersten Sch\u00fcler*innen ihre eigenen Chigubhu-Laternen.<\/p>\n<p>Kompetenztransfer als eigentliche Innovation<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor zwei Jahren entschloss sich Manyonga, den Kindern beizubringen, wie sie die Laternen selbst herstellen k\u00f6nnen. Diesen Kompetenztransfer bezeichnet er als die eigentliche Innovation des Projekts. \u201cIn den Schulungen behandeln wir die Herstellung und die Reparatur der Laternen, aber auch Themen wie Abfallmanagement, Kreislaufwirtschaft und erneuerbare Energien\u201c, erkl\u00e4rt der Erfinder.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Monica Ben ist eine von \u00fcber 100 Sch\u00fcler*innen der Manyoshwa Primary School, die gelernt haben, wie man die Laternen produziert. L\u00e4chelnd beschreibt sie den Herstellungsprozess: \u201eIch halbiere zun\u00e4chst eine alte Plastikflasche. Dann nehme ich ein St\u00fcck Pappe, markiere es mit einem Bleistift und schneide es zurecht. Schlie\u00dflich installiere die Kabel f\u00fcr den Schalter und verschlie\u00dfe die Flasche.\u201c<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittlerweile arbeitet Manyonga mit Schulen in ganz Simbabwe zusammen. Landesweit hat er bislang rund 5.000 Sch\u00fcler*innen unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Extreme Stromknappheit<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einfache L\u00f6sungen wie die Chigubhu-Laternen sind in Simbabwe stark gefragt. Nur 44 Prozent der rund 17 Millionen Einwohner*innen des Landes haben Zugang zu Elektrizit\u00e4t. In l\u00e4ndlichen Regionen, in denen mehr als 60 Prozent der Bev\u00f6lkerung leben, liegt der Stromzugang sogar bei lediglich 20 Prozent.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch selbst Gemeinden, die an das nationale Stromnetz angeschlossen sind, m\u00fcssen t\u00e4glich mehr als zw\u00f6lf Stunden Stromausf\u00e4lle hinnehmen. Ursache daf\u00fcr sind unter anderem die schwankenden Wasserst\u00e4nde der Kariba-Talsperre sowie veraltete Anlagen wie das W\u00e4rmekraftwerk Hwange.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schulleiter Godwin Kadiramwando ist daher \u00fcberzeugt, dass Initiativen wie die Chigubhu-Laternen ein gro\u00dfes Potenzial zur Linderung der Stromknappheit haben. \u201cUnsere Sch\u00fcler*innen haben bereits begonnen, ihr Know-how an andere Schulen zu vermitteln\u201d, sagt er und erg\u00e4nzt: \u201cManche wollen sp\u00e4ter sogar ein Ingenieurstudium absolvieren.\u201d (Ende)<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Titelbild: Die zw\u00f6lfj\u00e4hrige Sch\u00fclerin Monica Ben mit Chigubhu-Laternen in der Manyoshwa Primary School. (Foto: Farai Shawn Matiashe\/IPS)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Farai Shawn Matiashe | 15. Dezember 2025 Seke District, Simbabwe (IPS\/afr). Wenn Monica Ben von der Schule&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3469,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[236],"tags":[2386,2387,387,2388,2389,817,290,291],"class_list":{"0":"post-3468","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-simbabwe","8":"tag-elektrizitaet","9":"tag-farai-shawn-matiashe","10":"tag-gesellschaft","11":"tag-infrastruktur","12":"tag-innovation","13":"tag-schule","14":"tag-simbabwe","15":"tag-zimbabwe"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3468","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3468"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3468\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3469"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3468"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3468"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3468"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}