{"id":34708,"date":"2026-06-25T09:49:26","date_gmt":"2026-06-25T09:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/34708\/"},"modified":"2026-06-25T09:49:26","modified_gmt":"2026-06-25T09:49:26","slug":"spaltung-afrikas-entsteht-im-kafue-graben-gerade-eine-neue-plattengrenze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/34708\/","title":{"rendered":"Spaltung Afrikas? Entsteht im Kafue-Graben gerade eine neue Plattengrenze?"},"content":{"rendered":"<p>\n        25. Juni 2026<\/p>\n<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/spaltung-afrika-grosser-grabenbruch-kenia-mount-suswa-0f436a94b4e37375.jpeg\"  width=\"3489\" height=\"1960\"  alt=\"Blick \u00fcber den Gro\u00dfen Afrikanischen Grabenbruch in Kenia mit dem Vulkan Mount Suswa im Hintergrund unter Regenwolken \u2013 Symbolbild zur Plattentektonik in Afrika.\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Wo sich Afrika bereits sichtbar spaltet: Blick auf den Gro\u00dfen Afrikanischen Grabenbruch mit dem Vulkan Mount Suswa in Kenia. Forscher haben nun im sambischen Kafue-Graben Hinweise auf eine ganz neue, aktive Plattengrenze entdeckt.<\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0CK-TravelPhotos \/ <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/magnificent-panorama-view-great-african-rift-2449442319\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Gase aus hei\u00dfen Quellen in Sambia beweisen: Die Erdkruste ist durchbrochen. Steht der S\u00fcden des Kontinents vor einer historischen Spaltung?<\/p>\n<p>Unter Sambia brodelt es, und das k\u00f6nnte ein Zeichen f\u00fcr gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen in Afrika sein \u2013 in geologischen Zeitr\u00e4umen gemessen, versteht sich.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr diese Annahme ist ein Fund von Geowissenschaftlern der Universit\u00e4t Oxford. In den hei\u00dfen Quellen entlang des Kafue-Grabens sp\u00fcrten sie Gase auf, die unmittelbar aus dem Erdmantel stammen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die  <a href=\"https:\/\/www.frontiersin.org\/journals\/earth-science\/articles\/10.3389\/feart.2026.1799564\/full\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Ergebnisse der Untersuchung<\/a> wurden vor Kurzem im Fachjournal Frontiers in Earth Science ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Es sind demnach Helium- und Kohlenstoffisotope, die darauf hindeuten, dass am Kafue-Graben die Erdkruste komplett durchbrochen wurde. In der Folge gelangen Mantelfluide \u00fcber Risse bis an die Oberfl\u00e4che \u2013 ein Prozess, der auch in der fr\u00fchesten Phase der kontinentalen Aufspaltung stattgefunden hat.<\/p>\n<p>Der Kafue-Graben ist Teil einer Dehnungszone, die sich mitten durch Afrika \u00fcber eine L\u00e4nge von rund 2.500 Kilometer erstreckt. Er reicht von Tansania \u00fcber Sambia bis nach Namibia und reicht vermutlich bis zum Mittelatlantischen R\u00fccken.<\/p>\n<p>Dieses Gebiet hat die Aufmerksamkeit von Geologen schon seit L\u00e4ngerem geweckt. Das liegt an mehreren Faktoren, etwa an seiner auff\u00e4lligen Topografie, seinen geringen Schwerkraftanomalien, den hohen W\u00e4rmefl\u00fcssen und seiner niedrigen Seismizit\u00e4t. Ein geochemischer Beweis fehlte allerdings bislang noch, doch die Studie hat ihn jetzt geliefert.<\/p>\n<p>Helium-3 aus 160 Kilometern Tiefe<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die Forscher entnahmen Gasproben aus acht geothermischen Quellen und Bohrl\u00f6chern in Sambia: sechs innerhalb der vermuteten Riftzone, zwei au\u00dferhalb als Kontrollpunkte. Dabei zapften sie frei sprudelndes Wasser direkt an der Oberfl\u00e4che an, um die Vermischung mit Atmosph\u00e4renluft zu minimieren.<\/p>\n<p>Die anschlie\u00dfende Isotopenanalyse in Oxford und an der Universit\u00e4t Alberta f\u00f6rderte markante Werte zutage: Die Heliumverh\u00e4ltnisse (\u00b3He\/\u2074He) lagen bei 0,14 bis 0,17 R\/Ra \u2013 weit \u00fcber dem krustalen Hintergrundwert von 0,02 R\/Ra und klar in Richtung Mantel-Signatur.<\/p>\n<p>Das Kohlenstoff-Isotopenverh\u00e4ltnis des CO\u2082 erreichte \u22123,9 Promille, nahe am typischen Mantelbereich von \u22127 bis \u22124 Promille.<\/p>\n<p>Was den Verdacht best\u00e4rkte: Die beiden Proben, die au\u00dferhalb des Grabens genommen wurden, zeigten keinerlei Mantel-Signatur. Diese r\u00e4umliche Trennsch\u00e4rfe st\u00fctzt die Interpretation, dass die Anomalie tats\u00e4chlich an die Riftstruktur gekoppelt ist.<\/p>\n<p>Die Heliumkonzentration in den Rift-Proben betrug bis zu 2,3 Prozent \u2013 ein Wert, der durchaus industrielles Interesse wecken kann. Gerade in der Herstellung von Computerchips ist das Edelgas eine wichtige Ressource.<\/p>\n<p>Analogie zum Ostafrikanischen Grabenbruch<\/p>\n<p>Die Forscher ziehen als Referenz den Ostafrikanischen Grabenbruch heran, ein seit Millionen Jahren aktives Riftsystem vom Roten Meer bis Mosambik.<\/p>\n<p>Die Kafue-Werte passen in das bekannte Muster fr\u00fcher Riftphasen dieses Systems: Mantel-Helium tritt auf, bevor sich vulkanische Zentren bilden und CO\u2082-Emissionen dominieren.<\/p>\n<p>Allerdings handelt es sich um einen Analogieschluss, nicht um einen direkten Nachweis gleicher tektonischer Dynamik. Die Studie selbst nutzt den Ostafrika-Vergleich als Entwicklungsmodell, nicht als Gleichsetzung.<\/p>\n<p>Mike Daly, Co-Autor der Studie,  <a href=\"https:\/\/www.frontiersin.org\/news\/2026\/05\/12\/new-tectonic-plate-boundary-could-be-forming-in-zambia-frontiers-earth-sciences\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ordnete die Befunde in einer Stellungnahme<\/a> der Fachzeitschrift ein: Ein Graben k\u00f6nne zwar zu einer Plattengrenze heranwachsen, doch die Aktivit\u00e4t komme typischerweise zum Erliegen, &#8222;bevor es zum Aufbrechen der Lithosph\u00e4re und zur Bildung einer Plattengrenze kommt&#8220;.<\/p>\n<p>R\u016bta Karolyt\u0117, Erstautorin,  <a href=\"https:\/\/www.newscientist.com\/article\/2526136-a-new-tectonic-plate-boundary-could-be-forming-in-southern-africa\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">sagte gegen\u00fcber<\/a> New Scientist:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Unsere Daten best\u00e4tigen, dass dieses System derzeit \u201awach\u2018 und geologisch aktiv ist. Die Entstehung eines aktiven Grabenbruchs bedeutet nicht zwangsl\u00e4ufig, dass dort in 100 Millionen Jahren ein Ozean entstehen wird. Aber es ist eine M\u00f6glichkeit.&#8220;<\/p>\n<p>Helium und Geothermie als wirtschaftlicher Faktor<\/p>\n<p>Neben den tektonischen Implikationen r\u00fcckt die Studie auch den wirtschaftlichen Nutzen in den Blick. Riftzonen im Fr\u00fchstadium k\u00f6nnen geothermische Energie liefern und Zugang zu Helium und Wasserstoff bieten \u2013 Ressourcen, die in sp\u00e4teren vulkanischen Phasen durch andere Gase verd\u00fcnnt werden.<\/p>\n<p>Patrice Rey von der Universit\u00e4t Sydney best\u00e4tigte gegen\u00fcber New Scientist, dass die geochemischen Befunde den Kafue-Graben als aktives Fr\u00fchstadium eines kontinentalen Grabens auswiesen, in dem Fluide, die aus dem Erdmantel stammen, reich an urzeitlichem Helium-3 durch Verwerfungen aufstiegen.<\/p>\n<p>Die Autoren betonen allerdings den vorl\u00e4ufigen Charakter ihrer Ergebnisse. Der Kafue-Graben ist nur ein Abschnitt des tausende Kilometer langen s\u00fcdwestafrikanischen Riftsystems. Folgestudien sollen die Analyse noch in diesem Jahr auf die gesamte Region ausweiten.<\/p>\n<p>Finden sich dort \u00e4hnliche Mantel-Anomalien, w\u00e4re das laut Daly ein &#8222;weiterer \u00fcberzeugender Beleg&#8220; f\u00fcr eine Plattengrenze, die einen Kontinent spalten kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"25. 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